Liqui Moly Kalender Liqui Moly Kalender

Liqui Moly Kalender 2019

Was Frauen, Bikes und Zeitreisen verbindet

Sebastian May am 03.08.2018

Was haben „Zurück in die Zukunft“, der Liqui Moly Werkstattkalender und Yeti-Bikes gemeinsam? Scheinbar nicht wirklich viel - oder doch? Nackte Tatsachen und ein Erklärungsversuch.

Um den Zusammenhang zwischen den nackten Models, Yeti-Bikes und "Zurück in die Zukunft" zu verstehen, müssen wir etwas ausholen. Es war einmal: Auf einem einsamen, verregneten Parkplatz steht ein großer weißer Lastwagen. Dichter Rauch entweicht aus der großen Ladeluke an der Rückseite des Lasters. Plötzlich öffnet sie sich. Während der Rauch im Nachthimmel verschwindet, dringen zwei rote Lichter durch das zarte Grau. Ein futuristischer Wagen fährt rückwärts die Ladeluke hinunter. Je näher das Auto dem nassen Boden des Parkplatzes kommt, desto besser zeigt sich die Konstruktion, die sich im Fahrzeug befindet. Im Heck erstreckt sich ein undurchschaubarer Kabelwirrwarr durch die schwarzgraue Karosserie. Ein Kompressor ist inmitten der zahllosen Kabel befestigt. Doch in der Fahrerkabine sitzt niemand. Nur ein alter Mann mit weißem Ganzkörperanzug, zerzausten grauen Haaren und verrücktem Wissenschaftler-Blick steht mit einer Gameboy-großen Fernbedienung neben dem Wagen und begutachtet voller Stolz sein Werk: den modifizierten DeLorean DMC-12.

Der verrückte Wissenschaftler ist Dr. Emmett Brown und dieser DeLorean DMC-12 ist nicht nur irgendein Auto. Es ist die erste funktionierende Zeitmaschine der Geschichte  – zumindest im 1985 erschienenen Hollywood-Blockbuster "Zurück in die Zukunft".  

33 Jahre später. Irgendwo in den Schluchten eines Containerterminals in München-Riem: Die Sonne scheint auf das hochglanzpolierte Äußere eines DeLorean DMC-12. Rudolf Polzer, der Besitzer, (im Foto oben mit Brille) hat den Oldie, der einst Sammy Davis Junior gehörte, penibel restauriert. Die markanten Flügeltüren sind sperrangelweit aufgerissen. Jetzt kommt die erste Verbindung: Vor ihm räkeln sich leicht bekleidete, gutaussehende Frauen. Ihre Blicke sind auf eine Kamera gerichtet. Hinter der Kamera kniet ein Fotograf und knipst fleißig Bilder. Es ist ein Fotoshooting für die 2019er-Ausgabe des berühmt berüchtigten Liqui Moly Werkstatt-Kalenders. Einer jener Kalender, der die Wände und Schränke der Werkstätten vieler KFZ-Unternehmen und Fahrradläden verziert.

Liqui Moly Kalender

Liqui Moly veranstaltete für seinen 2019er-Kalender erstmals ein Auto-Casting: 330 Fahrzeugenthusiasten bewarben sich, um mit ihrem Auto im Kalender abgebildet zu werden. Gewonnen hat der DeLorean DMC-12. Besonderheit: Genau dieser Wagen gehörte einst Hollywood-Legende Sammy Davis Junior. 

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Unterwegs in den Containerschluchten Münchens: im Industrial-Vintage-Style!

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Heiße Modells, heiße Karren: ein Traum für PS-Fans mit Oktan im Blut.

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Behind the Scenes: Ein goldenes Bike und ein mehrköpfiges Foto-Team, das fieberhaft für das perfekte Foto arbeitet.

In Zeiten von Gender Equality, #MeToo und Feminismus mag solch ein Kalender fragwürdig wirken, trotzt er doch nur so von klischeegeballter Männlichkeit: Vintage-Flair, PS-starke Autos und leicht bekleidete Frauen (Apropos - 2019 sind erstmals alle Modelle bekleidet). Dennoch: Es gehört eben auch zu unserer freiheitlichen Kultur, solch nackte Tatsachen an den (meist für die Öffentlichkeit verborgenen) Wänden zu tolerieren, wie wir auch akzeptieren müssen, dass ziemlich viele Leute zu viel Fleisch essen, obwohl wir doch wissen, dass das nicht in Ordnung ist. Und was hat das Ganze jetzt überhaupt mit Mountainbikes zu tun?

Filmgeschichte trifft Bikegeschichte

Das beantworten wir wiederum retrospektiv und gucken wieder zurück in die Vergangenheit. Wir befinden uns mitten im Hollywood der 1980er Jahre: Die Zeit der großen, aufwändig produzierten Blockbuster und berühmten Filmstars. Indiana Jones, Blade Runner, Terminator und viele weitere Action-Klassiker entstehen in dieser Zeit. Ein aufstrebender Regisseur namens Robert Zemeckis und der Drehbuchautor Bob Gale haben eine Vision. Sie wollen einen Film über Zeitreisen drehen. Nur braucht es dafür eine Zeitmaschine. Nach langem Überlegen entscheiden sie sich für einen DeLorean DMC-12, der umgebaut werden soll. 

Genau hier trifft Filmgeschichte auf Bikegeschichte und der verbindende Knoten ist geknüpft. Bei den umständlichen Umbauarbeiten hilft nämlich der junge Mann tatkräftig mit, der später die Kult-Marke Yeti gründen wird: John Parker. Heute wird in der Szene spekuliert: Was hat die Bike-Legende Parker am DeLorean gewerkelt? Hat er den Fluxkompensator gebaut? Hat er die Gastroösophageal-Düsen entworfen? Einer Legende wie ihm sollte es doch möglich gewesen sein, eine solche Zeitmaschine auch in echt umzusetzen… Kaum vorstellbar scheint, dass er nur den Kameraarm für die Innenaufnahmen zusammengeschweißt hat. Aber keiner von uns war dabei, es bleibt Spekulation. Ein bisschen wie beim sagenumwobenen Yeti selbst.

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Die Mountainbike-Legende John Parker in seinen jungen Jahren. Kurios: Parker, der Yeti Cycles Mitte der Achtziger gründete, war selbst kein aktiver Biker. Er liebte viel mehr alte Motorräder. Am aufkeimenden MTB-Sport faszinierte ihn der einzigartige Mix aus Racing, Technik und Rock’n’Roll-Spirit. Parkers Markenzeichen waren die knallbunten Shirts im Batik-Style, die er mit Yeti-Logo bedruckt auch verkaufte. Bevor er sich mit seinen Bikes verewigte arbeitete er als Kulissenbauer in Hollywood.

Fakt ist: 1985, im selben Jahr der Premiere von "Zurück in die Zukunft", in dem der von ihm bearbeitete DeLorean seinen großen Auftritt hat, folgt Parker seiner Leidenschaft und gründet Yeti-Cycles. Eine Marke, die zum Kult, zur Religion, zum Mythos wurde. Mit den innovativen Bikes setzt Yeti im frühen Mountainbike-Rennzirkus neue Maßstäbe. Doch dann kam für Parker alles anders.

Wieder zurück – in die Gegenwart. Yeti baut weiterhin Bikes und ist mit Richie Rude stark in der Rennszene vertreten. Gründer John Parker wurde nach dem Verkauf von Yeti 1996 an die damalige Schwinn-/Scott-Gruppe aus seinem eigenen Unternehmen entlassen, zog sich daraufhin aus der Bike-Branche zurück und schweißte in Hollywood wieder Filmsets zusammen – bis er vor zwei Jahren mit seiner neuen Marke "Underground Bike Works" wieder ins Rampenlicht der Branche trat. Die Bikes sollen nach eigener Aussage zeitlosen Spaß bieten. Wichtig: Bloß keine Racebikes bauen. Dem Optimierungsdrang entfliehen und reine Spaß-Geräte produzieren, ist die Message der jungen Firma, die ein Alu-Hardtail mit Plus-Reifen für knapp 7000 Dollar plant. Mit im Boot: der ehemalige Yeti-Chefschweißer Frank "the Welder" Wadelton und Downhill-Legende und Ex-Yeti-Racerin Missy "the Missile" Giove. Die Wiedergeburt eines Mythos?

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Frank "The Welder" (li.) galt als kreativer Kopf bei Yeti. Er realisierte gegen den Willen des eisernen Stahl-Verfechters Parker auf eigene Faust den Alu-Rahmen A.R.C., der zur Ikone wurde. Hier tüftelt er in seiner Werkstatt an einem vollgefederten Prototypen. 

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Missy Giove gewann in ihrer Karriere nur ein einziges Mal die Weltmeisterschaft, gilt aber für viele als größte Mountainbike-Legende der Neunzigerjahre, was sie vor allen Dingen ihren glorreichen Yeti-Zeiten zu verdanken hat. Im Jahr 2016 wurde sie in die MTB Hall of Fame aufgenommen.

Allen guten Vorsätzen zum Trotz: Einen erfolgreichen Weg in den Fahrradmarkt sucht nicht nur Underground Bike Works, sondern auch die bereits erwähnte Firma Liqui Moly, die ebenfalls hohe moralische Ansprüche an sich stellt und nicht nur Hersteller von Werkstattkalendern oder Automotive-Chemie ist. Neuerdings stellen die Ulmer auch Pflegemittel fürs Bike her: biologisch abbaubares Kettenöl, Bike-Reiniger oder auch Erste-Hilfe-Sets für Reifenpannen: Liqui Moly will mit ihrem Wissen aus der Auto-Branche auch auf dem Bike-Markt zuschlagen.

Zurück zu den nackten Tatsachen

Die Kalender-Mädels sind nicht Statisten eines ausgelebten Sexismus, sie sind keine Objekte, sondern Symbol eines gewissen Lifestyles. Mit verschwitzter, dreckiger Kleidung und einem seichten Ölduft in der Luft, schrauben Hobbybastler und Profi-Schrauber in ihren Werkstätten an Bikes und Autos. Der Werkstatt-Kalender mit seinen Hauptfiguren wird mindestens ebenso verehrt wie die geliebten Schätze, denen man gerade hingebungsvoll die Bremse wartet oder die Kette schmiert. Er ist ein Mythos, der zu dem testosterongesteuerten Erlebnis des Schraubens, des Fertigstellens, des Erschaffens zu gehören scheint, wie das legendäre Feierabendgetränk.

Auch Yeti verkörpert, wie die Kalender, einen Lifestyle. Zeitlose Bikes mit denen man einfach Spaß haben kann. Zwar fürs Rennen entworfen, aber ohne Zeitdruck zu fahren. Und dieser Will-haben-Reflex beim Anblick des Begehrten. Über die etwas mehr als 30-jährige Existenz Yetis lebt dieser Gedanke hinter der Marke immer noch in den Köpfen der Käufer.

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Das Zweirad, bestenfalls in der zweiten Hauptrolle.

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Perfektes Rock 'n' Roll-Image mit amerikanischem Muscle-Car.

Der Streifen "Zurück in die Zukunft" wurde nicht nur wegen seinem flachen Humor ein weltweiter Erfolg in den Kinocharts. Es war die Idee hinter dem Film, die die Zuschauer quasi magisch anzog. Die Idee, dass man in die Zeit zurückreisen und die Vergangenheit zum Besseren richten könne: Das ist es, was die Fans bis heute noch begeistert.

Genau dort liegt auch die Gemeinsamkeit zwischen dem Film, den Bikes und den Mädels im Kalender. Alle drei stehen für eine Idee, für einen Lifestyle, für eine Möglichkeit – für einen Mythos, der noch so einige Geheimnisse in sich birgt.

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Wer genau hinschaut, erkennt im Hintergrund die beleuchteten Messehallen und ein U-Bahn-Schild.

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Auch Kritik muss erlaubt sein: Der Werkzeugwagen im Vordergrund wirkt nicht authentisch.

Für alle, die von den Bildern noch nicht genug haben: hier das Making-Off-Video.

Sebastian May am 03.08.2018