Reisen mit dem Bike

  • Matthias Dreuw
 • Publiziert vor 13 Jahren

Hauptsache weg, Hauptsache Sonne, Hauptsache mit Bike. Nur wie bekomme ich das geliebte Sportgerät an das Urlaubsziel? Wir zeigen, wie sie Ihren Traumurlaub perfekt vorbereiten.

Haben Sie schon einmal versucht, ein Fahrrad im ICE mitzunehmen? Nein? Aber ich! Und das war kein Spaß. Schon die Bedingungen für den Transport sind so undurchsichtig wie unser Steuerrecht. Paragraphen, Vorschriften, Richtlinien. Wer da nicht schon graue Haare bekommt, kriegt sie spätestens, wenn er sich mit einer zwei mal ein Meter fünfzig großen Bike-Tasche durch ein vollgestopftes Bord Bistro quetscht – böse Blicke inklusive. Wieso eigentlich? Ich wollte doch nur in meinen wohlverdienten Bike-Urlaub und zwar umweltfreundlich; damit ich auch in zehn Jahren noch etwas von kühlen Wäldern, grünen Alm-Anstiegen und klarer Luft auf den Gipfeln habe! Aber vielleicht sollte ich beim nächsten Mal doch mit dem Auto fahren? Ohne Stress und das Geschleppe von unförmigen Bike-Taschen. Denn nichts ist ärgerlicher, als den Urlaub mit Chaos und Zeitdruck zu beginnen. Deshalb finden Sie hier alle nützlichen Tipps, damit Sie möglichst ohne böse Überraschungen Ihren Urlaub starten können.


MIT WELCHEM TRANSPORTMITTEL?
Wie Sie an Ihr Urlaubsziel kommen, hängt natürlich in erster Linie davon ab, wo es liegt. Nach Mallorca kommen Sie ohne Flieger kaum, nach Italien geht es einfach mit dem Auto und innerhalb Deutschlands ist der Zug ein gutes Transportmittel. Fast alle Fluggesellschaften bieten beispielsweise die Möglichkeit, ein Fahrrad als Sportsondergepäck mitzunehmen. Allerdings variieren die Preise hier zwischen 20 und 50 Euro (siehe Auflistung unten). Ein Bike im Zug mitzunehmen kostet dagegen nur 4,50 bis zehn Euro. Allerdings gibt es hier verpackungstechnische Einschränkungen: So darf ein Bike im ICE beispielsweise nur mitfahren, wenn es in einer Bike-Tasche verpackt ist. Praktisch, dass es dann auch nichts extra kostet, weil es als Handgepäck gilt. Transportiert man das Bike dagegen im Auto, kommen keine Extrakosten zustande. Allerdings sollten Sie den höheren Kraftstoffverbrauch beim Gebrauch eines Dach- oder Heckträgers beachten. Bis zu 2,70 Euro pro 100 Kilometer sind möglich.


TRANSPORTKOSTEN IM FLIEGER

• Condor/Sun Express www.condor.de
50 Euro hin und zurück
• dba www.flydba.com
20 Euro pro Strecke
• Easy Jet www.easyjet.com
22,50 Euro pro Strecke (bei Vorauszahlung), 30 Euro am Flughafen
• German Wings www.germanwings.com
25 Euro (internat. Flüge), 29,75 Euro (nationale Flüge) pro Strecke
• LTU www.ltu.de
30 Euro hin und zurück (LTU-Card)**
• Tui-Fly www.tuifly.de
25 Euro (internat. Flüge), 29,75 Euro (nationale Flüge) pro Strecke

*Bike-Transport: Die Bikes müssen immer rechtzeitig (am besten bei der Buchung) angemeldet werden. Sollte das angemeldete Bike doch nicht mitgenommen werden, werden die Transportkosten nicht erstattet.
**Gilt für ein Jahr.


SCHNELL UND EINFACH PACKEN
Für welches Transportmittel Sie sich auch entscheiden, wichtig ist die richtige Verpackung des Bikes. Wenn Sie mit Flugzeug oder Bahn verreisen, sollten Sie Ihr Bike in einen alten Radkarton aus Pappe, eine Bike-Tasche oder einen speziellen Hartschalenkoffer packen. So ist das Bike vor Schlägen und spitzen Gegenständen geschützt. Aber nicht nur eine Transportbox will richtig gepackt sein, sondern auch der Kofferraum Ihres Wagens ist mit ein paar Tricks platzsparend und sicher beladen.


CLEVER GEPACKT?
Mit dem Auto chauffiert man sein Bike bequem zum Urlaubsort. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Bike und Gepäck richtig verstauen.

Wenn es das Auto hergibt, ist der Transport der Bikes im Inneren die sicherste Variante. Hinter der Rückenlehne oder mit einem speziellen Schienensystem können Bikes nicht umherfliegen. Voraussetzung ist aber, dass Sie richtig verpackt werden: Laufräder und Sattel raus, Pedale ab. Eine Decke oder Noppenschaumstoff schützt das Auto vor Schmutz und das Bike vor Kratzern. Bremsscheiben und Ritzelpaket hohl lagern, Taschen obendrauf verhindern, dass lose Teile umherfliegen.
• PLUS: Weniger Kraftstoffverbrauch, höhere Reisegeschwindigkeit, geringeres Beschädigungsrisiko, geringeres Diebstahlrisiko.
• MINUS: nur mit maximal zwei Bikes machbar, großes Auto notwendig, Kofferraum kann verschmieren.


DACHTRÄGER
Für den Transport von Mountainbikes auf dem Dach sind zwei unterschiedliche Systeme sinnvoll. Beim ersten wird das Bike mit der Gabel direkt am Träger verschraubt. Dadurch hat es einen niedrigeren Schwerpunkt und wackelt im Wind nicht so stark. Allerdings müssen die Vorderräder im Kofferraum Platz finden. Auch Steckachsen kompatible Systeme sind im Handel erhältlich. Beim zweiten System wird das komplette Bike mit einer Zange am Unterrohr befestigt. Übergroße Klemmen lassen auch ungewöhnliche Rohrformen zu. Tipp: Entfernen Sie alle losen Teile, die auf der Autobahn zum Geschoss werden können (Flaschen, Schutzbleche). z. B. www.thule.com , www.atera.de .
• PLUS: kein Dreck im Innenraum, mehr Platz im Innenraum
• MINUS: geringere Reisegeschwindigkeit (max. 130 km/h), schwer zu beladen, hoher Kraftstoffverbrauch (bis 2 Liter), eingeschränkte Dachlast (bis 75 Kilo)


HECKTRÄGER
Heckträger haben den entscheidenden Vorteil, dass sie sich sehr einfach be- und entladen lassen. In der Regel sind diese Systeme für zwei Bikes ausgerüstet. In Einzelfällen, sind auch mehr Bikes möglich. Greifen Sie aber in jedem Fall zu einem Träger, bei dem die Halter auf Ihr Fahrzeug abgestimmt sind. Der ADAC rät von Systemen ab, die nur mit Gurten am Fahrzeug befestigt sind. Sie halten den Lasten bei Ausweichmanövern nur in den seltensten Fällen stand. Nachteil der Träger ist allerdings die schlechte Sicht nach hinten und die eingeschränkte Erreichbarkeit des Kofferraums. Der lässt sich nämlich nur ohne Bikes auf dem Träger öffnen. z. B. www.paulchen.de , www.thule.com .
• PLUS: einfach zu be- und entladen, weniger Luftwiderstand als auf dem Dach
• MINUS: Gepäck nur schwer erreichbar, eingeschränkte Sicht nach hinten, weißrot gestreiftes Warnschild notwendig


KISTE: Gut und günstig (unten links)
Der Karton ist die günstigste Verpackung, wenn ein Rad auf Reisen geht. Stabile Varianten gibt es in jedem Bike-Shop. Zum Beispiel: Rose „Bike Travel Safe“ inkl. Rollen und Spanngurten. Preis: 35,50 Euro, www.roseversand.de .
– Rahmenrohre mit Rohrisolierung schützen
– Schaltwerk, Pedale, Sattel, Bremsscheiben
und Laufräder demontieren
– Kettenblätter mit Schaumstoff stützen


TASCHE: Die Alternative (unten Mitte)
Die Alternative zum Koffer ist die Tasche. Sie sollte gepolstert sein. Empfehlenswert ist ein verstärkter Boden und verstärkte Kanten. Leicht und handlich. Zum Beispiel: Rose „Container-Bag Pro“, Preis: 84 Euro, www.roseversand.de .
– Kettenblatt und Gabelholme mit Schaumstoffpolster schützen
– Rahmen mit Spannriemen befestigen
– Laufräder in die vorgesehen Fächer stecken


KOFFER: Erste Klasse (unten links)
Die sicherste Variante ist der Bike-Koffer. Innen gut gepolstert, ist das Bike vor Schlägen geschützt. Scharfe und spitze Gegenstände hält die Schale ab. Beispiel: B & W „Box“, Preis: 238 Euro. www.b-w-international.com .
– Lenker, Schaltwerk, Laufräder und Schnellspanner demontieren
– Laufräder in mitgelieferte Taschen stecken
– Rahmen und Laufräder mit Gurten sichern


VERSICHERN UND RETTEN
Ist man erst einmal am Ziel, stellt sich schnell Gemütlichkeit ein. Nur was passiert, wenn das Bike geklaut, die Gabel platt und das Handgelenk verstaucht ist? Unsere Experten
sagen Ihnen, welche Versicherungen notwendig sind, welches Werkzeug Sie unbedingt mitnehmen müssen und wie Sie Ihre Reiseapotheke auffüllen. Dann sollten Sie so gut vorbereitet sein, dass Sie Ihren Bike-Urlaub relaxt und ohne böse Blicke aus dem Bord-Bistro beginnen können.


Versicherungsmakler
Ralf Pergande:
VERSICHERUNG OFT NICHT AUSREICHEND!

Wie versichere ich ein Bike für den Urlaub?

Leider ist die Reisegepäckversicherung für Urlaubsreisen die einzige Möglichkeit. Wichtig ist dabei, den richtigen Versicherer zu wählen, dessen Bedingungen am besten für die eigene Reise passt. Alternativ gibt es ein Ganzjahresvertrag speziell für das Rad, der auch auf Reisen Gültigkeit hat.


Was kostet eine gute Versicherung?
Im Beitrag gibt es große Schwankungen, gerade weil der Versicherungsumfang sehr unterschiedlich gestaltet ist. Generell ist der Beitrag für eine kurzfristige Reisegepäckversicherung eigentlich unerheblich, wichtig ist, dass der Versicherungsschutz auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt ist.

In vielen Reisegepäckversicherungen sind Sportgeräte mitversichert. Gilt das auch für Bikes?
Mountainbikes zählen in der Reisegepäckversicherung zu den Fahrrädern. Einige Versicherer versichern Fahrräder mit Einschränkungen, andere schließen Fahrräder ganz aus.


Welche Bedingungen gelten hier?
Grundlage sind in der Regel die Reisegepäckbedingungen, die aber bei den Versicherern gerade in Bezug auf Fahrräder sehr unterschiedlich gefasst sind.


Wie hoch ist der Erstattungsbetrag?
Da die Versicherungssummen in der Reisegepäckversicherung meistens nicht besonders hoch sind, ist der Betrag für hochwertige Räder häufig auch nicht ausreichend. Hier hilft nur eine spezielle Bike-Versicherung.


BESSER VORGESORGT!

Damit Sie im Urlaub keine bösen Überraschungen erleben, sollten Sie einen kleinen Werkzeugkasten und eine Erste-Hilfe-Ausrüstung parat haben.

Bei einer ausreichenden Werkzeugausstattung ist der Bike-Urlaub auch im Falle eines Schadens nicht in Gefahr. Die fachgemäße Wartung des Rades im Vorfeld der Reise und das richtige Werkzeug auf der Reise sollten selbstverständlich sein, denn nicht jedes Reiseziel besitzt einen Fahrradladen direkt um die Ecke. Empfehlenswert ist ein hochwertiges Mini-Tool, ein Kettennieter, eine Standpumpe, ausreichend Ersatzschläuche und -speichen, eine Dämpferpumpe und als Ergänzung Kettenöl, Reinigungsöl, Ersatzschaltzüge und Bremsbeläge eine Handwaschpaste und ein passendes Kettenschloss. Auch ein Satz Ersatzmäntel ist in Alpinen Regionen durchaus sinnvoll.

Spätestens sechs Wochen vor Reiseantritt sollten Sie eventuelle Impfungen vornehmen lassen. Je nach Reiseziel ist auch eine Malaria-Prophylaxe notwendig. Sind alle Impfungen ausreichend vorhanden, reicht unterwegs eine Reiseapotheke mit den wichtigsten Inhalten: Desinfektionsspray, Heftpflaster, Brandwunden-Verbandtuch, Wundschnellverbände, Verbundpäckchen und Mullbinden in verschiedenen Größen und Längen, Zellstoff-Mull-Kompressen, Dreiecktuch, Verbandschere, Sicherheitsnadeln, Erste-Hilfe-Anleitung, Rettungsdecke sowie Medikamente und Salben gegen: Durchfall, Sonnenbrand, Allergien, Verbrennungen, Prellungen, Verstauchungen, Insektenstiche, Sonnencreme und Insektenschutzmittel.




Schlagwörter: Reise Traumurlaub


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