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XC Worldcup #4 2019 Les Gets XC Worldcup #4 2019 Les Gets

UCI MTB XCO Worldcup #4 2019 Les Gets: Rennbericht

Sieg für Courtney und Schurter - Brandau auf Rang drei!

Adrian Kaether am 16.07.2019

Elisabeth Brandau feierte auf der kletterlastigen Strecke beim Worldcup in Les Gets ihren bieherigen Karriere-Höhepunkt. Schurter und Courtney siegten, die Deutsche holte Rang drei in beiden Rennen.

Kein Zweifel. Elisabeth Brandau ist der Star des Cross-Country-Worldcups am letzten Wochenende in Les Gets in den französischen Alpen – nicht nur aus deutscher Sicht. Die Schönaicherin fuhr in nur drei Tagen gleich zwei der besten Ergebnisse ihrer Karriere ein, denn schon im Short-Track-Rennen am Freitag zeigte sich ihre starke physische und mentale Form.

XC Worldcup #4 2019 Les Gets

Die Verfolgergruppe im Damenrennen. Hier sind Pauline Ferrand-Prevot und Sina Frei (in schwarz) noch vorne, Elisabeth Brandau hinten. Später war es umgekehrt.

Sieg für Courtney im Short Track – Brandau verteidigt Rang drei

Nach einem schnellen Start auf der flachen Short-Track Strecke blieb Brandau immer nah an den Führenden und ging wie schon so oft in der Mitte des Rennens zur Attacke über. Mit dem Unterschied, dass sie diesmal die Führung für eine längere Zeit halten konnte und auch nach einer Attacke von Kate Courtney nicht weit zurückfiel. Lediglich Pauline Ferrand-Prevot konnte der Weltmeisterin folgen, Elisabeth Brandau blieb auf Platz drei und verteidigte den Bronze-Rang auch im Sprint-Finish gegen die Schweizerin Jolanda Neff.

XC Worldcup #4 2019 Les Gets

Kate Courtney. Nach ihrem kleinen Durchhänger in Andorra letzte Woche fuhr die Amerikanerin in Les Gets wieder ganz an die Spitze. Niemand konnte ihr am Ende des Rennens noch Paroli bieten.

Jenny Rissveds: Von Startreihe neun an die Spitze – die Olympiasiegerin ist zurück

Im Rennen am Sonntag gingen dagegen zunächst einmal andere in Führung. Jolanda Neff erwischte einen zu schnellen Start und war danach damit beschäftigt, wieder einen Rhythmus zurückzufinden, dafür setzte sich Weltmeisterin Kate Courtney an die Spitze, wurde in der zweiten Runde jedoch überraschend durch Olympia-Siegerin Jenny Rissveds abgelöst. Zwar konnte die Schwedin die Führung nicht lange halten, doch es ist dennoch ein deutliches Zeichen: Jenny Rissveds ist zurück an der Spitze!

Taktik statt Vollgas – Brandau führt Verfolgergruppe an

Elisabeth Brandau hingegen hielt sich immer in Schlagweite. Auch sie übernahm Anfang der zweiten Runde für einen kurzen Moment die Führung, doch sie haushaltete dieses Mal besser mit ihrer Energie und ging vor Allem die Attacken von Courtney und Rissveds nicht mit. Stattdessen blieb sie lieber an der Spitze der Verfolgergruppe. Eine Taktik die sich am Ende auszahlen sollte. Denn nach einer weiteren Attacke von Kate Courtney musste sich Rissveds ohnehin zurückfallen lassen und Elisabeth Brandau fand sich auf Platz zwei wieder.

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Kate Courtney im Vollgas-Modus. Die Amerikanerin überzeugt mit einer Kombination aus Fitness und technischer Stärke und ließ die Konkurrenz ab der Mitte des Rennens weit hinter sich.

Also nun Brandau in Verfolgerposition? Nein, so kann man es nicht sagen. Wieder traf die Schönaicherin die rationale Entscheidung und versuchte nicht, die mittlerweile fast eine halbe Minute messende Lücke zu Kate Courtney an der Spitze zu überbrücken. Stattdessen duellierte sie sich mit Sina Frei und Pauline Ferrand-Prevot um die Führung in der Verfolgergruppe, hatte insbesondere an den Anstiegen aber eindeutig die stärksten Beine.

Neff rollt Feld von hinten auf – Courtney fährt vorneweg

Währenddessen rollte Jolanda Neff das Feld von hinten auf. In der ersten Runde hatte sie sich übernommen und musste die Geschwindigkeit drosseln. Doch es gelang ihr, ihre Kräfte zu bündeln und schon in Runde drei war sie wieder so schnell wie Kate Courtney an der Spitze. Nach und nach schloss sie zur Verfolgergruppe auf, versuchte auch an Courtney heranzukommen, doch vergebens. Dafür reichten ihre Reserven nicht aus.

XC Worldcup #4 2019 Les Gets

Das Podium der Damen bei einer ausgiebigen Champagner-Dusche. Sina Frei, Jolanda Neff, Kate Courtney, Elisabeth Brandau und Pauline Ferrand-Prevot (v. l. n. r.).

Mit einer halben Minute Rückstand auf die Weltmeisterin erreichte Neff auf Platz zwei das Ziel. Und auf Rand drei? Elisabeth Brandau. Die Deutsche hatte sich in der Verfolgergruppe am Ende deutlich gegen Frei und Ferrand-Prevot durchsetzen können und holte wie schon im Short-Track-Rennen Bronze. Was für ein Ergebnis!

Herrenrennen: Führungsgruppe bleibt dicht zusammen

Dann Startschuss im Männerrennen. Erst Koretzky für Frankreich an der Spitze, dann Marathonweltmeister Avancini, doch schon am Ende der zweiten Runde übernimmt Schurter die Führung – nur um einige Meter später wieder von einer Attacke von Avancini überrascht zu werden: Wer hätte damit auch schon gerechnet, einer Attacke in der zweiten Runde?

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Die Verfolgergruppe im Herrenrennen. Avancini vorne, Tempier und Cink dahinter.

Doch auch der Brasilianer bleibt nicht lange in Führung. Kaum eine Minute später hat die Verfolgergruppe aus Schurter, Cink und Tempier wieder aufgeschlossen, die Führung wechselt immer wieder, niemand kann sich absetzen. Cink versucht es dann in der Mitte des Rennens, auch er kann sich nur eine halbe Runde mit einem leichten Vorsprung vorne halten, dann muss er wieder zurückstecken.

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Leichtes Spiel: Nino Schurter mit seinem typischen Schurter-Whip. Und das während der Verfolgung des vor ihm liegenden Marathonweltmeisters Henrique Avancini.

Noch einmal Val di Sole 2018? Schurter gegen Kerschbaumer an der Spitze

Gerhard Kerschbaumer hat nun zur Spitzengruppe aufgeschlossen und so ziehen die Fünf ihre Bahnen bis in die vorletzte Runde. Da schert Schurter am ersten langen Anstieg der Runde aus dem Pulk aus, nur Gerhard Kerschbaumer kann ihm folgen. Avancini, Tempier und Cink bleiben zurück.

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Das Duell des späten Rennenverlaufs. Schurter und Kerschbaumer an der Spitze. Am Ende hatte der Schweizer den längeren Atem.

Lange hat es gedauert, bis Gerhard Kerschbaumer, Schurters ärgster Konkurrent aus dem letzten Jahr, zurück an die Spitze gefunden hat. Doch jetzt ist er da und man merkt den beiden den Respekt an, mit dem sie sich begegnen. Immer wieder tasten sie sich ab, fahren kleine Attacken, doch nichts wirkt wirklich wie ein ernster Ausreißer.

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Ondrej Cink fuhr ein weiteres starkes Rennen, ging aber auch hier ans Limit. Kurzzeitig übernahm der Tscheche die Führung, konnte aber am Ende die Geschwindigkeit nicht halten und landete auf Rang fünf.

Schurter zieht in der letzten Runde davon – Kerschbaumer bleibt auf Rang zwei

In der letzten Runde dann setzt Schurter wieder kurz vor dem Ende des ersten Anstiegs alles auf eine Karte und versucht Kerschbaumer davonzufahren. Es klappt. Mit wenigen Sekunden Vorsprung geht der Weltmeister in die erste Abfahrt und kann dort seine überragende Fahrtechnik ausspielen. Kerschbaumer fällt noch ein paar Sekunden zurück. Beide sind mittlerweile von der Anstrengung gezeichnet, auch Schurter fühlt sich sichtlich nicht mehr besonders wohl, doch er hält das Tempo.

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Sieg Nummer zwei dieses Jahr für den amtierenden Weltmeister. Mit 32 Siegen in seiner Karriere trennt Schurter jetzt nur noch eine Goldmedaille vom Rekord seines ehemaligen Dauer-Konkurrenten Julien Absalon.

Gut zehn Sekunden trennen die beiden – kein unüberbrückbarer Vorsprung, doch die Kräfte sind auf beiden Seiten verbraucht. Schurter kann nicht weiter ausreißen, Kerschbaumer keine Attacke mehr fahren. So bleibt es dabei. Schurter geht am Ende noch auf Nummer sicher, um nicht kurz vor Schluss in den tückischen Graskurven noch wegzurutschen. Der Plan geht auf und der Schweizer erreicht mit noch immer vier Sekunden Vorsprung auf seinen italienischen Kontrahenten als Erster das Ziel. Kerschbaumer landet auf Platz zwei, Avancini, Tempier und Cink füllen die Podiumsplätze auf. Mathias Flückiger findet keinen Rhythmus und landet auf Rang neun, Mathieu van der Poel kann ebenfalls nicht vorne mitfahren und duelliert sich am Schluss erfolgreich mit Manuel Fumic um Rang 16.

Alle Ergebnisse zum Worldcup in Les Gets finden sie auf der Website der UCI, das Replay des Rennens ist noch auf Redbull.tv zu sehen.

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Das Podium der Herren. Stephane Tempier, Gerhard Kerschbaumer, Nino Schurter, Henrique Avancini und Ondrej Cink (v. l. n. r.).

XC Worldcup #4 2019 Les Gets

Für Mathieu van der Poel lief es nicht wie geplant. Nach seinem Sieg im Short Track am Freitag konnte der Niederländer über die olympische Distanz nicht überzeugen und fuhr auf Platz 16.

Adrian Kaether am 16.07.2019

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