UCI MTB XC Worldcup 2019 #2 Nové Město: Rennbericht

(Fast) ein Doppelsieg für die Niederlande

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor einem Jahr

Rennsport pur auf der Strecke von Nové Město na Moravě. Bei den Herren duellierte sich van der Poel erfolgreich mit Schurter, bei den Damen fuhr Anne Tauber fast ihren ersten Sieg ein.

Albstadt und Nové Město na Moravě. Die beiden Eröffnungsrennen des 2019er UCI Mountainbike Worldcups im Cross Country könnten wohl unterschiedlicher nicht sein. Albstadt hat lange, steile Anstiege gefolgt von langen und engen Abfahrten. Die Gefahr liegt im Detail – hier ein rutschiger Abschnitt feuchter Erde, dort eine unberechenbare Holzbohle. In Nové Město na Moravě dagegen springt die Gefahr sehr direkt ins Auge. Fiese Rockgardens türmen sich vor den Fahrern auf, einige Sprünge müssen sie bewältigen und die Anstiege sind eher kurz, haben es aber  technisch in sich.

Jolanda Neff gibt alles. Im technischen Geläuf ist die Schweizerin unschlagbar, doch bergauf hatten diesmal andere die Nase vorne.


Kein Wunder, dass da Nové Město na Moravě vielleicht zusammen mit Mont-Sainte-Anne in Kanada als die schwierigste und technischste Strecke des Rennzirkus gilt. Aber auch als eine der spannendsten und schönsten, für Fahrer wie Zuschauer gleichermaßen. Ein perfektes Revier also für den Weltmeister Nino Schurter, so könnte man meinen. Es sollte ganz anders kommen. Denn nicht nur musste Schurter im Rennen der Herren eine erneute Pleite hinnehmen, die Damen stahlen den Herren in einem Rennen voller Spannung sogar fast die Show.

Nicht am Start in Nove Mesto. Annika Langvad fühlt sich nicht fit und hat deswegen lieber auf den Start in Tschechien verzichtet. In Andorra will sie aber wieder zurück sein.

Schlechter Start für Anton Cooper


Es war ein wie erwartet sehr schneller Start, der das Rennen der Herren eröffnete. Von den Favoriten patzte mit Ausnahme von Anton Cooper keiner so richtig. Der Neuseeländer hatte im letzten Jahr das Sprintfinish in Nové Město nur um Zentimeter gegen Nino Schurter verloren und galt daher als einer der Favoriten für 2019. Im Startloop jedenfalls brachte er die Kraft nicht richtig aufs Pedal, das Feld sortierte sich aber trotzdem schnell in eine klare Ordnung. Nino Schurter und Mathieu van der Poel schossen vorneweg, verfolgt von Henrique Avancini, Maxime Marotte, dem Albstadt-Sieger Mathias Flückiger und dem Tschechen Ondrej Cink.

Schurter gegen van der Poel. Am Ende hatte der Niederländer eindeutig noch mehr Reserven.

Cink bejubelt auf Platz drei


Ondrej Cink? Vor einigen Jahren schon war der Tscheche einer der Podiumsfavoriten in fast jedem Worldcup, doch er wechselte auf die Straße, dann wieder zum Geländesport und brauchte ein bisschen Eingewöhnungszeit, bis er wieder mit den Schnellsten der Schnellen mithalten konnte. Dieser Zeitpunkt schien jedoch nun, beim Worldcup in seinem Heimatland, endlich gekommen. Angetrieben vom frenetischen Jubel der tschechischen Menge versuchte Cink die Lücke zu Mathieu van der Poel und Nino Schurter an der Spitze zu überbrücken.

Ondrej Cink versuchte, mit der Brechstange wieder zu den Führenden aufzuschließen. Leider übernahm er sich ein wenig und landete am Ende auf Rang fünf. Dennoch ein gutes Ergebnis für den Tschechen.

Attacke in Runde 7 – Mathieu van der Poel lässt Schurter stehen


Aber vergebens. In Runde sechs von sieben schwanden Cinks Kräfte und er musste sich bald um die Verteidigung des dritten Platzes bemühen. Vorne dagegen zogen „MVDP“ und Schurter weiter ihre Bahnen und vergrößerten den Abstand auf die Verfolger immer mehr. Erst in der letzten Runde, im letzten Anstieg, als schon alle mit einem Sprintfinish gerechnet hatten, blies van der Poel zur Attacke.

Mathias Flückiger fährt eine gute Saison bis jetzt. Nach seinem Sieg in Albstadt steht er in Nove Mesto mit Rang drei schon wieder auf dem Podium.


Mit Vollgas ging er nach vorne und lies Schurter förmlich stehen. Schon nach einer Minute betrug der Rückstand des Schweizers um die 15 Sekunden. Da war dann auch nichts mehr zu machen. Mathieu van der Poel fuhr den Sieg sicher nach Hause und freute sich wie der sprichwörtliche Schneekönig. Denn auch wenn man es kaum glauben mag: Der Sieg in Nové Město na Moravě ist der erste Mountainbike-Worldcup-Sieg für Mathieu van der Poel überhaupt und der erste Worldcup-Sieg der Niederlande seit über zehn Jahren.

Große Emotionen bei Mathieu van der Poel. Es ist der erste Worldcup-Sieg für den Niederländer.

Einer von zwei Lichtblicken in der deutschen Misere. Elisabeth Brandau hatte einen Platten und dann auch noch einen Sturz, Manuel Fumic wurde gleich der ganze Reifen vom Hinterrad gezogen, auch Georg Egger fand nicht in seinen Rhythmus. Ben  Zwiehoff (im Bild) fuhr aber das beste Rennen seiner Karriere und landete am Ende auf Rang 23.

Anne Tauber führt im Damenrennen


Doch aus eins hätte an diesem Wochenende schnell zwei werden können, denn auch im Rennen der Damen sah es lange nach einem Sensations-Sieg für die Niederlande aus. Anne Tauber vom Team CST American Eagle hatte einen guten Start erwischt und konnte sich schon zu Beginn an die Spitze des Rennens setzen. Die Niederländerin fährt schon seit Beginn letzten Jahres immer wieder starke Resultate ein, echte Siegchancen hatte sie bisher aber kaum, auch weil sie häufiger erst in der Mitte des Rennens in einen guten Rhythmus findet.

Lange auf dem dritten Rang rutschte Rebecca McConnell nach dem Defekt von Anne Tauber auf Rang zwei vor. Es ist das beste Ergebnis der Australierin überhaupt.


Nicht so in Nové Město na Moravě. Doch auch die Konkurrenz ließ nicht auf sich warten. Jolanda Neff folgte Anne Tauber in der ersten Rennhälfte quasi auf dem Fuße, musste in der zweiten Hälfte aber etwas abreißen lassen, weil sie das dauerhaft hohe Tempo wohl nicht mehr mitgehen konnte. Stattdessen rauschte nun Kate Courtney nach vorne und übte Druck auf die Erstplatzierte aus. Die Amerikanerin hatte einen eher langsamen Start erwischt und war dann durch einen Platten zurückgeworfen worden, doch auf Dauer hielt sie das nicht auf.

Technischer Defekt in der letzten Runde – Kein Sieg für Anne Tauber


Wie im Rennen der Männer musste man für die Entscheidung bei den Damen bis in die letzte Runde warten. Im Shimano Expert Climb, einem felsigen Uphill zu Beginn der letzten Runde in Nové Město, belauerten sich Courtney und Tauber noch immer, doch ein kleiner Fehler von Anne Tauber war ihr Untergang. Sie verlor den richtigen Rhythmus, hielt an, stieg wieder auf, blieb hängen und fiel um, weil sie nicht rechtzeigt aus dem Pedal kam.

Haley Smith steht ebenfalls zum ersten Mal auf dem Podium. Ein Wahnnsinns-Ergebnis für die Kanadierin.


Courtney hatte sie nun überholt, doch es kam noch schlimmer: Durch den Sturz auf die rechte Seite hatten Schaltwerk und Schaltauge Schaden genommen, die Kette weigerte sich so partout, sich auf einen Gang festzulegen und Tauber wurde weiter, bis auf Platz 10 nach hinten durchgereicht. Die Niederländerin wird also weiter auf einen Worldcup-Sieg warten müssen – bei ihrer aktuellen Form sollte es jedoch nicht mehr allzu lange dauern.

Schlägt sich nicht nur in der Bundesliga gut. Ronja Eibl fuhr in der U-23 in Tschechien wieder auf Rang zwei. 

Alles neu auf dem Podium – McConnell, Smith, Frei und Degn mit bestem Ergebnis ihrer Karriere


Der Sieg in Nové Město na Moravě geht also an Kate Courtney, Rang zwei geht an die Australierin Rebecca McConnell, Rang drei an die Kanadierin Haley Smith. Rang vier besetzt die Schweizerin Sina Frei vom Ghost Racing Team, die damit schon in ihrer ersten Elite-Saison gleich auf dem Podium landet. Malene Degn aus Dänemark holte Platz fünf. Ein unglaubliches Podium! Wenn wir uns nicht täuschen, ist es für alle auf dem Podium (außer Kate Courtney) das mit Abstand beste Ergebnis ihrer Karriere.

Das Podium der Damen: (von links) U-23 Weltmeisterin Sina Frei, Rebecca McConell, Kate Courtney, Haley Smith und Malene Degn.

Die Wiederholung des Rennens gibt's wie immer auf Redbull.tv zu sehen. Alle Ergebnisse finden Sie auch auf der Website der UCI.

Themen: Cross Country Rennenkate courtneyMathieu van der PoelNino SchurterNove MestoRennberichtTschechienUCI WorldcupWorldcup 2019


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