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UCI-Interview zum Elektro-Doping

E-Doping bei Mountainbike-Rennen denkbar?

Laurin Lehner am 04.07.2016

Seit Kurzem herrscht Gewissheit: Motor-Doping im Rennradsport existiert. Nun soll auch bei Mountainbike-Rennen streng kontrolliert werden, wie die UCI ankündigt.

Es ist offiziell. Der Radsport hat ein neues Doping-Problem – statt aus der Blutkonserve kommt es nun aus der Steckdose. Anfang des Jahres machte der Fall der belgischen U23-Radcross-Fahrerin Femke Van den Driessche (19) Schlagzeilen. Es war der erste offi­ziell bestätigte E-Doping-Vorfall überhaupt. Dabei sollen im Rahmen versteckte Hilfsmotoren schon länger ein Problem im Rennradsport sein. Wir haben mit UCI-Kommisär Ingo-Sven Linke gesprochen.

„Auch bei Mountainbike-Rennen wird es Kontrollen geben“

Ingo-Sven Linke UCI Kommisär

UCI-Kommisär Ingo-Sven Linke erklärt, wie der Radsport-Weltverband gegen Betrugsversuche mit Elektromotor vorgeht.

BIKE: Herr Linke, was finden Sie verwerflicher. E-Doping oder medizinisches Doping?
Ingo-Sven Linke: Eigentlich gibt es keinen Unterschied. In beiden Fällen verschafft man sich unerlaubte Vorteile. Persönlich finde ich medizinisches Doping schlimmer – schließlich schadet man damit dem Körper.

Es gibt viel Spekulationen, jedoch auch einen bestätigten E-Doping-Vorfall im Rennradsport. Ist E-Doping auch bei Mountainbike-Rennen denkbar.
Klar. Zudem lassen sich solche Hilfsmotoren noch besser im Rahmen unterbringen als bei filigranen Rahmen von Rennrädern. Ausschlaggebend wird auch sein, ob solche Nachrüst-Kits erschwinglich sein werden oder teuer bleiben.

Laut UCI sollen in allen Disziplinen Tests durchgeführt werden. Wie kann man sich das vorstellen?
Nach versteckten E-Motoren wird schon seit mehreren Jahren gesucht. Nun wurde allerdings eine spezielle Software entwickelt, mit der UCI-Kommissäre in Zukunft Bikes auf versteckte E-Motoren untersuchen werden. An das Tablet wird dafür ein elektromagnetischer Scanner angeschlossen, der Hilfsmotoren aufspüren soll.

Wie zuverlässig ist diese Software?
Es gab viele Modelle, eine Vorgehensweise zu finden, die versteckte Motoren entlarvt. Die aktuelle Software scheint die schlüssigste Variante. Doch auch die muss immer weiter verbessert werden.

Bei welchen Rennen werden solche Kontrollen durchgeführt.
Das Hauptmerkmal bleibt der Straßenradsport. Doch auch bei Mountainbike-Rennen wird es Kontrollen geben. Wo genau, will ich nicht verraten.

In der britischen Enduro-Serie gab es laut einem Online-Artikel der englischen DIRT ein Vorfall, wo ein Starter beim Training mit E-Motor erwischt wurde. Kannten sie den Fall?
Nein, von dem Fall weiß ich nichts. Klar, auch bei solchen Rennen wird das eine Rolle spielen. Da greift die UCI allerdings nicht. Gut möglich wäre allerdings, dass Veranstalter kleinerer Serien oder auch der BDR Zugriff auf Prüfmaßnahmen bekommen, um auch kleinere Rennen-Serien frei von E-Doping zu halten.

Ihr Tipp: Wird E-Doping in Zukunft auch im Mountainbiken eine Rolle spielen?
Ich meine, leider ja. Denn es liegt anscheinend in der Natur des Menschen betrügen zu wollen. Außerdem entwickelt sich die Technik. In fünf bis zehn Jahren wird man ein normales Bike von einem E-MTB wohl gar nicht mehr unterscheiden können. Dann wird auch bei Amateurveranstaltungen eine hohe Versuchung bestehen.

Mehr Stimmen zum Thema E-Doping finden Sie in BIKE 8/2016. Die Ausgabe können Sie in der BIKE-App (iTunes und Google Play) lesen oder im DK-Shop bestellen:

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Laurin Lehner am 04.07.2016

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