Robert-Mennen-Blog: Vorschau Marathon-WM 2015

Mit 30er-Kettenblatt und 50er-Trittfrequenz am Start

  • Robert Mennen
 • Publiziert vor 5 Jahren

Am Stilfser Joch hat sich Robert Mennen auf die Höhe und steile Rampen vorbereitet. Jetzt ist er ins WM-Revier gereist und stellt fest: Die Marathon-Strecke in Wolkenstein ist eine einzige Rampe.

Jeder will es, aber nur einer bekommt es – das Regenbogentrikot.

Robert Mennen's Wochen vor der Marathon-WM in Gröden

Die Alpentour ist der letzte Wettkampf zwei Wochen vor der Marathon-WM im italienischen Wolkenstein in Gröden. Über vier Etappen fällt mein Fazit verhalten aus. Ich bin noch nicht da, wo ich zwei Wochen vor der WM gerne wäre. Noch nicht. Wobei wie viel kann man in zwei Wochen noch mobilisieren? Klar, das schwüle und heiße Wetter hat meinen Körper unvorbereitet getroffen. Auf der ersten Etappe komme ich mit Salzrändern auf dem Trikot ins Ziel. Während der zweiten Etappe erwischt es mich dann – Krämpfe. Ich muss vom Rad steigen und ein paar Schritte gehen. Wieder aufs Rad und schon ist der Krampf wieder da. Verdammt! Die Gruppe ist weg. Bis dahin hatte ich mich sehr gut gefühlt, was mir Motivation für die nächsten zwei Tage gibt. Doch so richtig kann ich mich über meine Leistung nicht freuen.

Auf dem neuen Hardtail-Prototypen von Canyon fühlt sich Robert pudelwohl.

Bei der Alpentour Trophy machten Robert die langen Anstiege noch zu schaffen.Doch bei der WM sind insgesamt 4700 Höhenmeter zu absolvieren – da sind Kletterfähigkeiten gefragt.

Von der Alpentour zum Stilfser Joch

Direkt nach der Alpentour fahre ich zum Passo dello Stelvio auf 2670 Meter Höhe. Die WM startet auf 1600 Meter und geht bis auf 2500 Meter. Höhenlagen, bei denen mir als Flachlandtiroler die Luft ausgeht. Daher die Höhen-Akklimatisation auf dem Stelvio. Trotz der lebhaften Teenager einer italienischen Ski-Mannschaft komme ich mir vor wie ein Mönch. Zwar gibt es Internet, aber die Unterkunft bietet einem viel Zeit einfach mal abzuschalten. Die ersten Tage regnet es. Zusammen mit den geringen Temperaturen gehe ich lieber nicht vor die Türe. Im Ski Keller – ein trister Betonraum – stelle ich meine Rolle auf und spule eine aktive Regenerations-Einheit runter. Einer der Ski-Teenager kommt herein. Er sieht mich und reißt die Augen auf. Anscheinend hat der noch nie einen Radfahrer auf einer freien Rolle gesehen. Er sagt etwas auf Italienisch zu mir. "Englisch oder Deutsch", sage ich. "Feeling like outside?" fragt der Junge. Schweißgebadet antworte ich nur "Yes!"
Am dritten Tag lockert es auf. Ich nehme zum ersten Mal die Straßen am Stelvio unter die Räder. Ein breit gemischtes Volk nimmt den Berg in Angriff. Bei einer Gruppe von Radfahrern steht Fastboys auf dem Trikot, das s durchgestrichen zu Fatboys. Ich sehe Erlkönige (Auto-Prototypen in einem speziellen Tarnanstrich), Autotrupps und Motorradgruppen. Komischerweise bin ich der einzige Radfahrer, der sich dick angezogen hat. Mag wahrscheinlich daran liegen, dass die anderen im Tal bei 25 Grad starten, während ich oben in der Kälte loslege.

Um besser mit der Höhe klar zu kommen hat der Topeak-Ergon-Racer letzte Woche am Passo dello Stelvio auf 2.670m Höhe trainiert und sich akklimatisiert.

Komplette WM-Strecke steil

Nach einer Woche auf dem Stelvio reise ich nach Wolkenstein in Gröden an. 500 Meter vor der Unterkunft ist die Straße gesperrt. Sella Ronda Bike Day. 22000 begeisterte Radfahrer sind unterwegs. Dave, unser Road Manager, fängt mich ab und lotst mich zum Quartier. Auf den Beifahrer-Sitz kann er nicht, mein Kombi ist voll bis oben hin. Als ich Montag die ersten 50 Kilometer der WM-Strecke abfahre, werde ich schon vorgewarnt: "Nimm vorne ein 30er-Kettenblatt, der dritte Anstieg ist extrem steil. Ist solch ein kleines Kettenblatt überhaupt mit unserer SRM-Kurbel kompatibel? Ja, ist es. Schon der erste Berg ist sportlich, aber der dritte ist dann wirklich extrem. So lange und so steil, na das wird ein krasses Rennen. Selbst mit vorne 30 und hinten 42 Zähnen fahre ich lange Teile der Steigung mit einer 50er-Trittfrequenz bei 350 Watt plus. Absoluter Wahnsinn! Heute bin ich relativ frisch in den Anstieg gegangen, aber im Rennen habe ich dann schon zwei kräftezehrende Anstiege in den Beinen. Hoffentlich gibt das keinen Kolbenfresser im Rennen. Am zweiten Tag fahre ich die letzten 37 Kilometer. Mit Kenntnis der Strecke fange ich an mir Gedanken zu machen. Bei der Alpentour-Trophy waren die steilen Abschnitte meine Achillesferse, aber dort waren es Abschnitte! Hier in Wolkenstein ist die komplette Strecke einfach steil, also nicht vergleichbar. Von daher bin ich optimistisch. Ich habe gut trainiert, mich in der Höhe vorbereit und den neuen Canyon Hardtail-Prototypen, der nochmals leichter ist als der bisherige Rahmen. Am Samstag kann ich zeigen, was ich kann – also Vollgas!

Der Nörvenicher hat sich optimal auf die WM vorbereitet und geht optimistisch ins Rennen.

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