Mennens Marathon-Blog #4: So lief's bei der WM

  • Robert Mennen
 • Publiziert vor 7 Jahren

Robert Mennen gehört zu den weltbesten Fahrern bei Team-Etappenrennen. Bei der Marathon-Weltmeisterschaft im südafrikanischen Pietermaritzburg wollte er beweisen, dass er auch als Einzelstarter Weltklasse-Niveau besitzt. Hier sein Blog.

Da sind sie nun – die Weltmeisterschaften im Marathon. Eines der wichtigsten Rennen im Jahr, wenn nicht das wichtigste! Nur hier darf sich der Sieger am Ende das begehrte Regenbogentrikot überziehen. Alle mit Rang und Namen stehen am Start. Für mich eine Möglichkeit zu zeigen, dass ich nicht nur bei Mehrtagesrennen im Zweierteam erfolgreich sein kann!

Aber beginnen wir von vorne. Wie bereits in meinem Vorbericht geschildert, haben wir die WM-Strecke in der Woche vor dem Rennen soweit wie möglich besichtigt und stimmen unser Rad auf die Bedingungen ab. Von besonderer Bedeutung sind die Reifen. Entgegen meiner ursprünglichen Planung setze ich im Rennen doch auf Schläuche. Die Gefahr, wegen Dornen einen Platten zu riskieren, bewerte ich nach dem Regen am Freitag und einigen Rennen am Samstag nicht mehr so hoch. Irgendwie fühle ich mich mit der Latex-Milch nicht wohl, mein subjektives Empfinden sagt mir, dass der Reifen mit Schläuchen ruhiger liegt. Als Luftdruck wähle ich 1,5 bar.

Konnte nach dem Defekt nicht mehr zu Spitze aufschlagen: Rober Mennen wird Achter

Darüber hinaus senke ich den Luftdruck in der Gabel, um etwas mehr Komfort auf der ruppigen Strecke zu bekommen (87 psi). Bei steilen Abfahrten fahre ich gerne mit etwas mehr Druck, damit die Gabel an diesen Stellen nicht so weit eintaucht, aber sehr steile Stücke hat es in Pietermaritzburg wenige. Das 34er Kettenblatt passt, also sind keine weiteren Anpassungen nötig.

Unser Mechaniker Peter ersetzt am Freitag noch Seilzüge, Antrieb sowie die Bremsbeläge. Nichts soll dem Zufall überlassen werden. Das Rad ist danach wie neu.

Dave und Robert, zwei weitere Betreuer, haben derweil die Verpflegungs- und Materialzonen besichtigt. Bei neun Zonen, vier Betreuern und zwei Autos ist da viel Planung angesagt. Alle Zonen gilt es zu besetzen, denn keiner will mit Reifendefekt oder Durst in eine nicht betreute Feed-/Tech-Zone fahren.

Nach dem Training am Samstag überprüft Peter ein letztes Mal das Rad. Wir drehen im Anschluss noch eine Proberunde zur Abnahme. Ich mische meine Flasche mit Kohlenhydratpulver an und packe einen Rucksack für nach dem Rennen. Trikot, Hose, Helm, Brille, Schuhe und was da noch so alles zugehört, lege ich auch bereit. Ich habe keine Lust, das alles morgen früh in aller Hektik zu machen und etwas zu vergessen. Zum Abendessen geht es heute schon um 18 Uhr. Das Essen soll nicht schwer im Magen liegen, außerdem wollen wir früh schlafen gehen.

Der Wecker klingelt am Sonntag um fünf Uhr früh. Glücklicherweise ist es nicht so kühl wie am letzten Sonntag. Alban (Lakata) und ich frühstücken. Kristian (Hynek) braucht nicht ganz so viel Vorlauf. Danach lege ich mich noch mal hin, um in mich zu kehren. Um sieben Uhr fahren wir mit dem Rad zur Rennstrecke. Ein richtiges Gespräch will nicht aufkommen. Kristian ist ganz schweigsam, Alban ist auch sehr konzentriert. An der Rennstrecke angekommen mache ich mein Warm-Up alleine weiter. Ob die Beine heute gut sind? Ich probiere mich nicht verrückt zu machen – einfach Radfahren wie immer, mehr ist es nicht.

„Fünfter hätte sich besser angehört“ – Robert Menen

Aus der zweiten Startreihe geht für mich das Rennen gut los. Ich bleibe bis zur Tragepassage in der Spitzengruppe. Dort zieht sich das Feld auseinander und im nachfolgenden Flachstück fällt mir die Kette vom Kettenblatt. Mir fehlt die Power um den Anschluss wieder herzustellen. Von hinten kommen u.a. Alban und Moritz Milatz. Nach 45 km fällt mir die Kette erneut vom Blatt. Was ist da los? Im Sichtabstand fahre ich den Jungs nun hinter her. Blöd nur, dass das Tempo zuvor genau an meinem Limit war – wieder hinfahren ist deswegen nicht drin und freiwillig fahren die Jungs ja auch nicht langsamer. Urs Huber kommt nach einem Reifendefekt von hinten. Wir fahren lange zusammen. Am vorbeirasenden Christoph Sauser versuche ich gar nicht dran zu bleiben, zwecklos. Auch Urs stellt schnell fest, dass das Tempo von Susi für ihn zu hoch ist. Also fahren wir zwei unser Tempo weiter. Nach 74 km bekommt Urs seine zweite Luft. Ich kapituliere. Er macht noch drei Plätze gut und landet auf Rang vier. Respekt. Ich lande auf Rang acht. Verdammt: hätte, wenn, wäre, aber ... ich hätte nur dranbleiben müssen. Fünfter hätte sich viel besser angehört als Achter. Aber die Beine wollten nicht mehr.

Alban wird Vizeweltmeister. Wahnsinn. Der ist auch noch richtig nach vorne gekommen. Auf einen Cool-down verzichte ich heute, denn ich fühle mich komplett leer und dieser fiese kleine, steile Anstieg zwischen Rennstrecke und Appartement verdirbt mir die letzte Motivation. Nach dem Rennen ist vor dem Rennen – heute aber nicht! Die Stimmung ist bei Kristian nach seinem Ausscheiden nicht gut. Auch ich rede vor Erschöpfung recht wenig und brauche eine Abkühlung im kalten Pool.

Hungrig vom Rennen gehen wir alle abends essen und feiern unseren Erfolg. Wir sind nicht die einzigen Radfahrer im Restaurant. Neben uns sitzen noch das schwedische Nationalteam, Team BMC und Team Specialized. Mit Letzteren bleiben wir, bis das Restaurant keine Getränke mehr serviert.

Cheers, Euer Robert

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