Olympia Rio 2016: MTB-Kurs

Strecken-Check: der Olympia-Kurs von Rio 2016

  • BIKE Magazin
 • Publiziert vor 5 Jahren

Der Weg in den Olymp wird sehr steinig: Wer sich bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro eine Medaille sichern will, muss ein Alleskönner auf dem Mountainbike sein. Die Strecke im ersten Check.

Am 20./21. August 2016 werden die besten Mountainbiker der Welt bei den Olympischen Spielen in Rio um die Medaillen im Cross Country kämpfen. Am 11. Oktober dieses Jahres fand bereits ein Test-Rennen auf dem nagelneuen Kurs statt, den Nick Floros entworfen hat, der auch den Olympia-Kurs von London 2012 designt hat. Bei den Herren gewann Weltmeister Nino Schurter (CH) die Generalprobe für nächstes Jahr vor Maxime Marotte (FRA) und Andrea Tiberi (ITA). Bei den Damen setzte sich Eva Lechner (ITA) vor Maja Wloszczowska (POL) und der Schwedin Jenny Rissveds durch.

Profi-Stimmen zum Olympia-Kurs

Wir haben mit Florian Vogel, Nino Schurter und Manuel Fumic über die Rennstrecke in Rio gesprochen. Alle drei waren zum Test-Rennen vor Ort. Der künstlich angelegte Kurs erinnere stark an London. „Ziemlich schnell ist die Strecke. Nino Schurter hatte als Sieger einen Schnitt von fast 22 km/h“, sagt Vogel, der eigentlich eher auf natürliche Strecken im Gelände steht. Unserer deutschen Cross Country-Hoffnung Manuel Fumic liegt der Kurs grundsätzlich: „Da ist alles drin. Er ist technisch anspruchsvoll, aber nicht zu arg. Ich habe bisher nur Positives gehört, es ist für jeden etwas dabei.“ Allerdings habe der MTB-Parcours in Deodoro keine wirklichen Abschnitte zum Ausruhen. „Deshalb muss man sich sein Rennen gut einteilen, einen guten Rhythmus finden. Denn überholen ist in vielen technischen Passagen nicht möglich. Man muss ständig konzentriert sein und die richtige Linie treffen und das richtige Hinterrad finden“, so Fumic. Nino Schurter findet den MTB-Kurs in Rio cool: „Er ist sehr ähnlich wie in London, aber besser. Er hat etwas mehr Höhenmeter und ist technisch etwas anspruchsvoller als der Kurs in London.

Florian Vogel (links) und Nino Schurter: Teilweise gibt es zwei parallele Linien. Überholen auf den Linien ist jedoch schwierig.

Doch bis August 2016 soll es noch einige kleine Anpassungen geben. Beispielsweise soll der lange Anstieg noch steiler werden. „Der lange Anstieg wird rennentscheidend sein. Die Strecke ist insgesamt physisch anspruchsvoller wie in London 2012. Die Rock Gardens sehen schwieriger aus wie sie zu fahren sind“, sagt der Schweizer Focus-Fahrer. Die lange Abfahrt vom höchsten Punkt mache Spaß zu fahren, insgesamt sei der Kurs spaßiger wie die Strecke in London 2012. Auch Nino Schurter hofft auf kleine Anpassungen: „Ich hoffe sie werden 1-2 Anstiege noch etwas steiler gestalten und die Strecke sollte durch die Regenzeit noch etwas rauer werden.“

Manuel Fumic beim Test-Rennen auf dem Olympia-Kurs von Rio.

Fumic und sein Team hatte das Test-Rennen genutzt, um sich auch nahe gelegene Trainingsreviere anzuschauen. Denn nach dem Worldcup in Mont Sainte-Anne (6./7. August) wird Fumic direkt nach Brasilien reisen, um sich zu akklimatisieren, an die Temperaturen anzupassen und zu trainieren. Auch Vogel würde die ersten Testrunden auf dem Kurs nicht missen wollen. Schließlich sei es von Vorteil, wenn man die Strecke kennt und sein Training darauf anpassen kann. Allerdings werde es noch ein paar kleine Anpassungen geben bis August 2016.

Fahrtechnik-Asse wie Nino Schurter (vorne) und Marco Fontana haben auf dem künstlich angelegten Olympia-Kurs sichtlich Spaß.

BIKE war auf Testfahrt auf dem 4,8 Kilometer langen Parcours in Deodoro. Ein Überblick über Stolpersteine und Steilrampen auf dem Weg zu Gold.

Deodoro liegt im Westen von Rio und beherbergt Sportstätten für elf Sportarten, darunter Mountainbiken.

Testrunde auf dem Olympia-Kurs von Rio 2016

Die Veranstalter des Multisport-Events Rockyman haben uns die Chance gegeben, beim Training für ihren Mountainbike-Split mitzufahren. Am Tag nach dem großen Regen ist das Geläuf tief und kraftraubend – nach einer kurzen kurvigen Abfahrt geht es gleich in den ersten längeren Anstieg – Steilkurven, ein leichter Pumptrack und Steinstufen erschweren den Kampf um Positionen. Eine Kehre bietet einen steilen gepflasterten Shortcut – eine gute Gelegenheit zum Überholen.

So beginnt der erste längere Anstieg auf dem Olympia-Kurs.

Die Strecke wird anspruchsvoller. In einer schnellen Abfahrt mit Anliegern und Stufen führt ein kleiner, schlecht einsehbarer Drop in eine der Steilkurven – zwei Spuren bieten unterschiedlich schwere Lösungen. Schon zeigt sich: Die Parcours-Bauer haben stets eine technisch anspruchsvollere Direttissima geplant und einen Umweg über eine Chicken-Line.

Zwei Linien: links über den Drop, rechts über die Chicken Line außen rum.

Eine schnelle Kehre später wartet die nächste Entscheidung – links oder rechts? Lang oder kurz? Rechts kann man sich durch eine enge, extrem steile Kehre über Rundhölzer schwer rumpelnd bergab stürzen – der Po muss weit nach hinten, der Sattel schlägt bedrohlich vor empfindlichen Stellen. Links hat man einen deutlich weiteren Weg, muss aber nur über eine kurze Steilstufe und einige Rundhölzer.

Über die Rundhölzer rumpelt es ganz schön.

Keine Zeit zum Durchschnaufen: Nach dem fordernden Downhill geht es jetzt ungemütlich bergauf. Die Streckenplaner haben den Bikern Rundhölzer und größere Steinbrocken in die nächste Rampe gekegelt. Mit gutem Auge lässt sich eine fahrbare Linie finden. Aber das Gewicht will gut verteilt sein, sonst ist es schnell vorbei mit der Traktion und man muss vom Rad – schieben – Höchststrafe!

Steine und Rundhölzer machen den Uphill schwerer. Man sollte bereits vorher wissen, welche Linie man anpeilt.

Wer es schwer pumpend nach oben schafft, sollte schon wissen, wo es jetzt lang geht: Nach einer scharfen 90-Grad-Kurve wartet der Rock Garden – vielleicht die Höchstschwierigkeit des Olympia-Kurses: Riesige Felsblöcke liegen in der Steilabfahrt – rechts liegt eine schnelle direkte Fahrlinie. „Rider’s left“ muss man vorsichtiger zirkeln, ein spitzer Stein liegt ungünstig, man muss das Tempo besser dosieren. Die nächsten beiden Brocken kann man per Sprung hinter sich bringen. Nach wenigen flachen Metern geht es in den flacheren, aber fies verblockten Teil des Felsengartens – man braucht ein gutes Auge für die Fahrlinie. Rechts anfahren, links rausfahren?

Der Rock Garden: die Höchstschwierigkeit des Olympia-Kurses von Rio 2016.

War der der Parcours beim Testevent mit den besten Bike-Profis noch staubtrocken und fest präpiert, findet der BIKE-Reporter nach einer Regenperiode wenige Wochen später bei der Testfahrt schmierigen Lehmboden vor, der sich zwischen Rahmen und Stollenreifen festsetzt und die Fahrt spürbar bremst. Ein Steilstück mit mehreren kleinen Hindernissen – engen Kehren und kleinen Drops in Sandlöcher – wird so besonders kraftraubend.

Die Profis hatten beim Vorbereitungsrennen noch staubtrockene Bedingungen. Bei unserem Strecken-Check war es unangenehm schmierig.

Nur kurz kann man Luftholen, dann geht es durch verblocktes Steilgelände, das bei Regen schmierig wird und in dem zahlreiche Bäume Versteuern nicht verzeihen. Am besten man nimmt Schwung auf die folgende schmale Felsbrücke mit – danach geht es in den Anlauf zum höchsten Punkt der Strecke...

Nur nicht mit dem Lenker an einem Baum hängenbleiben …

Im Anstieg warten einige kleine, schlecht einsehbare steindurchsetzte Wellen, die man erst nach der Besichtigungsrunde flüssig zu nehmen weiß. Mal eng, mal steil und felsdurchsetzt – der Anstieg ist gut zu fahren, aber Konzentrationsfehler kosten Zeit.

Dieser Anstieg führt zum höchsten Punkt des Olympia-Kurses von Rio.

Es geht in die Schussfahrt, serpentinenreich, durch schnell zu fahrenden Anlieger zu den nächsten Schlüsselstellen...

Vom höchsten Punkt folgt ein schneller Downhill im Zick-Zack durch Anlieger.

... in einer Steilabfahrt geht es über blanken Fels und kleine Sprünge.

Kleine Sprünge wurden von den Streckenbauern in den sandigen Boden modelliert.

Dann liegt plötzlich ein Fels wie ein Walrücken im Weg – man muss sich schnell entscheiden: Entweder die direkt Linie gerade aus, über den nach rechts hängenden Felsen – eine kleine Mutprobe, speziell bei nassem Wetter die Stollen der Pneus zugesetzt sind. Das Hindernis lässt sich auch in einem kleinen Bogen links umfahren – rumpelig verblockt und daher nicht unbedingt die sanftere Route.

Über diesen Hängenen Riesenblock will man bei feuchten Bedingungen nicht unbedingt fahren. Wenn es dagegen trocken ist, kein Problem – vor allem für die Profis nicht.

Danach sollte man Schwung mitnehmen: Wer nicht aufpasst, der übersieht, dass nach dem scheinbar letzten Stein ein kleiner Gap klafft – eine Schrecksekunde! Wer genug Speed mitbringt, lupft das Vorderrad an und nimmt den kleinen Graben im Sprung.

Ein kleiner Gap über zwei Steine: Da sollte man vorher genügend Schwung mitnehmen.


Danach müssen die Olympia-Teilnehmer noch einmal durch eine kleine Steilabfahrt Es folgt das schnelle Finale bergab. Man kann sich bei Highspeed in den engen Kurven versteuern, einige Felsschranken verlangen genaues Zielen, wenn man die Felsen nicht wie die Profis als Kicker nutzt – für wenige Minuten zählt bis hinauf ins Ziel mehr die Pedalpower als die Fahrtechnik. Geschafft! Aber nur eine Runde! Der Parcours fordert Mensch und Material reichlich!  

Geschafft: Unser BIKE-Reporter Andreas Kublik nach der Runde auf dem Olympia-Kurs von Rio.

Schlagwörter: 2016 Cross-Country Olympia-MTB-Rio Olympische Spiele Strecke


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