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Mennens Marathon-Blog #2: BIKE Four Peaks

Robert Mennen am 10.06.2014

Mit der BIKE Four Peaks startete der Deutsche Meister Robert Mennen (Topeak Ergon) in die zweite Saisonhälfte. Hier seine Marathon-Erlebnisse der vier Renntage.

Vier Tage Rennen in Österreich, das ist die Bike Four Peaks. In unserem knallgrünen Partybus reisen wir Nordlichter am 2. Juni an. Das sind Torsten (Physiotherapeut), Dirk (Team Manager) und ich. Peter (Mechaniker), Kristian und Alban reisen ebenfalls am gleichen Tag nach Leogang an, jedoch aus unterschiedlichen Richtungen.

Das Rennen um das beste Zimmer ist eröffnet

Wir verlieren, und wer hat´s verbockt: der Mennen. Nach der Radreinigung vor der heimischen Garage unterläuft mir ein ärgerlicher Fehler. Ich betätige die Fernbedienung des Garagentors und stelle beim herunterfahren fest, dass ich den Reinigungslappen noch in der Hand halte. Ich schmeisse ihn unter das herunterfahrende Garagentor. Doch nicht nur ihn, auch den Garagenöffner. Verdammt! Mein einziger Zugang zur Garage samt Auto und Bike. Ohne den Vermieter bin ich aufgeschmissen. Ich handel mir eine Stunde Zeitverzug ein und damit die Chance auf das Penthouse. Das geht ja gut los. Wenigstens die weitere Anreise verläuft problemlos.

Am Tag vorm Rennen müssen wir morgens zuerst zum Bäcker: Selbstverpflegung in der Ferienwohnung, keiner hat dran gedacht! Das Frühstück dauert etwas länger, da wir seit dem Marathon in Riva nicht mehr in der Besetzung zusammensaßen. Bis wir drei dann alle fertig in Radmontur zum Training antanzen, ist es bereits 10:30 Uhr. In ungefähr 2 Stunden fahren wir dabei die erste Hälfte der anstehenden Etappe ab. Ich habe mich aufgrund des Regens am Morgen für die wasserdichte Kleidung entschieden. Nach 10 Minuten verdampfe ich nun bei Sonnenschein im Anstieg. Total verdreckt stellen wir danach das Rad bei Peter ab. Einmal waschen – legen – föhnen bitte! Peter wird sich an dieser Stelle bedanken, denn allein mit Waschen ist es nicht getan. Jede Schraube wird getestet, der Antrieb und Bremsbeläge auf Verschleiß geprüft, die Reifen an die Bedingungen angepasst…

Letztes Meeting mit dem Manager

Wir befreien uns derweil von der Fangopackung und fahren zum Essen. Gut gesättigt ist unser Programm aber noch nicht zu Ende. Für mich als Fahrer folgt die Massage. Mein Equipment verlangt nach dem Training eine Grundreinigung. Zur Vorbereitung auf den kommenden Tag müssen das Profil studiert, die Rennbekleidung bereit gelegt  und die Verpflegungsstellen geplant werden. Manager Dirk kommt vom Managers-Meeting mit den letzten News. Bis zum Abendessen ist noch etwas Zeit für ein Buch. „Der Vogelmann“ von Moe Hayder zieht mich in seinen Bann und bietet mir etwas Abstand.

Tag 1: Leogang-Lofer

Start ist am nächsten Tag um 10 Uhr. Eine angenehme Zeit. Drei Stunden vorher stehen wir auf und frühstücken. Es werden noch die Radflaschen zubereitet und das letzte Mal der Wetterbericht überprüft. Glücklicherweise soll es erst nachmittags regnen. Direkt nach dem Start geht es einen langen Anstieg hinauf. Es bildet sich eine Spitzengruppe mit neun Fahrern, u.a. mit mir. Das Tempo kann ich jedoch nicht bis zum Schluss mitgehen. Auf Platz sieben beende ich die Etappe. Ich hatte mit einem besseren Resultat gerechnet. Enttäuschung! Aber es kommen ja noch drei.

Angekommen in der nächsten Unterkunft fällt mein Blick zunächst aufs Bett: Doppelbettzimmer – ob es wohl kein Zweibettzimmer gab? Nichts gegen meinen Zimmerkollegen, aber ein alleinstehendes Bett ist mir lieber. Ich teile mir das Zimmer übrigens dieses Mal mit Kristian. Der nächste Schock: kein WiFi-Empfang – nur auf dem Klo. Das kann ja heiter werden.

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790 Biker erreichten das Ziel der Protective BIKE Four Peaks in Kaprun.

Tag 2: Lofer-Kirchberg/Tirol

Beim Warmfahren zur zweiten Etappe gelingt es mir, Peter die Farbe aus dem Gesicht zu ziehen. Das Rad quietscht, trotz penibler Wartung und Schmierung. Alle versuchen den Ursprung zu lokalisieren. Die Ursache lässt sich auf die Schnelle nicht finden, ab zum Start. Einatmen, ausatmen, lächeln!

Heute läuft es besser als gestern. Bis hinein in die letzte Abfahrt liege ich auf Rang fünf, bevor sich meine Linienwahl als suboptimal erweist. Plattfuß. Ich erinnere mich noch an Dirks Worte aus dem Managers-Meeting: „No littering“. Also lege ich mir den defekten Schlauch um den Hals und fahre Richtung Ziel.

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Ich mit dem umgebundenen Latexschlauch.

Gerade bei hohen Temperaturen ist es danach eine Wohltat die Beine in einem Fluss abzukühlen. Alban steht als erster im kalten Wasser. „Verdammt ist der kalt“, denke ich mir, aber es gibt kein Zurück mehr. Zähne zusammenbeißen, denn deine Beine werden es dir danken! Beim Planen der Verpflegungsstellen stoßen wir auf ein Problem: Ist die Stelle überhaupt für unsere Betreuer zu erreichen? Alban zieht als Österreicher den Telefonjoker. Ein Bekannter gibt grünes Licht und zur Not muss unser Betreuer mit dem Rad weiter.

Tag 3: Kirchberg/Tirol-Neukirchen

Das Strecke ist zwar nur 46 km lang, hat es aber mit 2500 hm in sich. Bei dem Tempo am ersten Berg frage ich mich: Haben meine Konkurrenten das Profil auch gesehen? Ja, sind die denn verrückt? Kristian, der das Tempo im zweiten Anstieg diktiert, lässt sich plötzlich zu mir zurückfallen und sagt, er habe einen Schleicher. Die Botschaft dahinter ist klar. Nach meinem Plattfuß auf der gestrigen Etappe sind meine Chancen gesunken. Kristian liegt noch aussichtsreich im Rennen, so dass es für mich keine Frage ist, ihm mein Laufrad zu geben. Was eine Sauerei, denn Kristian fährt Tubeless mit Latex-Milch. Bis ich den Plattfuß an seinem Laufrad repariert habe, vergeht wertvolle Zeit. Danach lässt meine Motivation nach. Trotz weniger Watt auf dem Pedal leide ich genauso. Eigentlich wäre das nun der perfekte Tag für Panorama-Fotos, aber eine Kamera habe ich leider nicht dabei. Wenigstens die Abfahrten machen Spaß.

Abends im Restaurant sehe ich in der Speisekarte ein großes Bild von einem Burger und zeige es Alban: „Daran hatte ich auch schon gedacht!“. Und ich finde, mir den heute verdient zu haben. Abends sitzen wir noch alle bei einem Glas Wein zusammen, während Kristian den noch ausstehenden Teil seiner Massage bekommt. Wer denkt, eine Massage wäre eine rein angenehme Sache, würde spätestens bei Kristians Gesichtsausdruck sehen, dass dem nicht immer so ist. Diese Triggerpunkte – immer wenn du denkst es gibt keinen schmerzhafteren Punkt mehr, findet Torsten eine noch schlimmere Muskelverhärtung. Schön, wenn der Schmerz nachlässt! Der Wein verhilft mir später nicht wie erwartet zu einem besseren Schlaf.

lakata wäscht tim böhme

Teamübergreifendes Waschen: Alban Lakata (Topeak Ergon) spritzt Tim Böhme (Bulls) ab.

Tag 4: Neukirchen-Kaprun

Tag vier bedeutet die letzte Etappe steht auf dem Plan. Man spürt die Ermüdung im Körper und ist froh nicht noch weitere Etappen in Angriff nehmen zu müssen. Sieben oder acht Etappen sind eine große Tortur, ob Amateur oder Profi. Wie sagte Tim Böhme damals sinngemäß zur mir über das Cape Epic mit seinen acht Etappen: Vorm Cape Epic freut man sich auf das Rennen, nach dem Rennen freut man sich es bestritten zu haben, nur während des Rennens ist es richtig, naja, sagen wir bescheiden.

Die letzte Etappe also, danach ist es geschafft. Noch einmal quälen. Am Anfang ein Berg, gefolgt von einer längeren Strecke in der Ebene, dann noch mal 800 hm hoch und wieder runter. Wie erwartet bleibt die Spitzengruppe in der Ebene zusammen. Meine Beine fühlen sich währenddessen nicht sehr gut an: Das kann ja heikel werden! Im letzten Anstieg ist mir das Tempo dann prompt etwas zu hoch. Mein SRM-Leistungsmesser schreit Alarmstufe Rot. Das wird nicht gut gehen. Also lasse ich die Jungs ziehen und fahre meinen eigenen Rhythmus. Das zahlt sich wenigstens etwas aus, denn mit konstanter Fahrt überhole ich noch zwei Fahrer. Platz sechs in der Tageswertung, Rang acht in der Gesamtwertung.

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Der Sieger der vierten Etappe: Jochen Käß von Centurion Vaude.

Ein Top 5-Ergebnis vorgenommen

Ich hatte mir ein Top 5- Ergebnis vorgenommen. Und eigentlich, sind wir doch mal ehrlich, sind wir Rennfahrer erst zufrieden, wenn wir das Rennen gewinnen. Also weiter trainieren. Nach dem Rennen ist vor dem Rennen, wir fahren uns aus. Bei der Hitze ist uns der Weg zu den Duschen zu weit und wir nutzen Peters Wasserschlauch. Nach dem gemeinsamen Essen verschwindet jeder seiner Wege. Die Nordlichter treten die Rückreise an. Bis zum nächsten Mal.
 

Euer Robert Mennen

Robert Mennen am 10.06.2014
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