Präsentation des Multivan Merida Biking Team 2012 Präsentation des Multivan Merida Biking Team 2012 Präsentation des Multivan Merida Biking Team 2012

Präsentation des Multivan Merida Biking Team 2012

  • Christoph Listmann
 • Publiziert vor 9 Jahren

Sechs Fahrer und eine Fahrerin stehen im Team-Aufgebot des Taiwanesischen Bike-Herstellers Merida. Gunn Rita Dahle, José Antonio Hermida, Ralph Näf, Rudi van Houts und Jochen Käß stellen das Cross-Country-Worldcup-Team, Hannes Genze und Andreas Kugler konzentrieren sich auf Marathons. BIKE traf Teammanager Andreas Rottler zum Interview.


Das Multivan Merida Biking Team ist eines der erfolgreichsten Renn-Teams der Welt. Nach wie vor unter deutscher Leitung geht die Mannschaft in die elfte Saison, im Kader stehen mit Jochen Käß und Hannes Genze zwei deutsche Profis. BIKE-Redakteur Christoph Listmann sprach bei der Teampräsentation auf Mallorca mit Teammanager Andi Rottler über Saisonziele und Hürden, die es im olympischen Jahr zu überwinden gilt.


BIKE: Im August stehen die Olympischen Spiele an. Was bedeutet Olympia für eure Saisonplanung?

Andi Rottler: Zuerst beeinflusst der Qualifikationsprozess die Saison maßgeblich. Fast alle Fahrer müssen noch ihre Norm erfüllen. Dadurch werden die ersten Worldcups noch wichtiger als sonst. Wir haben ganz individuelle Vorbereitungen für unsere Fahrer. Jochen Käß beispielsweise wird nach Zypern gehen und XC-Rennen fahren. Für ihn wird die Quali eine harte Nummer. Genauso Ralph Näf, der die extreme Konkurrenz in der Schweiz hat. Er muss beim Worldcup-Auftakt in Pietermaritzburg in Topform sein.


Welche eurer Fahrer haben eine realistische Chance auf eine Olympia-Teilnahme?

Alle haben eine Chance. Auf der relativ sicheren Seite sind José Hermida, Gunn-Rita Dahle und Rudi van Houts. Einen harten Kampf hat Ralph Näf, auch aufgrund der missglückten Saison 2011. Für Jochen liegt es im Bereich des Möglichen, ein Ticket zu lösen. Andreas Kugler und Hannes Genze zähle ich da nicht mit rein, die fahren rein Langdistanz.


Wer hat Chancen auf Medaillen?

José, klar, er hat schon mal Silber abgeholt. Wenn Ralph in London ist, ist er ein heißer Medaillenkandidat. Bei Meisterschaften ist er immer in Topform. Rudi sehe ich im Bereich Olympisches Diplom, also top acht. Bei Jochen wäre eine Medaille ein hoch gestecktes Ziel, die Top Ten sind drin. Bei Gunn-Rita ist eine Medaille realistisch.


Wie sähe dein Traum-Resultat in London aus? Name und Platzierung bitte!

Ich möchte mich nicht auf einen Fahrer festlegen, aber eine Medaille für Hermida und Näf und eine Medaille für Gunn-Rita, das wäre für uns der Wahnsinn. Der absolute Wahnsinn, unabhängig davon ob es Gold, Silber oder Bronze ist. Das absolute Traumergebnis ist eine Goldmedaille, aber wenn wir zwei oder drei Medaillen haben, wäre das auch super.


Das klingt so, als ob die Farbe der Medaillen nebensächlich ist!

Ein Olympiasieg steht über allem. Ob es Silber oder Bronze ist, wenn es zu Gold nicht reicht, ist egal. Das Podiumsbild von den Olympischen Spielen ist in Stein gemeißelt, das gibt es nur alle vier Jahre.


Logos und Sponsoren dürfen bei Olympia praktisch nicht erscheinen. Warum ist das Event dennoch so wichtig?

Es geht um den Titel. Wir dürfen ja ausschließlich den Titel kommunizieren. In unserer Werbung taucht das olympische Rennen ja deshalb gar nicht auf. Die Teamsponsoren, die den Weg zu Olympia finanzieren, werden ja abgestraft. Ein Sponsor wie Multivan schluckt natürlich, wenn sein Logo bei den Spielen abgeklebt wird. Nur der Hersteller von Rahmen, Gabel oder Reifen darf sichtbar bleiben. Alles andere wird schmerzfrei abgeklebt. IOC und FIFA schenken sich da nichts. Es ging in Athen ja so weit, dass der Fanclub von Gunn-Rita gezwungen wurde, die T-Shirts auf links zu drehen, weil Merida drauf stand. Da fragt man sich natürlich schon. Als Team hat man bei Olympia keine Rechte, das ist schade.


Gunn-Rita Dahle-Flesja ist nach der Geburt ihres Kindes wieder in Form. Was kann man von ihr 2012 erwarten?

Ich sehe sie wieder regelmäßig auf dem Worldcup-Podium.


Ist es im Frauen-Rennsport noch möglich, die Szene so zu dominieren, wie Gunn-Rita das einige Jahre lang gemacht hat?

Ja, das wäre sicherlich wieder möglich. Wir haben das 2011 bei den Männern gesehen, wie Kulhavy abgeräumt hat. Das kann es auch bei den Frauen wieder geben.


Ist das Feld nicht enger zusammengerückt?

Die Leistungsdichte und Konkurrenz ist höher, das ist richtig. Die Rennen sind kürzer, dadurch wird es spannender. Aber eine solche Dominanz kann es schon wieder geben.


Machst du den Fahrern Druck, dass sie spezielle Resultate bringen müssen?

Wir besprechen die Ziele, die sie erreichen wollen. Wir geben den Fahrern maximalen Support dafür. Ob das dann klappt, sei dahingestellt. Es ist wie in jedem Beruf: Der Arbeitgeber erwartet eine Leistung, da werden auch Ziele vereinbart. 2011 waren wir oft Vierter, da haben wir die Ziele knapp verfehlt. Das ärgert nicht nur uns sondern auch den Sportler, damit ist keiner glücklich. Aber die Sportler haben ja auch noch Pressearbeit und andere Dinge zu erledigen, das gleicht sich irgendwie aus.


In wie weit nehmen gestandene Profis wie Hermida, Näf oder Dahle überhaupt Druck an?

Die nehmen den Druck schon an. Sie wissen, dass sie jedes Jahr ihre Leistung bestätigen müssen. Verträge laufen ja immer wieder aus. Auf der Habenseite stehen viele Erfolge, aber auf den Lorbeeren ausruhen geht nicht. Die Sponsoren erwarten Podiumsplätze, jedes Jahr wieder. 2011 hatten wir eine Saison ohne Worldcupsieg, also ist unser Ziel für 2012 klar: ein früher Worldcupsieg. Die Fahrer können damit umgehen.


Hilft es dir in deinem Job, dass du selbst mal erfolgreicher Rennfahrer warst?

Es hilft mir, die Sportler zu verstehen. Wie Sportler ticken, wie es einem als Sportler geht, diese Erfahrung habe ich. Gerade wenn es nicht läuft, spürt man schneller, wenn es ein Problem gibt. Ich kenne die Rennabläufe, das Reisen, es hilft auch in der Planung.


Im Marathonbereich lauft ihr dem Sieg beim Cape Epic oder der BIKE Transalp immer noch hinterher. Fuchst dich das?

Klares Ja! Wir haben im Cross Country fast alles gewonnen, was es gibt, sämtliche WM-Titel, uns fehlt nur Olympia-Gold bei den Männern und der Worldcup-Gesamtsieg bei den Männern. So gibt es auch im Marathon noch Lücken, die Transalp und Cape Epic haben wir nur als Zweite beendet. Da würden wir gerne den Gesamtsieg anpeilen.


Wie wollt ihr den Sieg erreichen?

Dafür müssten wir mit Sicherheit mit zwei Teams starten. Für 2012 steht nur das Podium als Ziel fest. Wer beim Cape Epic auf Gesamtsieg fährt, läuft Gefahr, der Cross-Country-Saison Schaden zuzufügen. Da muss man abwägen, wie wichtig die kommenden Worldcups sind. Olympia macht da aktuell einen Strich durch die Rechnung.


Für eure Marathonfahrer wäre das ja egal!

Das stimmt, aber wenn wir mit zwei Teams in Richtung Gesamtsieg spielen wollen, brauchen wir noch Ralph und José als zweite Speerspitze. Also peilen wir das erst für 2013 richtig an. Denkbar wäre auch, dass man Ralph und José auf Sieg fahren lässt.


Wie siehst du aktuell den Stellenwert von Marathons/Etappenrennen im Vergleich zum Worldcup?

Das Cape Epic hat eine Sonderstellung, weil es medial stark aufbereitet wird und eine Streuwirkung hat. Durch die Namensgebung Worldcup und Olympische Disziplin steht Cross Country auf einer anderen Stufe. Die großen Rundfahrten etablieren sich, eine Transalp ist weltweit bekannt, aber an den Worldcup kommt sie nicht heran.


Ich stelle die These auf: Ein Cape-Epic-Sieg kriegt mehr Aufmerksamkeit als ein Worldcup-Sieg. Was ist dir als Manager wichtiger: die große sportliche Leistung eines Fahrers oder ein Ergebnis, das medial weite Kreise zieht?

Wir müssen beides bedienen. Wir sind hauptsächlich ein Cross-Country-Team, dieser Sport steht im Vordergrund. Medial hat es der Sport in Deutschland natürlich schwer und kann aktuell nicht mit der TV-Präsenz vom Cape Epic konkurrieren. Es gibt einige Länder, die im XC mehr machen, allen voran die Tschechen. Es geht aber auch um die Ausrichtung unserer Marke. Man kann nicht sagen: Ich gehe nur auf Cape Epic. Wir sind ein Cross-Country-Team und das ist die Olympische Disziplin, und daher hat es für uns den höheren Stellenwert.


Können Sponsoren beide Bereiche überhaupt unterscheiden und einschätzen?

Ja natürlich. Die meisten Sponsoren kommen aus der Branche und sind nah dran am Sport. Volkswagen ist auch sehr sehr nah dran. Aber natürlich regieren bei großen Sponsoren die Zahlen. Da tut man sich aktuell mit dem Worldcup schwer, weil die TV-Zeiten zu gering sind.


Ihr habt Volkswagen als Partner im Boot. Warum engagieren sich so wenige Firmen außerhalb der Bike-Branche im Sport?

Ganz klar: die fehlenden TV-Zeiten. Mountainbiken ist ein super Event-Sport. Auf den Worldcups ist der Teufel los, auch die Bundesliga-Rennen haben sich gut etabliert. Schlussendlich tun wir uns schwer, da stets die Frage nach den TV-Zeiten aufkommt, selbst wenn man branchenfremde Sponsoren am Wickel hat. Das ist der Hemmschuh. Wir sind glücklich, dass wir seit 2003 VW als Partner haben. Darauf sind wir stolz.


Der Vertrag mit VW endet bald. Was passiert mit dem Team, wenn er nicht mehr verlängert wird?

Das Multivan Merida Biking Team läuft unter diesem Namen 2012 aus. Wir hoffen, dass wir den Vertrag verlängert bekommen. Sonst versuchen wir natürlich, einen weiteren Titelsponsor zu finden. Aber wir sind in der glücklichen Lage, dass Merida das erfolgreiche Mountainbike-Team in jedem Fall weiterführen möchte. Das Engagement geht die nächsten Jahre weiter. Ob dann mit sieben oder nur fünf Fahrern steht jetzt in den Sternen.


Wie wichtig ist der Rennsport für die Marke Merida?

Das Team ist eins der wichtigsten Marketing-Instrumente für Merida, es wurde über Jahre aufgebaut, sehr erfolgreich natürlich, die Marke ist erfolgsverwöhnt. Das wollen sie weiterführen.


Dein Vater Uli Rottler war Rennfahrer, du warst Rennfahrer, würdest du deinen Kindern eine Karriere als Sportler nahe legen?

Da sage ich pauschal: Ja! Mit gewissen Rahmenbedingungen. Ich würde es nicht befürworten, wenn dem Sport alles untergeordnet wird. Wenn jemand glaubt, er möchte mit 15 nicht mehr zur Schule gehen sondern Sport machen, werde ich eingreifen. Im aktuellen G8-Schulsystem ist es für Kinder nicht mehr so einfach, aktiv Leistungssport zu treiben, insbesondere Ausdauersport. Bei langen Trainingseinheiten wird es schwierig, alles zu vereinbaren. Die Kinder haben einen straffen Zeitplan, da bleibt eh nicht viel Freizeit. Eine gute Schulausbildung muss sein. Aber der Radsport ist ein schöner Sport, ich habe ihn gern gemacht, warum also nicht auch meine Kinder?

Vielen Dank für das Gespräch!

Themen: Cross CountryMultivan Merida Biking Team 2012RaceRennsportWorldcup


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