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Neu: 9th Wave 4-Shore

Zwischen dick und dünn

  • Henri Lesewitz
 • Publiziert vor 4 Jahren

Mit den „4-Shore“ füllen die Holländer von 9th Wave die Lücke zwischen Race- und Plus-Laufrädern. Das superleichte 29-Zoll-Set wurde für Beach-Rennen entwickelt – bietet aber auch auf Trails Vorteile.

Wäre Laktat die entscheidende Maßeinheit, dann wäre Holland das Land mit den höchsten Bergen. Nicht, dass man irgendwelche Berge sehen könnte. Holland ist flach wie ein Kuchenteller. Doch wer schon mal an einem der berühmt-berüchtigten Standrennen teilgenommen hat, der weiß: Es fühlt sich an wie Bergauffahren. Wie ein multikilometerlanger Sprint auf einen Alpengipfel. Selbst der Passo Tremalzo vermag die Beine nicht so zu quälen, wie es ein holländischer Strandrennkurse imstande ist.

Privatfoto Strandrennen erfreuen sich in Holland größter Beliebtheit. Sand, Wind und Tempo sorgen für den Laktatschmerz, der bei normalen Marathons von Anstiegen verursacht wird. 

Was Dolomiti Superbike und Sella Ronda Hero für Italien, sind Beachraces für Holland. Die Rennen haben zum Teil gewaltige Starterfelder. Die Strecken sind 60 Kilometer, teilweise auch mal 100 Kilometer lang. Sandiger Untergrund und fauchender Gegenwind treiben das Laktat in die Beine, wie es sonst nur steilste Schotterrampen vermögen. Hin und wieder peitscht den Fahrern die Gischt der rauen Nordsee ins Gesicht. Die Taktik wird von der Windrichtung bestimmt, von Ausreißversuchen und Windschatten-Fahren. Aerodynamik ist entscheident, genauso wie die Wahl des optimalen Reifens, der gleichermaßen breit genug gegen Einsinken sein muss, aber noch leicht genug, um dem Fahrer keine sinnlosen Körner zu kosten.

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis die Laufradspezialisten der holländischen Firma 9th Wave ein Set für Beach-Racer präsentieren. Peter Wouters, Gründer und Chef der Marke, ist glühender Fan des Rennformats und am Start, wann immer es geht. Das neue Modell "4-Shore" ist seine Antwort auf die technischen Besonderheiten, die Beach-Rennen ans Material stellen. Ein leichter Twentyniner-Laufradsatz mit extrahohen, windschnittigen Carbon-Felgen (42 Millimeter Höhe, ähnlich Rennrad-Aerofelgen!), die für Tubeless-Reifen ab 2,3er Breite konzipiert sind. Die Innenbreite der Felgen beträgt 34 Millimeter, die Außenbreite 40 Millimeter. Die Felge hat 28 Speichenlöcher (egal ob für hinten oder vorne) und wiegt 485 Gramm. Der komplette Laufradsatz wiegt ab 1560 Gramm. Das exakte Gewicht hängt von den gewünschten Naben (Boost oder Standart) sowie dem benötigten Freilauf (Sram XD oder Shimano) ab. Der Preis liegt bei 1399 Euro. Gegen Aufpreis realisiert 9th Wave auch Wunsch-Dekore und Custom-Farben.

Georg Grieshaber

Georg Grieshaber Die Laufräder mit Dichtband. Tubeless-Reifen drauf – und los geht es in Richtung Trail. 

Georg Grieshaber Im Vergleich mit einer normal breiten Felge werden die üppigen Dimensionen der 4-Shore-Felge offensichtlich – die Innenbreite beträgt 34 Millimeter. So breit sind viele Enduro-Felgen nicht. 

Wir haben die brandneuen Laufräder bereits ausgiebig Test fahren können. Nicht an windgepeitschten holländischen Gestaden. Sondern auf heimischen Singletrails. Und in der Wüste Namibias. Reporter Henri Lesewitz fährt gerne sparsam gefederte Bikes. Als er auf der Suche nach dem perfekten Rad für das 370 Kilometer lange Non-Stop-Rennen Desert Dash war, stieß er auf die Pressemitteilung der 4-Shore-Laufräder. Obwohl für Beachrennen entwickelt, bieten die 9th Wave durchaus auch konventionelle Marathon-Fahrern Vorzüge. Nahezu gleich leicht wie Mavic’s Top-Set "Pro Carbon" (1510 Gramm) lassen sich dickere Reifen montieren, was in ruppigem Gelände – etwa solchem wie am Gardasee – sehr von Vorteil sein kann. Schwalbe bietet seinen leicht rollenden Marathon-Klassiker Racing Ralph auch in 2,35er Breite an, in der Snake Skin-Variante wiegt der Reifen okaye 734 Gramm. Perfekt für ein Rennen wie das Desert Dash, dessen Pisten mit scharfkantigen Steinen übersäht sind. Perfekt aber auch für ganz normale Trails, wenn man ein Bike mit wenig Federweg fährt. Das Orbea Alma ist so ein Bike. Der starre Highend-Racer wiegt (ohne Pedale) gerade mal 7960 Gramm. Der Komfort auf Wurzelpassagen ist logischerweise nicht der Rede wert, doch die 9th Wave-Laufräder mit den 2,35er Racing Ralph lassen das Bike spürbar sanfter über den Trail gleiten. Bei top Kurvenverhalten. Denn durch die breiten Felgen lässt sich mit wenig Luftdruck fahren, ohne dass sich die Reifen schwammig anfühlen. In der namibischen Wüste konnten die Laufräder dann auch endlich ihre Sand-Performance ausspielen. Es war deutlich zu spüren, wie sie selbst in sandigsten Passagen noch Grip boten und oben auf "schwammen", wo sich dünnere Reifen eingraben. Um den Aeroeffekt der hohen Felgen zu beurteilen, hätten wir eine Windkanal-Messung durchführen müssen. Wäre sicher interessant, besonders für die Ambitionierten unter den holländischen Beachracern. Aber sorry, das war uns im Rahmen dieses ersten Tests leider nicht möglich.

Georg Grieshaber 369 Kilometer, 24 Stunden Zeit: Für das Desert Dash wählte unserer Reporter das 7960 Gramm leichte Orbea Alma aus. Die 4-Shore-Laufräder mit 2,35er Racing Ralph-Reifen waren für die Wüstenhatz perfekt. Aber auch auf heimischen Trails konnten sie überzeugen. 

Keine Frage: Die "4-Shore"-Laufräder können ein paar klare Pluspunkte einfahren. Wobei man sich vor einem eventuellen Kauf aber im Klaren sein sollte, welche Reifen man üblicherweise nun wirklich zu fahren gedenkt. Denn ein Downgrade, etwa auf 2,2er- oder 2,1er Breite, ist mit den "4-Shore" nicht möglich. Die Felgen verlangen nach mindestens 2,3er Reifen. Mit den 9th Wave legt man sich auf breite Reifen fest. Das muss gut überlegt sein.

Fazit zu den 9th Wave 4-Shore-Laufrädern

Ein hochwertiger, leichter Laufradsatz für Beachracer – aber auch für alle anderen Biker, die gerne sportlich in anspruchsvollem Gelände fahren und breite Reifen bevorzugen. Wer maximal 2,3er Reifen fähren möchte, der kann das auch mit normalen Laufrädern tun. Wer es noch etwas breiter mag, der sollte zu den 4-Shore greifen. Qualität und Gewicht sind top, der Preis ist fair.

Georg Grieshaber Die Testlaufräder, gepudert mit Wüstenstaub. 

Themen: 29 Zoll9th WaveCarbon-LaufradLaufräder


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