UCI Worldcup Cairns: Cross Country Rennbericht

Schurter und Langvad gewinnen ersten Worldcup 2016

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 5 Jahren

Beim ersten Cross-Country-Worldcup fehlten Neff und Dahle-Flesja. Dafür gewann Annika Langvad, Sabine Spitz und Helen Grobert fuhren auf Platz 5 und 6. Bei den Männern triumphierte Nino Schurter.

Beim ersten Cross-Country-Worldcup 2016 in Cairns hat das olympische Jahr voll zugeschlagen. Im Damenrennen fehlten mit Jolanda Neff und Gunn-Rita Dahle Flesja sowohl die Topfavoritin als auch ihre größte Rivalin, weil beide keinen Trainingsverlust durch Jetlag riskieren wollten. Dafür debütierte U23-Star Jenny Rissveds in ihrem ersten Elite-Worldcup und die Australierin Rebecca Henderson lieferte eine extrem starke Vorstellung ab. Auch bei den Männern gab es einige Überraschungen.

Mit der Startnummer eins – wegen ihrer Punkte im UCI-Gesamtranking 2016 – lastete der gesamte Druck auf der jungen Ukrainerin Yana Belomoina, die auch von der Pole Position startete. Doch noch war völlig unklar, wer das Rennen dominieren würde. Catharine Pendrel durch ihre Erfahrung, Annika Langvad durch ihre physische und psychische Stärke oder vielleicht auch Yana Belomoina oder Sabine Spitz?

Langvad und Indergard im Duo an der Spitze

Das Starterfeld der Damen kurz nach dem Startschuss. Zweite von links in weiß Helen Grobert, neben Annika Langvad in Schwarz. Rechts in Pink Sabine Spitz hinter Emily Batty.

Doch spätestens als Yana Belomoina in der zweiten Runde nach dem Rodeo-Drop sehr unglücklich auf dem Vorderrad landete und von ihrem Bike Richtung Absperrung transportiert wurde, zeichnete sich eine deutliche Führungsgruppe aus Annika Langvad und der Schweizerin Linda Indergand ab. Die eine eine Langstrecken-, die andere eine Sprint-Spezialistin. Sie hatten sich bereits einige Sekunden vom Verfolgerduo Catharine Pendrel und Rebecca Henderson absetzen können, die auch im späteren Verlauf nicht mehr zu den zwei Führenden aufschließen konnten.

Dahinter bildete sich im weitern Verlaufs des Rennens ein drittes Duo aus Sabine Spitz und Helen Grobert, die erfahrene Worldcup-, WM- und Olympia-Veteranin Sabine Spitz fuhr vorneweg, Helen Grobert dicht hinterher. Erst in den letzten beiden Runden konnte sich Spitz stellenweise absetzen und erreichte 15 Sekunden vor Grobert das Ziel, die auch – sei es aus Respekt oder wegen nicht ausreichender körperlicher Reserven – nie den Versuch unternommen hatte, Spitz zu überholen. Trotzdem: Platz fünf und sechs für Grobert und Spitz, eine sehr gute Leistung. So kann es gerne weitergehen.

Helen Grobert ist mit ihrem sechsten Platz sichtlich zufrieden bei der Zieldurchfahrt.

Linda Indergard machte auf dem Kurs in Cairns eine gute Figur. Auch für sie ist der zweite Rang das beste Ergebnis ihrer Karriere.

Rebecca Henderson mit bestem Worldcup-Ergebnis ihrer Karriere

Anders als Spitz erging es Catharine Pendrel, die sich in der vorletzten Runde der jugendlichen Energie Rebecca Hendersons geschlagen geben musste und damit vor Spitz und Grobert auf den vierten Platz fuhr. Die Aussicht auf eine Podiumsplatzierung im Worldcup im eigenen Land hat Henderson sicherlich zusätzlich motiviert. Es ist mit Abstand ihr bestes Ergebnis in einem Worldcup-Rennen überhaupt.

Jetzt bloß keinen Fehler machen: Die junge Australierin Rebecca Henderson blieb konzentriert und ließ sich auch nicht von ihrer hochdekorierten Verfolgerin Catharine Pendrel aus der Ruhe bringen. Für Henderson ist der dritte Platz das mit Abstand beste Ergebnis ihrer Karriere.

Stark zeigten sich auch Annika Langvad und Linda Indergand. Die Dänin gewann sicher mit einem Vorsprung von zehn Sekunden. Es ist erst ihr zweiter Worldcup-Sieg, nach dem Triumph beim Saisonfinale in Val di Sole vergangenes Jahr. Noch stolzer ist sicher ihre Verfolgerin Linda Indergand. Zwar hat sie den Sieg knapp verpasst, fuhr mit dem zweiten Platz aber auch ihr bisher bestes Worldcup-Ergebnis ein.

Emily Batty hatte sich gerade erst von einer Lebensmittelvergiftung erholt und scheint deswegen mit Platz sieben recht zufrieden zu sein. Yana Belomoina und Adelheid Morath dagegen hatten sich wahrscheinlich bessere Plätze als 22 und 16 erhofft. Belomoina hatte bei ihrem verpatzten Drop wohl Motivation und Selbstvertrauen verloren und war von der Führungsgruppe bis auf Platz 22 durchgereicht worden.

Für Annika Langvad ist es erst der zweite Worldcup-Sieg ihrer Karriere. In der Marathondisziplin hat sie allerdings schon zwei Weltmeistertitel geholt.

Absalon mit Pech im Männerrennen

Favorit Julien Absalon hatte ebenso ziemliches Pech. Nach einem guten Start handelte er sich bereits im ersten langen Anstieg einen platten Hinterreifen ein. Zwar konnte er mit der Restluft noch gut bis zur Feed-Zone fahren, verlor jedoch beim Hinterradwechsel fast eine ganze Minute und fand sich dann auf Platz 25 wieder. Doch der Franzose gab nicht auf und arbeitete sich Fahrer für Fahrer wieder an die Spitze zurück.

Nino Schurter dagegen konnte das Rennen schon von Anfang an dominieren. Bald hatte sich eine Führungsgruppe aus ihm, Mathias Flückiger und Maxime Marotte gebildet. Da Schurter über den Zeitverlust seines Hauptrivalen informiert war, machte er nicht den Versuch, sich von der Gruppe abzusetzen, um ein Zeitpolster auf Absalon herauszufahren. So absolvierten die drei viele Runden in dichtem Abstand, wobei Maxime Marotte im Downhill immer etwas Zeit gegen die beiden Schweizer verlor, bis Mathias Flückiger in den letzten Runden des Rennens aufgrund eines Schleichers am Hinterrad etwas nachgeben musste und Schurter und Marotte ziehen ließ.

Nino Schurter bewies wieder einmal Klasse und fuhr das Rennen sicher nach Hause.

Schurter und Marotte in dichtem Abstand

Da Schurter jedoch weiterhin in den Downhills schneller war, blieb dem Franzosen keine andere Wahl, als zu versuchen, in den Tretpassagen immer wieder aufzuschließen. Das gelang ihm auch, doch der Abstand nach dem letzten Downhill war zu groß. Zwar trennten die beiden am Ende nur drei Sekunden, doch das ist mehr der Tatsache geschuldet, dass Schurter das Rennen ausrollen ließ und seinen Sieg schon einige Meter vor der Ziellinie feierte. Marotte war nicht in Reichweite und so blieb ein echter Zielsprint aus.

Nino Schurter macht da weiter, wo er 2015 aufgehört hat. Er feierte in Cairns seinen 18. Worldcup-Sieg.

Marco Fontana, Teamkollege von Manuel Fumic, dynamisch auf dem Kurs in Cairns.

Inzwischen hatte sich Julien Absalon in einer eindrucksvollen Aufholjagd wieder auf Platz drei vorgearbeitet, indem er in der vorletzten Runde auch noch Mathias Flückiger überholen konnte. Doch der Abstand zu Marotte und Schurter war zu groß, als dass er noch in der letzten Runde hätte aufschließen können. Platz drei ging damit an Julien Absalon Ihm folgten Mathias Flückiger, Florian Vogel und Young Gun Lars Forster, der damit einen eindrucksvollen Start im Elite-Zirkus hinlegt.

Suboptimal lief es dagegen für die deutschen Athleten. Worldcup-Hoffnung Manuel Fumic wurde nach einem guten Start im Laufe des Rennens weit nach hinten durchgereicht und musste das Rennen auf Platz 30 beenden. Martin Gluth und Simon Stiebjahn belegten die Plätze 35 und 36, Karl Platt fuhr auf Rang 49. Moritz Milatz und Markus Schulte-Lünzum bildeten mit den Plätzen 52 und 53 sogar die Schlusslichter des Rennes.

Auch wenn es schon sein 18. Sieg ist: Nino Schurter genießt ihn trotzdem.

Themen: Cross CountryHelen GrobertJulien AbsalonManuel FumicNino SchurterSabine SpitzUCI WorldcupWorldcupXCO


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