Bundesliga Titisee-Neustadt 2018 Bundesliga Titisee-Neustadt 2018

MTB-Bundesliga #4 Titisee-Neustadt: Rennbericht

Eibl gewinnt Bundesliga, Gesamtsieg auch für Stiebjahn

Adrian Kaether am 01.10.2018

Beim Finale der Bundesliga in Titisee-Neustadt ging es heiß her. Bei den Damen schlug U23-Fahrerin Ronja Eibl Elisabeth Brandau, bei den Herren holte Simon Stiebjahn seinen fünften Titel.

Beim letzten Rennen der Bundesliga ging es noch einmal aufs Ganze. Was für ein Finale uns in Titisee-Neustadt geboten wurde, beim letzten Rennen der Serie aber auch dem nahezu letzten Rennen der Renn-Saison insgesamt. Bestes Wetter und strahlend blauer Himmel sorgten dafür, dass auch an diesem Tag die Zuschauer in großen Zahlen an die Strecke am Fuß der Hochfirstschanze in Titisee strömten. Beim Bundesliga-Stopp Nummer vier sorgten sie für eine schon fast Worldcup-Atmosphäre: Am Start war kaum ein Platz an der Bande zu ergattern, der ganze Wald oberhalb des Skisprungstadions, durch den sich die Strecke über zahlreiche Wurzeln und spannende Drops windet, war voller Menschen. Selbst am entlegensten Punkt der Strecke, dem Stiebi-Drop, war immer etwas los.

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Die Strecke liegt am Fuß der Hochfirstschanze in Titisee.

Vielleicht lag es auch am Rennformat selbst. Denn das Bundesligarennen in Titisee-Neustadt wird nun schon im zweiten Jahr mit einer auf eine Stunde verkürzten Renndauer ausgetragen. Das soll das Event spannender und zuschauerfreundlicher machen, so die Idee von Markus Bauer und Simon Stiebjahn, die sich schon im letzten Jahr bewährt hat. Beide stecken tief bei der Organisation des Singer Wäldercups mit drin, in dessen Rahmen auch das Bundesligarennen ausgetragen wird. Ein Event von Fahrern für Fahrer sozusagen. Und Lokalheld "Stiebi" sollte von seiner eigenen Idee im Rennen selbst dann auch mächtig profitieren. Er wolle uns nichts vormachen, sagte er im Ziel. Die Anfeuerungsrufe durch die Zuschauer, gerade in der ersten Runde, seien enorm gewesen. "Ich hatte eine richtige Gänsehaut".

U19 Herren: Moritz Schäb schlägt Vize-Weltmeister Leon Kaiser

Doch die Herren waren erst als Letzte an der Reihe. Los ging das offizielle Bundesligaprogramm mit den Rennen der Klassen U11 bis U17 des Schwarzwälder Pactimo Kids Cups, dann fiel der Startschuss für die U19. Zwar war nach UCI-Punkten der gerade frisch gekürte Vizeweltmeister Leon Kaiser in der deutlich stärkeren Position, doch schon im Vorfeld dämpfte der Monheimer etwas die Erwartungen. Eine längere Erkältung habe eine gute Vorbereitung verhindert, während sein Hauptkonkurrent, der WM-Fünfte Moritz Schäb, die ganze Zeit in Top-Form war.

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Der Start der U19-Männer. Leon Kaiser (weißes Trikot mit deutscher Fahne) und Moritz Schäb ganz in der Mitte Seite an Seite.

So war es wenig überraschend, dass Schäb mit einem ersten Angriff in der dritten Runde einfach davonziehen konnte. In der Abfahrt war Kaiser zwar ebenso stark, doch im Anstieg konnte Moritz Schäb aus Schotten einfach noch die paar entscheidenden Watt mehr oben drauf packen. Von da an fuhr Moritz relativ unangefochten zum Sieg, Leon Kaiser musste sich mit Platz zwei zufriedengeben, aber er nahm es mit Humor. "An den zweiten Platz hab ich mich irgendwie schon gewöhnt." Der Titel der Meisterschaft geht damit auch an Moritz Schäb, Leon Kaiser hält am Ende Rang zwei vor Benedikt Fritz, der nach einem achten Platz in Titisee-Neustadt auf den dritten Rang in der Gesamtwertung abrutschte.

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Moritz Schäb auf dem Weg zum Sieg.

MTB Bundesliga Titisee-Neustadt 2019 Podium U19 männlich

Das Podium der U19 männlich (v. l.): Lars Hemmerling, Leon Kaiser, Moritz Schäb, Noah Jung und Tim Kluser.

U19 weiblich: Leoni Fend holt den Sprint-Sieg für das BIKE Junior Team

In der Klasse der U19-Damen blieb das Rennen bis zur letzten Sekunde unentschieden. Nach einem schnellen Start hatten sich Leoni Fend und Emma Eydt vom Rest des Feldes absetzen können und bewältigten die vier Runden in einem eindrucksvollen Parallelflug. In der letzten Runde taktierte Leoni Fend dann ein wenig und konnte so als Erste in die letzten Abfahrten gehen, doch als sie Emma Eydt vor der letzten Kurve noch immer direkt hinter sich spürte, da sah sie schon ihre Felle davonschwimmen.

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Leoni Fend vor Emma Eydt.

"Eigentlich ist Emma im Sprint die Stärkere von uns beiden. Aber irgendwie ging dann heute am Ende bei mir doch noch erstaunlich viel, dabei hatte ich damit selbst nicht mehr gerechnet. Vielleicht war es, weil es das letzte Rennen dieser doch sehr langen Saison ist. Da hab ich einfach alles gegeben, alles raus, nach vorne und das hat dann doch knapp gereicht." Emma Eydt wurde Zweite, bleibt aber in der Gesamtwertung vor Leoni Fend und Simone Roßberg, den beiden Fahrerinnen vom BIKE Junior Team Fahrerinnen.

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Ziemlich fertig, aber glücklich. Nach dem Sprintfinish atmete BIKE Junior Teamfahrerin Leoni Fend zwar schwer, doch sie hatte die entscheidenden Zentimeter auf ihre Konkurrentin herausgefahren.

U23 und Elite Damen: Eibl vor Elisabeth Brandau

Spätestens jetzt waren die Zuschauer gut aufgewärmt und das erste Highlight des Tages kam mit dem Damen-Elite Rennen dann genau zum richtigen Zeitpunkt. Die Besonderheit in Titisee-Neustadt: Da wegen des neuartigen Rennformats keine starke Rückendeckung von Seiten der Weltverbände gegeben ist, ist das Event nur als C3 klassifiziert (es gibt auch noch C2, C1 und die höchste Klasse der Bundesliga, HC) und hat deswegen kein eigenes U23-Rennen für Damen oder Herren.

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Ronja Eibl hat gezeigt, dass sie auch in der Elite eine gute Figur machen würde. Mal sehen, wie es weitergeht für die junge deutschen Nachwuchsheldin.

Damit ergab sich eine besondere Konstellation. Denn die U23-Überfliegerin Ronja Eibl würde nun mit ihren Kolleginnen aus der U23 Teil des Elite-Feldes sein. Die Experten-Prognosen werteten sie sogar als Favoritin gegenüber Brandau, Morath und Co.  – zu Recht, wie sich im Rennen schon bald herausstellen sollte. Respektvoll blieb Eibl zunächst hinter Brandau und ließ die erfahrene Weltcuppilotin die Führungsarbeit übernehmen Ein Kettenklemmer in Runde zwei warf Eibl ausgerechnet in einem fiesen Anstieg relativ weit zurück, aber sie ließ sich nicht unterkriegen. "Dann war erst mal ein richtiges Loch da und das musste ich dann zufahren. Aber vor der ersten Abfahrt der dritten Runde habe ich geschaut, dass ich dann vorne bin und mal versuche, einen Abstand rauszufahren."

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Ronja Eibl im Medienrummel.

Eibls Taktik ging auf, sie konnte in den Downhills einfach ein bisschen mehr aufmachen und schob so schnell 15 Sekunden zwischen sich und ihre erfahrene Verfolgerin aus Schönaich. Bis ins Ziel blieb sie vorne und sicherte sich damit den Gesamtsieg der Bundesliga-Wertung. Sie ist die jüngste Gesamtsiegerin der Bundesliga, die es je gegeben hat. Auch die zweitplatzierte Elisabeth Brandau zollte ihr nach dem Rennen großen Respekt. "Du bist eine Granate. Wenn ich so schnell den Berg runter fahren würde, dann würde ich im Acker landen."

U23 und Elite Männer: Loo nach Aufwärmrunde nicht zu schlagen

Bei den Männern ergab sich das gleiche Spiel von U23 und Elite Herren in einem Rennen, doch die U23 blieb hier ohne echte Siegchancen. Dafür war die Konkurrenz einfach zu hart. Immerhin: Tobias Eise landete als schnellster U23-Fahrer auf Rang sieben, direkt hinter Ben Zwiehoff und vor Julian Schelb und dem ehemaligen deutschen Meister, Markus Schulte-Lünzum. Auch das BIKE Junior Team konnte am Ende feiern mit Pirmin Sigel auf einem sensationellen 16. Platz im Herren-Rennen und dem damit viertbesten U23-Fahrer.

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Martin Loo (vorne) und Simon Stiebjahn, hier, in der ersten Runde, noch dicht beisammen.

An der Spitze war natürlich Simon Stiebjahn der große Favorit des Publikums, doch er selbst fühlte sich nicht besonders. "Am Freitag hab ich mir ziemlich den Fuß angehauen, an einer Laderampe von nem LKW. Zwar hat sich der Verdacht auf Bruch des Mittelfußes nicht bestätigt, aber mein Knöchel war trotzdem ziemlich geschwollen und so richtig Druck aufs Pedal habe ich seitdem nicht bekommen." Das konnte der estnische Meister Martin Loo dann gut nutzen.

"Die beste Strecke der Bundesliga"

"Irgendwie hat das Prozedere am Start ziemlich lang gedauert und ich war halb ausgekühlt, als es dann endlich losging. Ich brauchte erst mal eine halbe Runde, um wieder reinzukommen und der schnelle Start war für mich ziemlich heftig. Aber dann ging es gut und ich konnte ab Runde zwei ein hohes Tempo fahren. Das war wichtig, denn in einem Sprint-Finish gegen Stiebi hätte ich kaum eine Chance gehabt."

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Martin Loo ist ein besonderer Fan der Strecke in Titisee Neustadt.

Loo konnte Stiebjahn damit ab der Hälfte des Rennens etwas abhängen, hatte nach Runde zwei schon 14 Sekunden Vorsprung und schaute von da an nicht mehr zurück. Im Ziel war der sympathische Este mit sich und dem Rennen sichtlich zufrieden. "Ich mag diese Strecke wirklich, es ist meine Lieblingsstrecke in der Bundesliga und egal ob man siegt oder nicht, hier macht es immer Spaß. Aber es ist auch hart, egal ob bei einer Stunde, oder bei eineinhalb, daran ändert sich nichts." Die Ränge drei, vier und fünf gingen an Fabian Giger, Ramon Lauener und Sven Strähle.

"Gesamtsieg Nummer fünf, ich bin zufrieden"

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Simon Stiebjahn holt trotz Rang zwei hinter Martin Loo seinen bereits fünften Sieg in der Gesamtwertung.

Rang zwei zum Trotz geht der Gesamtsieg in der Bundesliga aber an Simon Stiebjahn, der ihn schon zum fünften Mal holt und damit seinen eigenen Rekord von vier Gesamtsiegen nur weiter ausbaut. Dementsprechend zufrieden war der Mann aus Titisee-Neustadt. "Ich möchte mich nicht beschweren. Nachdem ich am Freitag noch wegen meines Fußes im Krankenhaus war, war ich eher froh, dass es doch so gut ging und die Zuschauer hier an der Strecke haben das alles irgendwie wettgemacht. Der Martin war heut‘ einfach stärker und das hätte ich auch so wahrscheinlich nicht gepackt und dann noch der Gesamtsieg Nummer fünf in der Bundesliga, da bin ich wirklich sehr zufrieden und es macht mir wenig aus, dass es heute nicht für mehr gereicht hat."

Alle Ergebnisse und Weiteres findet ihr auf der Website der Bundesliga.

Adrian Kaether am 01.10.2018