UCI MTB Worldcup Vallnord 2019: Vorschau

Schurter wieder Favorit? Wer siegt im Downhill?

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor einem Jahr

Ganze drei Tage Rennaction werden dieses Wochenende in Vallnord geboten. Im Cross-Country geht Schurter als Favorit in das Rennen, van der Poel wird nicht antreten. Im Downhill ist noch alles offen.

Mit dem Worldcup in Vallnord im Pyrenäen-Kleinstaat Andorra steht am nächsten Wochenende der erste Doppel-Worldcup des Jahres bevor. Auf die Downhiller wartet eine der längsten und steilsten Strecken des Jahres, im Cross-Country wird man sowohl im Short Track Rennen am Freitag, als auch im Hauptrennen am Sonntag mächtig mit der dünnen Höhenluft zu kämpfen haben. Hier unsere Favoriten und Hintergründe in der Vorschau.

Cross Country – Schurter und Courtney wieder an der Spitze?

Wir möchten nicht sagen, dass Cross-Country jemals vorhersehbar gewesen wäre. Doch im jahrelangen Duell zwischen Nino Schurter und Julien Absalon waren zumindest im Männerrennen die Favoritenrollen ziemlich lange klar verteilt. Diese Ära ist nun länger schon vorbei und scheint in diesem Jahr endgültig ihre Strahlkraft verloren zu haben. Denn nach dem Rückzug von Julien Absalon geriet im letzten Jahr auch Nino Schurter mehrfach unter Druck und musste gleich mehrere Worldcupsiege an seine Mitstreiter abgeben – unter anderem auch in Vallnord, an Gerhard Kerschbaumer.

Unser Favorit für dieses Jahr ist Nino Schurter aber trotzdem. Denn gerade weil der Schweizer dieses Jahr noch keinen einzigen Worldcupsieg eingefahren hat, sollte er in Vallnord auf jeden Fall alles geben und auch seine letzten Reserven mobilisieren, um den Konkurrenten ein Schnippchen zu schlagen. Aufgeben zählt nämlich nicht gerade zu den Stärken Nino Schurters.

Nino Schurter ist der klare Favorit für das Rennen in Andorra.

Schurter als Favorit: Van der Poel nimmt Auszeit vom Worldcup

A propos Konkurrenz: Die geht etwas geschwächt in das Pyrenäen-Rennen. Mathieu van der Poel hat nach seinem Sieg in Nove Mesto verkündet, dass er nach der anstrengenden Wintersaison (Cyclocross) jetzt erstmal eine Pause braucht und in Vallnord nicht starten wird. Auch der Vorjahressieger Gerhard Kerschbaumer war bislang in dieser Saison nicht in Topform. Ob er nun mit einem speziellen Höhentraining wieder an der Spitze mitfahren kann?

Mathieu van der Poel nimmt sich eine Auszeit. Der junge Holländer fährt in der Mountainbike-Off-Season Cyclocross und muss nun eine Pause einlegen, um sich mal richtig zu erholen.

Im Auge behalten sollte man außerdem die üblichen Verdächtigen: Die Cannondale-Athleten Henrique Avancini und Maxime Marotte, Ondrej Cink, vielleicht auch Lars Forster, Anton Cooper oder Jordan Sarrou. Vor allem aber Mathias Flückiger. Gerade letzterer fährt nach seinem Sieg in Albstadt Anfang des Jahres bisher seine beste Saison überhaupt. Ob er Schurter in der Höhenluft von Vallnord aber wirklich gefährlich werden kann, bleibt abzuwarten.

Gerhard Kerschbaumer konnte Nino Schurter letztes Jahr in Andorra schlagen. Wo steht er in dieser Saison?

Kate Courtney. Und Sonst?

Auch im Rennen der Damen könnte es spannend werden, denn mal abgesehen von der klaren Top-Favoritin, Weltmeisterin und Siegerin der ersten beiden Worldcups des Jahres, Kate Courtney, ist nicht ganz klar, wer in Vallnord noch auf dem Podium landen könnte. Die Siegerin des letzten Jahres, MTB-Legende Gunn-Rita Dahle Flesjå tritt nicht mehr an. Annika Langvad ist verletzt und wird wohl in Andorra nicht starten , Jolanda Neff zeigte sich in dieser Saison zwar technisch stark, doch bisher in der Athletik unterlegen, was gegen sie und ihre Gewinnchancen in Vallnord spricht.

Die amtierende Weltmeisterin Kate Courtney setzte sich schon in Albstadt und Nove Mesto an die Spitze. Auch für Vallnord ist sie die Favoritin.

Stark sein könnten dagegen die beiden American-Eagle-Fahrerinnen Anne Tauber und Yana Belomoina. Letztere hat schon einmal (2017) in Vallnord gewinnen können , Erstere verpasste den Sieg in Nove Mesto vor wenigen Wochen nur knapp. Sie lag in Führung,  als ein mechanischer Defekt sie in der letzten Runde völlig ausbremste . Wie das Rennen in Tschechien gezeigt hat, sollte man außerdem die jungen Fahrerinnen im Auge behalten: Sina Frei, Haley Smith und Malene Degn standen alle dort zum ersten Mal auf dem Podium eines Elite-Rennens.

Yana Belomoina hatte es nicht leicht in der letzten Saison. Jetzt ist die Ukrainerin wieder fit und könnte in Vallnord zu ihrer Höchstform zurückfinden.

Downhill-Worldcup: Atherton und Seagrave verletzt, Tracey Hannah als Favoritin

Im Downhill sind die Ergebnisse ähnlich schwer vorhersehbar, wenn sich auch mit bereits drei Rennen in dieser Saison ( Maribor , Fort William und Leogang ) ein etwas klareres Bild ergibt. Im Rennen der Damen wurde durch Verletzungen von Tahnée Seagrave und Rachel Atherton trotzdem einiges durcheinandergewirbelt. Seagrave wird in Vallnord überhaupt nicht starten sondern eine andere Aufgabe übernehmen – auf Instagram deutete sie an, dass sie sich am Kommentar im Live-Stream beteiligen wird. Atherton sitzt nach einem Crash in Leogang erst seit einer Woche wieder auf dem Big Bike, und es ist fraglich, ob ihr Handgelenk schon wieder einen Vollgas-Racerun aushalten wird.

Durch den Sieg in Leogang könnte Tracey Hannah im Aufwind sein. Zumal Tahnée Seagrave und Rachel Atherton sowie Myriam Nicole noch immer mit Verletzungen kämpfen.

Damit rutscht aus unserer Sicht Tracey Hannah in die Rolle der Top-Favoritin. Zumal ihr die Strecke in Andorra ohnehin in die Karten spielt : schnell, steil, manchmal staubig und lang – alles Faktoren die gut zur Fitness und zum Fahrstil der schnellen Australierin passen. Marine Cabirou könnte ebenfalls glänzen und Nina Hoffmann  geht als deutsche Favoritin mit starken Chancen auf eine weitere Top-Platzierung ins Rennen.

Pechvogel: Rachel Atherton überriss sich in Leogang in einer der ersten Kurven und ging über den Lenker. Sie wirkte unverletzt, zog sich aber ein paar Blessuren im Handgelenk zu, die sie noch immer ausbremsen.

Loic Bruni, Troy Brosnan, Loris Vergier?

Bei den Herren könnten dagegen einige Fahrer zum Sieg fahren, denn gleich mehrere der ehemaligen Sieger von Vallnord sind auch dieses Jahr top in Form. Loic Bruni hat in dieser Saison endlich seinen Worldcup-Fluch gebrochen und holte schon zwei der drei Siege in dieser Saison . Loris Vergier verpasste in Leogang nur wegen eines Hinterradrutschers in einer der unspektakulären letzten Kurven die Goldmedaille. Und Troy Brosnan ist ohnehin immer schnell und landet so gut wie nie unterhalb von Platz fünf. Erst recht nicht in Andorra, wo er einen seiner bisher erst zwei Worldcup-Siege in der Elite-Kategorie holte.

Nur hier, in Fort William, klappte es nicht. Leogang und Maribor hat Loic Bruni dagegen gewinnen können.

Es gibt noch mehr Fahrer, die in Andorra brillieren könnten. Amaury Pierron natürlich, Gesamtsieger der letzten Saison und absolutes Allround-Talent – letztes Jahr fuhr er auf Platz zwei. Außerdem der Drittplatzierte des letzten Jahres Brook MacDonald und natürlich die beiden erfolgreichsten Worldcup-Fahrer insgesamt, Greg Minnaar und Aaron Gwin, sowie die britische Trias aus Danny Hart, Laurie Greenland und Matt Walker.

Die Rennen werden in voller Länge wieder auf Redbull.tv übertragen. Das Short-Track Rennen am Freitag um 17.20 Uhr eröffnet das Rennwochenende, am Samstag steigen um 12.30 Uhr und 13.45 Uhr die Downhill-Rennen (erst Damen, dann Herren) und am Sonntag folgen die XCO-Rennen um 12.00 Uhr und 14.30 Uhr (auch erst Damen, dann Herren).

Themen: Cross CountryDownhill Worldcupkate courtneyLoic BruniNino SchurtervallnordWorldcup 2019


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