Bike-Tuning für die Alpenüberquerung

Mit Transalp-Tuning geht's leichter

  • Matthias Dreuw
 • Publiziert vor 11 Jahren

Alpencross, Transalp, Alpenüberquerung? Für den Traum eines Bikers gibt es viele Begriffe. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit wenigen Handgriffen Ihr altes Bike flott kriegen.


Alle Tuning-Tipps aus dem Artikel (BIKE 8/2009) finden sie unten als PDF-Download.


Noch ein Neuheiten-Tipp, bevor es mit den Interviews los geht:

Einfach wie eine Sporttasche schultern: der Bikebelt in Aktion.

Bei einer Alpenüberquerung kommt man je nach Streckenwahl um Tragepassagen nicht herum. Selbst wenn bei einem frühen Start im Jahr Schnee-Reste den Weg versperren, hilft oft nur das Bike zu schultern um über das Hinderniss zu kommen. Angenehm ist das nicht immer, denn spezielle Rahmenformen (gerade bei Fullys) oder montierte Flaschenhalter machen das Tragen beschwerlich. Ein clevere Erfindung ist der BikeBelt von Bastian Rad. Mit dem kleinen und leichten Gurt lässt sich jedes Bike einfach Schultern und über Hindernisse tragen. Wie das geht, seht ihr im unten stehenden Bild. Kostenpunkt: 12,95 Euro. Mehr Infos zum Bikebelt unter:
www.bikebelt.de

Peter Brodschelm Fahrtwind


Interview Peter Brodschelm, Alpenguide von Fahrtwind


Eine Transalp ist eine spannende und vor allem lange Tour durch die Alpen. Wie lange muss ich mich auf so etwas vorbereiten?
Es kommt ganz auf den eigenen sportlichen Hintergrund an und welche Strecke man sich als Ziel gesetzt hat. Durchschnittlich trainierte Feierabend-Biker, die auch mal am Wochenende eine längere Tour regelmäßig fahren, sollten sich schon mal 8 Wochen vorher intensiver aufs Bike setzen. Dabei sollen am besten auch verschiedene Mehrtagestouren übers Wochenende unternommen werden. Erfolg ist meist garantiert durch die richtige Intensität und vor allem durch Regelmäßigkeit.


Muss ein Guide immer dabei sein?
Für einen ausgebildeten Guide sprechen sehr viele Argumente, es ist aber nicht zwingend jedermanns Sache. Durch einen Guide, der die Strecke gut kennt, kann man sich z. B. die Kräfte besser einteilen, kann die Verpflegung unterwegs optimal wahrnehmen, man wird nicht gleich verdursten, da man zu versteckten Quellen geführt wird und man kann sicher sein, dass man das Tagesziel erreichen wird. Man kann die herrliche Landschaft mit allen seinen Reizen genießen und sich bei schweren Trails konzentrieren, ohne ständig auf das GPS zu starren oder immer wieder Landkarten zu studieren.

Gute Guides kennen nicht nur die Strecke, sondern wissen auch viel zu geschichtlichen oder kulturellen Begebenheiten zu erzählen, was man aus Karten oder GPS-Geräten nicht erfahren wird. Gut recherchierte Routen kennt nur der Guide. So wird man nicht zusammen mit Karawanen von Bikern auf gekauften GPS Touren auf den selben Almwiesen unterwegs sein…

Der wichtigste Aspekt der für einen Guide spricht ist jedoch der der Sicherheit: die Alpen bleiben trotz erheblicher touristischer Erschließung und moderner Kommunikationsmittel und Rettungsketten immer ein Wagnis! Bei machen Strecken weiß man nur auf Grund von guter Ortskenntnis, z. B. in einer dichten Nebelwand weit über der Baumgrenze, ob man noch auf dem Weg oder schon in einem Bachbett unterwegs ist. Wenn man sich mit dem Guide gut versteht, ist es auf jeden Fall eine echte Bereicherung!

Worauf sollte ich bei Material und Ausrüstung besonders achten?
Nicht jeder kann mit dem neuesten Fully an den Start gehen. Ein gutes Touren- oder Allmountainbike ist die solide Basis. Besonders soll man auf große Bremsscheiben achten, da die Abfahrten oft länger und steiler als so manche Teststrecke sein können. Gute Reifen in ausreichender Breite z. B. min. 2.2´´ und der passende Sattel sind am Bike besonders zu erwähnen.
Die Ausrüstung im Rucksack sollte von Markenherstellern sein, da diese nicht nur in Funktion, sondern meist auch im Gewicht Vorteile haben. Neben einer guten Regenbekleidung sind gute Unterhemden aus meiner Erfahrung unabdingbar. Niemals ohne gute Funktionsunterwäsche , für kühle und auch für heiße Tage starten!
Generell braucht man Wechselbekleidung.
 
Ist es sinnvoll möglichst viel Gewicht am Bike zu sparen?
Leichtbau ist natürlich sinnvoll, es kommt darauf an wer auf dem Rad die Alpen bezwingen will: eine Frau mit 50 Kilo gewicht kann leichte Laufräder und viele andere leichte Parts am Bike haben, ein 90 Kilo Mann sollte gerade bei Laufrädern, Vorbau und Lenker auf mehr Stabilität setzen, was meist auch mit mehr Materialgewicht verbunden ist. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass bei einer solchen Tour auch alles kaputt gehen kann. Je robuster das Bike war desto geringer waren kapitale Ausfälle durch z. B. Felgen- oder Rahmenbruch, Speichenrisse oder auch abgebrochene Sattestützen .

Wo kann man am besten übernachten?
Je nach Geschmack: Ich persönlich ziehe schön gelegene Berghütten beinahe jedem Hotel vor. Das Essen ist meistens über der 1000 m-Marke besser, die Leute sind oft geselliger und freundlicher, Ruhe und Naturerlebnis stehen ganz vorne. Solche Erlebnisse hat man zwar auch im Zelt, allerdings dürften sie bei einem nächtlichen Gewitter oder schlechtem Wetter schnell getrübt sein…

Wie viel Gepäck darf ich maximal mitnehmen?
Ab 6 Kilo wird’s am Rücken schwer…Bei guter Ausrüstung kann man bei Kleidergröße M unter 4 Kilo Rucksackgewicht kommen. Das Problem bei schweren Lasten ist meist das Sitzen über mehrere Tage…

Was darf ich auf keinen Fall vergessen?
Regenbekleidung, Erste Hilfe Ausrüstung, Handy

Welches sind die häufigsten Fehler die man machen kann?
In der Gruppe ist man am ersten Tag häufig zu schnell unterwegs, da man der Gruppe „nicht zur Last fallen“ will, oder auch ein schnelleres Tempo aus eigenen Trainingsfahrten nach Feierabend gewohnt ist. Eher seltener wird die eigene Fitness überschätzt. Bei Transalplern, die selbst geplant mit Karten und GPS gestartet sind, haben  sich schon oft Biker in der Tagesleitung verschätzt und mussten spät im Dunklen oft Abfahrten meistern um eine Unterkunft zu finden. Das nagt auch sehr an der Kameradschaft…Ohne Erfahrung im Gebirge und ohne Streckenkenntnis sind aber auch schon harmlose Nebelbänke so machem Biker zum Verhängnis geworden.

Philipp Foltz, Atlantic-Cycling


Interview Phillip Foltz, Alpenguide und Tourenanbieter von Atlantic-Cycling 


Eine Transalp ist eine spannende und vor allem lange Tour durch die Alpen. Wie lange muss ich mich auf so etwas vorbereiten?
Das kommt natürlich auf das Niveau an, mit dem du in die Vorbereitung startest und auf die Schwierigkeit der Tour, die du machen willst. Grundsätzlich sollte man mindestens ein halbes Jahr vor der Tour regelmäßig auf dem Bike sitzen und mindestens 2 Monate vorher regelmäßig Ganztagestouren unternehmen, dann sollte es mit einer geführten Tour schon klappen. Wenn man sich mit dem Leistungsstand nicht so sicher ist, empfehle ich für das erste Mal auf jeden Fall eine nicht zu schwere Route zu wählen oder bei einem Veranstalter mit Touren, bei denen man den Schwierigkeitsgrad während der Tour wechseln kann, zu buchen.
Wenn man die Tour selber planen will, sollte die Streckenauswahl, die Etappenorte und der Rücktransport schon frühzeitig organisiert werden.

Muss ein Guide immer dabei sein?
Viele erfahrene Biker, die sich in den Bergen mit den spezifischen Gefahren, dem Wetter und mit GPS und Kartenlesen auskennen, können sicher auf einen Guide verzichten und sich ihre individuelle Route anhand sehr guter Infos im Internet und in Transalpbüchern selbst zusammenstellen. Das Gepäck muss dann allerdings selbst transportiert werden und auch um die Unterkünfte sollte man sich vorher kümmern.
Allen, die keine Tourenerfahrung in den Alpen haben und die sich mit Orientierung und Wetter nicht sicher sind, empfehle ich auf jeden Fall mit Guide zu fahren, denn ein GPS-Track alleine reicht nicht, um in Riva anzukommen.

Worauf sollte ich bei Material und Ausrüstung besonders achten?
Das Bike sollte komplett durchgecheckt und mit neuen Bremsbelägen und Reifen ausgestattet sein. Es empfiehlt sich zusätzlich den kompletten Antrieb auf Verschleiß zu prüfen und zu schauen, ob die Felgenbänder richtig sitzen und hochwertig sind. Außerdem sollte man immer noch ein Paar Bremsbeläge dabei haben und wenn man mit Begleitfahrzeug bzw. Gepäcktransport unterwegs ist, auch einen Reifen.
Als Werkzeug eignet sich ein Multitool mit Kettennieter und Reifenheber und auf keinen Fall Ersatzschlauch und Pumpe vergessen. Wenn man irgendwelche Spezialteile am Rad hat, sollte man auch hierfür Ersatz mitnehmen, denn nicht überall in den Alpen ist die Ersatzteilversorgung optimal.

Bei der Kleidung sollte man auf keinen Fall auf eine atmungsaktive und wasserdichte Jacke und Hose verzichten, denn auch wenn der allgemeine Wetterbericht gut ist, gibt es immer die Gefahr von lokalen Gewittern. Dazu die normale Tagestourengarderobe inkl. Helm, Langfingerhandschuhen für kalte Tage und Sonnenbrille und Sonnenmilch, wenn das Wetter gut ist. Nicht vergessen, die Sonne ist auf dem Berg viel intensiver als im Tal.

Ist es sinnvoll, möglichst viel Gewicht am Bike zu sparen?
Gewicht am Bike sparen kann Sinn machen, wenn man bergauf nicht topfit ist. Das sollte aber auf keinen Fall auf Kosten der Stabilität, einem gut profilierten Reifen, ordentlichen Bremsen und stabilen Laufrädern geschehen. Ausserdem ersetzt das leichteste Rad nicht das Training vor der Transalp.

Wo kann man am besten übernachten?
Im Zelt ist mit Sicherheit die Regeneration von den Anstrengungen des Tages am geringsten, außer man ist ein echter Outdoortyp. Auch auf der Hütte haben es viele schwer, einen ruhigen Schlaf zu finden, die Höhe und Gemeinschaftsschlafräume sind nicht Jedermanns Sache. Mit Gasthöfen und Hotels macht man nie einen Fehler, und man kann ja zwei- oder dreimal eine Hütte einplanen, dann hat man eine gute Kombination.

Wie viel Gepäck darf ich maximal mitnehmen?
Wenn man ohne Gepäcktransport fährt, sollte man versuchen, unter 8 Kilo zu bleiben, das geht dann in einen 30- oder 35-Liter-Transalprucksack, der eine gute Passform und Belüftung haben sollte. Wenn man einen Gepäcktransport hat, kommt man locker unter 5 Kilo für den Tagesrucksack.

Was darf ich auf keinen Fall vergessen?
Frühzeitig alles, was auf der Packliste steht, einzukaufen, das Rad in einen optimalen Zustand zu bringen, auch mal stehen zu bleiben und die Natur genießen und am Zielpunkt ordentlich  feiern.


Welches sind die häufigsten Fehler die man machen kann?
Bei der Routenplanung sollte man bei Tourenbeschreibungen, egal ob zu GPS-Tracks oder bei Veranstaltern, auch ein wenig zwischen den Zeilen lesen, um nicht von Schiebepassagen und fahrtechnisch schwierigen Strecken überrascht zu werden.
Häufig sind auch vorgeschlagene Etappen in Tourenbüchern oder als GPS-Tracks zu lang und zu schwer. Ich würde nicht versuchen, mehr wie 2500 Höhenmeter und 80 Kilometer am Tag zu fahren, vor allem nicht, wenn ich mir mit meinem Trainingszustand nicht sicher bin.
Oft wird beim Fahren in der Gruppe der erste Tag überschätzt, wenn ich als Guide dabei bin, achte ich darauf, dass ein Kennenlernen und kein Ausscheidungsfahren stattfindet.
Wenn man am Ziel ankommen will, muss man von Anfang an im Wohlfühlbereich die Berge hoch und mit vielen Sicherheitsreserven die Berge runter fahren.
Auch ein Fahrtechnikkurs kann bei der Vorbereitung helfen, da die Schwierigkeit der Abfahrten oft unterschätzt wird und dann lange und anstrengende Schiebepassagen entstehen können.

Themen: TourenplanungTransalpTuning

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