Schweizer lassen Kultmarke Toyo wieder aufleben

  • Matthias Dreuw
 • Publiziert vor 10 Jahren

Toyos Ruf ist legendär, seit über 30 Jahren baut diese Firma feinste Stahlrahmen und hat auch weiter am Qualitäts-Konzept festgehalten, als Stahlrahmen nicht mehr angesagt waren. Internationale Bekanntheit erlangte Toyo in den 80er Jahren durch die Fertigung von Renn-Bikes für Ritchey, Rocky Mountain und andere.

Das Familienunternehmen Toyo gehörte einst zu den angesehensten und traditionellsten Rahmen-Manufakturen weltweit. Mit dem Mountainbike-Boom in den 80er und 90er Jahren wurde Toyo zum Nischenplayer degradiert. Plötzlich waren keine exklusiven handgemachten Stahlrahmen mehr gefragt, die Hersteller setzten auf die billigen in Massenproduktion herstellbaren Rahmen aus Aluminium.

„Dank schlankerer Produktionsmethoden können wir erstmals wieder feine TOYO-Stahlrahmen zu erschwinglichen Preisen in Europa anbieten. Selbstverständlich wird noch immer alles mit dem höchstmöglichen Qualitätsanspruch von Hand gefertigt. Die Stückzahlen bleiben gering, die Exklusivität dadurch gewahrt. Optimiert wurde vor allem die Geometrie, zudem haben wir am Gewicht gefeilt ohne dabei an Stabilität einzubüssen, denn ein TOYO Samurai ist für den harten Geländegebrauch ausgelegt.“, erklärt Kornelius Grabher von itech Bikes in der Schweiz, der die Bikes wieder nach Europa holt.

Steuerrohransicht des Toyo Samurai

Das Modell Samurai (Abbildungen) die meisten Rahmen aus Stahl gebaut. Das Material für das Samurai-Mountainbike ist ein 4130-Stahl, ein sogenannter Aluminium-Stahl, bekannt als Chrome Moly. Reines Eisen (95 %) ist mit Bestandteilen von Chrom und Molybdän (ca. 2 %), und einem Hauch von Kohlenstoff (0,3 %) angereichert. Auch die Elemente Sulfur, Phosphor und Silicon sind sehr kleinen Mengen zu finden.

Die Bezeichnung 4130 wurde von der AISI („American Iron and Steel Institute“) definiert und steht für eine hochfeste Stahllegierung mit hoher Steifigkeit mit der leichtgewichtige da dünnwandige Rohre hergestellt werden können. Die Samurai-Rohre sind speziell gezogen und konifiziert. An den Rohr-Endpunkten wo sie miteinander befestigt sind, beträgt die Rohrstärken 0,9 mm, in der Mitte wird das Rohr dünner (0,6 mm).

Toyo Samurai in unlackierter Version

Die Fertigung des Toyo Samurai aus Stahl hat Tradition. Ishigaki Yoshiaki, der grosse Meister von Toyo arbeitet seit über 30 Jahren mit hochwertigem Stahl und ist nach wie vor absolut überzeugt von diesem Material. Ishigaki Tetsuya, der Sohn der Rahmenbau-Legende, ist seit 1982 bei Toyo und wurde selber zum "master framebuilder" ausgebildet. Inzwischen hat er das Zepter übernommen und bringt viele neue Impulse und Anregungen.

Die Samurai-Geometrie wird auf die aktuellsten Bedürfnisse für Federgabeln mit 100 bis 120 mm Federweg und Scheibenbremsen ausgelegt. Die Sitzposition ist sportlich aber dennoch so komfortabel, dass auch sehr lange Touren nicht zur Tortur werden. Der Fahrkomfort steht bei einem Samurai im Fokus.

Die kunstvoll geschwungenen Sitzstreben und das verlängerte Sitzrohr dämpfen Vibrationen merklich. Das innovative und verwindungssteife Kopfstück ist für moderne Steuersätze ausgelegt. Auch hier wird jedes Element von Hand verbunden. Um Vibrationen zu absorbieren sind diverse Rohre und Verbindungen mit der Fillet-Brazing-Fertigungstechnik verbunden. "Fillet brazing" ist das Zauberwort für die aufwendigste Art um Stahlrohre miteinander zu verbinden.

Geschliffene Lötstellen am Sitzrohr

Der Ausdruck ist vom französischen Wort für „Band“ abgeleitet, da der Rahmenbauer die Rohre mit einer Art Mesingband miteinander verlötet. Das Löten bringt gegenüber einem konventionell gefertigten Rahmen diverse Vorteile. Einerseits wird das Rohr nur bis zu der Temperatur erhitzt, bei der das hinzu geführte Messing-Lot schmilzt, das sind 900 Grad, sich an das Grundmaterial heftet und so die Rohre verbindet.

Beim TIG-schweissen werden die Rohre mit höheren Temperaturen verschweisst, was verwindungssteifere Verbindungen ergibt. Dieses Verfahren wird beim Samurai beispielsweise im Tretlagerbereich angewendet wo Steifigkeit gefragt ist.

Feinste Schweißnähte ziehren das Steuerrohr

Ein TOYO-Samurai Mountain Bike ist kein Massenprodukt von der Stange, deshalb dauert es auch einige Zeit bis das kundenindividuelle Bike fertig ist. Der Gesamtpreis für dieses Kunstwerk liegt, erstaunlich aber wahr, nicht viel höher als bei einem Serienbike mit vergleichbarer Ausstattung. Der empfohlene Verkaufspreis für einen Rahmen mit Wunschlackierung beträgt 1100 Schweizer Franken, ein Aufbau nach Kundenwunsch erfolgt in der Schweiz.


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Themen: KultSchweizToyo


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