Der Fall Fumic und die Folgen Der Fall Fumic und die Folgen Der Fall Fumic und die Folgen

Sperre der Fumic-Brüder durch BDR

Der Fall Fumic und die Folgen

  • BIKE Magazin
 • Publiziert vor 14 Jahren

Nachdem sich die Brüder Lado und Manuel Fumic seit Ende 2007 weigern, die „Whereabout Information“ der NADA abzugeben, wurden sie vom BDR gemäß den Regeln für drei Monate gesperrt.

Gegen diesen Beschluss der BDR-Sperre können sie Berufung einlegen und dadurch bei den kommenden Worldcups am Start stehen. Hier steht, welche Folgen die Protestaktion für die bekanntesten deutschen Biker haben kann.


Streitpunkt „Whereabouts“
Seit 01.07.2007 sind die Mitglieder des Nationalen Testpools, also auch die Brüder Fumic, verpflichtet, der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) vierteljährlich die voraussichtlichen Aufenthaltsorte und –zeiten („Whereabout-Informationen“) mitzuteilen. Eine Abgabe dieser „Whereabouts“ muss über das Meldesystem „ADAMS“ erfolgen. Eine Nichtabgabe wird von der NADA als Meldepflichtverstoß bewertet und geahndet („Missed Test Policy“). Die Brüder Fumic wehren sich gegen dieses Reglement und füllen die Meldungen der NADA nicht aus. Sie prangern diese als Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte an.


Erst Verwarnung, jetzt die Sperre
Für den erstmaligen Meldepflichtverstoß hat das unabhängige Sportgericht des Bund Deutscher Radfahrer gegen Lado Fumic und Manuel Fumic eine Verwarnung ausgesprochen. Beide Fahrer hatten für das vierte Quartal 2007 keine „Whereabout Information“ abgegeben.
Da die Abgabe der „Whereabout information“ auch für das erste Quartal 2008 nicht ordnungsgemäß erfolgte, wurde vom Bundessportgericht ein zweiter Meldepflichtverstoß sanktioniert und - wie im NADA-Code für einen zweiten Meldepflichtverstoß vorgesehen - eine dreimonatige Sperre gegen die Fahrer Lado und Manuel Fumic verhängt.


Ein ähnlicher Fall trug sich ja erst letzten Sommer zu:
Man erinnere sich an den Fall Michael Rasmussen, der im Gelben Trikot aus der Tour de France entfernt wurde, weil er in den „Whereabouts“ falsche Angaben über seinen Aufenthaltsort gemacht hatte.


Durch Berufung beim Worldcup startberechtigt
Gegen diese Beschlüsse kann innerhalb von 14 Tagen beim ebenfalls unabhängig entscheidenden Bundesrechtsausschuss Berufung eingelegt werden, das haben die Brüder Fumic offenbar getan und sich damit ihren Start bei den ersten Worldcup-Rennen in Houffalize (20.4.) und Offenburg (27.4.) ermöglicht.

Ein Worldcup-Start bringt diverse Probleme mit sich. Das erste betrifft die Fairness gegenüber anderen Sportlern: Die Brüder Fumic könnten den anderen Deutschen Aspiranten die Chance auf Erfüllung der Qualifikationsnorm nehmen – das befürchten Szene-Insider. Dann nämlich, wenn sie unter die Top-15 fahren, zwei andere Deutsche auf Position 16 und 17 fahren würden – und damit die Norm (2 x Rang 1-15 oder 1 x Rang 1-6) verpassen würden.
Da die meisten Nationen ähnliche Quali-Normen haben, könnten sich auch Fahrer anderer Länder dadurch beeinträchtigt sehen.


Chancen für Olympia prinzipiell gering
Die Chancen der Fumics, überhaupt für die Olympischen Spiele nominiert zu werden, ungeachtet ihrer möglichen Platzierungen bei den Worldcups, erscheinen gering, betrachtet man das Reglement genauer:

Auszug aus der BDR-Website:
„Meldung zum Trainingskontrollsystem der NADA - Olympische Spiele Peking 2008
Die Anmeldung und Teilnahme am Trainingskontrollsystem der NADA ist Grundvoraussetzung, um vom BDR/DOSB für die Olympischen Spiele in Peking 2008 nominiert werden zu können.
Die Nationale Anti-Doping Agentur (NADA) und der Bund Deutscher Radfahrer e.V. (BDR) haben gemäß des NADA Codes vor Beginn der Saison den nationalen Testpool festgelegt. Dieser Pool umfasst sämtliche Athleten der A-, B, C- Kader sämtlicher Disziplinen und alle Vertragsfahrer/Vertragsfahrerinnen....“

Der DOSB sitzt bei der Nominierung demnach am längeren Hebel. Gesperrte Sportler können grundsätzlich nicht nominiert werden. Und die Möglichkeit, dass der DOSB sich bei der Auswahl der Sportler von zwei Bikern unter Druck setzen lässt, auch mit rechtlichen Mitteln, erscheint unwahrscheinlich.


Der nächste Verstoß führt zur Sperre für ein Jahr
Obendrein würde ein dritter Verstoß der Fumics gegen das Kontrollsystem – und das ist beim momentanen Stand der Dinge nur eine Frage der Zeit – noch drastischer geahndet. Nämlich mit einer Sperre für ein Jahr.


Dazu der Auszug aus dem Reglement:
„Missed Test-Policy - ABMELDUNG bei der NADA
Ab dem 1. Januar 2007 wird die NADA die Missed Test Policy realisieren und umsetzen. Dies bedeutet, dass die NADA allen Meldungen der Kontrolleure über nicht durchführbare Dopingkontrollen außerhalb des Wettkampfes nachgehen und bei Vorliegen eines Verstoßes gegen Art.6 des NADA-Codes (NADC) den Verband darüber in Kenntnis setzen wird, damit nach Überprüfung der Unterlagen gegebenenfalls ein Sanktionsverfahren eingeleitet werden kann. Ein schuldhafter Verstoß gegen die Meldepflichten nach dem NADC kann gemäß Art.11.5.3 folgende Sanktionen nach sich ziehen:

1. Verstoß: eine öffentliche Verwarnung
2. Verstoß: eine mindestens dreimonatige Sperre
3. Verstoß: eine einjährige Sperre
4. Verstoß: eine zweijährige Sperre

Aus diesem Grund erinnern wir Sie ausdrücklich auf die Meldepflichten und die Prüfung Ihrer angegebenen Daten. Abwesenheitsanzeigen und Änderungen der persönlichen Daten müssen entsprechend den Richtlinien des Art.6 NADC rechtzeitig und vollständig zur Verfügung gestellt werden beziehungsweise direkt in das NADA-Xtra.NET/ ADAMS online eingepflegt werden.
Wichtig: Der Athlet ist persönlich für die ordnungsgemäße Bereitstellung und Weitergabe der Unterlagen verantwortlich, auch wenn er die Datenpflege über Dritte bearbeiten lässt...“


Folgen für die Rennszene
Welchen Image-Schaden die Affäre Fumic in der MTB-Szene hinterlässt, ist momentan nicht abzuschätzen. Das Thema ist nach einer dpa-Meldung vom 17.4.08 in der gesamten Presse ein Thema.
Die meisten Szene-Insider halten die Aktion der Brüder Fumic für unglücklich. Denn jetzt steckt der Bike-Sport in eine Schublade mit den anderen dopingverseuchten Sportarten.


Chancen für die „zweite Garde“
Falls die Fumics ihre Olympia-Chancen verwirkt haben, werden die Karten in der deutschen Mannschaft neu gemischt. Drei Startzplätze sind zu vergeben, die Chancen steigen damit für Fahrer, deren Nominierung bisher als unwahrscheinlich eingestuft wurde.
Insider rechnen Wolfram Kurschat, Moritz Milatz und Karl Platt zu den möglichen Startern, Stefan Sahm und Jochen Käß darf man darin auch nicht vergessen. Die drei letztgenannten Sportler haben sich jedoch in der Vergangenheit schwer getan, nach ganz vorne in die Weltspitze vorzudringen (Top Ten).


Letztendlich verliert der Sport
Manuel Fumic ist der aussichtsreichste Kandidat für die Olympischen Spiele und der Leistungsträger im Nationalteam. Steht er in Peking nicht am Start, sieht es für das Deutsche Team nicht rosig aus. Denn bei den anderen Sportlern darf man sich vermutlich keine großen Hoffnungen auf Medaillen machen.

Themen: BDRManuel FumicOlympische SpieleRennsport


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