Custom-Bike: Welches Rahmenmaterial ist das richtige? Custom-Bike: Welches Rahmenmaterial ist das richtige? Custom-Bike: Welches Rahmenmaterial ist das richtige?

Custom-Räder: Rahmenmaterial im Vergleich

Custom-Bike: Welches Rahmenmaterial ist das richtige?

  • Henri Lesewitz
 • Publiziert vor 5 Monaten

Custom-Bikes werden Kunden auf den Leib geschneidert. Doch nicht für jeden macht das Sinn. Wir erklären hier die Vor- und Nachteile der Rahmenmaterialien.

STAHL

Das klassischste aller Rahmenmaterialien bei Fahrrädern gehört noch lange nicht zum alten Eisen. Im Gegenteil.

Bis in die Neunziger war Stahl das Nonplusultra bei Mountainbike-Rahmen. Dann begann der Siegeszug von Alu, kurz darauf der von Carbon. Kein Wunder. Stahl ist verhältnismäßig schwer und anfällig für Korrosion. Doch er hat auch einige exzellente Eigenschaften: Stahl ist leicht zu verarbeiten und äußerst langlebig. Er besitzt eine hohe Festigkeit und kann gut repariert werden. Moderne Rohrsätze mit geringen Wandstärken und aufwändigen Konifizierungen machen steife Rahmen mit Gewichten um die 2000 Gramm möglich. Die meisten Custom-Schmieden setzen ihn deshalb auch heute noch ein.

Firmen : Patria , Tannenwald , Rennstahl , Unique, Big Forest, SingleBe, Einhorn, BTR, Agresti

ALUMINIUM

Fahrradrahmen aus Aluminium haben ein Billig-Image. Dennoch ist das Material für einige Edelschmieden allererste Wahl.

Alu läutete Anfang der Neunziger ein neues Zeitalter bei MTBs ein. Die Rahmen waren deutlich leichter, steifer und korrosionsbeständiger als klassische Modelle aus Stahl. Die Massenproduktion in Fernost ließ schnell die Preise des einstigen Wundermaterials schmelzen. Heute ist Alu ein Synonym für „billig und gut“. Aber auch Custom-Schmieden, die sich auf Fullys spezialisiert haben, schwören auf Alu. Denn das Material lässt sich perfekt mit der CNC-Fräse bearbeiten, was bei Kleinteilen wie Umlenkhebeln von Vorteil ist. Wie Stahl- gelten auch Alu-Rahmen als unzerstörbar.

Firmen : Nicolai , Kavenz , MiTech , Crossworx , Actofive (mit Geo-Kits), Fracebike

CARBON

Kein anderes Material bietet so viele Möglichkeiten beim Rahmenbau wie Carbon. Doch es gibt einen kleinen Haken.

Carbon-Rahmen sind Hightech-Puzzle. Sie bestehen aus etwa 90 bis 200 kleinen, harzgetränkten Matten, die in Formen gelegt und dann unter Druck im Autoklaven „gebacken“ werden. Der Clou: Die Eigenschaften des Rahmens können durch die Auswahl der Fasern sowie die Faserrichtung auf den Punkt genau bestimmt werden. Ein seitensteifer und trotzdem komfortabler Rahmen unter 900 Gramm? Kein Problem! Wegen der teuren Formen ist Carbon leider nicht für Custom-Rahmen geeignet. Die Firma Stoll, die bei Bike Ahead in Würzburg fertigen lässt , bietet zumindest verschiedene Layups an.

Firmen : Stoll Bikes (nur Faservarianten, keine Maßgeometrie), Cybro (auf Maß)

Henri Lesewitz Das Arbeiten mit Metall bietet nahezu grenzenlose kreative Möglichkeiten. Carbon eignet sich wegen der teuren Formen nicht für die Custom-Fertigung von MTB-Rahmen.

TITAN

Das matt schimmernde Titan gilt als edelstes unter den Rahmenmaterialien für Fahrräder. Dass man es selten sieht, hat einen Grund.

Carbon-Rahmen sind inzwischen so alltäglich, dass sie scherzhaft als „Joghurt-Becher“ bezeichnet werden. Titan ist der maximale Kontrast. Das Material verströmt auch heute noch, Jahrzehnte nach seiner Hochphase Anfang der Neunziger, feinste Noblesse. Die puristische Optik ist der eine Grund. Titan ist kratzfest und rostet nicht, weshalb auf eine Lackierung verzichtet werden kann. Geringeres Gewicht als Stahl und höhere Zugfestigkeit sind weitere Pro-Argumente. Ein Titan-Rahmen ist eine Anschaffung für die Ewigkeit, was den hohen Preis ein Stück weit relativiert. Erst ab zirka 2500 Euro geht es los.

Firmen : Firefly, Wiesmann , Mawis, Kocmo, Falkenjagd , Rabbit , Pilot , Moots , Rewel

Themen: AluminiumBIKE 12/2021CarbonCustommaßgeschneidertRahmenRahmenmaterialienStahlStahlbikeTitanTuning


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