Gabelrückruf: Öhlins findet Lösung Gabelrückruf: Öhlins findet Lösung Gabelrückruf: Öhlins findet Lösung

Rückruf: Öhlins RXF 34 Air und 36 Air

Gabelrückruf: Öhlins findet Lösung

  • Adrian Kaether
  • Sebastian Brust
 • Publiziert vor 2 Jahren

Der schwedische Federgabelhersteller Öhlins rief die MTB-Gabeln RXF 34 Air und RXF 36 Air wegen Sicherheitsbedenken zurück. Jetzt gibt es eine Lösung, Upgrade auf die neue Kartusche inklusive.

Update: Lösung gefunden!

Gut sechs Wochen ist es bereits her, dass der schwedische Gabelspezialist Öhlins seine Luftfedermodelle RXF 34 und 36 Air wegen Sicherheitsbedenken aus dem Verkehr zog. Und zunächst hieß es nur "Abstellen, nicht mehr fahren und abwarten". Wenig verwunderlich, dass die Kunden alles andere als erfreut waren. Mehr zu den Einzelheiten der Rückrufaktion und einer rechtlichen Einschätzung des Falls finden Sie weiter unten.

Kostenlose Reparatur, ab Februar Upgrade auf neue RXF Evo

Jetzt ist endlich die schon lange überfällige Lösung in Sicht. Der Hersteller fordert seine Kunden auf, die Gabel schnellstmöglich einem zertifizierten Servicepartner zu übergeben, Kosten für die Reparatur sowie eventuellen Versand der Gabel zum Servicepartner wird Öhlins nach eigenen Angaben selbst übernehmen, sodass die Reparatur für den Kunden keine Kosten nach sich ziehen soll.

Die Verschraubung der Luftkartusche löste sich und wurde damit zum Sicherheitsrisiko. Die hier gezeigte Stahlfedergabel ist aber nicht betroffen.

Und auch für die entstandenen Unannehmlichkeiten entschuldigen sich die Schweden jetzt bei ihren Kunden. Ganz handfest mit einem kleinen Upgrade. Vom Recall betroffene Kunden sollen sich hier  registrieren und erhalten dann beim nächsten 100-Stunden-Service die Teile für ein Upgrade auf die neue RXF-Version, genannt RXF Evo, kostenlos dazu – allerdings erst ab nächstem Februar, wenn auch die neue Gabel selbst bei den Händlern stehen wird. Öhlins bezahlt allerdings nur die Teile selbst, den Einbau des Upgrades muss der Kunde weiterhin selbst entlohnen. Trotzdem: Eine neue Kartusche und ein neues Innenleben sind als Entschuldigung für sechs bis acht Wochen ohne Gabel immerhin eine faire Geste.

Rückruf von RXF 34 und 36 Air: Der Rückruf im Detail

Der Federgabelhersteller  Öhlins  hat Probleme bei den MTB-Gabeln mit Luftfederung festgestellt. Angeblich meldeten sich mehrere Nutzer und berichteten von defekten Verschlusskappen der Luftfedergabeln RXF 36 und RXF 34 Air, welche sowohl als Zubehörprodukte als auch als Erstausrüstung in den Specialized-MTBs verkauft wurden.

Speziell die rechte Verschlusskappe könne sich aufgrund eines falschen Anzugsdrehmomentes während der Fahrt lösen und zum Herausspringen der Luftfeder führen, schreibt Öhlins auf seiner Webseite und ergänzt pflichtbewusst, dass dies Verletzungen des Fahrers nach sich ziehen könnte.

Daher also die Rückrufaktion einschließlich eines kompletten Verkaufsstopps und der Aufforderung an die Kunden, die Nutzung von Bikes mit den genannten Gabelmodellen augenblicklich einzustellen. Eine Reparaturlösung sei angeblich gefunden, sie wird allerdings noch nicht umgesetzt. Zahlreiche Öhlins-Fahrer sind derzeit zum Stillhalten aufgefordert. Mehr Infos unten am Ende des Artikels.

Öhlins-Rückruf: Welche Produkte sind betroffen?

Die betroffenen Zubehörprodukte sind:

  • RXF 34 Air 29 (betroffene Art. Nr. FG3412 1512, FG3414 1512, FG3416 1512)
  • RXF 36 Air 27,5 (betroffene Art Nr. FG3614 1716, FG3615 1716, FG3616 1716, FG3617 1716)
  • RXF 36 Air 29 (betroffene Art Nr. FG3612 1512, FG3614 1512, FG3615 1512, FG3616 1512)

Die betroffenen Specialized-Modelle sind:

  • Stumpjumper Mj. 2017/2018
  • Enduro Mj. 2017/2018
  • Fuse Mj. 2018
  • Levo Mj. 2018

Die Stahlfedergabeln Öhlins RXF 36 Coil sind von dem Rückruf nicht betroffen.

Wann genau die Gabeln repariert oder getauscht werden, ist derzeit offen. Öhlins gibt dazu folgende Stellungnahme auf der Webseite ab:

"Wir haben eine relative unkomplizierte Lösung getestet und validiert, welche aktuell seitens der CPSC (US Consumer Product Safety Commission) bewertet wird. Dieser Prozess könnte ein paar Tage, aber im ungünstigen Fall auch einige Wochen dauern. Sobald durch die CPSC freigegeben, wird sich unsere Lösung mit Standardwerkzeugen und -materialien umsetzen lassen. Wir arbeiten weiterhin mit Hochdruck an diesem Problem mit dem Ziel, dass Sie so schnell wie möglich wieder fahren können."

Rückruf und Gewährleistung: Ihre Rechte als Kunde

Der Rückruf und die Sachmängelhaftung (Gewährleistung) sind rechtlich voneinander unabhängig, es gelten unterschiedliche Gesetze. Die Kundenrechte im Falle eines Rückrufs sind sehr gering, hier geht es nur darum, ein potenziell gefährliches Produkt vom Markt zu nehmen. Die Kundenrechte sind sogar so gering, dass im Extremfall ein zurückgerufenes Produkt ersatzlos vernichtet oder zurückgegeben werden muss. In der Praxis ein höchst seltenes Szenario.

Von dem Rückruf betroffene Kunden, die die nötige Geduld oder das erforderliche Verständnis nicht aufbringen können oder möchten und deren Kauf nicht mehr als zwei Jahre zurück liegt (Kaufbeleg als Beweismittel immer aufheben!), können im Rahmen der Gewährleistung Nachbesserung beim Verkäufer verlangen. Denn, auch wenn ein Händler auf den Hersteller (hier z. B. der Bike-Hersteller Specialized) verweist, bleibt er gegenüber dem Kunden Vertrags- und Ansprechpartner und muss seiner Gewährleistungspflicht nachkommen.

Die Verbraucherzentrale Bayern gibt auf ihrer Website Tipps zur richtigen Reklamation  und ging auf Nachfrage auf den Sonderfall "Rückruf während der Gewährleistungsfrist" ein:

"Aufgrund der Rückrufaktion kann der Verbraucher gegenüber dem Produkthersteller keine Ansprüche auf Schadens- bzw. Aufwendungsersatz geltend machen. Der BGH hat in seinem Urteil vom 16.12.2008, Aktenzeichen VI ZR 170/07, grundsätzlich festgestellt, dass die Herstellerhaftung lediglich dem Schutz der absoluten Rechte – also Leben, Gesundheit und/oder Eigentum – dienen soll. Ziel einer Rückrufaktion ist dagegen nicht, dem Verbraucher eine mangelfreie Sache zu verschaffen.

Letzteres lässt sich nur im Rahmen der Gewährleistung durchsetzen. Dem Verbraucher steht, solange die Gewährleistungsfrist noch nicht abgelaufen ist, ein Nacherfüllungsanspruch nach § 439 BGB zu. Der Verbraucher kann in diesem Rahmen die Reparatur oder die Lieferung einer neuen Sache vom Verkäufer fordern. Entstandene Kosten, wie zum Beispiel der Transport oder benötigte Ersatzteile, sind vom Verkäufer zu tragen. Macht der Verbraucher von seinem Nacherfüllungsanspruch Gebrauch, ist diesem zu raten, dem Verkäufer eine Frist mit konkretem Datum zu setzen, bis wann die Kaufsache entweder repariert sein oder durch ein neues Produkt ersetzt werden soll. Die Länge der Frist ist abhängig von dem Ausmaß des Mangels. Bedarf es zum Beispiel lediglich des Austausches eines gängigen Ersatzteils, kann der Verbraucher dem Verkäufer eine Frist von ein bis zwei Wochen setzen. Handelt es sich dagegen um ein Ersatzteil, was speziell angefertigt werden muss, kann die Frist auch länger ausfallen. Eine gesetzliche Regelung hierzu gibt es nicht. Es ist immer auf den jeweiligen Einzelfall abzustellen.

Verweigert der Verkäufer die Nacherfüllung oder ist die Nacherfüllung fehlgeschlagen, kann der Verbraucher vom Vertrag zurücktreten oder den Kaufpreis mindern. Es gelten auch hier die gesetzlichen Regelungen."

Weitere Informationen zum Öhlins-Rückruf finden Sie auf www.ohlins.eu/de/support/recall/ .

Themen: FedergabelnÖhlinsRückruf


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