UCI MTB Downhill Worldcup #5 2019 Les Gets: Rennbericht

DH-Worldcup Les Gets: Frankreich und Australien vorne

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor einem Jahr

Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 45 km/h ist Les Gets sicher die schnellste Strecke des Jahres. Die Franzosen triumphierten am Ende, auch für die Australiern Tracy Hannah lief es gut.

550 Meter Höhendifferenz, drei Minuten Renndauer bei den schnellsten Herren. Steinfelder? Wurzelpassagen? Fehlanzeige. Wer jetzt aber glaubt, das Rennen in Les Gets am letzten Wochenende sei nicht spektakulär gewesen, der irrt gewaltig. Denn die Strecke war breit gesteckt, staubig und vor allem eins: schnell!

Die Fans kamen in Scharen und sorgten für beste Stimmung in Les Gets.

Schnell, schneller, Les Gets – Fairclough fährt auf Highspeed-Strecke in den Hot Seat

Anlieger gab es kaum, trotzdem rasten die Fahrer mit Geschwindigkeiten von über 60 Kilometer pro Stunde durch die hängenden Off-Camber-Wiesenkurven. Ohne Anlieger natürlich. Und die Sprünge gingen zum Teil über 20 Meter weit. Natürlich nur wenn man vorher die tiefen Fahrrinnen in den Wiesen perfekt getroffen hatte. Andernfalls wartete im Zweifel nur ein spektakulärer und sehr unschöner Abflug.

Brendan Fairclough in seinem typischen Style. Das Podium verpasste der lässige Brite dieses Mal mit Platz sechs nur um Haaresbreite.

Freeracer Brendan Fairclough kam mit den Bedingungen sichtlich gut zurecht. Doch dass der Brite mit seinem Allroundtalent zwischen Racing und Freeride so gut sein würde, damit hatte er wohl nicht einmal selbst gerechnet. Mit einer Zeit von 3:01,644 Minuten nahm er auf dem Hot Seat Platz und blieb dort fast bis in die Top Ten.

"Foot out, flat out": Den alten Mountainbiker-Spruch hier perfekt umgesetzt. Laurie Greenland machte Ernst und setzte sich mit einem Wahnsinns-Run auf Platz drei. 

Laurie Greenland holt den Hot Seat

Mit Laurie Greenland konnte dann ein noch schneller Brite die bereits unglaubliche Zeit von Brendan Fairclough erstmals toppen. Greenland fand einen guten Mix zwischen Risiko und Sicherheit, jedoch mit für ihn typischem Hang zur risikobehafteten Seite. Sein Run war aggressiv und sehr spektakulär. Ein Riesendrift hier, ein fetter Gap-Jump dort, der tiefe Staub flog im hohen Bogen in Kameras und Zuschauerränge und bestimmt dreimal dachte man, Greenland würde gleich von der Strecke fliegen. Doch er blieb konzentriert und näherte sich mit einer Zeit von 3:00,458 Minuten dem absoluten Ende des physikalisch Möglichen.

Troy Brosnan konnte in Les Gets nicht an seine Siege der vergangenen Crankworx-Events anknüpfen, holte sich mit Platz vier jedoch einen Platz auf dem erweiterten Podium.

Kein Wunder, dass da selbst die Weltelite das Nachsehen hatte. Greg Minnaar war zwar zwischenzeitlich schneller, riskierte aber im unteren Teil der Strecke nicht genug. Sein Teamkollege Loris Vergier konnte nach einem fetten Trainings-Crash ebenfalls nicht volles Risiko gehen und reihte sich hinter Greenland ein, sogar Troy Brosnan – Favorit für Les Gets – blieb letztendlich chancenlos.

Bruni gegen Pierron – Weltmeister und Worldcupsieger in ihrer eigenen Liga

Nur noch zwei Fahrer verblieben jetzt im Startgate. Sie würden es für Frankreich beim Heimweltcup richten müssen, an diesem Wochenende des französischen Nationalfeiertages. Und Bruni und Pierron enttäuschten nicht. Bruni ging als Erster auf die Strecke und ihm gelang das schier Unmögliche. Im zentralen Waldstück legte er noch eine Schippe drauf und schoss mit einem leichten Vorsprung gegenüber Greenland auf die letzten Wiesenkurven.

Spätestens dort zeigte sich die Überlegenheit des Weltmeisters. Ruhig und kontrolliert wirkte das, dabei schoss Bruni durch die weite Off-Camber-Linkskurve, während die Geschwindigkeitsmessung einen Wert von über 65 Kilometer pro Stunde ausspuckte. Unfassbar!

Loic Bruni im Vollgas-Modus. Der Weltmeister nahm zwar dem ohnehin schon flotten Laurie Greenland noch ein paar Sekunden ab. Amaury Pierron war am Ende aber trotzdem noch schneller.

Ein verdienter Sieg für Bruni also? Nein. Denn bei Amaury Pierron blieb dann jedem wirklich die sprichwörtliche Spucke weg. Drei Minuten lang hielten Zuschauer und Kommentatoren den Atem an, als Pierron auch auf den Run von Bruni noch über zwei Sekunden Vorsprung gewann. Wie er das gemacht hat, bleibt wohl sein Geheimnis. Aber die Lasermessung lügt nicht und die Zeit von Amaury Pierron (2:57,008 Minuten) blieb am Ende ganz oben auf der Anzeigetafel stehen. Fast 45 Kilometer pro Stunde sind das im Durchschnitt, alle engen Kurven im mittleren Streckenabschnitt natürlich mitgerechnet. Es ist nach Fort William Pierrons zweiter Sieg in diesem Jahr, doch der allererste Sieg bei einem Heimweltcup überhaupt.

Geschafft. Im Ziel lässt sich Pierron einfach ins Gras fallen.

Amaury Pierrons Siegerrun in der Fahrerperspektive. Der ist übrigens wirklich so schnell, das Video wird in Echtzeit abgespielt. Noch unfassbarer, wenn man weiß, das auf der GoPro eigentlich alles langsamer aussieht, als es tatsächlich ist.

Das Podium der Herren: Troy Brosnan, Loic Bruni, Amaury Pierron, Laurie Greenland und Loris Vergier (v. l. n. r.).

Tracey Hannah mit Physio-Tape: Ist die Australierin fit genug für den Sieg?

Im Rennen der Damen war nach dem Sturz von Rachel Atherton die Lage eigentlich ziemlich klar. Tracey Hannah würde den Sieg holen. Doch auch an ihrem Nacken klebten im Rennen Physio-Tape-Streifen. War die Australierin also überhaupt so richtig fit? Eine Frage, die erst ganz zum Schluss beantwortet werden sollte.

Nina Hoffmann war mit Platz fünf zufrieden, obwohl für sie im Moment sogar noch mehr drin gewesen wäre. Trotzdem: Ein Platz auf dem Podium war es – nach dem Crash in der Qualifikation ein gutes Ergebnis, wie sie auf Instagram durchscheinen ließ.

Eleonora Farina fuhr mit einem starken Run auf Platz vier. Für die Italienerin eines der besten Ergebnisse ihrer Karriere.

Denn zunächst einmal konnten Nina Hoffmann und Eleonora Farina gute Runs knapp über der Dreieinhalb-Minuten-Marke einfahren – für Hoffmann ein solides aber kein herausragendes Ergebnis. Die Überraschung in Les Gets war dagegen Mariana Salazar. Die Racerin aus El Salvador fühlte sich im tiefen Staub offensichtlich wohl und knackte in einem Vollgas-Run die Zeit von Farina mit einem Vorsprung von fast vier Sekunden.

Myriam Nicole. Die Französin ist im Moment verletzt, ließ es sich aber trotzdem nicht nehmen, beim Heimweltcup wenigstens als Zuschauerin zu erscheinen.

Mariana Salazar hat allen Grund zum Lachen. Die Athletin aus El Salavador fuhr ihr mit Abstand bestes Worldcup-Ergebnis überhaupt ein.

Marine Cabirou leistete sich in Les Gets keine Schwächen und wäre beim Heimweltcup fast zum Sieg gefahren. Allerdings hatte da Tracey Hannah eben auch noch ein Wörtchen mitzureden.

Anschließend ließ sich Marine Cabirou wie erwartet in den Hot Seat sinken, doch eineinhalb Sekunden Vorsprung sollten nicht genügen, um eine fitte Tracey Hannah auf Distanz zu halten. Denn sie war fit. Fit genug jedenfalls, denn die Australierin machte kurzen Prozess, fand einen guten Rhythmus und ging zum Schluss des Rennens noch an Marine Cabirou vorbei. Zwar nur mit einer halben Sekunde Vorsprung, doch Sieg ist Sieg. Für Tracey Hannah ist es der zweite Triumph in dieser Saison, durch die vorübergehende Abwesenheit von Nicole, Atherton und Seagrave hat sie nun sogar gute Chancen auf den Worldcup-Gesamtsieg.

Die schnellste Frau des Tages. Vali Höll gewann bei den Junioren mit über zehn Sekunden Vorsprung, das hätte sogar in der Elite für den ersten Platz gereicht! Sie war über eine Sekunde schneller als Tracey Hannah.

Tracey Hannah gab alles. Wie erwartet war die Australierin an diesem Wochenende die stärkste Fahrerin und holte sich einen verdienten Sieg.

Glücklich im Ziel. Für Tracey Hannah ist es eine der besten Saisons ihrer Karriere. Mittlerweile rückt auch der Gesamtsieg in eine greifbare Nähe.

Das Podium der Damen: Eleonora Farina, Marine Cabirou, Tracey Hannah, Mariana Salazar und Nina Hoffmann (v. l. n. r.).

Alle Ergebnisse zum Downhill-Worldcup in Les Gets finden Sie auf der Website der UCI . Das komplette Replay der Live-Übertragung ist auf Redbull.tv zu sehen.

Themen: Amaury PierronDownhillFrankreichRachel AthertonWorldcupWorldcup 2019


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