Merida Rookie Pro Check: Von Profis lernen

  • Stefan Loibl
 • Publiziert vor 7 Jahren

BIKE und das Multivan Merida Biking Team machen's möglich: Zwei Nachwuchsfahrer durften bei der offiziellen Team-Präsentation auf Mallorca den Profis auf die Finger schauen.

Mit leuchtenden Augen versucht sich Felix (15) nichts anmerken zu lassen. Doch er muss ordentlich auf die Zähne beißen und in die Pedale treten, um den Anschluss nicht zu verlieren. „Einfach gemütlich rollen“, lautete die Vorgabe, die Ex-Weltmeister José Hermida zu Beginn der Trainingsausfahrt vorgab. Nach zwei Stunden kann Felix endlich wieder durchschnaufen und sein Puls fällt erstmals wieder unter 160 Schläge pro Minute. „Während die anderen ganz locker dahingekurbelt sind, hatte ich bereits einen Puls von 180. Das war schon krass“, sagt der 15-Jährige nach dem Training mit den Profis vom Multivan Merida Biking Team .

Von der Massage bis zum Mittagessen: Jungprofi Julian Schelb (links vorne) gab den beiden Rookies wertvolle Tipps zur Ernährung.

Mallorca statt tristes Winter-Training

Statt im verregneten Bayern mit klammen Zehen im Sattel zu sitzen, schnuppern die beiden Nachwuchstalente Felix und Luca bei 20 Grad Profi-Luft. Für dieses einmalige Erlebnis, bei der Team-Präsentation des Mulitvan Merida Biking Teams dabei zu sein, haben die Rookies beim BIKE Jugendcamp im vergangenen Oktober den Grundstein gelegt. Bei einem Cross Country-Rennen und einem anschließenden Technik-Parcours belegten die beiden 15-Jährigen die Plätze eins und zwei. Auch die dritte Augabe – einen Text vom Jugendcamp zu schreiben – meisterten die beiden Nachwuchs-Racer souverän. Dann hieß es Mitte Februar für die beiden Koffer packen und ab nach Mallorca. Merida lud das Duo zum gemeinsamen Team-Treffen auf die Insel ein.

Fünf Tage leben wie ein Profi: Trainieren, Essen, Massage und von Journalisten aus aller Welt belagert werden. So sieht das tägliche Programm für das Mountainbike-Team um den Spanier José Hermida und Gunn-Rita Dahle Flesjå aus. Und die beiden Yougsters mittendrin. „Sie behandeln uns wie ein Teil des Teams. Wir können mit Ihnen über alles reden“, erzählt Felix beeindruckt. Wie man es als Nachwuchsfahrer zum Profi bringen kann, macht der 21-jährige Julian Schelb vor. Nach seiner U23 WM-Silbermedaille im vergangenen Herbst schaffte er den Sprung und unterschrieb einen Zwei-Jahres-Vertrag bei Merida. An der Seite von erfahrenen Profis wie Ex-Weltmeister Hermida und Rudi van Houts wird Schelb in die Weltcup-Saison gehen.

Als großes Vorbild dient den beiden Rookies Julian Schelb (rechts). Der hat als U23 WM-Silbermedailliengewinner den Sprung ins Profi-Geschäft geschafft.


Exklusive Team-Bikes statt eigenem Material

Für Felix und Luca steht eine weitere Saison der Bayernliga auf dem Programm. Luca, der aus der Nähe von Würzburg kommt, startet auch beim Alpina- und beim Unterfranken-Cup. Der schlaksige Franke hat das Radfahren erst vor vier Jahren entdeckt. Anfangs versuchte er sich im Triathlon, doch vor zwei Jahren spezialisierte sich Luca aufs Biken. Im Speedmax-Team hält sich der 15-Jährige mittlerweile nach einen langfristigen Trainingsplan. Fünf Einheiten stehen pro Woche auf dem Programm, wobei drei davon auf den Bike sind. „Um Profi zu werden, habe ich zu spät angefangen. Aber mal schauen. Wäre cool, wenn es klappen würde“, sagt Luca zu seinen Ambitionen.

Wer Bike-Profis auch mal so nahe kommen will wie Felix und Luca, hat beim nächsten Merida BIKE Cross Country Camp im Bayerischen Wald die nächste Chance. Dort geben erfahrene Rennfahrer wie Karl Platt oder Markus Kaufmann wertvolle Tipps zu Technik, Taktik und Training und die Jugendlichen bekommen einen Einblick ins Schrauben.


Hier der Bericht von Luca:

„Eineinhalb Stunden können ganz schön lang sein. Zumindest kam er mir lang vor, dieser Flug nach Mallorca, auch wenn es mein erster und alles ganz neu für mich war. Aber mit meinen Gedanken war ich eben schon beim lang ersehnten Merida Rookie Pro Check und ich konnte es kaum erwarten, endlich anzukommen.
Am Flughafen in Palma traf ich Felix, der sich wie ich beim Merida BIKE Jugendcamp im Bayerischen Wald im Oktober vergangenen Jahres für die Einladung ins Merida Team Camp nach Mallorca qualifiziert hatte. Nach zwanzig Minuten Busfahrt wurden wir am Hotel herzlich begrüßt und zusammen mit der Schlüsselkarte für das Zimmer gab es auch gleich ein paar schöne Willkommenspräsente, darunter eine sehr praktische Merida-Winterjacke. Bei angenehmen zwanzig Grad in Mallorca habe ich die während des Camps zwar nicht gebraucht, aber nach fünf sonnigen Tagen ging es ja wieder zurück ins kalte Deutschland…
Im Hotel trafen wir dann auch gleich die ersten Mitglieder des Multivan Merida Teams, darunter Andreas Rottler und Fabian Aust, den Teammanager. Fabian zeigte uns dann alles und wir bekamen von ihm unsere Trainingsoutfits und das Team-Bike, ein Merida Big Ninty Nine. Dann war es auch schon Zeit zum Abendessen und ich freute mich auf den nächsten Tag, an dem es dann so richtig losgehen sollte.
Das tat es dann auch, und zwar mit zwanzig Minuten Frühsport morgens um sieben. Nach dem Frühstück ging es gleich weiter mit der ersten Radausfahrt zusammen mit den Profis José Hermida, Gunn-Rita Dahle Flesjå, Julian Schelb und Thomas Litscher. Das Gelände war super, das Wetter toll und es hat für mich einfach alles gepasst. Bei dieser Ausfahrt begleitete uns ein Kamerateam eines taiwanesischen Fernsehsenders, der einen Beitrag über dieses Team Camp drehte. Auch mit uns Rookies haben sie am nächsten Tag ein Interview geführt – auf Englisch, aber ich glaube, wir haben uns ganz gut geschlagen. Das anschließende Gespräch mit dem Redakteur von BIKE, der auch über das Camp berichtete, war für mich dann aber doch viel entspannter. Ihm erzählten wir, wie wir mit dem Sport begonnen haben, wie oft wir in der Woche trainieren, was wir noch erreichen möchten usw.
Nach der Ausfahrt mit dem Team am ersten Camp-Tag bin ich mit Felix noch einmal ins Gelände gefahren. Doch dieser Trip endete bald mit einem Plattfuß, und da wir keinen Schlauch dabei hatten, musste Fabian mich abholen. Zur Teampräsentation von Lampre Merida und Multivan Merida am späten Nachmittag waren wir pünktlich zurück und anschließend war Party auf einer Finca angesagt. Die war einfach super, auch die Fahrer waren super drauf. Um Elf nahmen Felix und ich das erste Shuttle zurück ins Hotel. Dort angekommen ging ich sofort ins Bett. Am nächsten Morgen hatten die Mountainbikes Pause, zur Abwechslung ging es mit dem Rennrad vom Radverleih Max Hürzeler zwei Stunden auf die Straße. Das war eine ganz schöne Ausfahrt, für mich kein bisschen anstrengend, aber das Biken im Gelände finde ich doch viel interessanter und es macht mir auch viel mehr Spaß.
Später gab es noch eine Teampräsentation vom Multivan Merida Biking Team. Nach dem Abendessen – Sushi! – war dann Relaxen auf dem Zimmer angesagt und ich bin dann auch bald ins Bett. Der nächste Tag brachte etwas Besonderes: Fotoshooting mit dem Merida Team. Ein Shuttle brachte uns zur Location und Felix und ich haben zugeschaut, wie so ein professionelles Fotoshooting abläuft. Ich fand das sehr beeindruckend. Anschließend ging ich noch einmal mit Felix zum Mountainbiken zwei Stunden ins Gelände und am Nachmittag gab es einen Workshop, bei dem wir von einem Mechaniker alles erklärt bekamen und auch selbst einmal schrauben durften. Der letzte Tag begann wieder mit Frühsport und zum Abschluss fuhren Felix und ich noch eine zweistündige Runde. Diesmal hatte Felix den Plattfuß, aber heute hatten wir einen Schlauch dabei. Das half aber leider nicht viel, denn der zweite Plattfuß ließ nicht lange auf sich warten, also musste diesmal Felix von Fabian abgeholt werden.
Damit war die Zeit im Merida Camp auf Mallorca auch schon so gut wie vorbei. Koffer packen, von Andi, Fabian und Felix verabschieden, mit dem Bus zum Flughafen und dann saß ich auch schon in der Maschine nach Frankfurt. Diesmal kam mir der Flug gar nicht so lang vor, aber jetzt gingen mir ja auch die vielen Erlebnisse und Eindrücke der letzten Tage im Kopf herum: die Ausfahrten mit dem Team, die Gespräche mit den Profis, das tolle Gefühl, zusammen mit einem Ex-Weltmeister fahren zu dürfen. Die Möglichkeit, Weltklasse-Racern einmal von ganz nah auf die Pedale schauen zu können. Was mich aber vor allem beeindruckt hat: Wir – Felix und ich – konnten uns während der Zeit im Camp wirklich als Teil des Teams fühlen. Wir haben zusammen trainiert, haben gemeinsam gegessen, konnte jeden alles fragen und sind sogar von einem ausländischen TV-Team und von einem Journalisten der BIKE interviewt worden. Das waren schon super Tage und ich bin sehr froh, dass ich dabei sein durfte.“

Schlagwörter: José Antonio Hermida Merida BIKE Cross Country Camp Merida rookie Multivan merida biking team Nachwuchs


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