XCO MTB Bundesliga 2018 Freudenstadt XCO MTB Bundesliga 2018 Freudenstadt

Internationale MTB-Bundesliga 2018 Freudenstadt: Rennbericht

Sturmentfesselung

Adrian Kaether am 24.09.2018

Im vorletzten Rennen der MTB-Bundesliga konnten Simon Stiebjahn und Ronjy Eibl die Gesamtführung ausbauen. Sabine Spitz verabschiedete sich als Viertplatzierte von der Bundesliga-Bühne.

Ganz schön stürmisch ging es zu beim vorletzten Cross-Country-Rennen der MTB-Bundesliga am 22./23. September in Freudenstadt. Der Jahrhundertsommer '18 zuckte zuvor noch in seinen letzten Zügen, als am Rennwochenende der nahende Herbst die ersten starken Böen und Regenschauer über Deutschland jagte. Aufgrund der Sturmwarnung wurde das Rennen im baden-württembergischen Freudenstadt um eine auf nunmehr noch sechs Runden verkürzt.

Als Wirbelwind stellte sich in Freudenstadt wieder einmal Bulls-Fahrer Simon Stiebjahn heraus. Der Wahl-Freiburger dominierte die MTB-Bundesliga in den letzten drei Jahren und startete somit auch als Favorit in diese Bundesliga-Schlussphase. Ein Sturz in der zweiten Runde warf Stiebjahn jedoch zurück und zwang den 28-Jährigen erst einmal zur Aufholjagd.

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Verwinkelt: Künstliche Hindernisse erschwerten den Downhill mit sehr engen Kurvenradien.

Max Brandl (Lexware MTB Racing), der gemeinsam mit seinem Teamkameraden, dem ehemaligen BIKE-Junior-Team-Fahrer Georg Egger, dem Esthen Martin Loo (Hawaii Express) und Anton Cooper (Trek Factory Racing) aus Neuseeland in der Spitzengruppe fuhr, bremste ein Boxenstopp wegen eines schleichenden Plattfuß in der vorletzten Runde aus, er wurde Fünfter.

Zu diesem Zeitpunkt war Stiebjahn bereits im Anmarsch. In der letzten Runde schloss er nicht nur die Lücke zu den Führenden, sondern zog gleich vorbei bis an die Spitze. Egger und etwas später Loo konnten noch folgen, während sich Anton Cooper bereits in die Off-Season verabschiedete: "Ich habe heute Nacht sehr schlecht geschlafen, war müde und deshalb in der Spitzengruppe immer nur Passagier. Mein Körper hat entschieden, dass jetzt die Saisonpause beginnt", meinte der Weltranglisten-Sechste später mit einem Lachen im Ziel, das er als Vierter (+0:49) erreichte.

Nach der Abfahrt sah Stiebjahn entspannt zu, wie Martin Loo an ihm vorbeizog. "Das hat mir in die Karten gespielt", meinte Stiebjahn, der sich gleich an Loos Hinterrad geklemmt hatte, um vor der letzten Kurve aus dem Windschatten heraus und vor seinem Kontrahenten als Erster über die Ziellinie zu jagen. Egger wurde Dritter.

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Geschafft: Simon Stiebjahn (rechts) hatte sich vor der letzten Kurve aus dem Windschatten von Martin Loo gelöst und jagte als Erster über den Zielstrich. 

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Das Podium der Männer (v. l.): Anton Cooper, Martin Loo, Simon Stiebjahn, Georg Egger und Max Brandl.

Frauen Elite: Taktik-Spielchen halten Unterhaltungsniveau hoch

Während die Aufholjagd von Simon Stiebjahn bei den Männern das Renngeschehen bestimmte, war es bei den Frauen eher taktisches Geplänkel, das die Spannung hoch hielt. In der zweiten Runde hatte eine rein deutsche Spitzengruppe aus Nadine Rieder (AMG Rotwild MTB Racing) Elisabeth Brandau (EBE-Racing Team) und Ronja Eibl (Gonso-Simplon Racing Team) die Führung übernommen, Sabine Spitz (Wiawis Bikes Pro Team) kauerte mit 25 Sekunden Abstand dahinter.

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Steil und verwinkelt: Die Spitzengruppe im Anstieg. 

Doch Spitz konnte in der vierten Runde aufschließen, weil die Führenden in den flachen Verbindungspassagen zu taktieren begannen. "Mit den Anstiegen bin ich eine Woche nach der Marathon-WM gut klar gekommen, da hatte ich den Rhythmus. Aber dass ich aufschließen konnte, hat damit zu tun, dass die vorne gepokert haben", gab Sabine Spitz später nüchtern zu.

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Keine leichten Bedingungen in Freudenstzadt: Sabine Spitz schießt die Matsch-Rampe herunter.

Am Ende der vierten Runde gelang Ronja Eibl der entscheidende Clou: Sie hatte sich nach einer kurzen Attacke unmittelbar vor dem höchsten Punkt des Anstiegs als Erste in den Downhill geworfen und hatte im folgenden Flachstück bereits 17 Sekunden Vorsprung auf Sabine Spitz rausgeholt. Die Niederländerin Sophie von Berswordt-Wallrabe (Mijnbad Liv/Giant Off-Road Team) konnte inzwischen die rund elf Sekunden hinter Spitz liegenden Brandau und Rieder einholen und startete mit den beiden Deutschen in die Verfolgung.

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Entspannt: In ihrem letzten Bundesliga-Rennen fuhr Sabine Spitz auf Rang vier. "Die Woche war nicht arg mit Training gefüllt", schmunzelte die deutsche Rekord-Meisterin im Ziel.

Eibl, die bereits im Vorjahr noch als Juniorin schnellere Zeiten als die Elite fuhr und auch kürzlich im WM-Rennen der Staffel mit der schnellsten Rundenzeit aller Fahrerinnen glänzte, ließ in Freudenstadt nichts anbrennen, baute ihren Vorsprung weiter aus und feierte schließlich den ersten Bundesliga-Sieg ihrer Laufbahn.

Im Sprint sortierte sich das Verfolgerfeld wie folgt: Brandau wurde Zweite vor von Berwordt-Wallrabe. Mit dem vierten Platz endete die fast 25 Jahre lange und äußerst erfolgreiche Karriere von Sabine Spitz, die sich nun auch von der Bundesliga-Bühne verabschiedete. Rieder komplettierte das Podium auf Rang fünf.

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Die Schnellsten bei den Elite-Frauen (v. l.): Sabine Spitz, Elisabeth Brandauer, Ronja Eibl, Sophie von Berswordt-Wallrabe und Nadine Rieder.

U23 Herren und U19-Klassen

Den Sieg im U23-Rennen der Herren holte sich an diesem Wochenende Tobias Eise, es sollte einer von zwei obersten Podestplätze für den TGV Schotten werden (siehe Junioren). Der kletterstarke Hesse setzte sich in der vorletzten Runde am Berg ab und absolvierte die sechs Runden in einer Zeit von 1:14.46,5 Stunden. Er verwies damit Niklas Schehl (+0.24, Team Bulls) und David List (+0.30, Lexware) auf die Plätze.

Der Deutsche Vize-Meister Moritz Schäb sicherte sich seinen ersten Saisonsieg bei den Junioren und holte damit einen weiteren Triumph für den TGV Schotten. Bei Regen holte er gegenüber dem Zweitplatzierten Leon Reinhard Kaiser (Monheim) 51 Sekunden Vorsprung heraus, weil er den Sieg "unbedingt wollte". Bei dem Vize-Weltmeister Kaiser schwanden erkältungsbedingt die Kräfte zu Ende. Der Franzose Louis Chazaly wurde Dritter, während Benedikt Fritz aus Zusmarshausen auf Platz vier (+1:40) die Gesamtführung verteidigte.

Bei den Juniorinnen setzte sich Emma Eydt (Stevens MTB Racing Team) durch. Die WM-Neunte gewann in 1:00:20 Stunden mit 48 Sekunden Vorsprung auf Leonie Fend und 3:31 Minuten vor Simone Roßberg (beide BIKE Junior Team powered by Bulls).

Alle Ergebnisse des dritten Cross-Country-Rennen der internationalen MTB-Bundesliga in Freudenstadt finden sie  >> hier <<.

Adrian Kaether am 24.09.2018