Worldcup-Klassiker in Kanada Worldcup-Klassiker in Kanada Worldcup-Klassiker in Kanada

UCI MTB Worldcup 2018 #6 Mont Sainte-Anne: Vorschau

Worldcup-Klassiker in Kanada

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 4 Jahren

Mit dem Doppel-Worldcup in Kanada steht ein echtes Stück Mountainbike-Geschichte auf dem Plan. Fiese Strecken, große Konkurrenz im Downhill- wie im Cross-Country-Zirkus. Hier unsere Vorschau:

Älter und prestigeträchtiger als Albstadt, technischer und gefährlicher als La Bresse und Nové Město na Moravě, unberechenbarer als Val di Sole und Vallnord: Der MTB-Worldcup im kanadischen Mont Sainte-Anne ist eine Sammlung der Superlative. Vor über 20 Jahren wurde die Strecke für den Cross-Country-Worldcup in Betrieb genommen, doch seitdem hat sich viel verändert. Aus dem langen, wenig technischen Cross-Country-Loop wurde ein fieser, technischer Kurs mit reichlich Platz zum Taktieren und Überholen. Der Doppel-Worldcup mit Cross Country und Downhill an einem einzigen Wochenende macht das Event gleich noch attraktiver, so dass mit guter Stimmung und unzähligen Fans neben der Strecke zu rechnen ist.

Herren: Schurter ausgeruht durch EM-Verzicht?


Im Cross Country der Herren ist und bleibt Nino Schurter der Top-Favorit. Im Short Track Race am Freitagabend wird er wahrscheinlich eher taktieren und nicht um jeden Preis zum den Sieg fahren. Nur um die Startposition in der ersten Reihe am Sonntag wird er sicher kämpfen. Denn Mont Sainte-Anne ist mit seinen steilen und technischen Anstiegen und seinen schwierigen Downhills wie gemacht für Nino Schurter. Der Weltmeister und Olympiasieger wird zeigen wollen, dass er trotz des Sieges von Kerschbaumer in Vallnord noch immer der Alte ist, „N1NO“ der Unschlagbare.

Bartek Wolinski,Red Bull Content Pool Zum Ende des Rennens in Andorra ging Kerschbaumer ganz souverän zur Attacke über. Schurter hatte das Nachsehen. In Mont Sainte-Anne wird der Schweizer den Spieß aber wieder umdrehen.


Leicht wird es ihm die Konkurrenz aber nicht machen. Mathieu van der Poel und Anton Cooper warten beide noch auf ihren ersten Worldcup-Sieg. Doch van der Poel wird nicht am Start stehen. Nach einer schwachen Performance beim MTB-Rennen der EM in Glasgow wird er am Sonntag auch beim Straßenrennen dort antreten. Nach einem bärenstarken Sieg in Vallnord gehört natürlich Gerhard Kerschbaumer zu den Mitfavoriten, erst recht, wenn man bedenkt, dass der Italiener sein bis vor wenigen Wochen bestes Ergebnis in Mont Sainte-Anne einfuhr: Einen dritten Platz beim Worldcup 2017.


Ansonsten ist noch aus dem französichen Lager mit jede Menge Druck zu rechnen: Tituan Carod fuhr letztes Jahr in Mont Sainte-Anne ins Rampenlicht, Stéphane Tempier rollte das Feld letztes Jahr von hinten auf, auch Maxime Marotte konnte in Mont Sainte-Anne schon mehrere gute Ergebnisse einfahren. Und vielleicht können auch Sam Gaze oder Matthias Flückiger wieder punkten, letzteres bleibt jedoch abzuwarten.

Elisabeth Brandau: einzige deutsche Hoffnung in Kanada

Bartek Wolinski,Red Bull Content Pool Die 46-jährige Norwegerin fährt mit perfekt kalkuliertem Risiko. Das zahlt sich am Ende mächtig aus.


Aus Sicht der Deutschen sieht es für den Worldcup in Kanada allerdings ziemlich düster aus. Zumindest im Männerrennen, denn es ist kein einziger deutscher Starter gemeldet. Die Hoffnungen ruhen daher auf der einzigen deutschen Starterin, Elisabeth Brandau. Und die hat nach einem starken fünften Platz bei der EM in Glasgow und einer bisher sehr guten Saison durchaus Chancen, eine Top-Ten-Platzierung in Mont Sainte-Anne mitzunehmen. Die Strecke ist zwar vielleicht ein wenig zu technisch für ihren Geschmack, doch an ihrer Kletterstärke und ihrem Antritt wird das wenig ändern.

Bartek Wolinski,Red Bull Content Pool Ein weiteres starkes Rennen für Emily Batty. Bei ihr reichte es in Andorra am Ende für Platz zwei, vielleicht steht ein Heimsieg für Kanada bevor.


Zu hoch sollte man die Erwartungen jedoch nicht stecken. Die Konkurrenz ist nämlich mächtig in Mont Sainte-Anne. So sehr, wie kaum je zuvor in einem Damenrennen. Annika Langvad hat die EM in Glasgow ausgelassen, um sich besser auf Kanada vorbereiten zu können. Jolanda Neff ist frischgebackene Europameisterin und kann mit technischen Fähigkeiten punkten. Catharine Pendrel und Emily Batty sind beim Heim-Worldcup fast immer mindestens auf dem Podium, Gunn-Rita Dahle-Flesjå ist nach ihrem Sieg in Vallnord eindeutig wiedererstarkt. Yana Belomoina kann ihre Kletterfähigkeiten ausspielen, Maja Włoszczowska hat mit ihrem Sieg in Val di Sole ebenfalls ein Zeichen gesetzt und Pauline Ferrand-Prévot wartet ebenfalls schon länger auf einen Sieg im Worldcup. Los geht’s aber auch hier mit dem Sprint und da ist Annika Langvad die eindeutige Favoritin.

Premiere für Luca Shaw?

Red Bull Content Pool Schon 2016 war Luca Shaw in Mont Sainte-Anne eine echte Macht mit viel Potential. Hier unsere Bildunterschrift von damals: „Kennen sie Luca Shaw? Wahrscheinlich noch nicht, doch der 19-jährige Amerikaner ist einer der Stars von morgen. Schon jetzt war er schneller als sein Idol Greg Minnaar. Was wird erst in einigen Jahren werden?“ 


Sprint am Freitagabend, Downhill am Samstag, Cross Country am Sonntag. Da wird reichlich Action geboten und der größte Nervenkitzel erwartete die Zuschauer vielleicht schon am Samstag mit dem Downhill-Rennen. Bei den Männern gibt es noch viel zu spekulieren. Vor allem in Bezug auf die Fahrer, die gerade erst aus der Verletzungspause zurückkehren: Aaron Gwin, Greg Minnaar und Jack Moir. Wo die drei stehen? Wir haben keine Ahnung, aber gerade Minnaar scheint schon wieder relativ fit zu sein, mit ihm ist also zu rechnen.

Bartek Wolinski,Red Bull Content Pool Amaury Pierron ist der Überraschungskandidat dieser Saison. Dass ihm der Sieg in Andorra dann nicht gelang, trübt seinen Ruhm nur mäßig.


Die Favoritenrolle geht aber an einen Amerikaner und der heißt Luca Shaw. Schon mehrfach schrammte er nur knapp am Sieg vorbei, in Mont Sainte-Anne holte er seine ersten guten Ergebnisse in der Elite-Klasse vor nunmehr schon zwei Jahren. Sein Teamkollege Loris Vergier hat ebenfalls gute Chancen und will sicherlich versuchen, dem Überraschungskandidaten dieser Saison, Amaury Pierron, den Worldcup-Titel am Ende noch streitig zu machen. Pierron selbst wird sich aber kaum leicht geschlagen geben, auch die beiden Mondraker-Athleten Danny Hart und Laurie Greenland stehen auf der langen Favoritenliste.

Bartek Wolinski,Red Bull Content Pool Loris Vergier war extrem schnell unterwegs beim letzten Weltcup in Andorra und holte prompt den Sieg.

Seagrave gegen Atherton?

Bartek Wolinski,Red Bull Content Pool Tahnee Seagrave hat in Vallnord gerade erst den letzten Worldcup gewonnen.


Bei den Damen ist die Sache im Downhill dagegen etwas einfacher. Tracey Hannah kann im Moment weder Rachel Atherton noch Tahnee Seagrave das Wasser reichen, Myriam Nicole wird wahrscheinlich noch mit ihrer Verletzung zu kämpfen haben, wenigstens mental. Da bleiben eigentlich nur noch Tahnee Seagrave und Rachel Atherton und obwohl Seagrave hier letztes Jahr gewann, tippen wir eher auf die physisch und in ihrer Erfahrung überlegene Rachel Atherton als Topfavoritin für Mont Sainte-Anne.

Bartek Wolinski,Red Bull Content Pool Rachel Atherton kostete ein kleiner Fehler in Andorra den Sieg. In Mont Sainte-Anne wird sie sich das nicht noch einmal erlauben.


Alle Rennen werden wie immer live und als Replay auf Redbull.tv zu sehen sein. Los geht’s mit dem Short Track Race am Freitagabend, 23:20 Uhr deutscher Zeit. Am Samstag folgen die Downhill-Rennen (18:30 Uhr Damen, 20:00 Uhr Herren) und am Sonntagabend deutscher Zeit dann die Cross-Country-Rennen (18:00 Uhr Damen und 20:30 Uhr Herren).

Themen: Amaury PierronCross CountryDownhillElisabeth BrandauJolanda NeffMont Sainte AnneNino SchurterWorldcup 2018


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