Red Bull Rampage 2016: Rennbericht

Semenuk gewinnt Rampage 2016

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 4 Jahren

Bei der Red Bull Rampage ging es noch steiler und heftiger zu als je zuvor. Semenuk brillierte, Graham Agassiz stürzte schwer. Zudem gab's den ersten Double-Backflip in der Geschichte der Rampage.

Red Bull Rampage. Mächtig hallt der Name des größten und wichtigsten Freeride-Events in den Ohren eines jeden Mountainbikers wieder. Gänsehaut? Vorprogrammiert! Wenn sich einige der talentiertesten und verrücktesten Mountainbiker der Welt die schier unfahrbaren Steilwände in der Wüste Utahs hinunterstürzen, so dass dem gemeinen Mountainbiker schon beim Ansehen des Helmkamera-Videos das Blut in den Adern gefriert, dann wissen wir wieder, es ist Oktober. Rampage-Zeit.

2016 – Neue Regeln und neuer Ort

Graham Agassiz bei seinem Backflip im ersten Teil seines Runs.

Für 2016 hat sich einiges geändert. Statt der vorher erlaubten vier Helfer, durften 2016 nur noch zwei Helfer die Fahrer dabei unterstützen, sich ihre eigene Line in den Berg zu graben. Zudem sind pro Fahrer lediglich noch 75 Sandsäcke als Unterstützung zugelassen, schweres Gerät darf nicht verwendet werden, es gibt keine vorgefertigten Features mehr wie Drops oder Sprünge aus Holz oder Metall. Außerdem wechselt die Rampage den Standort und kehrt fast an ihren originalen Austragungsort zurück, an dem die Rampage bis 2006 stattgefunden hatte.

All das soll die Rampage wieder dem ursprünglichen Spirit des Freeridens annähern. Die einzelnen Teams müssen wegen der limitierten Zeit und den reduzierten Hilfsmitteln stärker zusammenarbeiten als vorher, der neue Austragungsort soll einen neuen Start ermöglichen, bei dem niemand irgendwelche Vorteile hat. Nicht zuletzt versucht man auch die Athleten zu schützen, soweit das möglich ist. Deswegen ist ein Tag Pause vor dem Finale Pflicht für jeden Athleten, außerdem hatten die Athleten 2016 erstmals das Recht, sich bei zu viel Wind wieder hinten an die Startreihenfolge anzugliedern. Die Jury bestand 2016, nach der massiven Kritik von 2015, nur noch aus ehemaligen Rampage-Teilnehmern, wie zum Beispiel Nico Vink, Geoff Gulevich und dem legendären Vater der Rampage, Josh Bender.

Das Unmögliche möglich machen

Brandon Semnuks Run hatte alles, was die Jury gerne sieht. Heftige Steilpassagen, gute Tricks, Style, Flow und eine saubere Ausführung.

Eigentlich hatten die Organisatoren nur die aus Fahrersicht rechte Kammlinie für das Event vorgesehen. Aber Rampage wäre nicht Rampage, wenn die Athleten selbst sich nicht so dermaßen pushen würden. Und so verließen einige die "sichere" rechte Kammlinie. Es waren Rampage-Veteran Darren Berrecloth, Tyler McCaul und Carson Storch, die mit geballten Kräften die linke Kammlinie erschlossen. Alle zur Verfügung stehenden Sandsäcke wanderten in einen fiesen blinden Drop mit dem sprechenden Namen "The green Goblin". Die Kammlinie war häufig kaum einen Meter breit, mit nichts als gähnender Leere zu beiden Seiten.

Auch Graham Agassiz und James Doerfling sagte die rechte Kammlinie wohl nur bedingt zu. Sie entschieden sich zu einer beinahe noch radikaleren Variante und stürzten sich, nach einem kleinen Stück auf einem kleineren Kamm, in den steilsten und längsten Abhang des gesamten Berges. Den scheinbar vertikalen Hang zwischen den beiden Kammlinien. Bremsen? Unmöglich, nur durch gekonntes Carven wie beim Skifahren konnten James Doerfling und Graham Agassiz die Beschleunigung durch das Gefälle etwas ausbremsen. Der Rest des Feldes entschied sich für die rechte Kammlinie, aber auch hier war viel Kooperation und alles verfügbare Material notwendig, um die Kammlinie fahrbar zu machen. Damit dürfte die Rampage 2016 das steilste und furchteinflößendste Layout in der gesamten Geschichte der Red Bull Rampage überhaupt haben.

Graham Agassiz mit heftigem Crash

Gestartet wurde bei der Rampage 2016 nach der gewälten Line. Die Fahrer, die am weitesten Links fahren wollten, starteten als erste. So kam Darren "Bearclaw"  Berrecloth die Ehre zu, die Rampage zu eröffnen. Er lieferte einen sauberen Run ab und wurde mit 66 Punkten von 100 bewertet. Es folgten Tyler McCaul mit 76 und Carson Storch mit bereits sehr guten 79 Punkten. James Doerfling gelang es auch bei seiner verrückten Line die Kontrolle zu behalten, mehr als 59,66 Punkte waren aber wegen einem Mangel an Tricks nicht drin.

Hier ging es schief für Graham Agassiz. Er verfehlte die Landung knapp, fiel und brach sich die Hüfte.

Bei Graham Agassiz, der auch die fast vertikale Line von James Doerfling wählte, waren die Erwartungen hoch. "Aggy" ist ohne Zweifel der Liebling der Athleten selbst, weil er immer wieder bewiesen hat, dass er die steilsten und schwierigsten Linien mit heftigen Tricks und einer Portion Wahnsinn vereinen kann. Und zunächst lief auch alles glatt, doch bei einem großen 360 Drop erwischte Agassiz die Landung nicht richtig und wurde in hohem Bogen über den Lenker geschleudert. Agassiz schlug heftig ein und überschlug sich noch mehrmals, während er die lange Landung hinunterrollte. Er brach sich das Becken und musste mit einer Trage abtransportiert werden. Zum Glück blieb der Sturz von Agassiz der einzige Sturz bei der Rampage mit ernsten Folgen.

Semenuk brilliert

Als nächster nach dem heftigen Sturz von Agassiz war Allround-Ass Brandon Semenuk an der Reihe. Der Kanadier, der unter anderem für seine Fähigkeit zur absoluten Konzentration und perfekten Ausführung von Tricks bekannt ist, ließ sich durch den Sturz nicht ablenken und lieferte einen phänomenalen Run ab. Mit viel Flow bezwang er den ersten Drop und seinen eigenen Double-Drop, würzte den nächsten Sprung mit einem Nose-Bunk, zog einen Flatspin 360 und dann einen Backflip und beendete seinen Run mit eine Backflip One-Foot Can. Weil das alles ziemliches Freerider-Latein ist, hier das Video:

Antoine Bizet landet den Double-Backflip

Lange konnte niemand auch nur annähernd mit Semenuk gleichziehen. Brett Rheeder und Cam Zink crashten und konnten ihre Runs nicht beenden, blieben aber bis auf einen geprellten Daumen im Fall von Cam Zink unversehrt. Kyle Strait lieferte eine starke Performance ab, konnte aber mit 78,33 Punkten Carson Storch nicht von Platz zwei vertreiben. Andreu Lacondeguy, Kurt Sorge, Tom van Steenbergen und Thomas Genon fehlten die großen Drops oder die krassen Tricks. Erst Antoine Bizet hatte gute Chancen. Drop reihte sich an Drop, ein Backflip hier, ein Hip Jump da. Mit einem letzten großen Drop beschleunigte Antoine Bizet für den letzten großen Sprung. Und was ihm letztes Jahr im Finale missglückte, wurde diesmal Wirklichkeit. Der Doppel-Backflip! Damit hat Antoine Bizet Geschichte geschrieben. Sein Run wurde am Ende mit 81 Punkten bewertet. Genug für Platz zwei, aber nicht für Platz eins. Und damit dürfte wieder einmal eine Diskussion um die Entscheidung der Jury beginnen.

Auch im zweiten Run gelang es niemandem mehr, die Positionen auf dem Podium noch zu verändern. Zu stark war der Wind geworden und obwohl viele Fahrer starten konnten, reichte es nicht mehr aus, um die Präzision aufzubringen, Brandon Semenuk zu schlagen. Damit geht der Sieg an Semenuk, Platz zwei an Antoine Bizet, Platz drei an Carson Storch, der mit seinem 360 Drop sogar den Best-Trick-Award einfuhr. Das ist aber wirklich eine Entscheidung, über die man vor dem Hintergrund von Bizets Double-Backflip durchaus diskutieren kann.

Hier geht es zur vollständigen Übertragung auf Red Bull TV .

1. Brandon Semenuk (CAN/Trek)

84,33

2. Antoine Bizet (FRA/Kona)

81,00

3. Carson Storch (USA/Rocky Mountain)

79,00

4. Kurt Sorge (CAN/Polygon)

78,66

5. Kyle Strait (USA/Commencal)

78,33

6. Thomas Genon (BEL/Canyon)

77,66

7. Tyler McCaul (USA/GT)

76,00

8. Andreu Lacondeguy (ESP/YT)

75,33

9 Pierre Edouard Ferry (FRA/Commencal)

74,33

10. Tom van Steenbergen (CAN/Trek)

73,33

11. Darren Berrecloth (CAN/Canyon)

70,66

12. Remy Metailler (FRA/Commencal)

66,33

13. Kyle Norbraten (CAN/Specialized)

62,66

14 James Doerfling (CAN/Knolly)

60,33

15. Brett Rheeder (CAN/Trek)

54,00

16. Graham Agassiz (CAN/Kona)

50,66

17. Cam Zink (USA/YT)

47,33

18. Connor MacFarlane (NZL/Knolly)

43,33

Schlagwörter: Freeride Rampage Red Bull Utah Wettkampf


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