Magura: neues MCi Konzept-Bike

Nur ein sichtbares Kabel am Zukunfts-Bike von Magura

  • Max Fuchs
 • Publiziert vor 6 Monaten

Im Oktober 2019 stieß Magura mit seinem kabelfreien MCi-Cockpit erstmals in die Welt der System-Integration vor. Nun präsentiert Magura sein Konzept-Bike mit nur einem sichtbaren Kabel.

Die technischen Entwicklungen am Mountainbike sind weitesgehend ausgereift. Daher müssen sich die Ingenieure eine neue Spielwiese suchen, auf der sie sich austoben können – die Integration. Den Traum von einem Mountainbike ohne sichtbare Kabel legt Magura zum Greifen nahe. Denn am neuen Konzept-Bike der Bad Uracher ist nur ein sichtbares Kabel verlegt.

Wenn man genau hinsieht, erkennt man an Maguras Konzept-Bike nur ein einziges Kabel.

Wir konnten Maguras MCi-Konzept-Bike bereits einen ersten Fahreindruck abgewinnen.

Ihren Ansatz zur Systemintegration stellten uns die Schwaben erstmals im Oktober 2019 vor. Damals verbauten wir das kabellose MCi-Cockpit („MCi“ für Magura Cockpit integration) an einem Bold Unplugged mit integriertem Dämpfer. Warum? Wir wollten wissen, wie die Bikes der Zukunft aussehen könnten. Ein halbes Jahr später zeigt uns Magura sein eigenes Zukunft-Bike mit nur einem sichtbaren Kabel, welches unter dem Vorbau hervorkommt und an die Bremsaufnahme an der Gabel hinunterführt. Die Leitung der Hinterradbremse verläuft hingegen komplett integriert über Lenker, Vorbau und Steuersatz direkt in den Rahmen. So aufgeräumt war ein XC-Hardtail noch nie.

Im Oktober 2019 verbauten wir die erste Version des Magura MCi-Cockpits an einem Bold Unplugged. Damals waren noch zwei Kabel sichtbar.

Ein Bike mit nur einem sichtbaren Kabel. Wie geht das?

Doch um ein Bike zu bauen, an dem man von außen nur ein Kabel erkennt, ist mehr nötig als nur die Bremsleitungen zu integrieren. Dank der kabellosen Magura Vyron eLECT Vario-Sattelstütze und dem AXS-Antrieb von Sram verzichten die restlichen Komponenten der Steuerzentrale auf Leitungen oder Züge. Die Bremskabel lässt das MCi-System verschwinden. Den Lenker für die interne Leitungsverlegung fertigt der deutsche Carbon-Spezialist All Ahead . Der Rahmen kommt aus dem Hause Müsing. Im fahrfertigen Zustand mit Pedalen, bringt das Bike nach unseren Messungen 9,6 Kilogramm auf die Waage.

Die Leitungen der Vorder- und Hinterradbremse lässt das MCi-Cockpit verschwinden.

Die drahtlose AXS-Schaltung von Sram kommt auch ohne Züge oder Leitungen aus.

Die Bedieneinheit der Magura Vyron eLect Sattelstütze.

Wie funktioniert Maguras MCi-System

Das MCi-System funktioniert wie eine nachrüstbare Hydraulikkupplung für Motorräder und verwendet an jedem Ende des Lenkers im Griffbereich einen Zugzylinder, der Kolben und Ausgleichsbehälter enthält. Von dort ausgehend verlaufen die Leitungen über den Lenker in den Vorbau. Das vordere Bremskabel fällt durch ein Loch unten am Vorbau hinunter zum Bremssattel. Im Gegensatz zur ersten Version des MCi-Cockpits, das wir am Bold verbauten, kommt die hintere Bremsleitung nicht gemeinsam mit der vorderen Bremsleitung unter dem Vorbau hervor und verschwindet erst dann im Rahmen. Nein, Magura verlegt die hintere Leitung zwischen der oberen Lagerschale und dem Gabelschaft direkt in den Rahmen.

Die Hydraulikeinheit der Bremsen, mit Kolben und Ausgleichsbehälter, steckt in jedem Lenkerende des MCi-Cockpits.

Die extern verlegte Leitung der Vorderradbremse ist nötig, um die Kompatibilität des System mit anderen Federgabeln aufrechtzuerhalten.

Um das zu schaffen, verbaut Magura eine obere Lagerschale mit überdimensionalem Durchmesser, wodurch eine Führung der Leitung zwischen Gabelschaft und Lager möglich ist. Eine Reduzierhülse schafft Platz, um das Kabel unsichtbar in den Rahmen weiterzuleiten. Diese Art der Leitungsführung ist bereits heute bei vereinzelten Steuersatz- und Fahrradherstellern möglich.

Vom Zylinder ausgehend verlaufen die Kabel durch Lenker und Vorbau. Die Leitung der Vorderradbremse fällt durch ein Loch unter dem Vorbau, während die Leitung der Hinterradbremse direkt in den Rahmen verläuft.

Service und Wartung am MCi-Cockpit

Mit der Hydraulikeinheit im Lenkerinneren ändert sich auch die Vorgehensweise beim Service, oder? Nun, das Entlüften funktioniert weiterhin mit der bewährten Magura Easy Bleed Technologie über eine Entüftungsschraube an jedem Lenkerende. Dabei muss das Bike nur auf der Seite liegen. Bei der Wartung lassen sich die Kabel der Cockpit-Einheit von den Leitungen im Rahmeninneren oder an der Gabel über eine EasyLink-Leitungskupplung entkoppeln. So kann die Hydraulikeinheit ohne Probleme aus dem Lenker herausgezogen werden.

Über eine Schraube an der Hydraulikeinheit in jedem Lenkerende funktioniert das Entlüften wie bei jeder anderen Maruga MT-Bremse.

Im Wartungsfall lassen sich die Leitungen im Lenker per EasyLink-Leitungskupplung von der Leitung im Rahmeninneren trennen.

Die EasyLink-Leitungkupplung der vorderen Bremse.

Da die Hebel am MCi-Cockpit fest verschraubt sind und sich in der Hebelneigung nicht verstellen lassen, optimiert Magura die Hebelneigung speziell für die Geometrie einzelner Fahrradmodelle. Die Griffweitenverstellung erfolgt weiterhin stufenlos am Bremshebel.


Verfügbarkeit

Die ersten MCi-Cockpit-Einheiten werden wir bereits im Sommer an des ersten Serien-Bikes aus dem Mountainbike- und Urban-Segment zu sehen bekommen. Magura will in Zukunft als MCi-Systemliefernt fungieren und Lenker, Vorbauten und Leitungsführungen in Zusammenarbeit mit Fahrradherstellern für einzelne Modelle optimieren. Einzeln wird Magura sein MCi-System vorerst nicht vertreiben.

Erster Fahrtest mit dem MCi Konzept-Bike

Das leise Piepsen beim Betätigen der Schaltung, das elektronische Surren der Vario-Stütze und die futuristische Optik des Cockpits versprühen beim Fahren einen Hauch von Science-Fiction. Während sich Magura von dem neuen System neben den Optik mehr Aerodynamik und besseren Schutz für die Hydraulikkomponenten verspricht, fährt sich das Bike auf dem Trail wie jedes andere Race-Hardtail dieser Klasse. Sowohl die Vario-Stütze, als auch die Sram AXS-Schaltung arbeiten zuverlässig und ohne Aussetzer. Die Bremsen bringen den Piloten wie jede andere Magura MT-Bremse zuverlässig zum Stillstand. Zudem liegt die Hydraulikeinheit bei einem Sturz geschützt im Lenkerinneren. Trotzdem konnten wir auch einige Nachteile am neuen System erkennen. Zum einen sind die Bremshebel eingerastet und lassen sich in der Neigung nicht individuell anpassen. Laut Magura wird der Hebelwinkel zwar an jedem Bike-Modell individuell an die jeweilige Geometrie angepasst. Viele Fahrer werden trotzdem die feine Optimierung der Hebelneigung vermissen. Zum anderen: EasyLink-Leitungskupplung hin oder her, das Schrauben an den Scheibenbremsen wird das System sicher nicht einfacher machen.

Trotz der Science-Fiction-Optik fährt sich das Bike wie jedes andere Race-Hardtail dieser Kategorie.

Alle elektronischen Komponenten am Bike arbeiteten bei unserem Fahrtest zuverlässig.

Schlagwörter: Cockpit integriert Konzepte Magura Neuheiten 2020 Systemintegration Zukunft


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