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MTB Hall of Fame: Voting 2017

Wer wird 2017 in die MTB Hall of Fame aufgenommen?

Adrian Kaether am 28.06.2017

Nur fünf erlesene Kandidaten nimmt die Mountainbike Hall of Fame jedes Jahr auf. Nach der Nominierungsphase steht nun steht die Wahl an. Unter den Vorschlägen: Steve Peat und Josh Bender.

Jetzt sind sie gefragt. Nach der Nominierungsphase steht nun die Wahl an. Zehn Kandidaten wurden ausgewählt, fünf werden am Ende aufgenommen. Die Mountainbike Hall of Fame hat sich seit 1988 dem Ziel verschrieben, die großen Persönlichkeiten unseres Sports zu ehren und nimmt zu diesem Grund jedes Jahr fünf weitere Kandidaten auf. Tom Ritchey, Gary Fisher, Gary Klein, Keith Bontrager, Missy Giove, Anne-Caroline Chausson, Nicolas Vouilloz, sie alle und viele mehr sind schon Teil der illustren Gesellschaft (zur kompletten Liste der Hall-of-Fame-Mitglieder). 

Am 16. Juli wird die Gemeinschaft um fünf weitere legendäre Kandidaten wachsen, denn bis zum 15. Juli um Mitternacht kann nun abgestimmt werden, wer 2017 in die Mountainbike Hall of Fame aufgenommen werden soll. Einzige Vorraussetzung: Man muss sich kurz auf der Website registrieren und eine einjährige Mitgliedschaft abschließen (30 US-Dollar), damit sichergestellt ist, dass jeder nur einmal abstimmt. Doch die Kandidaten sind es dieses Jahr auf jeden Fall wert, denn bei einigen ist die Aufnahme in die Mountainbike Hall of Fame eigentlich schon längst überfällig. Zum Beispiel bei Josh Bender und Steve Peat. Sie kennen nicht alle mit Namen? Kein Problem: Wir geben einen kurzen Überblick über die Kandidaten und darüber, was sie für eine Aufnahme in die Mountainbike Hall of Fame qualifiziert.

Mountainbike Hall of Fame 2017: Die Kandidaten

Freeride-Legende Josh Bender, manchmal auch nur „Bender“, ist der Visionär, der vor nun mehr als 16 Jahren die erste Rampage ins Rollen brachte. Josh Bender war einer der ersten, die echtes, modernes Extrem-Freeriden praktizierten. Einer der ersten, die mit Bikes von den mittlerweile ebenso ikonischen Klippen in Utah sprangen und denen kein Drop zu hoch, kein Sprung zu weit zu sein schien. Wie nur wenige andere pushte er unsere Vorstellung davon, was auf einem Mountainbike möglich ist. Er galt als ziemlich verrückt, mindestens aber als verschroben und als lebensmüde, doch er war und ist ein Visionär und ohne ihn würde es das Mountainbiken und speziell das Freeriden, wie wir es heute kennen, nicht geben. Schon 2015 und 2016 verpasste er die Aufnahme in die Hall of Fame knapp, 2017 muss es aber nun endlich klappen!

Bender/Chlouber

Freeride-Legende und Rampage-Guru Josh Bender (oben) und der Erfinder des Leadville 100 und damit von Mountainbike-Extremdistanzen überhaupt, Ken Chlouber (unten).

Anders als Josh Bender, eine der schillerndsten Figuren des Mountainbikens, blieb Ken Chlouber eher im Hintergrund. Doch auch er war ein Visionär. Auf ihn geht wesentlich die Kombination von Mountainbike-Rennen und extremer Distanz zurück. 1982 war das Jahr, in dem in Chloubers Heimatstadt Leadville die letzte Mine geschlossen wurde und einen Großteil der Einwohner arbeitslos zurückließ. In den folgenden Jahren gelang es Chlouber erst mit Extremlauf-Events und dann mit dem ikonisch gewordenen Leadville 100 immer mehr Action-Touristen in die Rockies zu locken. Auf mehr als 3000 Metern liegt die Stadt, das Rennen schwingt sich fast bis auf 5000 Meter Höhe hinauf. Die Kombination aus Mountainbiken und Extremsport zündete mächtig. Schon bei der Premiere 1994 waren die Sportler von der 100 Meilen langen Strecke begeistert und der Rest des Erfolgs des „Leadville 100“ ist Geschichte.

Centurion-Gründer Wolfgang Renner und Steve Peat

Jubiläum: Wolfgang Renner und 40 Jahre Centurion

Der Kopf hinter Centurion: Wolfgang Renner.

Wie auch Ken Chlouber ist Wolfgang Renner ein Kandidat, der 2016 die Aufnahme in die Hall of Fame verpasste. Doch verdient hat es der Konstrukteur, Journalist, Renn-Organisator und Fotograf auf jeden Fall. Erst recht aus deutscher Sicht. Mit seiner Marke Centurion brachte Renner nicht nur Ende der Siebzigerjahre quasi im Alleingang das BMX nach Deutschland und Europa, sondern Anfang der Achtziger auch das Mountainbike. Das „Country“ war das erste als Mountainbike konzipierte Rad, das es in Deutschland serienmäßig zu kaufen gab. Auch als Journalist verdiente Renner sich seine Lorbeeren. Der erste Artikel über das Mountainbiken in deutscher Sprache war von Wolfgang Renner verfasst und erschien in unserer Schwesternzeitschrift TOUR. So groß war die Resonanz, dass in der Folge gleich zwei komplette Ausgaben zu dem Thema erschienen, natürlich aus der Feder von Wolfgang Renner, was dann zur Gründung der BIKE durch Uli Stanciu führte. Außerdem hat Renner noch den Trend zum Alpencross mit dem Mountainbike mitbegründet, eine erste deutsche Meisterschaft im Mountainbiken ausgetragen und und und... Auch er also ein Kandidat, der 2017 unbedingt in die Hall of Fame aufgenommen werden muss.

Steve Peat, "Peaty", "Sheffield Steel". Wer kennt ihn nicht? Über fast 20 Jahre war der Brite eine der zentralsten Figuren im Mountainbike Downhill Worldcup. 17 Worldcups hat er gewonnen, ganze 52 Mal stand er auf dem Podium und war dabei eigentlich immer der Publikumsliebling. Denn nicht nur auf den Strecken war Peaty schnell, sondern auch beim Feiern hinterher immer ganz vorne mit dabei und diese Kombination in Verbindung mit seinem unkomplizierten und entwaffnend freundlichen Wesen sicherte ihm einen Platz in den Herzen aller Fans. Eigentlich sehr erstaunlich, dass Steve Peat nicht schon längst Teil der Mountainbike Hall of Fame ist.

Peat/Bonazzi

Zwei Downhill-Legenden: Steve Peat und Giovanna Bonazzi

Als Giovanna Bonazzi 1992 im Mountainbike-Downhill-Worldcup aufkreuzte, galt das als ein kleines Wunder. Dabei war sie keine Unbekannte. Als Symbolfigur und als Vorbild für Frauen in Italien hatte sie sich in der bis dahin noch stark männlich dominierten Mountainbike-Szene einen Namen gemacht. Doch noch erstaunlicher war ihr Auftauchen bei einem Worldcup in den USA. Bisher waren nämlich europäische wie amerikanische Fahrer fast immer unter sich geblieben. Erst Giovanna Bonazzi läutete das Zeitalter der international-professionalisierten Mountainbike-Rennfahrer ein und so führte sie die Epizentren des Sports, Nordamerika und Europa, endgültig zusammen. Sie blieb eine erfolgreiche Downhill-Rennfahrerin, bis sie sich 1999 aus der Szene zurückzog. Letztes Jahr allerdings ging sie in Val di Sole in der Masters-Klasse an den Start und holte prompt den WM-Titel. Auch sie also eine würdige Kandidatin, die man unbedingt mit einer Wahl in die Mountainbike Hall of Fame ehren sollte.

Foes, Koziatek, Norstad, Neenan, Behr&Manley

Rahmenschweißer Brent Foes, Titanspezialist, Koziatek, Tubeless-Erfinder Mark Norstad (oben von links), Tim Neenan, und das Journalisten-Fotografen-Duo Steve Behr und Tym Manley (unten von links).

Außerdem wurden noch die amerikanische Rahmenbau-Legende Brent Foes, der erste Rahmenbauer der 180 Millimeter Federweg in Serie anbot, Tubeless-Erfinder Stan Koziatek, Titanrahmen-Pionier Mark Norstad, Tim Neenan, dem Mann der das legendäre Stumpjumper von Specialized möglich machte und das Duo aus dem Journalisten Tym Manley und dem Fotografen Steve Behr nominiert, die zusammen das Magzin Mountain Biking UK gründeten und so Mountainbiken in Großbritannien populär machten und auf diese Weise indirekt auch zu der stärken Präsenz britischer Athleten im Downhill-Worldcup und den Freeride-Events beitrugen.

Hier geht es zur Abstimmung, zur Übersicht über die Kandidaten und einer noch ausführlicheren Beschreibung ihrer Leistungen. >>Link<<

Und hier geht es zu einer Übersicht über alle, die bis jetzt in die Mountain Bike Hall of Fame aufgenommen wurden. >>Link<<

Adrian Kaether am 28.06.2017