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Cross Country Worldcup #6 2019 Lenzerheide Cross Country Worldcup #6 2019 Lenzerheide

UCI MTB XC-Worldcup 2019 #6 Lenzerheide: Rennbericht

Jenny Rissveds zurück an der Spitze

Adrian Kaether am 13.08.2019

Der XC-Worldcup in Lenzerheide glänzte mit brillianten Duellen in beiden Rennen. Olympiasiegerin Jenny Rissveds fuhr zu einem emotionalen Sieg, bei den Herren packte van der Poel wieder den Turbo aus.

Ein langer Asphaltanstieg zu Beginn, ein kurzer Downhill, dann kaum noch ein längerer Streckenabschnitt zum Durchschnaufen. Auf jedem Meter bremsen Wurzeln und andere Unebenheiten, nach kaum einer Runde sind die Beine eigentlich leer. Lenzerheide ist eine Strecke für absolute Kraftprotze, leichte Kletterer haben hier häufig das Nachsehen.

Cross Country Worldcup #6 2019 Lenzerheide

Jolanda Neff geriet ziemlich schnell in die Zone, wo es richtig weh tut. Sie fing sich aber und hätte Platz vier halten können, wenn da nicht noch der platte Reifen gewesen wäre.


Jolanda Neff geht früh in Führung


Kein Wunder, dass da Jolanda Neff, die zu Beginn des Damenrennens in Führung ging, irgendwann so ihre Probleme hatte. Die Schweizerin hatte wieder einen besonders schnellen Start hingelegt, musste dann aber am Ende der ersten Runde einsehen, dass sie dem Feld nicht einfach würde davonziehen können. Denn so sehr es ihr ihre gute Fahrtechnik ermöglichte, immer wieder in kurzen Abfahrten Zeit gut zu machen, so sehr verlor sie auch immer wieder ein kleines bisschen ihres Vorsprungs auf flachen Wurzelpassagen. Und von denen gibt es in Lenzerheide so einige. Bald schlossen ihre Verfolgerinnen wieder zu ihr auf und in der Mitte des Rennens waren Pauline Ferrand-Prevot, Anne Terpstra und Jenny Rissveds schon an Neff vorbeigegangen.

Cross Country Worldcup #6 2019 Lenzerheide

Neffs Verfolgergruppe mit Ferrand-Prevot (vorne), Rissveds (rechts) und Terpstra (links).

Rissveds geht zur Attacke über


Die drei Damen würden es nun unter sich ausmachen, so viel war klar. Terpstra und Rissveds forcierten immer wieder das Tempo und ließen Ferrand-Prevot in der vorletzten Runde hinter sich. Am Anfang der letzten Runde ging dann Rissveds endgültig zur Attacke über und ließ Terpstra im ersten Anstieg förmlich stehen. Die Schwedin zeigt damit erstmals seit ihrer psychisch bedingten Auszeit nach ihrem Olympiasieg von Rio eine Topform und ließ sich den erarbeiteten Vorsprung auch im Rest der Runde nicht mehr nehmen.

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Starke Beine, gute Technik. Nicht umsonst hat Jenny Rissveds 2016 ihren ersten Worldcup in Lenzerheide gewonnen. Die Strecke liegt ihr einfach.

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Sina Frei und Catharine Pendrel im Kampf um Platz vier.


Jubelnd erreichte sie die Zielarena mit der Ziellinie, die vor nunmehr drei Jahren Zeugin ihres ersten Worldcup-Siegs in der Elite überhaupt geworden war. Sicherlich der emotionalste Sieg im Damen-Cross-Country seit langem. Und es könnte kaum deutlicher sein: Jenny Rissveds ist nach einer dunklen Zeit voller Leistungsdruck, Überlastung und persönlicher Tragödien endlich an die Spitze des Sports zurückgekehrt.

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Was für ein Sieg. Die Olympiasiegerin ist zurück.

Brandau nur auf Rang 49 – „Null Energie“


Platz zwei geht an Anne Terpstra, Platz drei an Pauline Ferrand-Prevot mit Sina Frei und Catharine Pendrel auf den letzten beiden Stufen des Podiums. Jolanda Neff lag lange auf Platz vier, fiel dann aber wegen eines Plattens noch etwas weiter zurück und landete hinter Kate Courtney auf Rang acht. Beste Deutsche wurde Adelheid Morath auf Rang 39. Elisabeth Brandau hatte, wie sie auf Instagram schreibt, „Null Energie“ und musste sich mit Platz 49 begnügen.

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Kein guter Tag für die Weltmeisterin. Immerhin, für Platz sieben reichte es am Ende trotzdem.

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Das Podium der Damen: Sina Frei, Anne Terpstra, Jenny Rissveds, Pauline Ferrand-Prevot und Catharine Pendrel.


Führungsgruppe mit Schurter, van der Poel und Avancini – Schurter greift früh an


Wie zu erwarten begann auch das Rennen der Herren mit einem schnellen Start. Von Anfang an gingen van der Poel und Schurter vorneweg, schnell bildete sich mit Henrique Avancini eine Führungsgruppe, die dem Rest des Feldes bald davonzog. Nur Mathias Flückiger ließ sich nicht unterkriegen und schloss bald als vierter Fahrer zu den drei Spitzenreitern auf.

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Ein schneller Start bei den Herren.


Schon im ersten Anstieg der zweiten Runde dann die erste Attacke. Schurter ging mit Vollgas die Steigung hinauf, van der Poel und mit einigem Abstand Avancini folgten. Wollte Schurter tatsächlich so früh schon ausreißen? Nein, zumindest jedenfalls gelang es ihm nicht, van der Poel und Avancini schlossen wieder auf. Das Spiel wiederholte sich in der zweiten Runde, Schurter wollte offensichtlich seine Kletterstärke ausspielen und seine Kontrahenten so mürbe machen.

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Mathias Flückiger versucht dranzubleiben. Mit Schurter und van der Poel kann er jedoch nicht mithalten.


Van der Poel nimmt das Heft in die Hand – Attacken in Runde zwei und fünf


Aber der Plan ging nicht auf. Denn schon am Ende von Runde zwei hatte Mathieu van der Poel genug von Schurters Katz-und-Maus-Spiel und ging selbst zu einer kleineren Attacke über. Schurter ging mit, Flückiger und Avancini blieb nur die Verfolgerrolle. So gingen van der Poel und Schurter alleine an der Spitze erst in die vierte, dann in die fünfte Runde.

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Mathieu van der Poel geht zur Attacke über und lässt Schurter endgültig hinter sich.


Jetzt endlich zeigte Mathieu van der Poel auch in Lenzerheide sein wahres Gesicht. Der Niederländer warf alle Zurückhaltung in den Wind und ging mit zusammengebissenen Zähnen im ersten Anstieg zum Angriff über. Schurter konnte unmöglich folgen und verlor trotz seines Versuchs, van der Poels Attacke mitzugehen, gleich in diesem Anstieg vier Sekunden, weitere drei im Verlauf der nächsten Kurven. Auch in der letzten Runde blieb van der Poel schnell, Schurter konnte den Vorsprung nicht mehr aufholen und ging mit 25 Sekunden Rückstand auf van der Poel als Zweiter ins Ziel.

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Das Podium der Herren: Victor Koretzky, Nino Schurter, Mathieu van der Poel, Mathias Flückiger und Gerhard Kerschbaumer.


Manuel Fumic fährt auf Rang acht


Der Sieg geht damit an Mathieu van der Poel, die Plätze drei bis fünf an Mathias Flückiger, Victor Koretzky und Gerhard Kerschbaumer. Manuel Fumic landete nach einem starken Rennen auf Platz acht. Der Kirchheimer war wegen eines guten Short-Track-Rennens von der ersten Startreihe aus gestartet, verlor zwar in der Mitte des Rennens einige Positionen, konnte sich am Ende aber wieder in die Top 10 zurückkämpfen.


Alle Ergebnisse zum Worldcup in Lenzerheide finden sie auf der Website der UCI. Die Wiederholung des Rennens ist nach wie vor auf Redbull.tv zu sehen.

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Der Sieger in lässiger Pose. Van der Poel scheint sich auch von schnellen Rennen schnell zu erholen.

Adrian Kaether am 13.08.2019

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