Farbige Titanrahmen

Buntes für Graues

  • Henri Lesewitz
 • Publiziert vor 3 Jahren

Jahrzehnte lang waren Titanrahmen mausgrau, doch nun kommt Farbe ins Spiel. Nach Firefly und Moots anodisiert auch Pilot Cycles Schriftzüge und Logos. Doch wie kommt eigentlich die Farbe ins Titan?

Beim Wort Titan geraten Freunde zeitloser, strapazierfähiger Mountainbikes in Wallung. Das Material ist ein Symonym für Funktionalität und Langlebigkeit. Es ist zwar nicht so leicht wie Carbon, aber leicht genug für sportliche Marathon-Bikes und dazu noch korrosionsbeständig, zugfest sowie äußerst kratzfest. Ein Material, dem weder Steinbeschuss, noch übelste Rüttelpisten was anhaben kann. Lack ist nicht nötig. Doch genau darum sehen Bilder von Titanbikes auch meist aus wie Schwarz/Weiß-Fotografien. Manche nennen diesen Look „edel“, andere finden das Einheitsgrau eher „trist“. Wer Wert auf farbenfrohe Optik legt, der musste seinen Titanrahmen bisher mit bunten Teilen aufpeppen.

Bunte Schriftzüge und Logos an Titanrahmen werden erst durch das Anodisieren möglich.

Fest in die Titanrahmen „gebrannt“

Es war eine kleine Sensation, als die damals gerade neu gegründete US-Schmiede Firefly vor etwa vier Jahren eine neuartige Farboption präsentierte: Schriftzüge und Dekore, die mit Hilfe eines elektro-chemischen Prozesses direkt auf das Material gebracht werden. Matt schimmernd oder kräftig strahlend. In Grün, Blau, Lila, Braun, Gold. Oder auch kunterbunt gemixt in Regenbogenoptik. Nicht aufgesprüht, sondern fest ins Titan „gebrannt“. Ähnlich der Exloxialschicht bei Aluteilen. Anodisierung nennt sich das Verfahren (Eloxieren ist der spezielle Begriff für die Behandlung von Aluminium). Die anodisierten Schriftzüge waren so etwas wie das Markenzeichen von Firefly. Nun bieten auch andere Titan-Schmieden diese Option an. Moots zum Beispiel. Und neuerdings auch die Holländer von Pilot Cycles. 150 Euro kostet bei ihnen das Anodisieren der Schriftzüge. Auch Sonderwünsche sind möglich. Doch wie funktioniert das eigentlich? Wie kommt die Farbe ins Titan? Pilot hat uns einen exklusiven Blick in die Finish-Abteilung gestattet.

Neun Farboptionen bietet Pilot an (von links): Copper Chrome, Burly Bronze, Purple Haze, True Blue, Cool Blue, Gordon Blue, IC-Blue, Dutch Green sowie – ja wirklich – Urine Yellow. 

Und so geht’s: Zunächst werden die Bereiche, die gefärbt werden sollen, abgeklebt. Dann beginnt das eigentliche Anodisieren: Der Rahmen wird unter Spannung gesetzt. Anschließend werden die Stellen, die farbig werden sollen, mit einer leitenden Flüssigkeit abgetupft.  

Durch die Spannung und die Flüssigkeit wird die Oberflächenstruktur im Titan verändert. Je nach Stromstärke und Spannung verändert sich die Farbe. 

Tupfer für Tupfer färbt sich das Rohr im gewünschten Farbton. 

Die Farbfläche ist fertig. Da sich bei dem Prozess die Oberflächenstruktur verändert hat, ist das Blau wie eingebrannt. Die Farbe ist extrem kratzfest. 

Jetzt kommt das eigentliche Dekor. Dazu werden die Linien und Schriftzüge, die blau bleiben sollen, säuberlich abgeklebt. 

Feinste Details sind möglich. Wichtig ist eine ruhige Hand. 

Der Unterrohr-Schriftzug, der später blau sein wird. 

Jetzt kommt der Rahmen in die Sandstrahlkabine. Die Stellen, die jetzt noch nackt sind, werden nach der Behandlung ein raues Finish haben. Das Blau wird verschwunden sein. Bis auf die Stellen, die abgeklebt sind. 

In der Kabine herrscht Sandbeschuss wie bei einem Saharasturm. Das Anarchy-Logo auf dem Oberrohr sowie der "Always the Hard Way"-Schriftzug sind Sonderwünsche. Pilot Cycles realisiert so etwas für zirka 60 Euro Aufpreis. In diesem Fall hier wird das Sonderdekor einfach gesandstrahlt. Anodisierte Dekore sind aber auch möglich.  

Schutzfolien abziehen, fertig! 

Blaue Anbauteile runden den Titanrahmen mit blauem Schriftzug ab.

Themen: CustomLackierungMootsPilotRahmenTitan


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