Cross Country Vallnord 2017 Cross Country Vallnord 2017

XCO/DHI Worldcup #5 Vallnord (AND) 2018: Vorschau

XCC und DH-Quali: Keller, Avancini, Shaw und Atherton

Adrian Kaether am 13.07.2018

Am Wochenende steigt der Doppelworldcup im andorranischen Vallnord. Wir geben einen Überblick über die besonderen Herausforderungen und Favoriten, Ergebnisse aus der DH-Quali und dem XCC inklusive.

Update: Qualifikation und Short Track Race

Gee Atherton zeigt euch die Strecke in Andorra.

Qualifikation und Short Track Race sind mittlerweile Geschichte und das erlaubt noch einmal einen neuen Blick auf die Favoriten für die Hauptrennen am Samstag (DH) und Sonntag (XCO). In der Qualifikation im Downhill gab es zwei deutliche Siege. Luca Shaw dominierte das Feld der Männer und wird damit am Samstag als letzter Fahrer aus dem Startgate gehen, ganze zweieinhalb Sekunden konnte er seinen nächsten Verfolgern, Danny Hart und Laurie Greenland abnehmen. Die beiden ehemaligen Teamkollegen liegen dicht beieinander, es folgen Brook MacDonald, Thomas Estaque und Amaury Pierron. Bei den Damen gewann Rachel Atherton mit einem unglaublichen Vorsprung von über zwölf Sekunden auf Tracey Hannah und Tahnée Seagrave.

Im XCC-Race am Freitagabend ging es wieder ziemlich heiß her. Am Ende gab es zwei neue Sieger: Henrique Avancini und die junge Schweizerin Alessandra Keller, die eigentlich noch U-23 fahren könnte, konnten die Rennen für sich entscheiden. Es folgten mit geringem Abstand van der Poel, Kerschbaumer, Schurter und Braidot und bei den Damen Langvad, Benko, Neff und Batty. Auch für die Deutschen war es ein guter Tag. Manuel Fumic holte Platz zehn, Elisabeth Brandau Platz neun. Beide starten damit im Hauptrennen immerhin aus der zweiten Startreihe.

Vallnord DHI Worldcup 2017

Letztes Jahr konnte Myriam Nicole niemand folgen, dieses Jahr ist sie aber zum Zuschauen verdammt.

Vorschau: Doppel-Worldcup in Höhenluft

Der Mountainbike-Worldcup in Vallnord ist schon seit Jahren eines der verlässlichsten Highlights der Saison. Wie in Val di Sole oder Monte-Sainte-Anne steigen hier Cross-Country und Downhillrennen an einem einzigen Wochenende und dann ist da natürlich noch die atemberaubende Location: Vallnord liegt mitten im Kleinstaat Andorra und der liegt bekanntlich mitten in den Pyrenäen. Der tiefste Punkt der Gemeinde liegt auf über 1500 Metern, die umliegenden Gipfel kratzen die Dreitausender-Marke an.

Vallnord DHI Worldcup 2017

Troy Brosnan leistete sich 2017 in Vallnord keine Fehler und holte einen verdienten Sieg.


Eine extreme Herausforderung für den menschlichen Organismus, erst recht weil Schurter, Neff, Gaze, Gwin und Seagrave ja nicht zum Relaxen hierher gekommen sind. Knallharte Rennen stehen auf dem Programm und sowohl im Cross-Country und Short Track am Freitag und Sonntag als auch im Downhill am Samstag werden alle über das Limit gehen müssen, um eine Chance auf den Sieg zu haben. Genau das, was man in der Höhe eigentlich tunlichst vermeiden sollte.

Die steilste Strecke im Worldcup-Zirkus

Vallnord DHI Worldcup 2017

Letztes Jahr kämpfte Greg Minnaar mit Brosnan und Hart um den Sieg, doch dieses Jahr wird er wahrscheinlich gar nicht starten können. 


"Steil, steiler, Andorra."  Im Downhill ist das schon fast zu einem geflügelten Wort geworden. Die Strecke in Vallnord gehört zu den längsten Prüfungen in der Worldcup-Serie und ist gleichzeitig auch noch die Steilste. Eine der härtesten Prüfungen des Jahres, ohne Zweifel und die Höhe macht es auch dann nicht besser, wenn man nicht bergauf treten muss. Der Sieg von Troy Brosnan und Myriam Nicole im letzten Jahr war insofern wenig verwunderlich: Beide gehören zu den fittesten Fahrern in ihren Klassen und sie scheuen auch lange Strecken nicht.


Dieses Jahr wird jedoch alles anders werden. Zwar ist die Strecke noch weitestgehend dieselbe, doch Myriam Nicole kann nach ihrem Crash in Val di Sole noch nicht wieder an den Start rollen, auch Aaron Gwin nimmt sich eine Auszeit, um seinen Daumen richtig heilen lassen zu können. Mit Greg Minnaar geht ein weiterer Favorit nicht an den Start. Zwar wird der Südafrikaner im Training fahren, ein Start im Rennen ist aber aktuell nicht geplant.


Pierron und Atherton in der Favoritentrolle?

Cross Country Vallnord 2017

Pauline Ferrand-Prévot könnte in Andorra endlich wieder einen Sieg einfahren.


Den Sieg werden also wahrscheinlich andere ergattern. Im Rennen der Damen ist Rachel Atherton mit ihrer Kombination aus Fitness und einem Talent für steile Strecken in der eindeutigen Favoritenrolle, auch Tracey Hannah schlug sich gut hier in der Vergangenheit. Mit Tahnée Seagrave wird im Moment eher weniger gerechnet, die junge Britin hat aber dieses Jahr schon mehrfach gezeigt, dass man sie nie aus den Augen verlieren sollte.


Bei den Männern wird natürlich Troy Brosnan hoch gehandelt, nach seinem Sieg im letzten Jahr und der Performance in Val di Sole. Mit Loïc Bruni und Amaury Pierron haben zwei Franzosen aber noch deutlich bessere Karten. Bruni hat hier seinen ersten Weltmeistertitel eingefahren – übrigens sein erster Sieg überhaupt bei einem Worldcup- oder WM-Rennen – und Amaury Pierron scheint überhaupt nicht mehr aufzuhalten zu sein. Seit Fort William gewinnt der Franzose auf den unterschiedlichsten Strecken und dass das Hauptquartier des Sponsors Commencal quasi direkt neben der Ziellinie liegt, schadet sicher auch nicht. Möglich auch das Danny Hart, Luca Shaw und Laurie Greenland zu Form auflaufen, nach der Qualifikation am Freitag wissen wir mehr.

Cross Country Vallnord 2017

Unfassbar! Nach ihrem ersten Worldcupsieg überhaupt in Albstadt, holte Yana Belomoina in Vallnord gleich ihren zweiten Sieg der Saison 2017. Und das mit 1:40 Minuten Vorsprung.


Damenrennen: Wo steht Annika Langvad?


Eine noch größere Rolle als im Downhill spielt die dünne Luft natürlich im Cross-Country. Nicht nur, dass die Leistungsfähigkeit absinkt, auch wer über das Limit geht wird sich in diesem Rennen schwertun, wieder zur Normalität zurückzufinden. Dabei ist das "über das Limit gehen" doch genau das Programm im Cross-Country, mehr noch Short Track Race am Freitagabend. Eins ist jedenfalls sicher: Bei den Damen wird es nach drei XCC Siegen von Annika Langvad eine Neuerung geben. Oder nicht?


Nachdem die Dänin bei einem Sturz in Val di Sole kurz nach dem Start das Rennen wegen einer Verletzung am Handgelenk abbrechen musste, sah es ganz nach einer längeren Pause für die Specialized Fahrerin aus. Auf Instagram verkündete sie aber schon vor einigen Tagen, sie sitze wieder auf dem Bike. Wenigstens versuchen wird sie es also in Andorra, nur ob sie dann konkurrenzfähig ist, das ist die große Frage.

Cross Country Vallnord 2017

Im letzten Jahr holte Schurter einen klaren Sieg.


Auf jeden Fall werden auch andere Fahrerinnen nach vorne drängen, im XCC wie im XCO am Sonntag. Pauline Ferrand-Prévot schlägt sich in den letzten Rennen immer gut, die Kross-Kolleginnen Maja Włoszczowska und Jolanda Neff sind schnell, Yana Belomoina hat ein besonderes Talent für Rennen in großer Höhe, nur beim Short-Track konnte die Ukrainerin bisher wenig überzeugen. Mit Gunn-Rita Dahle Flesjå sollte man außerdem ebenso rechnen wie mit Emily Batty. Beide standen letztes Jahr in Andorra auf dem Podium, nach ihren Leistungen letzte Woche in Val di Sole, wäre es sehr verwunderlich, wenn sie das nicht wiederholen können.


Wieder Schurter gegen Gaze?


Bei den Männern ist, wie könnte es anders sein, Nino Schurter der große Favorit. Wenn man der Prognose aus den letzten Rennen trauen darf, wird es aber doch mindestens ein weiterer Fahrer mit ihm aufnehmen. Gut möglich, dass Sam Gaze in Vallnord dieser Fahrer ist. Nach einigen durchwachsenen Ergebnissen in Albstadt und Val di Sole und dem Sturz in Nové Město na Moravě wird der Neuseeländer alles daran setzen, in Andorra wieder zu seiner Form von Stellenbosch zurückzufinden. Die Strecke jedenfalls liegt ihm, schon im letzten Jahr fuhr er hier mit Platz vier sein bis dato bestes Ergebnis im Worldcup überhaupt ein.


Den Kampf um die weiten Podiumsplätze werden gleich eine Reihe von Fahrern austragen. Mathieu van der Poel sicherlich, Jordan Sarrou und Mathias Flückiger waren hier letztes Jahr stark, auch Florian Vogel lief zu Form auf. Maxime Marotte ist dieses Jahr von der Spitze kaum wegzudenken, ebenso wenig wie die Kollegen aus dem Cannondale Team, Fumic und Avancini. Wenigstens einer der drei schafft es bestimmt auf das Podium. Und man sollte Stephane Tempier und natürlich Anton Cooper nicht vergessen. Gerade im Sprintfinish gegen Schurter hat der zweite junge Neuseeländer seine Klasse schon eindrucksvoll unter Beweis gestellt, auch wenn er am Ende um wenige Zentimeter am Sieg vorbeischrammte.


Alle Rennen werden live von Redbull.tv übertragen. Los geht’s mit dem Shorttrack am Freitagabend ab 17.20 Uhr, dann folgen die Downhillrennen am Samstag um 12.30 Uhr (Damen) und 14.00 Uhr(Herren) und am Sonntag XCO um 12.00 Uhr (Damen) und 14.30 Uhr (Herren).

Adrian Kaether am 13.07.2018