Mennens Marathon-Blog #5: Grand Raid Cristalp

  • Robert Mennen
 • Publiziert vor 6 Jahren

Bereits zum 25. Mal traf sich die Marathon-Elite zum Cristalp in Verbier. Warum Langstrecken-Spezialist Robert Mennen am Pas de Lona sein Waterloo erlebte, lesen Sie in seinem Blog.

Sein 25-jähriges Bestehen feiert dieses Rennen nun schon. Damit ist es fast so alt wie ich! Nicht ganz. Kein Wunder also, dass ich schon als Teenager von dem Rennen gehört hatte. In meinem Verein war der Grand Raid das jährliche Highlight. Einfach extrem. 125 Kilometer und 5.000 Höhenmeter. Berüchtigt als Schlüsselstelle ist der Aufstieg zum Pas de Lona auf 2.800 Meter Meereshöhe. Nach 100 Kilometern mit einer Menge an Höhenmetern in den Beinen beginnt der Anstieg. Wenn der Schotterweg in einen Singletrail wechselt, sieht man schon die Geröll-Wand, die immer steiler werdend in den Himmel ragt. Fahrer der kürzeren Strecken sehen aus der Distanz aus wie Ameisen, die sich ihren Weg bahnen. An Fahren ist auf dem Untergrund bei der Steigung nicht mehr zu denken.

Vorläufer am Pas de Lona


Einige Topfahrer haben daher Läufer vor Ort. Das sind Personen oder Betreuer, die dem jeweiligen Fahrer die beste Linie zeigen. Im Eifer des Gefechts und vor lauter Fahrern in dem Geröll-Feld ist es gar nicht so einfach die schnellste Linie zu sehen. Zudem kann der Läufer seinen Fahrer ankündigen, so dass die Teilnehmer der kürzeren Distanzen Platz machen.

War mit großen Erwartungen nach Verbier gereist: der deutsche Marahton-Meister Robert Mennen.

Vier Uhr, der Wecker klingelt. Zwar bietet das Hotel extra ein frühes Frühstück für die Grand Raid-Fahrer an, aber zu der Zeit dann doch noch nicht. Ich frühstücke auf dem Zimmer. Die Flaschen für die Verpflegungsstellen habe ich schon am Vorabend befüllt, genauso wie ich meine Bekleidung bereit gelegt habe. Daher brauche ich zu der frühen Stunde nicht mehr viel vorbereiten und schaue einen Nachrichtenkanal im TV.

An Laufen nicht zu denken


Um 5:45 Uhr heißt es dann raus aus dem warmen Zimmer. Wenn um 6:30 Uhr der Startschuss fällt wird es gerade erst hell. Für mich beginnt das Rennen sehr gut. Ich habe stets das Gefühl, nicht am Limit zu sein und Körner für die letzten Rennstunden zu sparen. Die Spitzengruppe ist recht groß. Läuft doch prima, denke ich! Bis zum Anstieg Mandelon bleibt es so. Dort attackiert Sauser. Nur Huber kann folgen. Der Rest der Gruppe fällt dabei auch auseinander. Wohl wissend was kommt, gehe ich nicht ans absolute Limit, da es noch weit ist. Trotzdem muss ich später bei der Anfahrt zum Pas de Lona das Tempo drosseln. Och nein, wie kann das denn jetzt sein? Im Vorjahr musste ich direkt am ersten Berg ans Limit, da wunderte es mich nicht, dass es hinten raus nicht gereicht hat. Aber jetzt?

In der berühmten Schiebepassage am Pas de Lona erlebte Mennen sein Waterloo.

Rennen fahren macht echt keinen Spaß, wenn man nicht seine üblichen Watt aufs Pedal bringt. In der Laufpassage erlebe ich mein Waterloo. Drei Fahrer überholen mich dort. An Laufen ist nicht zu denken – ich gehe. Danach versuche ich nur noch mich ins Ziel zu retten. Platz neun zum Schluss. Nach Platz sieben im Vorjahr eine Enttäuschung, zumal ich mich lange Zeit wesentlich besser fühlte als im Vorjahr und daher sehr optimistisch war. Ich genieße die Dusche nach dem Rennen. Traditionell gehen Alban und ich im Supermarkt unsere leeren Kohlenhydratspeicher auffüllen. Der Rest des Tages ist dann wenig spektakulär – ich bin einfach platt. Jede Bewegung ist zu viel. Ich freue mich nur noch auf mein Bett.

Cheers, Euer Robert

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