Grand Raid Marathon 2013 in Verbier: Urs Huber holt das Triple

  • Martin Platter
 • Publiziert vor 7 Jahren

In einem dramatischen Finale konnte Urs Huber die beiden Dominatoren der Mountainbike-Marathon-WM Alban Lakata und Christoph Sauser auf die Plätze verweisen. Der Bulls-Teamfahrer sicherte sich bereits den dritten Sieg am Grand-Raid im Schweizerischen Wallis.

Die Szene im Zielraum in Grimentz war bizarr: Mit finsterer Mine fuhr Urs Huber über die Ziellinie und zeigte zunächst keine Gefühlsregung. Er hatte angenommen, dass er wie im Vorjahr wieder Zweiter geworden war. Bis ihm der Sprecher mitteilte, dass er gewonnen hatte. Huber sackte vor Glück auf der Bühne zusammen wie Roger Federer nach einem Sieg auf dem heiligen Rasen von Wimbledon. Nach 2008 und 2011 zum dritten Mal Sieger des wohl ältesten, prestigeträchtigsten und stimmungsvollsten Mountainbike-Marathons in der Schweiz – und das vor Europameister Alban Lakata und Weltmeister Christoph Sauser!

Huber konnte sein Glück kaum fassen, wälzte sich vom Rücken auf die Seite, schrie vor Freude, stand auf, schrie erneut zum Himmel und stellte sich in Siegerpose abwechselnd dem klatschenden Publikum und den verduzten Fotografen und Journalisten. Danach setzte er sich auf einen Stuhl und fiel einen Moment schluchzend in sich zusammen. Ein Wechselbad der Gefühle, wie es sich auf den letzten sechs von 125 kraftraubenden Kilometern zwischen Verbier und Grimentz abgespielt hatte.

Erbarmungslose 5000 Höhenmeter warteten auf den 125 Kilometern auf die Fahrer.

Erbarmungsloser Abnützungskampf

Während hundert Kilometern hatten sich Huber, Sauser und Lakata einen erbarmungslosen Abnützungskampft geliefert. Aber erst in der letzten langen Steigung in L`A Vieille konnte Seriensieger Lakata der Tempoverschäfung von Weltmeister Sauser nicht standhalten. Gemeinsam nahmen Huber und Sauser die bisher stets entscheidende, lange und sehr steile Laufpassage zum Pas de Lona auf knapp 2800 Metern in Angriff. Übermütig schlug Huber gleich zu Beginn ein hohes Tempo an, zollte jedoch Tribut und wurde langsamer. Auf dem Pass waren beide wieder gleichauf. Auch die letzte Gegensteigung zum Basset de Lona brachte keine Entscheidung.

Gemeinsam bolzten die zwei in die zwölf Kilometer lange Abfahrt Richtung Ziel. Beide wussten, dass der letzte, sechs Kilometer lange Singletrail entscheidend sein würde. Wer dort zuerst hineinfährt, hat den Wettkampf gewonnen. Tatsächlich schaffte es Sauser an Huber vorbeizukommen und als erster in den Track zu stechen. Im ruppigen Gelände war Sauser zudem im Vorteil. Im Gegensatz zu Huber auf einem Bulls-Hardtail fuhr der Berner Oberländer auf einem vollgefederten Specialized Epic.

Die Felgen machten den Unterschied

Doch ein anderer technischer Unterschied sollte letztlich das Rennen entscheiden – und auch ein Quäntchen Glück. Aus Unachtsamkeit blieb Huber mit dem Pedal an einem Stein hängen und stürzte einige Meter den Abhang hinunter. Kaum wieder auf dem Trail, platzte auch noch der Vorderreifen. Auf der Felge holperte der 28-Jährige dem Ziel entgegen. Was er nicht wusste und wahrgenommen hatte: Auch Sauser erlitt auf den letzten Kilometern einen Platten am Hinterrad und stand an der Strecke. Im Gegensatz zu Huber, der an seinem Bike Alufelgen montiert hatte, hielt die Carbonfelge an Sausers Bike der Belastung ohne Reifen über die groben Steine nicht stand und zerbrach. Sauser musste ins Ziel laufen und verlor dabei so viel Zeit, dass ihn auch noch der Österreicher Lakata überholte.

Viel Zeit, seine Freude auszukosten bleibt Huber allerdings nicht. Am Nationalpark Bike Marathon in Scoul am kommenden Samstag kommts bereits zur Revanche...

Mit 2612 Teilnehmer am Start (2791 Angemeldete) war die 24. Auflage des Grand Raid eine sportlich qualitativ hochstehende Ausgabe. Alle Ergebniss zum Grand Raid-Marathon finden Sie hier: www.grand-raid.ch

Schlagwörter: Cristalp grand raid Grimentz Marathon Urs Huber Verbier


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