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Innovative MTB-Produkte für 2017

Brave New World

  • Christian Artmann
 • Publiziert vor 4 Jahren

Ein Blick in die Zukunft: Wir haben uns auf Crowdfunding-Seiten umgeschaut und zeigen spannende MTB-Neuheiten im Entwicklungs- oder Prototypen-Stadium, die richtig Potenzial haben.

„Vorfreude ist doch die schönste Freude“: Gerade in der Vorweihnachtszeit ist dieser Spruch oft zu hören. Und auch bei den hier aufgeführten Neuheiten handelt es sich um Teile, bei denen man noch eine gehörige Portion Geduld aufbringen muss, ehe man sie auf dem Trail erleben kann. Denn alle diese MTB-Neuheiten befinden sich derzeit noch im Entwicklungs- oder Prototypen-Stadium. Trotzdem steckt hinter jedem Teil ein spannendes und innovatives Konzept. Sobald die vorgestellten Produkte verfügbar sind, werden wir sie in ausführlichen BIKE-Tests genauer unter die Lupe nehmen.

Tantrum Cycles Missing Link – intelligentes Fahrwerk ohne Elektronik

Mit dem Missing Link der gerade erst gegründeten US-Bikemarke Tantrum Cycles will der Firmengründer Brian Bertold eine Hinterbau-Kinematik entwickelt haben, mit der ein Fully so effizient wie ein Hardtail klettert und doch seinen Federweg auf dem Trail optimal nutzbar zur Verfügung stellt. Dabei ist Bertold ein alter Hase in Sachen MTB-Fahrwerke. Er ist Experte für Federungstechnologien, blickt auf über 30 Jahre Erfahrung in beinahe allen Bereichen des Motor-Rennsports zurück und war an vielen Projekten bekannter Bike-Hersteller beteiligt. Eine seiner bekanntesten Entwicklungen ist das zwischen 2009 und 2013 von Kona in Lizenz verbaute Magic Link-System. Bei der daraus weiterentwickelten Missing Link-Kinematik liegt der Kunstgriff in der direkten Verbindung zwischen den Kettenstreben und dem Dämpfer – das sogenannte "Missing Link". Durch die Anordnung der Drehpunkte wirken die Kräfte des Kettenzugs den Federkräften entgegen, sorgen so für mehr Stabilität beim Bergauffahren und angeblich sogar eine kletterfreundlichere, weil bis drei Grad steilere Geometrie. Ohne Kettenzug kann der Hinterbau nicht nur frei arbeiten, vielmehr addieren sich die am Dämpfer wirkenden Kräfte und sorgen für ein noch sensibleres Fahrwerk sowie eine flachere Geometrie. Durch die ausgeklügelten Hebelverhältnisse soll man den Übergang zwischen beiden Modi, etwa beim Überfahren von Hindernissen bergauf, kaum mehr spüren.

Hersteller Herzstück des Tantrum-Bikes: das Missing Link.

Doch die Bikes von Tantrum Cycles haben noch mehr zu bieten: Aufbauend auf dem gleichen Alu-Hauptrahmen kann man das Fully unterschiedlich konfigurieren – als 29er-Trailbike unter dem Namen "Outburst" mit 125 mm Federweg am Heck (vorne 130-150 mm), als 27,5 Zoll-Enduro mit dem Namen "Meltdown" und 165 mm am Heck (160-180 mm Gabel) oder als Mixed-Bike "Downburst" mit 29 Zoll-Front und 27,5er-Laufrad hinten. Auch Plusreifen bis 3,0 Zoll sollen passen. Über die modularen Ausfallenden kann man mit 142x12 oder 148x12 (Boost) Achsstandard fahren. Die Geometrie ist zeitgemäß und erscheint gut durchdacht.

Um die erste Produktion der Bikes zu finanzieren, läuft eine Kickstarter-Kampagne mit attraktiven Rabatten bis zum 2. Januar 2017. Die geplante Auslieferung der ersten Rahmenkits und Komplettbikes soll dann ab April 2017 erfolgen. Nach einem Treffen mit Bertold und einer kurzen Runde auf der Eurobike 2016 hinterließ der Prototyp bereits einen vielversprechenden ersten Eindruck.

Frank Jeniche Missing Link-Erfinder Brian Bertold blickt auf viele Jahre Erfahrung im Motorrad-Rennsport zurück und beschäftigt sich seit Jahren mit MTB-Fahrwerken.

Frank Jeniche Die Mixed-Version des Tantrum "Outburst": ein Prototyp mit 29-Zoll-Vorderrad und 27,5er hinten.

X-Shifter – (fast) kabellose Schaltung zum Nachrüsten

Elektronische MTB-Schaltungen funktionieren. Das hat Shimano mit seiner XTR Di2 und jüngst auch der XT Di2 eindrucksvoll bewiesen. Aber das sind alles komplett integrierte Schaltungssysteme mit atemberaubenden Verkaufspreisen bei denen es heißt: "Ganz oder gar nicht". Ganz anders das X-Shifter System . Es soll mit beinahe jeder bestehenden Schaltung und jedem Bike kombiniert werden können, ganz einfach nachrüstbar sein und noch dazu bereits ab 330 Euro erhältlich sein. Selbstverständlich sind die aktuellen 10- und 11-fach Schaltungen damit abgedeckt, aber auch ältere 7-, 8- oder 9-fach und sogar die neuen 12-fach Schaltsysteme sowie MTB-Schaltungen mit zwei oder drei Kettenblättern kann man mit dem X-Shifter betreiben. Wer schnell ist, kann sich sein X-Shifter-System in der bis 3. Dezember 2016 laufenden Crowdfunding-Kampagne bereits ab 199 US-Dollar sichern. Nachdem das Ziel der Kampagne bereits weit überstiegen wurde, plant Paul Gallagher, übrigens ein ehemaliger SRram-Ingenieur, bereits im Frühjahr 2017 das Serienprodukt auf den Markt zu bringen.

X-Shifter selbst ist ein Hybridsystem, bestehend aus einem kabellosen Schalthebel (wahlweise für MTB oder Rennrad) und einer Schalteinheit. Beide kommunizieren kabellos über Bluetooth miteinander. Die gerade mal 13 cm lange Schalteinheit enthält einen bzw. zwei Servomotoren sowie einen abnehmbaren, per USB aufladbaren Akku. In der X-Shift-Ausführung mit einem Servo wiegt die Schalteinheit inklusive Akku gerade einmal 80 Gramm, in der Dual X-Shift-Version mit zwei Servomotoren 110 Gramm. Die Servomotoren ziehen mikrometergenau an dem bzw. den Seilzügen, welche wie bisher auch das Schaltwerk bzw. den Umwerfer steuern. Die Schalteinheit selbst kann an jeder beliebigen Position am Rahmen befestigt werden.

Hersteller Die Bestandteile des X-Shifter-Systems: der Vier-Tasten-Schalthebel und die Schalteinheit mit Servomotor. Die Verbindung funktioniert per Bluetooth.

Wo liegt der Vorteil von X-Shift, wenn am Ende nur ein Stück Seilzug gespart wird, die Schaltung aber weiterhin mechanisch funktioniert? Der große Vorteil liegt neben der Nachrüstbarkeit in der smarten Elektronik und den frei programmierbaren Funktionen des Vier-Tasten-Schalthebels. So kann man ganz klassisch zwei Tasten für das Schaltwerk und zwei für den Umwerfer nutzen oder die gesamte Schaltung – à la Syncro-Shift von Shimano – über nur zwei Tasten steuern. Den Moment, wann der Umwerfer arbeitet und selbst das lästige Nachstellen des Umwerfes übernimmt X-Shifter ganz automatisch. Die damit übriggebliebenen zwei Tasten kann man zum Beispiel für Mehrfach-Gangsprünge reservieren. Wer keinen Umwerfer hat, kann mit dem Dual X-Shifter auch seine Seilzug-angesteuerte Vario-Sattelstütze bedienen! Die Möglichkeiten sind vielfältig und voll individualisierbar.

Noch hatten wir kein Testmuster in der Hand, um es selber auszuprobieren, aber dem Anleitungsvideo nach, ist das einmalige Setup und die Programmierbarkeit per Smartphone-App sehr einfach gestaltet.

Kindernay XIV – 14-Gang Getriebenabe mit modularem Aufbau

Findiges aus Norwegen. Während die Rohloff 500/14 Getriebenabe der Inbegriff von Wartungsarmut und Langlebigkeit ist, gab es in den letzten Jahren bis auf eine Steckachs- und Boost-Version wenig Neues. Das norwegische Start-Up-Unternehmen Kindernay möchte mit ihrer K’AY XIV Getriebenabe frischen Wind in den Markt pusten. Noch ist das System erst im Prototypen-Stadium, aber die Eckdaten lesen sich schon bereits vielversprechend: 14 Gänge mit gleichmäßigen Gangsprüngen von 13,9 % ergeben eine Übersetzungsbandbreite von 543 Prozent. Und das bei angekündigten 1500 Gramm für die komplette Getriebenabe. Auf den ersten Blick ähneln die Eckdaten denen von Platzhirsch Rohloff.

Hersteller Die Getriebenabe von Kindernay soll lediglich 1500 Gramm auf die Waage bringen.

Hersteller 14 Gänge, eine große Übersetzungsbandbreite und zwei hydraulische Schalthebel: Die Kindernay-Hinterradnabe soll Rohloff und Pinion Konkurrenz machen.

Richtig spannend wird es dann, wenn man sich die Peripherie anschaut. So bestehen bei Kindernay das Getriebe und der eigentliche Nabenkörper, an dem die Speichen befestigt werden, aus zwei getrennten Bauteilen. Mit dem aufwendig gefrästen Alukäfig des SWAP genannten Nabenkörpers kann man das Getriebe ohne viel Aufwand an unterschiedlichen Laufrädern oder sogar an mehreren Bikes nutzen. Gerade in den aktuellen Zeiten der Formatvielfalt (29er, 27,5 und Plus) ein echter Vorteil, weil man sich nicht jedes Mal ein teures Getriebe kaufen muss. Aktuell in der Entwicklung sind zwei Versionen – eine für 135 bzw. 142 Millimeter sowie eine für 190 und 197 Millimeter. Eine Version für Boost-Rahmen ist ebenfalls geplant.

Auch bei den Schalthebeln bleibt man innovationsbereit. Statt mit Drehgriff und Seilzügen arbeitet das HYSEQ genannte Schaltsystem hydraulisch und mit zwei Schalthebeln. Je ein Hebel zum Hoch- und einer zum Runterschalten sollen die Schaltvorgänge maximal intuitiv gestalten. Die mechanische Kupplung zwischen Schaltbox und Getriebe wird direkt auf die Nabenachse gesteckt und liegt gut geschützt im Rahmen.

Derzeit führt Kindernay ein Betatest-Pilotprogramm durch, bei dem man ein Vorseriensystem zu vergünstigten Konditionen erstehen kann, aktiv am Entwicklungsprozess teilnimmt und später dann eine Seriennabe erhält. Das Programm richtet sich allerdings nur an norwegische Biker. Der echte Verkaufsstart für die K’AY XIV Getriebenabe ist für Herbst 2017 geplant.

Hersteller Derzeit wird die Getriebenabe von Kindernay noch ausführlich getestet, der Verkaufsstart ist für Herbst 2017 geplant.

ShockWiz – einfaches Profi-Setup für Federelemente

Wer würde seine Hand dafür ins Feuer legen, dass seine Federgabel und sein Dämpfer optimal eingestellt sind? Während die meisten Biker sich sicher sind, den richtigen Sag einstellen zu können, ist die korrekte Dämpfungseinstellung bereits weniger  selbstverständlich – zumal es bei den modernen Dämpfern mehr als Rebound-Einstellung und Lockout gibt. Manche Gravity-Dämpfer haben bis zu vier Dämpfungkreisläufe, von Volumen-Spacern zur Progressionsanpassung ganz abgesehen. Oft verschenkt man durch eine unzulängliche Einstellung viel Potential und verzichtet so unwissentlich auf die optimale Fahrperformance. Mit Hilfe von ShockWiz soll es künftig jedem Fahrer, auch ohne Vorkenntnisse möglich sein, sein Fahrwerk optimal einzustellen – auf jeden Fahrer, jedes Gelände und jede Vorliebe, von aggressiv bis komfortbetont. Die Technologie hinter ShockWiz wurde ursprünglich von der australischen Ideenschmiede Dusty Industries entwickelt, erfolgreich über Crowdfunding finanziert und dann 2016 von Sram aufgekauft.

Hersteller Australier entwickelten das ShockWiz-System und waren damit erfolgreich bei Kickstarter. Anschließend kaufte Sram das Patent und arbeitet nun unter dem Label "Quarq" an der Serienreife.

Dabei ist ShockWiz ist an sich recht simpel. Eine an die Positiv-Luftkammer von Federgabel oder Dämpfer angeschlossene Druckmessdose (45 Gramm) und ein Daten-Logger, der die Druckveränderungen im System bei der Federarbeit im 100 Hz-Takt hochpräzise registriert und analysiert. Über die Messungen, die auf einer aussagekräftigen Testrunde gewonnen wurden, bestimmt die intelligente Elektronik dann selbständig welche Optimierungen in Sachen Luftdruck, Luftvolumen oder Dämpfung vorzunehmen sind und kommuniziert diese über die einfach zu bedienende Smartphone-App. Der Biker nimmt diese vorgeschlagenen Änderungen vor und fährt die Runde erneut. So nähert man sich schrittweise dem optimalen Federungs-Set-Up. Während ShockWiz weniger Technik-affinen Bikern so ganz entspannt zu einem Profi-Setup verhilft, können Experten und Racer dessen Potential nutzen, um streckenspezifische Optimierungen an den Federelementen vornehmen – damit sie im Rennen noch schneller sind und so wertvolle Hundertstel-Sekunden einzusparen.

Weil ShockWiz in seiner derzeitigen Form nur eine Druckmesseinheit besitzt, muss man die Prozedur für die Gabel und den Dämpfer separat vornehmen. Wer sein Bike vorne und hinten gleichzeitig abstimmen will, braucht zwei Systeme. ShockWiz ist mit allen Federelementen mit nur einer Positiv-Luftkammer kompatibel. Seit Oktober 2016 wird es in seiner ersten Entwicklungsstufe an die 404 Unterstützer der Kickstarter-Kampagne ausgeliefert. Die Sram-Tochter Quarq ist aber bereits dran, das System weiterzuentwickeln und plant für Mitte 2017 ein erstes serienreifes Produkt.

MagLock Vault – magnetisches Bike-Pedal

Klick- oder Plattform-Pedale? Diese Grundsatzfrage beantwortet MagLock auf ganz neue Weise. Die Idee dahinter ist es, den Bike-Schuh nicht mechanisch am Pedal zu fixieren, sondern magnetisch. Damit eröffnet MagLock ganz neue Optionen. So kann man zum Beispiel die "Auslöse-Zugkraft" durch die Anzahl der montierten Neodym-Magneten einstellen (von 0 bis ca. 135 N). Außerdem bietet das System eine hohe Bewegungsfreiheit des Fußes auf dem Pedal. Knieprobleme durch zu geringe Beweglichkeit sind damit fast ausgeschlossen. Auch das bei Anfängern und Umsteigern gefürchtete Ausdrehen der Ferse zum Ausklicken entfällt. Ein leichtes Abwinklen des Fußes reicht um die magnetische Anziehung zu unterbrechen. Mit der Stahlplatte am SPD-Schuh sollen die MagLock Pedale damit in jeder Situation optimalen Halt bieten und ein intuitives und schnelles "Ausklicken" garantieren. Durch die flächige Konstruktion, konkave Form und einstellbaren Pins kann man sein MagLock Pedal auch als normales Flatpedal fahren.

Hersteller Das neue, magnetische MagLock-Pedal nennt sich Vault und soll um die 600 Gramm wiegen. Zum Vergleich: Ein Shimano-XT-Pedal mit Käftig bringt etwa 450 Gramm auf die Waage.

Hersteller Die Kombination aus Magnet-Cleats und Pins soll den Fuß sicher auf dem Pedal platzieren.

Das größte Handicap der magnetischen Pedale, das immense Gewicht von fast einem Kilo für einen Satz, geht MagLock nun mit der neuesten Evolutionsstufe an. Das Vault genannte, neue Pedal soll dank smarter Konstruktion und Polycarbonat-Pedalkörper nur noch etwa 600 Gramm pro Paar auf die Waage bringen – inklusive aller Magnete. Aktuell existieren zwar nur Prototypen, aber das Projekt soll noch im November 2016 mit einer Kickstarter-Kampagne angestoßen werden.

Pirope – Bike-Laufräder mit Faserspeichen

Die rotierende Masse beim Mountainbike zu reduzieren, ist immer eine gute Sache. Zum einen verringert sich damit das Gesamtgewicht des Bikes, andererseits ist gerade die zu beschleunigende Masse der Laufräder ein wichtiger Faktor, wenn es ums Handling geht. Als Spin-Off der Professur für Fördertechnik an der Technischen Universität Chemnitz bringen die vier Begründer der Marke Pirope viel Know-How in Sachen textiler High-Tech-Fasern mit. Aus Begeisterung zum Radsport wurde dann die Idee geboren, dieses Wissen und die Technologien auch am Bike einzusetzen. Wo? Genau dort, wo vorwiegend Zugkräfte wirken: bei den Laufradspeichen. Über sehr leichte Vectran-Speichen soll sich so ordentlich Gewicht einsparen lassen. Nach Aussage von Ingo Berbig, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur für Fördertechnik und Mitbegründer von Pirope , liegt das Speichengewicht pro Laufradsatz mit den aktuell getesteten Fasern zwischen 120 und 150 Gramm. Gegenüber den leichtesten erhältlichen Stahlspeichen bedeutet das eine Gewichtsersparnis von mehr als 50 Prozent. Solche Werte könnte man sonst nur mit deutlich teureren und vor allem sehr empfindlichen Carbonspeichen erzielen.

Anke Pfau Das vierköpfige Team von der Technischen Universität Chemnitz, das hinter Pirope steht.

Ingo Berbig Die hochfesten, synthetischen Faserseilspeichen werden nicht herkömmlich eingespeicht. Die Seilspeichen verlaufen von der Felge über einen an der Nabe integrierten Bolzen zurück zur Felge.

Doch gerade hier steckt der Vorteil der Faserspeichen. Denn sie sind gegenüber Krafteinwirkung von außen – etwa Steinschlag oder einem Sturz – recht unempfindlich. Derzeit testet man eine zusätzliche Polymer-Schutzschicht, mit der die Speichen sogar noch robuster würden. Nach dem aktuellen Geschäftsmodell versteht sich Pirope als Laufradmanufaktur und möchte individuell konfektionierte Komplettlaufräder anbieten – optimal zugeschnitten auf das Fahrergewicht, den Einsatzbereich und die spezifischen Anforderungen in Sachen Steifigkeit und Komfort. „Mit den aktuellen Vectran-Speichen in 1,8 mm erhalten wir ein sehr leichtes und zugleich komfortables Laufrad. Mit einem weniger dehnbaren Material für die Speichen oder größeren Querschnitten kann man aber auch sehr direkte und steife Laufräder bauen. Grundsätzlich sind die Möglichkeiten riesig. Selbst der Einsatz von Naturfasern ist denkbar“, so Ingo Berbig.

Als noch junges Start-Up erhält Pirope öffentliche Förderungsgelder, um die Entwicklung voranzutreiben und die Prototypen zur Serienreife zu bringen. Die eigentliche Firmengründung ist für Mitte 2017 geplant, dann soll auch die Produktion beginnen.

Motion France Dynamic – Mehrgelenker-Federgabel

Parallelogramm-Federgabeln führen im Vergleich zu den üblichen Teleskop-Gabeln ein sehr bescheidenes Nischendasein. "Zu flexibel", "zu anfällig" und "zu wenig Federweg" sind die üblichen Kritikpunkte. Mit diesen möchte die französische Marke Motion France mit ihrer modernen Interpretation einer Parallelogramm-Federgabel ein für alle Mal aufräumen. Die aufwendig aus Carbon und Alu gefertigte Trail-Forke Dynamic ist modular aufgebaut und wird ganz nach Kundenwunsch konfiguriert – für 26-Zoll mit 130 bis 170 mm Federweg, für 27,5-Zoll von 120 bis 160 mm und auch als 29er-Gabel mit 110 bis 150 mm. Das Grundchassis bleibt innerhalb eines Laufradformats stets gleich. Der Federweg und damit die Bauhöhe werden allein durch unterschiedliche Blattfedern bestimmt. Zusätzlich sind alle üblichen Steckachssysteme kompatibel. Die Reifenfreiheit wird mit großzügigen 3,0 Zoll angegeben. Und all das bei einem Gewicht von angekündigten 1850 Gramm!

Hersteller Einer der Hingucker beim Roc d'Azur-Festival 2016: die Parallelogramm-Federgabel von Motion France. Leider hat die Kickstarter-Kampagne der Franzosen ihr Finanzierungsziel von 200.000 Euro nicht erreicht.

Der nächste Clou der Motion France Dynamic-Gabel ist die Anti-Break-Dive-Kinematik. So soll die Gabel durch ihre spezielle Hebelanordnung auch bei heftigen Bremsmanövern kaum mehr abtauchen. Damit steht sie höher im Federweg, stellt immer den maximalen Hub bereit und hat vor allem in Grenzsituationen höhere Sicherheitsreserven. Aufgrund der geringen Reibung im System und der patentierten Composite-Blattfedern soll die Gabel zudem ein ungeahntes Ansprechverhalten und eine optimale Federkennlinie besitzen. Die Anpassung auf das Fahrergewicht erfolgt über unterschiedliche Federhärten. Eine im Gabelschaft sitzende Dämpfungskartusche bringt die nötige Ruhe ins Fahrwerk. Die Rebound-Einstellung und der Lock-Out-Druckknopf sitzen oben auf dem Gabelschaft. Dank ihrer speziellen Konstruktion mit Gleitlagern soll die Gabel absolut wartungsfrei sein – deswegen gibt Motion France eine lebenslange Garantie. Dafür dürfte der noch nicht bekannte VK-Preis auch im Premiumsegment liegen.

Hersteller Durch unterschiedliche Composite-Blattfedern ändert sich der Federweg der Motion France-Gabel.

Nachdem die ersten Vorserien-Gabeln zum diesjährigen Roc d’Azur-Festival vorgestellt und bereits von Testern gefahren werden konnten, hat Motion France versucht, die erste Produktion mit geplanter Auslieferung im Sommer 2017 per Crowdfunding zu finanzieren. Die Kickstarter-Kampagne erreichte aber das erwünschte Ziel nicht . Dementsprechend unsicher ist die Zukunft dieser zweifellos spannenden Parallelogramm-Gabel.

Themen: CrowdfundingInnovative ProdukteNeuheiten 2017


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