Sieg um fünf Zentimeter - Fumic holt Platz fünf Sieg um fünf Zentimeter - Fumic holt Platz fünf Sieg um fünf Zentimeter - Fumic holt Platz fünf

XC Worldcup Nove Mesto 2018: Rennbericht Herren

Sieg um fünf Zentimeter - Fumic holt Platz fünf

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 3 Jahren

Im Rennen der Herren zeigte Nove Mesto seine Zähne. Die Favoriten Gaze und van der Poel stürzten, dafür bereitete ein anderer junger Neuseeländer Nino Schurter arge Kopfschmerzen.

Etwa 3700 Meter misst der XCO Worldcupkurs in Nové Město na Moravě in Tschechien, sechs Runden plus eine Startloop mussten die Männer fahren, pro Runde gut 180 Höhenmeter bewältigen. Am Ende des Rennens entschied trotzdem nur eine Handbreit über Sieg oder Niederlage im epischen Sprintfinish zwischen Olympiasieger Nino Schurter und dem neuseeländischen Newcomer Anton Cooper.

Marius Maasewerd Nino Schurter muss auch schon vor dem Rennen den Kopf kühlen. 


Dabei sollte es eigentlich ganz anders kommen. Gaze und van der Poel gegen Schurter, die jungen Wilden, die Short-Track-Sieger, gegen den amtierenden Weltmeister, Worldcupsieger und Olympiasieger. Und zunächst sah auch alles ganz danach aus. Ein schneller Start von allen Favoriten, Gaze ging im letzten Anstieg der Startloop in Führung, hinter ihm van der Poel und Schurter, alles wie gedacht.

Marius Maasewerd Ein bisschen Energie vor dem Rennen für Manuel Fumic. Der Kirchheimer fuhr am Ende auf Platz fünf.

Drama: Gaze stürzt heftig im ersten Rockgarden


Aber das erste Desaster des Tages ließ nicht lange auf sich warten und es sollte nicht das letzte bleiben. Erst als bereits das Hauptfeld vorbeipreschte, sah man, wie sich die schlaksige Figur des Neuseeländers im Rock Garden "Mercedes-Benz Rock-n-Roll" an der Seite der Strecke in die Höhe hob. Der Schmerz stand Gaze auf das Gesicht geschrieben, gleichzeitig versuchte er das Bike zu tragen und sich den Ellbogen zu halten.

Marius Maasewerd Der Start der Herren. Vorne ging alles glatt, aber hinten gab es eine böse Karrambolage.


Ein platter Vorderreifen. Gaze musste bis zur Tech-Zone laufen, schien extreme Schmerzen zu haben und bewältigte die Strecke nur mit Mühe. Das Rad wurde getauscht, Gaze stieg auf, dann stieg er entkräftet wieder ab, am Boden zerstört den Tränen nahe. Das sollte sein Worldcup werden, doch der Schmerz im Ellenbogen war selbst für den bis in die Haarspitzen motivierten Neuseeländer zu viel des Guten. Er rollte noch mit letzter Kraft bis ins Ziel, dann musste er aufgeben.

Marius Maasewerd Kurz nach dem Start. Schurter vorneweg, van der Poel hinterher. Stephane Tempier (Bianchi) hier noch auf Rang drei, sollte später wegen eines platten Hinterreifens weit nach hinten durchgereicht werden.

Schurter testet van der Poel – van der Poel stürzt auf das frisch operierte Handgelenk


An der Spitze des Rennens hatte nun Schurter die Führung übernommen. Und der Schweizer fackelte nicht lange und forcierte die Pace bewusst um seine Verfolger – Mathieu van der Poel und die BMC-Fahrer Lars Forster und Tituan Carod –  entweder abzuschütteln oder so lange zu zermürben, dass sie sich am Ende übernehmen würden.

Marius Maasewerd Einer der größeren Rock-Gardens der Strecke, der Mercedes Benz Rock-n-Roll. Sam Gaze wurde er zum Verhängnis. Vorne Schurter, dahinter van der Poel und die BMC-Fahrer Forster und Carod.

Marius Maasewerd Lars Forster vor Nino Schurter. Der junge BMC-Fahrer hatte sich viel vorgenommen. Für den Sieg reichte es nicht, aber immerhin für Platz vier. Auch ein sehr gutes Ergebnis.


Nur Mathieu van der Poel konnte Schurter folgen, doch für seine Verfolgungsjagd zahlte der Niederländer einen hohen Preis. Es war schon das Ende von Runde drei, Schurter und van der Poel kämpften an der Spitze noch immer um die Führung, Lars Forster hatte sich wieder herankämpfen können, da rutschte van der Poel nach einem langen Anstieg in einer eigentlich ungefährlichen Kurve das Vorderrad weg, er musste korrigieren, verlor die Linie, das Vorderrad blieb an einem Baum hängen, van der Poel flog über den Lenker und landete hart auf dem linken Handgelenk.

Marius Maasewerd Manuel Fumic fuhr erst einmal ruhig hinterher, ohne den Kontakt zur Spitze abreißen zu lassen. In der zweiten Hälfte des Rennens kämpfte sich der Deutsche Meister dann nach vorne bis auf Platz fünf.


Ein großes Unglück, das hoffentlich keine gravierenden Folgen haben wird. Denn erst vor wenigen Tagen, vor dem Worldcup in Albstadt war van der Poel wegen eines gebrochenen Kahnbeins an eben diesem Handgelenk operiert worden. Zwar stieg er wieder aufs Bike, doch auch bei ihm forderte der Körper seinen Tribut. Van der Poel konnte die Pace nicht halten, wurde nach hinten durchgereicht und musste sich dann aus dem Rennen zurückziehen. Ein herber Schlag für den Niederländer, der nun sicher von seinem Arzt erst einmal eine Zwangspause verordnet bekommen wird. Vor dem Rennen noch in Führung liegend, könnte für ihn nun die Worldcup-Saison schon ganz vorbei sein.

Marius Maasewerd Anton Cooper sorgt mit einer Wasserflasche für Kühlung. Der Neuseeländer verpasste den Sieg nach einem tollen Rennen am Ende nur um Haaresbreite.

Marius Maasewerd Nino Schurter musste sich gegen viele Attacken durchsetzen. In der Mitte des Rennens setzten ihm vor allem van der Poel (vorne, in weiß) und die BMC-Fahrer Lars Forster und Tituan Carod zu.

Schurter weiter unter Beschuss


Auch für Schurter hätte nun das Rennen zu Ende sein können, ohne die Hauptkonkurrenten Gaze und van der Poel mit einem klaren Sieg. Doch das Gegenteil war der Fall. Erst witterte Lars Forster eine Chance und setzte sich kurze Zeit vor seinen Schweizer Landsmann, bevor ein kleinerer Defekt ihn etwas zurückwarf, dann konnten Anton Cooper und Maxim Marotte zum Olympiasieger aufschließen. Insbesondere Marotte muss an dieser Stelle größter Respekt zuteilwerden. Der Cannondale-Fahrer war wegen eines schlechten Starts bis auf die Position 37 zurückgefallen, nahm dann aber seine ganze Kraft zusammen und kämpfte sich wieder bis zu Nino Schurter an die Spitze vor und zog Anton Cooper gleich mit, der hier in Nové Město na Moravě seine große Chance hatte.

Marius Maasewerd Kein guter Tag für Kulhavy. Bis zum letzten Anstieg war das Podium in Reichweite, dann machte ein Problem mit der Schaltung die Ambitionen des Tschechen beim Heimweltcup zunichte.

Marius Maasewerd Anton Cooper (vorne) und Maxime Marotte (mit blauem Trikot, dahinter) arbeiteten gut zusammen und konnten so nach dem Sturz von van der Poel bis zu Nino Schurter vorfahren.

Neuseeland an der Spitze: Ein zweites Stellenbosch?


Anton Cooper gilt schon lange als ein großes Talent im Nachwuchssport. Seit Jahren wird sein erfolgreicher Aufstieg in die Top-Ränge der Elite prophezeit, erst letztes Jahr, in seiner ersten Elite Saison konnte Cooper einige starke und etablierte Fahrer ausstechen. Bei Cooper sind Kletter- und Sprintstärke vereint mit einer wirklich starken Performance bergab, fast wie bei Nino Schurter selbst.

Marius Maasewerd Marotte, Schurter und Cooper (von rechts) wechselten sich ab bei der Führungsarbeit. Erst mit der Attacke von Schurter in der letzen Runde musste Marotte abreißen lassen.

Marius Maasewerd Vor allem Anton Cooper (Mitte) konnte Nino Schurter gegen Ende des Rennens mächtig unter Druck setzen.


Jetzt, in den letzten Runden des Rennens in Tschechien, war es endlich so weit. Schurter versuchte in einem der letzten Anstiege noch einmal mit einer Attacke die Verfolger abzuschütteln, Marotte gab auf, Cooper blieb dran. Im letzten Downhill schenkten sich die beiden Kontrahenten nichts, früh begann Schurter den Sprint zum Ziel, fast sah es aus als wäre Cooper nun geschlagen. Er fiel einige Meter zurück, dann motivierte der Neuseeländer seine letzten Kräfte und schoss plötzlich nach vorne, Schurter bemerkte den Angriff und gab alles. Gleichstand im Ziel, beide Räder überquerten die Linie im selben Augenblick, erst der Fotobeweis schaffte Klarheit. Sieg für Nino Schurter um wenige Zentimeter!

Fumic fährt aufs Podium, Egger auf Platz 22


Rang drei ging an Maxime Marotte, immerhin Rang vier sicherte sich der zeitweise in Führung liegende Lars Forster aus der Schweiz. Und der letzte Platz des Podiums? Der ging an Manuel Fumic. Der Kirchheimer war ein starkes Rennen gefahren, hatte seine Geschwindigkeit gut kontrolliert. Zunächst rangierte er in den unteren Top 10, als das Rennen sich dem Ende näherte, konnte er noch auf seine Reserven zurückgreifen und behauptete sich in der großen Verfolgergruppe gegen Teamkollege Avancini und den Publikumsliebling in Nové Město, Jaroslav Kulhavy. Sogar Florian Vogel konnte Fumic kurz vor dem Ziel noch überholen. Ein wirklich starkes Ergebnis, das Fumic immerhin den achten Platz in der Worldcup-Gesamtwertung einbringt.

Marius Maasewerd Manuel Fumic hielt seine Pace bis zum Ende des Rennens und konnte so noch einige Fahrer passieren.


Kulhavy selbst konnte zwar mit der Unterstützung der tschechischen Fans nach einem eher durchwachsenen Start weit nach vorne Fahren, im letzten Anstieg hatte er aber Probleme mit der Schaltung und im Zielsprint musste er sich sogar noch Arnis Petersons aus Litauen geschlagen geben. Platz neun für ihn am Ende, Landsmann Ondrej Cink fuhr nach einer ganzen Saison auf dem Rennrad 2017 beim Heimweltcup in diesem Jahr immerhin auf Rang 18. Mehr freuen wird sich noch Georg Egger. Der 23-jährige holte nach einem guten 44. Platz in Albstadt in Nové Město sogar den Rang 22. Ein wirklich starkes Ergebnis, das einen schönen Trend anzeigt. Wer weiß, wie weit Egger in den nächsten Jahren noch aufsteigen kann. Wir sind jedenfalls gespannt.

Marius Maasewerd Gleichstand. Der Vorsprung von Schurter betrug am Ende nur wenige Zentimeter und ist aus dieser Perspektive absolut nicht sichtbar.


Alle Ergebnisse zu den Worldcuprennen in Nové Město na Moravě finden Sie auch auf der Website der UCI . Die Wiederholung der Live-Übertragung gibt es kostenlos auf Redbull.tv zu sehen.

Themen: Cross CountryManuel FumicNino SchurterNove MestoWorldcup 2018


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