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Olympia-Tagebuch #3: Max Brandl zurück aus Tokio

Max Brandls Olympia-Rückblick

  • BIKE Magazin
 • Publiziert vor 2 Monaten

MTB-Profi Max Brandl startete vor 1,5 Wochen bei seinen ersten Olympischen Spielen und belegte Platz 21. Wieder zurück in Freiburg gibt er uns Einblicke in seine persönliche Bilanz.

Maximilian Brandl (24) vom Lexware Mountainbike Team war einer von zwei deutschen Fahrern beim Olypischen MTB-Rennen in Tokio . Nach seinem ersten Fazit am Renntag aus Tokio hieß es für Brandl Platz machen für die Bahnrad-Olympioniken. Einen Tag später ging's für Brandl dann wieder zurück nach Deutschland. In seinem dritten Tagebuch-Eintrag zieht er für uns mit etwas Abstand noch einmal Bilanz, was er von seinen ersten Olympischen Spielen mitnimmt:

„Wenn ich zu Hause sitze und die Olympischen Spiele vom Fernseher aus verfolge, ist das ein komisches Gefühl. Einerseits freue ich mich für die Sportler, da ich einige mehr oder weniger persönlich kenne. Aline Rotter-Focken vom OSP in Freiburg zum Beispiel oder Niklas Kaul von einem Event der Sporthilfe. Und ich leide mit, wenn es wie bei Niklas nicht läuft. Aber mir geht auch durch den Kopf, dass es durch Corona schon keine richtigen Olympischen Spiele in dem Sinne waren. Alle anderen zu sehen, wie sie vor leeren Rängen diese wichtigen Wettkämpfe austragen müssen, finde ich schade. Neben den Wettkämpfen ist die Stimmung vor Ort und der Austausch unter den Athleten einzigartig. So hat es mir Manuel Fumic erzählt, der bereits fünf Mal dabei war.

Wir Radsportler waren außerhalb Tokios untergebracht und bei uns kam kaum olympisches Flair an. Dadurch, dass die Wettkämpfe bereits drei Tage nach der Eröffnung stattfanden, nahmen wir nicht an der Eröffnungsfeier teil. Im Deutschen Haus in Tokio selbst ist die Stimmung sicher anders und es gibt mehr Teamgeist, auch zwischen den verschiedenen Sportarten. Bei uns hingegen war alles recht karg ausgestattet. Durch die Regelungen war unser kleines deutsches MTB-Team ziemlich isoliert. Nach dem Rennen mussten wir direkt die Zimmer räumen, als wir im Apartment ankamen, da die Bahnradfahrerinnen und -fahrer anreisten. Das Hotel durften wir nicht verlassen und so fühlte sich alles recht unspektakulär an. Dennoch bin ich sehr froh, dass die Veranstalter diesen Mehraufwand, der durch die Corona-Maßnahmen entstanden ist, auf sich genommen haben und die Olympischen Spiele 2021 trotzdem stattfinden konnten.

Denn die Olympischen Spiele sind das Event, worauf ich gemeinsam mit meinem Team und meinen Teamkollegen lange hingearbeitet habe. 2018 haben wir vom Lexware Mountainbike Team das Projekt zweiter Startplatz bei Olympia in Angriff genommen und sind seitdem einige Rennen gefahren, um genügend Punkte für das Nationenranking zu sammeln. Luca Schwarzbauer, Georg Egger, David List und ich haben viel auf uns genommen, damit einer von uns bei Olympia starten darf. Wenn das nicht geklappt hätte, wäre es sehr schade gewesen.

Auch wenn es sich vor Ort selbst unspektakulär angefühlt hat, wurde mir nach meiner Ankunft in Deutschland wieder bewusst, welche Wirkung die Spiele haben und wie besonders es ist, dabei gewesen zu sein. Bei meiner Rückkehr am Frankfurter Flughafen wurde ich von einer Gruppe aus meinem Heimatverein RSV Wombach mit Deutschlandfahnen und Vereinsfarben empfangen und bejubelt. Anschließend ging es zu meinen Eltern nach Lohr am Main, wo ich unter anderem vom Bürgermeister eingeladen wurde, mich in das Goldene Buch der Stadt einzutragen – was für eine Ehre!

Mit meiner Leistung in Japan bin ich rein mit der Platzierung nicht besonders zufrieden. Trotzdem bin ich froh, wie alles gelaufen ist. Ich hatte mir vorgenommen, mir keinen großen Kopf zu machen und Erwartungen zu entwickeln, die dann eventuell enttäuscht werden würden. Sei es jetzt in Bezug auf die olympische Erfahrung oder auf das Rennen. Das hat geklappt, worüber ich sehr froh bin. Die bisherigen Weltcups liefen nicht besonders gut, aber ich habe mich im Vorfeld nicht unter Druck gesetzt und auch nicht an mir gezweifelt. So konnte ich mit einem gesunden Selbstvertrauen an den Start gehen. Auch wenn ich mit meiner Platzierung an sich nicht zufrieden bin, sehe ich durchaus die mentale Entwicklung, die ich in den letzten Wochen gemacht habe. Auch mit der anspruchsvollen Strecke bin ich echt gut zurechtgekommen, obwohl ich beim Testevent vor zwei Jahren nicht dabei sein konnte und darauf bin ich stolz.

Lynn Sigel,Lexware Mountainbike Team Tokio soll nicht die letzte Olympia-Teilnahme gewesen sein für Max Brandl. Das große Ziel lautet: Paris 2024.

Mit dieser Leistung, Platz 21, wäre ich bei einem Weltcup mit größerem Starterfeld wohl eher um die Top 30 gefahren. In einem Weltcup-Feld gibt es keine so großen Lücken. Aber gerade, wenn die Lücken groß sind und man keine Orientierung hat, ist es schwer, weiterhin mit viel Zug zu fahren. Das habe ich dennoch gemacht und habe in der letzten Runde nochmal 30 Sekunden auf Gerhard Kerschbaumer zugefahren. Leider hat es nicht ganz gereicht, um noch als 20. über die Ziellinie zu fahren.

Seit Montag bin ich zurück zu Hause in Freiburg. Die lange Reise und den Jetlag habe ich gut verkraftet und ich befinde mich wieder zurück im vollen Training. Kommende Woche reise ich mit meinen Nationalmannschaftskollegen nach Serbien zu den Europameisterschaften und Ende des Monats warten mit der WM und dem Weltcup in Lenzerheide direkt zwei weitere Höhepunkte. Für mich ist die Saison noch lange nicht vorbei und ich arbeite hart daran, noch einige Top-20-Platzierungen in diesem Jahr zu schaffen.“

Schlag auf Schlag: Für Max Brandl und die Cross-Country-Elite stehen als nächstes Highlight die MTB-Weltmeisterschaften vom 25-29. August 2021 in Val di Sole an.

Könnte nach seinem Sturz in Tokio und der verpassten Medaille vielleicht doch bei der WM in Val di Sole am Start stehen: Superstar Mathieu van der Poel. Offiziell bestätigt durch sein Team ist der WM-Start des Niederländers allerdings noch nicht.

Themen: Cross CountryMax BrandlOlympia-Tokio-2021Olympische SpieleRace-BlogRennsport


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