Hafjell 2014 Hafjell 2014
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MTB-Weltmeisterschaft Hafjell: Alle WM-Ergebnisse von XC bis DH

Adrian Kaether am 18.09.2014

Die Mountainbike WM 2014 in Hafjell ist Geschichte. Hier finden Sie die ausführlichen Rennberichte zu XCE, Cross Country und Downhill.

Hafjell 2014 - XCE


Hart, schnell, taktisch. Das sind wohl die Schlagworte, die die Disziplin Cross Country Eliminator am besten beschreiben. Wer sich hier als Weltmeister durchsetzen will, braucht neben extremer Tretstärke und guter Fahrtechnik auch eine clevere Strategie.


Die Strecke:


Nur gut 800 Meter lang war die Strecke in Hafjell, auf der dieses Jahr die Weltmeisterschaften ausgetragen wurden. Doch sie bot alles, was das Mountainbiken ausmacht. Steile Anstiege und welliges Terrain stellten die Kondition der Fahrer auf die Probe, in einer Waldpassage mit drei Alternativrouten galt es, die günstigste auszuwählen, ein Rock Garden und kleinere Drops sowie kleine Hindernisse forderten die Fahrtechnik. Außerdem mussten sich die Fahrer, bevor sie im Finale antreten durften, zunächst im Achtel-, Viertel-, und Halbfinale durchsetzen. Wer hier schon alle Energie verbraucht hatte war im Finale chancenlos.


Damen:


Diese vier Fahrerinnen hatten alle anderen Konkurrentinnen aus dem Rennen gejagd und traten im Finale gegeneinander an: die Schweizerinnen Kathrin Stirnemann und Linda Indergand, die Schwedin Jenny Rissveds und die Norwegerin Ingrid Boe Jacobson.

Und alle hatten ähnliche Chancen auf den Sieg. Zwar hatte Kathrin Stirnemann bereits den Worlcup-Gesamtsieg 2014 in der Tasche, doch auch die anderen Fahrerinnen waren bereits hoch dekoriert. Als der Startschuss fiel, sprinteten die vier Kontrahentinnen los. Reifen an Reifen erreichten sie nach dem ersten Anstieg ein welliges Waldstück, mit drei Alternativrouten. Doch hier fiel Jenny Rissveds leicht zurück. Sie hatte wahrscheinlich schon in den Rennen davor zu viel gegeben.

Kathrin Stirnemann vorweg, stürmten die anderen drei in die lange Tretpassage, dann in den Hindernissabschnitt und durch den Rock Garden auf die Ziellinie zu. Auch Ingrid Boe Jacobson musste leicht nachlassen und Jenny Rissved konnte die Lücke zu ihr wieder schließen, während Kathrin Stirnemann nach einem Schlusssprint mit Linda Indergand noch immer direkt am ihrem Hinterrad die Ziellinie überquerte.

Platz eins und zwei standen also fest. Um Platz drei wurde es noch einmal spannend, als Ingrid Boe Jacobson und Jenny Rissved auf der Einfahrt zur Zielgeraden leicht kollidierten. Am Ende konnte sich jedoch die Norwegerin durchsetzen. Platz drei also für Ingrid Boe Jacobson, Platz vier ging an Jenny Rissved.

Hafjell 2014

Das Podium der XCE Women Elite: (v. l. n. r.) Linda Indergand, Katrin Stirnemann und Ingrid Boe Jacobsen.

Stirnemann konnte damit sowohl den XCE World Cup als auch die XCE Weltmeisterschaft 2014 für sich entscheiden. "Ich habe alles gewonnen, was ich dieses Jahr gewinnen konnte. Für mich ist ein Traum wahr geworden", sagte sie hinterher.


Herren:


Auch das Finale der Herren war hochkarätig besetzt. Der Österreicher Daniel Federspiel wollte sich nach einer glücklosen Saison mit dem Weltmeistertitel belohnen, auch Weltcupsieger Fabrice Mels und der Schwede Emil Lindgren waren gut in Form.

Der Vierte im Bunde, der junge Kevin Miquel, hatte zwar erst auf einem Weltcup-Podium gestanden, doch auch er war bereit, alles für den Sieg zu geben, was in der Vergangenheit den ein oder anderen Crash provoziert hatte. Sein Ruf eilte ihm so weit voraus, dass der Kommentator ihn schon vor dem Start als das "schwarze Pferd" im Club der Finalisten bezeichnete.

Nach dem Startschuss konnte sich Daniel Federspiel vor dem ersten Anstieg an die Spitze setzen. Doch statt nach vorne war sein Blick nach unten, auf seinen Antrieb, gerichtet – offensichtlich ein Problem mit der Schaltung. Er verlor die Führung und wurde prompt von Kevin Miquel, der Federspiel auf der aggressiven Innenlinie passieren wollte, mehr oder minder über den Haufen gefahren.

So erreichten die verbliebenen Drei das Waldstück mit den Variationen, wo Kevin Miquel die beste Linie wählte, und als erster in die darauf folgende Tretpassage gehen konnte. An zweiter Stelle lag jetzt Fabrice Mels, Dritter war Emil Lindgren. In der letzten Kurve entschied sich Kevin Miquel für die Außenlinie, während Emil Lindgren die Innenlinie wählte.

Als sie auf die Zielgerade einbogen, sah man nur noch wie Lindgren taumelte und Miquel, dessen Sieg beinahe schon sicher gewesen war, stürzte. Glück für Fabrice Mels, der eine weniger aggressive Linie gefahren war und jetzt nach dem Prinzip "Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte" an Lindgren und Miquel vorbeigehen konnte. Er überquerte als erster die Ziellinie, gefolgt von Emil Lindgren an zweiter und Kevin Miquel an dritter Stelle.

Damit kann sich auch Fabrice Mels nach einer überzeugenden Saison gleichzeitig Weltcup-Gesamtsieger und Weltmeister nennen. Nächste Saison wird man ihn also am Regenbogenjersey erkennen.

Hafjell 2014 – XC


Die Strecke:

Die Cross Country-Strecke in Hafjell war eine XC-Strecke wie aus dem Bilderbuch. Drei steile und lange Anstiege forderten die Kondition der Fahrer extrem heraus und ermöglichten sensationelle Duelle. Zwei Steinfelder mussten überwunden werden und ein BMX-ähnlicher Abschnitt lud zum Stylen über die kleineren Sprünge ein.

Insbesondere am Ende des ersten Anstiegs wartete aber auch ein schwieriges, von Wurzeln und Steinen durchsetztes, Steilstück auf die Fahrer. Sicher mit ein Grund, warum in Hafjell die meisten Fahrer der Weltelite, einschließlich Julien Absalon, auf Full-Suspension-Bikes umstiegen. Ledigich Marco Fontana blieb in den Top fünf seinem Cannondale Hardtail treu.


Herren:


Bei den Männern war in Hafjell großes Taktieren angesagt. Nino Schurter erwischte einen grandiosen Start und führte bereits nach dem ersten Kilometer deutlich. Seine Taktik: Abstand herauszufahren, um eine Lücke zum Feld zu schaffen, die auch Julien Absalon, der traditionell in der ersten Runde und beim Start weniger stark ist, nicht mehr würde überwinden können.

Der erste Teil der Taktik ging jedenfalls auf. Julien Absalon befand sich in der ersten Runde lange Zeit auf dem neunten Platz. Mehr Glück hatten dagegen Manuel Fumic und Marco Fontana sowie Mathias Flückiger, die sich auf den Plätzen zwei bis vier vom Feld lösen konnten, aber gleichzeitig immer mehr Zeit auf den Führenden, Nino Schurter, verloren. Bald fiel auch Mathias Flückiger zurück und so blieben nur noch Nino Schurter an der Spitze, Fumic und Fontana mit leichtem Abstand und eine Verfolgergruppe mit beispielweise Jaroslav Kulhavy.

Zu Beginn der zweiten Runde hatte Julien Absalon bereits 26 Sekunden Abstand auf Nino Schurter. Dass er zu diesem Zeitpunkt den Sieg schon gerochen hat, ist schwer vorstellbar, doch er stürmte nach vorne und konnte nach nur einer Runde bereits zu Nino Schurter aufschließen, den er dann in der vierten Runde des Rennens auch überholen konnte. Die beiden lieferten sich ein Duell ums andere. Besonders spannend wurde es, als sie nebeneinander den steilen dritten Anstieg im Wiegetritt hinaufpreschten. Aber Nino Schurter musste Julien Absalon ziehen lassen.

Eine zweite spektakuläre Aufholjagd legte Moritz Milatz hin, der sich vom zehnten Platz aus durch die gesamte Verfolgergruppe kämpfte und sich zwischen Manuel Fumic und Marco Fontana schob. Insbesondere als Marco Fontana gegen Ende des Rennens ein wenig nachließ witterte Milatz seine Chance. Doch Fontana konnte den Angriff abwehren und fuhr so die Bronzemedaille ein. Für Milatz reichte es aber dann für den vierten, für Fumic für den fünften Platz. Ein sehr erfolgreiches Rennen aus deutscher Sicht.

Hafjell 2014

Das Podium der XC Men Elite: (v. l. n. r.) Nino Schurter, Julien Absalon und Marco Fontana

Absalon war das ganze Rennen über in Topform. Offensichtlich konnte er mit dem neuen Fully endlich das Downhill-Defizit gegenüber Nino Schurter ausgleichen und baute im Verlauf des Rennens seinen Vorsprung immer weiter aus. Nino Schurter überquerte nach einem schweren Sturz im letzten Rock Garden, der ihm offensichtlich das Handgelenk brach, die Ziellinie als zweiter. Dritter wurde Marco Fontana.

Damen:

Anfang des Damenrennens setzte sich die frischgebackene XCE-Weltmeisterin, Katrin Stirnemann, an die Spitze. Doch sie konnte sich nicht wirklich vom Feld absetzen. Irina Kalentieva folgte dichtauf. Auch Tanja Zakelij und Blaza Klemenic ließen sich nicht von der Schweizerin abschütteln. Überhaupt bildeten sich in der ersten Rennhälfte wenig Einzelgruppen. So konnte niemand wirklich große Abstände herausfahren, bis sich Catherine Pendrel an die Spitze des Rennens setzte.

Die Kanadierin war in Topform. Auch das Full-Suspension-Bike, dass sie für den Kurs in Hafjell gewählt hatte, spielte ihr in die Karten. Zunächst rang sie noch mit Irina Kalentieva um die Führung, konnte sich aber absetzen. Auf sie folgten dann in größeren Abständen Irina Kalentieva, Lea Davison, die sich auf den dritten Platz vorgekämpft hatte, und Tanja Zakelij. Die erfahrene Norwegerin Gunn-Rita Dahle Flesjå, die viele norwegische Fans an die Strecke gebracht hatte und Sabine Spitz konnten sich nicht weiter als bis auf den neunten und zehnten Platz vorkämpfen.

Alles in allem also ein faires und ruhiges Rennen. Einmal von ihren Verfgolgerinnen gelöst, war Catherine Pendrel nicht mehr zu stoppen. Selbst ein platter Vorderreifen konnte daran nichts mehr ändern. Irina Kalentieva auf dem zweiten Platz und Lea Davison auf dem dritten, konnten ihre Stellung problemlos halten und sicherten sich damit die verbleibenden zwei Medaillen. Katrin Stirnemann konnte das Tempo der XC-Elite nicht dauerhaft mitgehen und fiel im Verlauf des Rennens immer weiter zurück. Sabine Spitz musste letzen Endes Gunn-Rita Dahle Flesjå doch hinter sich lassen und konnte sich immerhin einen respektablen neunten Platz sichern. Sie ist damit auch die beste deutsche Fahrerin. Adelheid Morath musste krankheitsbedingt aussetzen.

Hafjell 2014 – DHI

Eine Feststellung vorab: In derselben Zeit, in der "normale" Menschen gerade mal eine Kanne Kaffee kochen können, rasen die Downhill-Profis eine gesamte Worldcup-Strecke hinunter. So ganz nebenbei fliegen sie dabei meterhoch durch die Luft und shredden mit Geschwindigkeiten, die alle Mütter in allen Dreißigerzonen dieser Welt zur Weißglut bringen würden, über einen Haufen Steine, die die die meisten Mehschnen nur mit Wanderschuhen und größter Vorsicht überwinden würden. Spätestens wenn die Anzeige im schnellsten Streckenabschnitt über 80 km/h anzeigt ist jedem klar: Downhill ist Extremsport.


Die Strecke:


Eine Weltmeisterschaft im Downhill ist der fahrtechnische Kulminationspunkt des gesamten Jahres. Das stellt natürlich eine besondere Herrausforderung an die Strecke, doch in Hafjell wurden alle Wünsche erfüllt.
Direkt zu Beginn mussten die Fahrer in drei aufeinander folgenden Sprüngen ihre Flugkünste unter Beweis stellen. Dann ging es, nach einer kurzen Speedsection, in den ersten Rock Garden. Hier mussten sich die Fahrer zwischen der weniger aggressiven unteren Linie und der schwierigeren aber schnelleren oberen Linie entscheiden. Die obere Linie war technisch so anspruchsvoll, dass sogar die Top-5-Fahrer sich nicht geschlossen für diese Linie entschieden. Nach einem bikeparkähnlichen Zwischenstück folgte das zweite gruße Steinfeld. Auch hier entschied wieder die Linienwahl über Sieg oder Niederlage, bevor es in den finalen Teil der Strecke ging, wo ein riesiger Table zum Stylen und ein flacheres Stück zum Treten aufforderten.

Herren:


Zunächst konnten Bryan Atkinson und anschließend Remi Thirion für längere Zeit den Hot Seat für sich beanspruchen. Richtig spannend wurde es aber, als der Amerikaner Neko Mulally mit vollem Elan startete. Doch dann riss seine Kette bereits nach dem ersten Sprung. "Naja, das wird dann für den nichts mehr". Keiner sprach das aus, aber viele werden es gedacht haben.

Doch Mulally ließ sich nicht entmutigen. Scheinbar ohne zu bremsen raste er über die Strecke. Keiner bemerkte, wie schnell der Kettenlose wohl tatsächlich war. Das änderte sich schlagartig, als plötzlich auf der Anzeigetafel der zweiten Zwischenzeit eine grüne 1,784 erschien. Mulally vollbrachte, was niemand für möglich gehalten hatte. Sein Run bei der WM 2014 in Hafjell wird wohl als der schnellste kettenlose Downhillrun aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Mit einer Zeit von 3.25,979 Minuten sicherte er sich für lange Zeit den Hot Seat und außerdem Platz vier bei der Weltmeisterschaft. Das soll ihm erst einmal jemand nachmachen.

Viele Stars scheiterten auch mit Ketten an der Zeit von Neko Mulally. Sam Hill war auf dem besten Weg zu einer Medaille, stürzte dann aber schwer, blieb jedoch zum Glück unverletzt. Auch Aaron Gwin, Sam Blenkinsop oder Mat Simmonds konnten seine Zeit nicht unterbieten. Erst für Troy Brosnan musste der Amerikaner den Hot Seat verlassen, der seinerseits wieder Gee Atherton Platz machen musste.

Hafjell 2014

Gee Atherton ist sich seines großen Moments eindeutig bewusst. Im Hintergrund zu sehen; Troy Brosnan.

Trotz eines nicht ganz fehlerfreien Runs konnte sich Gee Atherton mit einer Zeit 3.23,800 Minuten die Goldmedaille und das Regenbogenjersey sichern. Josh Bryceland kam ihm zwar noch einmal gefährlich nahe, war jedoch übermütig und brach sich den Fuß, nachdem er den letzten gigantischen Table so überflog, dass er vollständig im Flat landete. Platz zwei also für den Ratboy (Josh Bryceland) Platz drei geht an Troy Brosnan.


Damen:


Das Finale der Damen war zunächst vor allem durch schnelle Wechsel auf dem Hot Seat geprägt. Steffi Marth war eine der ersten, die sich länger auf dem begehrtesten Platz im Downhillrennen halten konnten.  Sie war auch gleichzeitig die schnellste deutsche Fahrerin des Tages. Am Ende reichte es für Platz 16.

Anita Ager-Wick aus Norwegen war die erste, die Steffi Marths Zeit unterbieten konnte. Doch sie musste ihrerseits den Hot Seat bald an Vaea Verbeeck abgeben, die nach einem sehr guten Run Ager-Wicks Zeit um mehr als fünf Sekunden unterbieten konnte. Jetzt folgten die ganz Großen des Frauen-Downhill. Doch auch Emilie Siegenthaler konnte Verbeecks Zeit nicht weiter unterbieten. Erst Jill Kinter gelang es den Hot Seat kurz an sich zu reißen, bis bei Tahnee Seagrave nach einem phänomenalen Run nur noch 3.52,870 und eine grüne 4,8 auf der Anzeigentafel zu sehen waren.

Sowohl Myriam Nicole als auch Tracey Hanna bissen sich an Seagraves Zeit die Zähne aus. Es sah sehr gut aus für Seagrave, als nur noch Manon Carpenter und Rachel Atherton auf ihren Lauf warteten. Doch Manon Carpenter beeindruckte mit einem fast fehlerfreien Run. Rachel Atherton folgte und gab ihr bestes, lag am Ende aber um Haaresbreite hinten. Nur 0,088 Sekunden trennten sie von Manon Carpenter. Platz drei geht also an Tahnee Seagrave, Platz zwei an die Vorjahressiegerin Rachel Atherton, das Regenbogenjersey an Manon Carpenter.

Damit kommen fünf der sechs Downhill-Medaillengewinner aus UK, der sechste, Troy Brosnan, aus Australien. Ein glücklicher Tag für die Insel. Und was war mit Emmeline Ragot? Die Französin brach sich im Training am Vortag das Handgelenk und konnte deswegen nicht antreten. Sonst wäre es vermutlich noch enger ums Podium geworden.

Hier ist eine ausführliche Ergebnissliste zu finden

Die wichtigsten Rennen im Live-Stream gibt es hier: http://live.redbull.tv

Adrian Kaether am 18.09.2014
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