Wie sähe das Bild unseres Sports aus, wenn die Fotografen bestimmen könnten? Eine Ausstellung in München versuchte sich an dieser Frage: Die besten Fotografen der Bike-Szene schickten ihre drei persönlichen Lieblingsbilder – eine Auswahl ohne Druck von Redakteuren oder Marketing- Menschen. Am Ende wurden die Bilder zugunsten der Stiftung „Wings for Life“ versteigert. Hier sehen Sie unsere Favoriten.

  • „Es war der erste Versuch, die Abfahrt von der Alpspitze zu filmen. Leider war das Wetter schlecht. Doch plötzlich klarte es auf. Für fünf Minuten blinzelte die Sonne hinter den Wolken hervor. Zeit genug, mein Fisheye auf meine Kamera zu schrauben, in Anschlag zu gehen und auszulösen. Auch wenn auf dem Bild der Himmel zuversichtlich blau wirkt, war das Licht genauso schnell wieder weg, wie es kam. Zu diesem Zeitpunkt waren meine Fotofahrer Johannes Pistrol und Fabian Gleitsmann die einzigen, die je mit dem Fahrrad auf der Alpspitze fuhren. Also nicht nur ein schönes Bild, sondern auch ein historisches.“
  • „Wann hat man schon mal die Möglichkeit, einen Newschool-Dirt-Trick vor hochalpinem Panorama zu schießen. Dieser Tag war das Highlight der Saison. Die Neukirchener hatten für uns tonnenweise Erde auf den Gipfel gebaggert, das Wetter spielte mit. Im Helikopter saß die Filmcrew für den Bike-Streifen ,Framed‘. Zufällig flog er just in dem Moment durch das Bild, als ich abdrückte. Und Andi Wittmann zauberte einen perfekten Onefoot Xup Flip in den Himmel.“
  • „Ich war beim Downhill-Worldcup in La Bresse. Ich stand bei diesem Holzelement und wartete auf die heranrasenden Downhiller. Zwischendurch legte ich meine Digital-Kamera beiseite, um mit meiner analogen Leica Schwarz-Weiß-Bilder zu schießen. Als ich gerade meine Analoge im Anschlag hatte, bretterte Sam Hill im Manual an mir vorbei. Anfangs ärgerte ich mich, nicht mit der Digitalen fotografiert zu haben, doch jetzt findet das Bild doch noch seinen Weg zum Publikum. Der Nachteil der analogen Fotografie ist, dass man erst Tage später erfährt, ob man alles richtig oder alles falsch gemacht hat.“
  • „Dieser Sprung ist gefährlicher, als er aussieht. Denn Chris Schleker, Mitarbeiter bei BIKE und FREERIDE, konnte die Landung nur erahnen. Erst nach dem Absprung funzelte seine Stirnlampe auf die Holzlandung. Doch bei diesem Foto funktionierte selbst das nicht. Die Lichtexplosion meiner drei Blitzer ließen ihn komplett erblinden. Doch der Typ ist total verrückt. Ein Grund, warum meist beeindruckende Bilder entstehen, wenn wir zusammen auf Foto-Tour sind. Was bin ich da froh, dass ich nur auf den Auslöser drücken musste.“
  • „Bei einer Fotosession auf Saturna Island, in der Nähe von Vancouver, entdeckte ich diesen umgefallenen Baum. Als ich auf die andere Seite kraxelte und durch den Schlitz sah, wusste ich, dass das etwas werden könnte. Ich zückte meine Kamera und gab meinen zwei Fotofahrern das Signal. Der Baum wirkt wie ein Rahmen. Vor allem die Kombination aus Action und Panorama gefällt mir. Als ich drei Bilder für die Vernissage wählen sollte, dachte ich zu allererst an dieses.“
  • „Ich habe eine ganze Sammlung, voll mit ‚Funny Faces‘-Bildern. Mir gefallen diese Schwarz-Weiß-Grimassen von MTB-Profis, und ich bin immer auf der Suche nach neuen Fratzengesichtern. Als ich Hans Rey beim GT-Presscamp in Frankreich traf, hatte ich sein Grimassenbild schon vor Augen. Jetzt musste ich ihn nur noch überzeugen. Zuerst schaute Hans irritiert, doch dann zeigte ich ihm die Schnuten der Kollegen und Hans war dabei. Unglaublich, was er für Fratzen ziehen kann – ob er das heimlich öfter macht?“