Schweizer Doppelsieg im XCO - Schurter wird Siebter Schweizer Doppelsieg im XCO - Schurter wird Siebter Schweizer Doppelsieg im XCO - Schurter wird Siebter

XCO Worldcup #6 2018 Monte-Sainte-Anne (CAN): Rennbericht

Schweizer Doppelsieg im XCO - Schurter wird Siebter

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 3 Jahren

Monte-Sainte-Anne forderte die Profis dieses Jahr. Bei den Damen konnte Jolanda Neff ihre Technik ausspielen, bei den Herren gingen gleich mehrere Favoriten zu Boden, Schurter riss die Kette.

Monte-Sainte-Anne ist die Hölle für die Cross-Country Elite. Nicht nur weil der fiese Spitzkehren-Anstieg vor der gefürchteten Abfahrt "La Beatrice" diesen Namen trägt: "L’enfer de Sainte Anne" (die Hölle von Sainte Anne). Dieses Jahr wurde die Dramatik noch durch extreme Hitze gesteigert, besonders bei den Männern ging in den gefürchteten Abfahrten mehr als ein Traum zu Bruch.

Monte-Sainte-Anne: Ohne Dahle Flesjå und Ferrand Prévot

Bartek Wolinski,Red Bull Content Pool Kate Courtney (Mitte) konnte zu Beginn mit ihrer Teamkollegin Annika Langvad mithalten. Dann gingen ihr jedoch langsam die Kräfte aus. Ein technischer Defekt bremste sie zusätzlich.


Aber zunächst zu den Damen: Hier verlief das Rennen eher ruhig, durch die Abwesenheit von Gunn-Rita Dahle Flesjå und Pauline Ferrand Prévot fehlten außerdem zwei der wichtigsten Fahrerinnen des Worldcups. Damit hieß es Jolanda Neff gegen Annika Langvad. Ein Duell das unterschiedlicher kaum sein könnte. Denn Jolanda Neff, die kletterstarke, filigrane Technikerin hat im Moment sogar leicht die Nase vorn, vor Annika Langvad, dem Powerhouse aus Dänemark, die in Zwischensprints und Flachetappen regelmäßig in einer eigenen Liga fährt.

Bartek Wolinski,Red Bull Content Pool Jolanda Neff konnte in den Abfahrten ihre technische Stärke ausspielen.


In Monte-Sainte-Anne war Jolanda Neff aber klar im Vorteil. Die Strecke hat zwar eher kurze Anstiege, ist dafür aber in den Abfahrten sicher die technischste Prüfung des gesamten Weltcupkalenders. Kein Wunder, dass sich Neff von Beginn des Rennens an an die Spitze setzte und bis zum Ziel nicht mehr zurückblickte. Fast zwei Minuten Vorsprung vor Annika Langvad auf Rang zwei sprechen für sich.

Bartek Wolinski,Red Bull Content Pool Emily Batty feiert den dritten Platz beim Heimweltcup.


Die Erfolgsgeschichte des Damen Worldcups in Monte-Sainte-Anne spielte sich weiter hinten ab. Zunächst konnte Kate Courtney mit Langvad auf Rang zwei mithalten, dann fiel sie jedoch ein wenig zurück, auch ein mechanischer Defekt kurz vor Schluss war für die Wertung ziemlich kontraproduktiv. Indes kämpfte sich die Kanadierin Emily Batty immer weiter nach vorne. Trotz einiger Schreckmomente in den Abfahrten konnte sie sich souverän behaupten und flog auf ihrem hellblauen Hardtail über die Strecke. Ein dritter Platz ist nach einer starken Vorstellung in Vallnord gleich das nächste gute Ergebnis. Yana Belomoina landete auf Rang vier, Anne Tauber auf Rang fünf. Lokalmatadorin Haley Smith fuhr beim Heimweltcup auf den achten Rang. Beste Deutsche wurde Elisabeth Brandau. Sie hatte jedoch kein gutes Rennen und ladete nur auf Rang 27.

Bartek Wolinski,Red Bull Content Pool Das Podium der Damen: Yana Belomoina, Annika Langvad, Jolanda Neff, Emily Batty und Anne Tauber (v. links).

Positionskampf im Männerrennen – Gaze scheidet mit Sturz aus


Im Rennen der Herren war nach den turbulenten letzten Wochen das Drama schon vorprogrammiert. Bereits im Training war Sam Gaze in einem der Steinfelder schwer gestürzt. Der Neuseeländer hatte, wie er selbst sagt, "noch Glück gehabt", verletzte sich dabei aber trotzdem an Knöchel und Handgelenk und konnte am Sonntag nicht starten. Gelohnt hat sich die Reise für ihn aber trotzdem. Ein Sieg im Short Track am Freitagabend ist ja auch schon mal nicht schlecht.

Bartek Wolinski,Red Bull Content Pool On Pace aber vom Pech verfolgt. Ein Kettenriss und ein Platten bremsten Nino Schurter aus. Für Rang sieben reichte es trotzdem und damit schon jetzt für den Sieg in der Worldcup-Gesamtwertung.


Im Hauptrennen selbst kristallisierte sich dann schnell eine klare Führungsgruppe heraus. Schurter, Flückiger, Carod, Cooper und Avancini kämpften schon ab Runde zwei um jeden Zentimeter als stünden sie bereits kurz vor einem fünffach-Sprintfinish. Nach und nach musste sich jedoch Avancini zurückfallen lassen, auch Carod konnte die Pace der Führenden nicht mehr mitgehen und fiel zurück, wenn auch nur um wenige Sekunden. Dafür kämpfte sich nach einem schlechten Start der Worldcup-Sieger von Vallnord, Gerhard Kerschbaumer, an die Spitze.


Das verbliebene Quartett drehte zusammen seine Runden, mal dichter, mal weniger dicht beieinander, dann plötzlich das erste Desaster. Kameraschwenk, Cooper führt vor Kerschbaumer und Flückiger, dahinter Carod. Aber wo ist Schurter? Dann an der Feed-Zone die Aufklärung: Kettenriss für den Weltmeister, Schurter musste rennen und fiel nach der Reparatur hinter Avancini und Braidot zurück auf Rang sieben. Die Entscheidung würde also klar zwischen Kerschbaumer, Cooper und Flückiger fallen.

Cooper und Kerschbaumer in Schwierigkeiten

Bartek Wolinski,Red Bull Content Pool Anton Cooper im Ziel. Der junge Neuseeländer hätte Chancen auf den Sieg gehabt aber sein Sturz machte ihme einen dicken Strich durch die Rechnung.


So blieb es bis in die vorletzte Runde. Flückiger war jetzt eindeutig der stärkste in der Abfahrt, in den Anstiegen hatte manchmal Anton Cooper, häufiger noch Gerhard Kerschbaumer die meisten Körner. Doch in der letzten Abfahrt der vorletzten Runde dann ein Fahrfehler von Kerschbaumer, der Italiener ging heftig über den Lenker. Einige Schrecksekunden vergingen, doch dann stand er wieder auf und konnte das Rennen fortsetzen.


Anton Cooper ereilte ein ähnliches Schicksal. Er versuchte Flückiger durch "La Beatrice" zu folgen, war aber mit seinem Hardtail gegenüber Flückigers Fully schon rein technisch im Nachteil. Die Rechnung kam prompt, auch er überschlug sich, das Bike wirbelte den Hang hinunter und Cooper musste es erst einmal zurück auf die Strecke tragen, bevor er das Rennen fortsetzen konnte. Auch ihm ist zum Glück nichts Ernstes passiert.

Bartek Wolinski,Red Bull Content Pool Das Podium der Herren, seit langem erstmals ohne Nino Schurter: (von links) Maxime Marotte, Gerhard Kerschbaumer, Mathias Flückiger, Tituan Carod und Luca Braidot.

Flückiger fährt zum Sieg, Schurter holt Gesamtwertung


Damit blieb Flückiger der Einzige aus der Führungsgruppe, der der fiesen Strecke am Ende trotzen konnte, ohne einzubrechen. Der Schweizer holte einen verdienten ersten Worldcupsieg seiner Karriere. Kerschbaumer kämpfte sich trotz des heftigen Sturzes wieder auf Rang zwei vor, Tituan Carod holte Bronze, Marotte und Braidot rundeten das Podium ab vor Cooper auf Sechs und Schurter mit Kettenriss und einem Platten kurz vor dem Ziel auf sieben.

Bartek Wolinski,Red Bull Content Pool Mathias Flückiger ist der Mann der Stunde. Er trotzte der Strecke und der Konkurrenz und holte einen verdienten Sieg. Es ist der erste seiner Karriere. 


Matthias Flückiger ist aber nicht der einzige Schweizer, der in Kanada einen Sieg davontrug. Nach einer für seine Verhältnisse durchwachsenen Saison reichte Nino Schurter schon der siebte Platz in Kanada um sich die Gesamtwertung des Weltcups bereits nach dem vorletzten Rennen in dieser Saison zu sichern. Er ist und er bleibt damit der unangefochtene King of Cross-Country.


Alle Ergebnisse zum Weltcup in Kanada finden sie auf der Website der UCI . Das Replay des Rennens ist auf Redbull.tv zu sehen.

Themen: Annika LangvadCross CountryJolanda NeffMont Sainte AnneNino SchurterWorldcup 2018


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