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Polizei kontrolliert Stuttgarter MTB-Trails

Stuttgart: Polizeikontrollen auf Trails

Laurin Lehner/Stefan Loibl am 02.09.2020

Im März gründeten Stuttgarter Biker einen MTB-Verein. Die Forderung: Legale Trails und ein Angebot für tausende Biker. Doch statt Lösungen zu erarbeiten werden Trails von der Polizei kontrolliert.

Geografisch liegt Stuttgart mitten im Land der Zwei-Meter-Regel. Biker haben es hier in Baden-Württemberg nicht leicht. Alle Pfade schmaler als zwei Meter sind grundsätzlich verboten. Deshalb haben die Biker in Stuttgart im März 2020 einen Verein gegründet. So wollen sie sich bei der Stadt Gehör verschaffen und bestehende Trails legalisieren lassen. „Es geht darum, der Stadt einen offiziellen Ansprechpartner zu bieten", erklärt Christoph Scholz, 2. Vorsitzender des MTB-Vereins Stuttgart. Als Vorbild gilt die in Südbaden gelegene Stadt Freiburg. Hier schaffte ein engagierter Verein trotz Zwei-Meter-Regel ein breites Trail-Netz – ganz offiziell. DIMB-Fachberater Heiko Mittelstädt schätzt die Sachlage in der Landeshauptstadt jedoch komplizierter ein als in Freiburg. „Im Talkessel um Stuttgart gibt es viele Schutzgebiete", weiß Mittelstädt. Grund zur Freude gibt es dennoch. Die Stadt bewilligte bereits 80.000 Euro, um ein erstes Konzept erarbeiten zu lassen. Weitere 10.000 Euro gibt es pro Jahr für Pflege und Baumaßnahmen der Strecken. 

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Trails gibt es viele rund um Stuttgart, doch nur die wenigsten davon sind aufgrund der unsinnigen 2-Meter-Regel legal.

Kontrollen und Bußgelder statt kooperatives Arbeiten fürs Konzept

Bis ein Konzept zwischen Stadtverwaltung, MTB-Verein und den verschiedenen Interessensgruppen erarbeitet und umgesetzt ist, kann es aber noch lange, wenn nicht sogar Jahre dauern. Doch was machen Biker bis dahin? Denn aktuell gibt es nur einen offiziellen Trail in Stuttgart. Der „Woodpecker“ ist einen Kilometer lang. Zudem hat die örtliche Polizei bereits vor Monaten damit angefangen, auf beliebten Trails rund um Stuttgart zu kontrollieren. Wie von verschiedenen Bikern berichtet, wurde anfangs allerdings nur kontrolliert und verwarnt. Dagegen greift die Stuttgarter Polizei nun härter durch, wie einer aktuellen Pressemitteilung zu entnehmen ist. Darin heißt es: „Biker, die weiterhin auf Strecken fahren, die weniger als zwei Meter Breite haben, müssen mit einer Ordnungswidrigkeitenanzeige und einem Bußgeld von bis zu 40 Euro rechnen.“ Wer beim Trailbau erwischt wird, dem droht ein Bußgeld von bis zu 255 Euro.

Wer einen Anhörungsbogen oder Bußgeldbescheid erhalten hat, kann sich unter w2mr@dimb.de an die DIMB IG Stuttgart wenden.

Update: Demo am 5. September

Der Stuttgarter MTB-Verein und die DIMB rufen zu einer MTB-Demo in Stuttgart "Für ein legales MTB-Trailnetz in Stuttgart - Novellierung der sog. 2-Meter-Regel" auf. Termin ist Samstag, 5.9.2020, 14:30 Uhr auf dem Marktplatz vor dem Stuttgarter Rathaus.

Danach kann noch auf dem Woodpecker gefahren werden, der einzigen legalen Mountainbike-Strecke in Stuttgart. Damit soll sichtbar gemacht werden, wie absurd die Idee ist, dass alle Stuttgarter Biker nur auf dem Woodpecker fahren sollen. Teilnehmer sollen zur Demo am besten mit ihren Bikes und im MTB-Outfit kommen.

Fabian Scholz: „Endlich legal biken.“

Vier Fragen an Fabian Scholz, 2. Vorsitzender des im März 2020 gegründeten MTB-Vereins in Stuttgart. 

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Fabian Scholz, Deutscher Enduro-Meister (2015) und Ingenieur bei Focus Bikes.

BIKE: Fabian, inwiefern kann Euch die Gründung des Vereins helfen?
Fabian Scholz: Wir wollen nicht mehr illegal biken, sondern legal im Wald unterwegs sein. Dafür muss die unsinnige Zwei-Meter-Regel im Stuttgarter Kreis aufgehoben werden. So können unsere vorhandenen Trails legalisiert werden.

Die Gegend um Stuttgart ist in großen Teilen Naturschutzgebiet. Könnte das die größte Hürde sein?
Zugegeben, das könnte es kompliziert machen. Der Naturschutz liegt uns sehr am Herzen. Hier müssen Lösungen zusammen mit allen Interessensgruppen gefunden werden. Daran arbeiten wir, denn nur so kann in Zukunft verhindert werden, dass illegale Strecken in den Wald gebuddelt werden.

Es gibt bereits eine etwa einen Kilometer lange legale Strecke in Stuttgart – den Woodpecker-Trail. Die Stadt hat also schon mal reagiert.
Der Woodpecker mag seine Daseinsberechtigung haben, reicht aber nicht ansatzweise aus. Enduro und Touren-Biker spricht er nämlich gar nicht an. Wir wollen einen anderen Weg wählen. Die meisten Trails sollen sogenannte "Shared Trails" werden, also keine reinen MTB-Trails. Es geht darum, in gegenseitigem Respekt alle Wege im Wald mit Wanderern und Spaziergängern zu teilen. Dafür muss kein Geld in die Hand genommen werden, wie das beim Woodpecker der Fall war. Die Trails sind schon da, die Stadt müsste lediglich ihre Benutzung für Mountainbiker legalisieren. Wir als Verein würden auch für die nötige Pflege aufkommen.

Ist Euer Arbeitseinsatz vielleicht Euer stärkstes Argument?
Nein, unser stärkstes Argument ist, dass wir mit legalen Trails einigen Tausend Stuttgartern eine sichere und akzeptierte Ausübung ihres Sportes ermöglichen. Gleichzeitig wollen wir dabei das Konfliktpotenzial mit anderen Waldnutzern minimieren.

Je mehr Mitglieder der Verein zählt, umso höher ist sein Stellenwert bei der Stadt. Gerade einmal 25 Euro kostet der Jahresbeitrag für die MTB-Mitgliedschaft in Stuttgart für Erwachsene: www.mtb-stuttgart.com

Laurin Lehner/Stefan Loibl am 02.09.2020
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