Rückblick 2016: Erfolge und Schicksale Rückblick 2016: Erfolge und Schicksale Rückblick 2016: Erfolge und Schicksale

Mountainbike Jahresrückblick 2016

Rückblick 2016: Erfolge und Schicksale

  • Tobias Brehler
 • Publiziert vor 4 Jahren

An diese neun Biker und Bikerinnen erinnert man sich, wenn man an die Saison 2016 denkt. Von tragischen Todesfällen bis zum Olympiasieg weckt unser Jahresrückblick nicht nur positive Erinnerungen.

Danny Hart

Red Bull Content Pool Danny Hart ließ auch über die riesigen Sprünge, die Cedric Gracia in die Hänge von Vallnord shapen durfte, das Gas ordentlich stehen.

Der Brite Danny Hart aus Redcar – deshalb auch sein Spitzname "Redcar Rocket" – ging bereits 2011 mit seinem Weltmeisterlauf im Regen in die Downhill-Geschichte ein. Nach wenig erfolgreichen Jahren stempelten ihn viele als Eintagsfliege ab, doch die Fans glaubten an sein Comeback. In 2016 bestreitet der 25-Jährige den Downhill-Worldcup auf Mondraker-Bikes und wechselt von Marzocchi auf Fox-Federelemente. Und tatsächlich: Nachdem sich der junge Brite in Lenzerheide nach vielen starken Rennen endlich ganz oben aufs Podium gestellt hat, scheint eine Blase geplatzt zu sein. Danny Hart gewinnt auch die Worldcup-Rennen in Mont Sainte-Anne und Andorra und weist so den schnellen Aaron Gwin in die Schranken. Nach diesem Triple kann er auch die Weltmeisterschaften für sich entscheiden. All seine Sieger-Runs haben eins gemeinsam: Sie sehen unglaublich wild und "loose" aus – weshalb auch die Kommentatoren immer ins Mikro brüllen: „Stay on your bike, Danny!“

Rachel Atherton

Michal Cerveny Ideal konstant: Rachel Atherton unterbot ihre sehr schnelle Trainingszeit nochmals um den Hauch von 4 Millisekunden – eine Biene braucht länger, um einmal mit den Flügeln zu schlagen. Verdienter Weltmeistertitel und Krönung einer perfekten Saison.

Rachel Atherton kommt ebenfalls von der Insel und geht ebenfalls im Downhill-Worldcup an den Start. Die 29-Jährige gilt aktuell als beste Downhillerin. Letztes Jahr leistete sie bereits Beeindruckendes: Nachdem sie beim ersten Worldcup "nur" auf Rang zwei fuhr, gewann sie alle sechs weiteren Worldcups und die Weltmeisterschaften. Doch erst dieses Jahr hatte Rachel Atherton die perfekte Saison und schaffte das bisher Unmögliche: Sie gewann alle sieben Worldcup-Stopps und obendrein auch noch die WM. Wer nicht mitgezählt hat: Das sind 15 (!) aufeinanderfolgende Siege. Auch das ist absoluter Rekord.
Diese unfassbare Schnelligkeit verdankt sie ihren Brüdern, heißt es oft im Netz. Denn die beiden zählen ebenfalls zu den Schnellsten der Welt. Doch Rachel stellt das klar: Ihre Erfolge verdankt sie dem harten Training.

Richie Rude

Enduro World Series Einmal "on top of the world". Der Traum vieler Mountainbiker. Für die grandiose Aussicht hat Richie Rude hier aber keine Zeit. Er attackiert lieber die erste Kurve von Stage fünf.

Der Amerikaner Richie Rude wird derzeit als bester Enduro-Pilot der Welt gehandelt. Der erst 21-Jährige wechslte vom Downhill- ins Enduro-Lager, obwohl ihm auch dort eine vielversprechende Zukunft bevorgestanden hätte: Nach seinem Weltmeistertitel bei den Junioren 2013 hätte er auch die Downhiller aufmischen können. Doch erst im Enduro in der letzten Saison schien er richtig aufzublühen. Nach seinem ersten EWS-Sieg gegen Nico Vouilloz konnte er den Gesamtsieg holen und wurde so zum jünsten Enduro-Weltmeister. Dieses Jahr dominierte das 90-Kilo-Kraftpaket die ersten Stopps der Enduro World Series, wurde dann zwischenzeitlich aber von einer Schulterverletzung ausgebremst. Aufgrund dieser Verletzung konnte Rude beim Rennen in Aspen nicht trainieren und fuhr dennoch leicht angeschlagen "blind" – also auf Sicht – auf einen sehr starken 25. Platz. Gegen Ende der Saison verheilte die Verletzung und Richie Rude gewann zum zweiten Mal die Enduro World Series-Gesamtwertung.

Anne-Caroline Chausson

Matt Wragg,Enduro World Series Anne-Caroline Chausson bei der EWS im Jahr 2015. Auch 2016 bestritt sie wieder ein EWS-Rennen, nachdem sie den Krebs besiegt hatte.

Anne-Caroline Chausson (ACC) ist die erfolgreichste Mountainbikerin aller Zeiten. Die mittlerweile 39 Jahre alte Französin war seit ihrem ersten WM-Titel 1996 aber nicht nur auf dem Downhill-Bike unterwegs. Egal ob BMX-, Fourcross-, Dual-Slalom oder Downhill-Rennen, ACC war immer ganz oben auf dem Podest. Zuletzt auch bei der EWS. Insgesamt war die schnelle Französin 17 Mal Weltmeisterin. Auch bei den Olympischen Spielen konnte sie 2008 Gold holen, als BMX als neue Disziplin eingeführt wurde.
In der Saison 2015 kam die schockierende Diagnose: Krebs. Während der Chemo kollabierte zu allem Übel noch ihre Lunge. Aber ACC ließ sich nicht unterkriegen. Mit dem Ziel, wieder aufs Bike zu steigen, besiegte sie den Krebs. Im August 2016 war sie beim EWS-Rennen in Whistler wieder am Start.

Nino Schurter

Michal Cerveny Nino Schurter bezwang seinen Widersacher Jaroslav Kulhavy und holte bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio Gold. 

Der Schweizer Cross-Country-Athlet fuhr bereits 2015 für das Scott-Odlo-Team eine herausragende Saison, in der er sowohl die Gesamtwertung des Worldcups als auch die WM gewinnen konnte. Doch schon letztes Jahr lag der Fokus ganz klar auf den Olympischen Spielen in Rio 2016. Nach einem dritten Platz in Peking 2008 und einem zweiten Platz in London 2012 zielte Nino Schurter klar auf die Goldmedallie in Rio.
Nach einem guten Saisonstart mit Worldcup-Siegen und seinem WM-Titel im Juli ging Schurter als klarer Favorit in das Rennen um die olympischen Medaillen. Mit seiner klugen Taktik, starkem Antritt und herausragender Fahrtechnik konnte sich Nino Schurter die Goldmedallie sichern und wurde zum Schweizer Sportler des Jahres gekürt.

Jenny Rissveds

EGO-Promotion,Armin M. Küstenbrück Jenny Rissveds bei ihrem Olympia-Sieg 2016 in Rio.

Die junge Schwedin kann bereits auf einige Worldcup- und WM-Siege zurückblicken, doch 2016 hatte sie die Saison ihres Lebens: Nach einem Sieg bei den Weltmeisterschaften 2016 in Nove Mesto in der U23-Klasse konnte sie ihre Top-Form mit einem unerwarteten Sieg bei Olympia in Rio untermauern. Mit gerade mal 22 Jahren ist sie die jüngste Olympia-Siegerin im Mountainbiken. Sie fuhr in Rio ein taktisch kluges Rennen und überzeugte bergab ebenso wie ihr Teamkollege Nino Schurter mit hohem Temp und sauberer Technik.

Steve Smith

Hersteller Stevie Smith erlag am 10. Mai 2016 seinen Verletzungen im Krankenhaus. Diese hatte er sich bei einem Motorradunfall zugezogen.

Steve Smith – auch "the chainsaw" oder "Stevie" – war der erfolgreichste Downhill-Racer, den British Columbia je hervorgebracht hat. 2013 gelang ihm endlich der langersehnte Durchbruch im Downhill-Worldcup. Er holte mehrere Siege und konnte Gee Atherton beim letzten Rennen der Saison in Leogang auf den zweiten Platz drängen und sich damit den Gesamtsieg sichern. Doch Stevie Smith war mehr als nur ein guter Rennfahrer. Zwei Jahre lang kämpfte er mit verschiedenen Verletzungen und konnte 2014 und 2015 keine Erfolge einfahren. Aber Smith gab nicht auf und wurde mit seinem zweiten Platz in Lourdes beim ersten DH-Worldcup 2016 für seine Mühen belohnt.
Steve Smith, einer der umgänglichsten und bestgelauntesten Racer, erlag am 10. Mai 2016 den Folgen eines schweren Unfalls mit seinem Enduro-Motorrad. Der Kanadier wurde nur 26 Jahre alt. Mit ihm verlieren wir nicht nur einen herausragenden Rennfahrer, sondern auch eine große Persönlichkeit.

Kelly McGarry

Red Bull Content Pool Kelly McGarry starb am 1. Februar 2016 auf einer Bike-Tour. Der neuseeländische Freeride-Star wurde 33 Jahre alt.

Der neuseeländische Freeride-Star galt als "die härteste Kreatur der Welt", weil er bei der Rampage zwei Monsterstürze scheinbar ohne Kratzer überstand. Der lockere Big-Mountain-Freerider begeisterte seine Fans mit seinem Backflip über das riesige Canyon-Gap bei der Rampage und schaffte einen Youtube-Hit (32 Mio. Klicks) bei seinem Silbermedaillen-Run bei der Rampage 2013.
Umso überraschender kam am 1. Februar 2016 die erschütternde Nachricht von seinem Tod. Kelly McGarry war mit 33 Jahren auf einer Mountainbike-Tour einem Herzinfarkt erlegen. Die Rettungskräfte konnten nur noch seinen Tod feststellen. Der Verlust des sympatischen Neuseeländers traf die Freeride-Szene und seine Fans hart.

Sam Hill

Enduro World Series Sam Hill war in Valberg nicht zu schlagen. Selbst Nico Vouilloz musste sich bei seinem Heimatrennen am Ende knapp geschlagen geben.

Die australische Downhill-Legende Sam Hill kann nach 15 Jahren im Downhill-Worldcup auf etliche Siege sowohl bei Worldcups als auch bei Weltmeisterschaften zurückblicken. Nach ein paar durchwachsenen Jahren stand Sam Hill 2014 zweimal ganz oben am Treppchen im Worldcup. Nach einem schweren Sturz bei der WM 2014 in Hafjell sind gerade in dieser Saison die großen Erfolge im Downhill ausgeblieben.
Wie viele andere Downhiller versuchte sich auch Sam Hill in der Enduro World Series. Mit einem Unterschied: Er bleibt seinen Flat-Pedals treu. Mit zwei zweiten Plätzen konnte Sam Hill seine Fan-Gemeinde erfreuen, doch erst in Valberg überzeugte er die letzten Skeptiker. In einem Duell der Legenden konnte sich Sam Hill gegen Nico Vouilloz – gegen den er auch schon im Downhill angetreten ist – durchsetzen. Nach diesem Sieg beschloss der Australier, sich 2017 auf die EWS zu konzentrieren.

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