XCO WM Women 2016 XCO WM Women 2016

MTB Weltmeisterschaft 2016 Nove Mesto: Damen

Annika Langvad ist neue XCO-Weltmeisterin

Adrian Kaether am 02.07.2016

Ein absolutes Drama bei der MTB-WM der Damen in Nove Mesto. Dahle-Flesja und Grobert schieden in der Startloop aus, Spitz und Wloszczowska verlieren die Medaillen in der allerletzten Runde.

Immer wieder erstaunlich, wie anders die Regeln sind, denen die Cross-Country-Weltmeisterschaften im Vergleich zu den Worldcup-Rennen folgen. Ist es das Alles-oder-Nichts-Gefühl? Die Motivation den nach Olympia wichtigsten Titel im Mountainbiken einzufahren? Wir wissen es nicht, aber es scheint eisernes Gesetz zu sein. Schon im letzten Jahr konnten die Champs des Worldcups nicht überzeugen, dafür holte überraschend Pauline Ferrand-Prevot den Titel, Irina Kalentieva fuhr auf Platz zwei und Yana Belomoina sicherte sich Bronze.

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Die Führungsgruppe in der ersten Runde. Jolanda Neff, Katerina Nash, Catharine Pendrel, Maja Wloszczowska und Annika Langvad (von links).

Auch dieses Jahr, bei den Weltmeisterschaften in Nove Mesto na Morave, sollte die Favoritenreihenfolge wieder gehörig durcheinandergebracht werden. Zur Erinnerung: Vor dem Event rechneten viele mit einem eindeutigen Sieg von Jolanda Neff. Annika Langvad und Catharine Pendrel sowie Gunn-Rita Dahle-Flesja waren für die meisten die Kandidatinnen für den Rest des Podiums.

Ein dramatischer Rennstart

Bis zum Zerreißen gespannt standen die Damen am Start und als nach einer gefühlten Ewigkeit der Startschuss endlich fiel, war Jolanda Neff nicht mehr zu halten. Als wollte sie den Titel im Sprint Eliminator ergattern, sprintete sie los. Doch dann die erste Schrecksekunde. Ein großer Crash in der Mitte des Feldes: Ausgerechnet Gunn-Rita Dahle-Flesja war von einer Konkurrentin touchiert worden und stürzte in Mitten des Feldes. Einige lange Momente regte sie sich nicht, erst als die Streckenhelfer bei ihr eintrafen und ihr Bike mit gebrochenem Lenker abtransportierten, konnte sie wieder aufstehen. Für sie war das Rennen beendet.

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Der Crash beim Start des Rennens, in den auch Gunn-Rita Dahle-Flesja verwickelt war. Pauline Ferrand-Prevot (Mitte, französisches Trikot) kann gerade noch so ausweichen.

Keine Minute später eine herbe Enttäuschung, zumindest aus deutscher Sicht. Helen Grobert riss die Kette in der Startrunde, die nächste Techzone mehrere Kilometer entfernt. Damit musste auch sie sich eingestehen, dass sie nicht mehr in den Kampf um die Medaillen – oder zumindest die Top 10 – würde eingreifen können.

Jolanda Neff wird nach hinten durchgereicht

Erst in der zweiten Runde stabilisierte sich das Rennen einigermaßen. Nachdem zunächst Jolanda Neff geführt hatte, übernahm nun Annika Langvad die Pole Position noch dicht gefolgt von Jolanda Neff, dabei auch Maja Wloszczowska, Sabine Spitz und Catharine Pendrel. Doch bald musste ausgerechnet Jolanda Neff ihr Tempo immer weiter drosseln. Mit dem schnellen Start im feucht-heißen Wetter von Nove Mesto hatte sie sich offensichtlich zu viel zugemutet, insbesondere weil diese klimatischen Bedingungen offensichtlich überhaupt nicht ihr Ding sind. So zum Beispiel auch zu sehen bei den Worldcups in Windham und Lenzerheide vergangenes Jahr.

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Annika Langvad spielte insbesondere in den Anstiegen ihre überlegene Fitness aus.

Immer stärker wirkte dagegen Annika Langvad. In den Abfahrten riskierte sie wenig, hielt aber trotzdem ein gutes Tempo, in den Anstiegen, ihrer Stärke, setzte sie alle Kräfte ihrer Oberschenkel frei und konnte schon bald einige Sekunden zwischen sich und das Verfolgerduo Wloszczowska/Spitz bringen. Auch Catharine Pendrel war inzwischen weiter zurückgefallen und lag auf Platz vier knapp vor Emily Batty.

Lea Davison rollt das Feld von hinten auf

So nahm das Rennen seinen Lauf. Langvad konnte ihren Vorsprung immer weiter ausbauen, während Spitz und Wloszczowska zusammen das Verfolgerduo bildeten. Die Überraschung kam dann etwa auf der Hälfte des Rennens von Lea Davison. Die Amerikanerin konnte in dieser Saison noch keine einzige gute Platzierung einfahren, doch Nove Mesto na Morave scheint wohl genau ihr Ding zu sein. Unermüdlich und mit großer Ausdauer kämpfte sie sich von hinten durch das Fahrerfeld, tauchte plötzlich hinter Pendrel auf, passierte Pendrel und Batty und sicherte sich damit vorerst den vierten Platz.

Respekt flößte auch Ex-Weltmeisterin Pauline Ferrand-Prevot ein. Wohl wegen einer Rückenverletzung kann sie diese Saison nicht genug Druck auf ein Bein geben und ist deswegen nicht richtig in Form. Nach einem ersten kleineren Crash stürzte sie auch noch heftig in einem der Rockgardens und wurde über den Lenker zwischen die Steine und Wurzeln katapultiert. Doch sie biss die Zähne zusammen, stieg wieder auf und trat weiter in die Pedale, obwohl jeder – spätestens nach diesem Sturz – mit ihrer Kapitulation gerechnet hatte. Belohnt wurde sie dafür am Ende mit Platz 16, was vor dem Hintergrund des heftigen Sturzes, aber mehr noch ihrer Verletzung ein respekteinflößendes Ergebnis ist.

Die dramatischste Runde in der Cross-Country-Geschichte

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Sabine Spitz fuhr ein phänomenales Rennen. Pech und ein Plattfuß in der letzten Runde kosteten sie Bronze.

Die letzte Runde der Weltmeisterschaft 2016 wird wohl als die dramatischste Runde überhaupt in die Geschichte der Cross-Country-Weltmeisterschaften eingehen. Schon auf einem der ersten Anstiege der fünften Runde: die große Enttäuschung für die deutsche Hoffnung Sabine Spitz. Sie lag auf Platz drei der Weltmeisterschaft, als ihr im Anstieg der Reifen platzte. Weit entfernt von der nächsten Techzone glitt ihr die Bronzemedaille ausgerechnet in der letzten Runde durch die Finger. Es dauerte nicht lange bis sie von Lea Davison und dann auch Emily Batty und Catharine Pendrel passiert wurde. Bis ihr Reifen getauscht war, lag sie auf Platz acht.

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Der Zielsprint zwischen Maja Wloszczowska und Emily Batty um Bronze. Am Ende lag Batty um wenige Zentimeter vorne.

Einen noch herberen Schicksalsschlag musste die Polin Maja Wloszczowska erdulden. Sie wähnte sich schon mit der Silbermedaille auf dem Podium, als sich ihr Hinterreifen in der letzten Abfahrt des Rennens verabschiedete. Sie rannte, was die müden Beine noch hergaben, zur nächsten Techzone, wurde dabei aber schon von Lea Davison überholt. Obwohl ihr Mechaniker sein Bestes gab, hatte auch Emily Batty sie bereits eingeholt, als Wloszczowska wieder auf ihr Rad sprang. Die beiden beendeten ihr Rennen im Sprint, in dem Emily Batty nur um wenige Zentimeter vorne lag. Im Ziel brach Wloszczowska, vollkommen am Boden zerstört, in Tränen aus. Absolut verständlich, wenn man statt Platz zwei und der Silbermedaille plötzlich gar nichts mehr in den Händen hält.

Fotostrecke: XCO WM Women 2016

Catharine Pendrel fuhr auf Platz fünf, Irina Kalentieva auf sechs, Katerina Nash auf sieben, Sabine Spitz musste sich mit Platz neun hinter Jolanda Neff zufriedengeben. Adelheid Morath wurde 19.. Und Annika Langvad? Die blieb unangefochten, fuhr das Rennen sauber zu Ende und überquerte die Ziellinie genau in dem Moment, in dem die ersten Regentropfen fielen. Vielleicht Petrus Entschuldigung für die Launen des Schicksals bei dieser Weltmeisterschaft.

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Die drei schnellsten Frauen im Cross-Country 2016. Lea Davison, Annika Langvad und Emily Batty (v. links).

Hier können Sie die Wiederholung des Rennens ansehen: >>hier klicken<<

Ergebnisse WM Nove Mesto 2016

Alle Ergebnisse der MTB-WM 2016 gibt's hier: << hier klicken >>

Adrian Kaether am 02.07.2016