MTB Orienteering: Red Bull 26 Zoll

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 6 Jahren

Red Bull mal anders. Seit neuestem steht neben der Rampage oder dem District Ride auch genüssliches Oberschenkelquälen à la Marathon auf dem Programm.

Red Bull. Das ist Rampage und District Ride, Brandon Semenuk und Danny MacAskill. Fest steht: Wenn sich der "Gummibärchenbrause"-Hersteller in die MTB-Szene einmischt, kommt immer etwas aberwitzig Spektakuläres und ebenso Gefährliches dabei heraus. Doch Red Bull kann auch anders, wie sich jetzt beim Event Red Bull 26 Zoll herausstellte.

Ein irreführender Name

Anders als man vielleicht vermuten könnte, handelt es sich dabei nicht um ein Rennformat, bei dem die vom Aussterben bedrohte Klasse der 26-Zoll-Bikes zelebriert wird. Vielmehr richtet sich das Event an eine sehr redbulluntypische Zielgruppe, die mit 26 Zoll schon seit längerem so gar nichts mehr zu tun hat. Den Cross-Country Sport. Warum also der Name?

Start und Ziel des Red Bull 26 Zoll lagen auf der Burg Rheinfels bei St. Goar.

26 Zollstationen sind es, die dem Rennen seinen missverständlichen Namen gegeben haben. Denn diese Zollstationen sind die Checkpunkte, die die Fahrer anfahren mussten, um das Rennen zu beenden. Der Startpunkt in St. Goar im Mittelrheintal, war zwar vorher bekannt, um welche 26 Zollstationen es sich handeln würde, wurde aber erst kurz vor dem Start bekannt gegeben. So zählte bei diesem Rennen nicht nur körperliche Fitness. Auch Orientierung und Ortskundigkeit waren sehr gefragt.

Köpfchen und Fitness: MTB Orienteering

Überhaupt: Neu ist die Idee der Kombination aus Rennen und Orientierung eigentlich nicht. Schon seit den 1950er Jahren gibt es Wettkämpfe, bei denen die Fahrer nur eine Reihe von Checkpunkten erreichen müssen, um das Rennen zu beenden. Je nach Reglement mit festem Start- und Zielpunkt, oder ohne. Seit 2002 gibt es sogar eine Weltmeisterschaft im MTB-Orienteering.  Großen Bekanntheitsgrad hatten diese Disziplinen aber nie. Allerdings finden sich zahlreiche Abwandlungen oder Anlehnungen auch in vielen Amateurwettkämpfen, wie zum Beispiel dem beliebten Schnitzeljagdrennen im Ötztal.

Das Rheintal vereint pittoreske Burgen mit purer Naturschönheit und interessanten Wegen. Ein ideales Mountainbikerevier.

Warum ein so anderes Rennformat?

Es bleibt natürlich trotzdem die Frage, warum Red Bull nach Rampage und Co. jetzt ein so anderes Rennformat ins Leben ruft. Hier können wir leider nur spekulieren. Ein sicherlich nicht unbedeutender Grund ist, dass Red Bull immer wieder für seine gefährlichen Events und seine Methodik in der Kritik stand. Häufig hieß es, die Athleten hätten keine Wahl, ob sie an den Events teilnehmen wollten, oder nicht. Wer die Events zu gefährlich fände, würde sofort seinen Vertrag verlieren.

Möglich ist aber auch, dass Red Bull einfach nur noch eine weitere Zielgruppe, nämlich die des Cross-Country-Sports, erreichen möchte. Interessant auch, dass man sich nicht dafür entschieden hat, einfach noch einen weiteren MTB-Marathon, sondern ein MTB Orienteeringrennen ins Leben zu rufen. Wir sind gespannt, in welche Richtung sich das in Zukunft entwickeln wird.

Rennstart: Boppard oder Bingen?

Angepasst an die mittelalterlichen Kulisse wurde das Rennen von Walter von der Pferdeweide im standesgemäßen Gewand gestartet. Zunächst blieben die 52 Teilnehmer dicht beisammen, bis sich an einer Kreuzung 28 Teilnehmer entschieden, dem Weg flussaufwärts Richtung Boppard zu folgen, während sich die anderen dem Fluss Richtung Bingen folgten. Unter ihnen war auch Sieger Stefan Zelle. "Ich habe mich genau richtig entschieden, weil ich auf dem langen Stück auf der anderen Rheinseite Rückenwind hatte. Das war Weltklasse."

In Bingen überquerten die Teilnehmer dann per Fähre den Fluss, was ihnen Zeit für eine kurze Verschnaufpause vor dem steilen Anstieg in Rüdesheim verschaffte. Kurz hinter der Burg Ehrenfels oberhalb von Rüdesheim, an der Landesgrenze von Hessen und Rheinland-Pfalz trafen sie dann wieder auf diejenigen, die sich für den Weg nach Boppard entschieden hatten.

Ein Amateur an der Spitze

Nach bereits viereinhalb Stunden traf Stefan Zelle wieder auf der Burg Rheinfels, der Start und Zielstation des Rennens ein und lieferte sich auf den letzten Metern noch ein spannendes Kopf-an-Kopf Rennen mit Hannes Schürmann. Doch Zelle konnte das Rennen für sich entscheiden.

Eine beachtliche Leistung des Amateurs, der sich mit starker Fitness und glücklicher Wegwahl gegen seine, teilweise auch vollprofessionellen Kontrahenten durchsetzen konnte. Zur Belohnung geht es für ihn jetzt zu den Rocky Mountain Days in den Dolomiten. Herzlichen Glückwunsch! Zweiter wurde Hannes Schürmann, Dritter, mit auch nur 32 Sekunden Abstand, war Patrick Anderle.

Die Siegerehrung (v. r. n. l.): Hannes Schürmann, Stefan Zelle und Patrick Anderle.


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Themen: Cross Country RennenHessenMarathonOrientierungRed BullRheinland-PfalzRheintal


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