MTB XC Worldcup 2019 #3 Vallnord: Rennbericht

Premiere: Worldcup-Siege für Terpstra und Eibl

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor einem Jahr

Beim dritten Rennen des Cross-Country-Worldcups 2019 musste sich die Weltelite mit der Höhenluft Andorras arrangieren. Schurter triumphierte, bei den Damen gab es eine große Überraschung.

Wie auch im Downhillrennen am Vortag kämpfte die Worldcup-Elite am Sonntag nicht nur gegen den inneren Schweinehund und die Konkurrenten, sondern auch gegen ziemlich widrige Bedingungen. Seit Wochen schon hat es hier in Andorra, im Herz der Pyrenäen, überhaupt nicht mehr geregnet. Die Strecke ist staubig und ausgefahren, die Sicht ist schlecht für alle die nicht vorne fahren und jetzt erschwert auch nicht nur die Höhenluft auf 1500 Metern das Atmen, sondern auch der aufgewirbelte Staub, der sich in jede Pore krallt und sich unweigerlich auch im Atem niederschlägt.

Höhenluft und dann noch Staub. Weder für die Augen noch für die Lunge besonders angenehm.

Avancini und Neff gewinnen im Short Track


Schon im Short-Track-Rennen am Freitag wurde das zum Problem. Jolanda Neff und Henrique Avancini taktierten am besten und konnten dort vor Nino Schurter und Alessandra Keller die ersten Siege des Wochenendes einfahren. Für das Hauptrennen am Sonntag werden die Karten aber neu gemischt und weder Neff noch Avancini konnten am Ende vollständig überzeugen.

Neff mit schlechtem Start, Terpstra in ungeahnter Topform


Im Rennen der Damen wurde vor allem Neffs Start zu einem Problem. Die Schweizerin verhedderte sich in den Einzelkämpfen des Fahrerfeldes, wurde zur Seite geschoben und verlor schon in der ersten Runde viel Zeit auf die Führenden. Würde sie das wieder aufholen können? Es gelang ihr zunächst. Nach und nach kämpfte sie sich wieder bis an die Spitze durch und schloss am Ende auch wieder zu den Führenden auf: Yana Belomoina und Anne Terpstra.

Kate Courtney musste die Zähne ganz schön zusammenbeißen. Sie konnte dieses Mal nicht an der Spitze mitfahren und musste sich mit dem achten Rang zufrieden geben.


Vor allem letztere hatte einen guten Start erwischt und konnten deswegen kraftsparend und lungenschonend vorne weg fahren, ohne sich in der dünnen Höhenluft zu überreißen. Wir hätten kaum damit gerechnet, aber Terpstra war in Andorra so stark, wie wir sie noch nie erlebt haben. Mehrfach versuchte Neff Attacken, doch die Niederländerin ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und ging dann selbst zum Angriff über. Neff konnte ihr nicht folgen und Terpstra fuhr mit starken 38 Sekunden Vorsprung zu ihrem ersten Worldcup-Sieg, dem ersten Worldcup-Erfolg der Niederlande bei den Elite-Damen überhaupt.

Anne Terpstra ist die strahlende Überraschungssiegerin des dritten Worldcups. 


Jolanda Neff landete auf Rang zwei, vor Yana Belomoina auf Rang drei. Zwei weitere Überraschungen fanden sich auf den Plätzen vier und fünf mit der Mexikanerin Daniela Campuzano und der in den Worldcup zurückgekehrten Olympiasiegerin Jenny Rissveds. Weltmeisterin Kate Courtney konnte in der Höhenluft ihre Stärken nicht voll ausspielen und landete auf Rang acht.

Jenny Rissveds und Jolanda Neff. Die beiden verbindet mehr als nur bloße Kameradschaft, das sieht man ihnen an. Für Rissveds ist es das erste Podium nach ihrem Rückzug aus dem Worldcup im vorletzten Jahr.

Yana Belomoina ist ebenfalls wieder in Form. Die Ukrainerin landete auf Rang drei.

Flückiger und Schurter mit schlechtem Start


Auch bei den Favoritin der Herren gab es Probleme schon gleich nach dem Startschuss. Albstadt-Sieger Mathias Flückiger wurde in die Bande gedrängt, Nino Schurter stürzte. Zwar nur leicht, doch mussten sich die beiden Schweizer wie ihre Landsfrau dann in der Mitte des Rennens erst einmal an die Spitze zurückkämpfen.

Da japst selbst der Marathon-Weltmeister. Die Luft war ziemlich dünn und heiß in Andorra. Unglaublich, wie sich die beiden Schweizer an der Spitze trotzdem antrieben.


Dort hatte es sich zunächst einmal Henrique Avancini bequem gemacht, bis der Marathon-Weltmeister durch den Tschechen Ondrej Cink die Führung abgeben muss. Cink war schon vor einigen Wochen in Nove Mesto in Topform und es sah zunächst aus, als könnte der Tscheche an seine guten Ergebnisse von den letzten Rennen in Andorra anknüpfen. Plötzlich aber fiel er wieder zurück, Avancini konnte die Führung zurückgewinnen.

Flückiger und Schurter lieferten sich ein Duell für die Ewigkeit. Unglaublich unter solch widrigen Bedingungen.

Cink fällt zurück – Schurter und Flückiger machen es unter sich aus


Mittlerweile hatten sich auch Flückiger und Schurter zurück an die Spitze gesetzt und insbesondere Schurter fuhr nun mehrere Attacken in Folge, um seine Konkurrenten abzuschütteln. Doch während Avancini zurückfiel, blieb Flückiger dran und folgte Schurter bis in die letzte Runde, als der Weltmeister dann seine letzten Reserven mobilisierte und Flückiger noch auf den letzten Metern stehen ließ.


Nach Albstadt und Nove Mesto ist es der erste Sieg für Nino Schurter in diesem Jahr, der sich damit auch im Gesamtranking wieder an die Spitze setzen kann. Mathias Flückiger dürfte aber mit dem zweiten Platz ebenfalls zufrieden sein – scheint als würde diese Saison die beste seiner gesamten bisherigen Rennkarriere werden.

Völlig entkräftet und eingestaubt. Schurter und Flückiger im Ziel.

Die Top Drei der Herren. Mathias Flückiger, Nino Schurter und Henrique Avancini (von links).

Fumic und Brandau mit soliden Resultaten – Ronja Eibl holt den Sieg in der U23!


Aus deutscher Sicht kann man ebenfalls mit dem letzten Wochenende zufrieden sein. Elisabeth Brandau holte im Damenrennen immerhin Platz zehn, der frisch gebackene Deutsche Meister Max Brandl landete in der U23 auf Rang fünf und auch für Manuel Fumic ist der 28. Platz trotz eines schlechten Starts ein Schritt nach vorne. Der Star des Wochenendes ist aber ohne Zweifel die Deutsche U23-Meisterin Ronja Eibl. Die junge Rennfahrerin von der schwäbischen Alb konnte sich am Ende in einem schwierigen Rennen gegen die starke Konkurrenz durchsetzen und holt damit den ersten Worldcupsieg ihrer Karriere.


Alle Ergebnisse vom MTB-Worldcup in Vallnord finden sie auf der Website der UCI . Die Wiederholung der Elite-Rennen ist noch auf Redbull.tv zu sehen.

Restakku? Null Prozent. Es war kein leichter Sieg für Schurter, doch der Weltmeister hat alles gegeben und es hat sich ausgezahlt.

Themen: andorraCross CountryJolanda NeffNino SchurterRonja EiblUCI WorldcupvallnordWorldcup 2019


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