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Enduro World Series: Dopingsperre für Martin Maes

Martin Maes vorübergehend gesperrt

Ludwig Döhl am 28.06.2019

Am Wochenende findet der vierte Lauf der Enduro World Series 2019 statt. Überflieger Martin Maes wird in Canazei aber nicht starten. Die UCI hat den Belgier wegen eines positiven Dopingtests gesperrt.

Seitdem regelmäßige Dopingkontrollen bei den Rennen der Enduro World Series durchgeführt werden, überschlagen sich die Ereignisse im Enduro-Rennzirkus. Bereits vergangenes Jahr verhedderten sich die beiden Seriensieger, Kumpels und langjährigen Teamkollegen Jared Graves und Richie Rude im Netz der Dopingfahnder. Jetzt muss sich Gravity-Überflieger Martin Maes öffentlich für einen positiven Dopingbefund rechtfertigen.

Enduro World Series #3 2018: Montagne du Caroux

Gerade die Besten der Besten müssen zur Dopingkontrolle. Von rechts: Jared Graves, Richie Rude und Greg Callaghan.

Hat Martin Maes wirklich gedopt?

Wenn es um Ausreden nach einem positiven Dopingbefund geht, beweisen Sportler besondere Kreativität. Auch Richie Rude und Jared Graves versuchten, die Schuld für ihre positiven Dopingbefunde aus 2018 über verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel abzuwälzen. Ein Klassiker. 

Im Gegensatz zu so manch unplausibler Erklärung in der Vergangenheit, erklärt Martin Maes nachvollziehbar, wie es zu seinem positivem Dopingtest kam. Eine Unterschenkelverletzung, die sich der Belgier im Frühjahr 2019 während eines Enduro-Rennens in Neuseeland zugezogen hatte, wurde mit einem Medikament (Wirkstoff: Probenecid) behandelt. Weil sich die Wunde entzündete, verabreichte ihm der Rennarzt das Mittel, welches letztendlich zum positiven Dopingbefund führte. Die Leistung wurde durch dieses Medikament nicht gesteigert. Im Gegenteil: Martin Maes musste das Rennen vorzeitig beenden. Die positive Dopingprobe von Maes wurde wenige Wochen später beim EWS-Rennen in Tasmanien erhoben.

Dr. Tom Jerram, der Rennarzt des NZ-Enduro-Rennens, hat Maes damals das entsprechende Medikament verschrieben und erklärt die Sachlage wie folgt: 

„Martin hatte eine Unterschenkelverletzung erlitten, die sich während seiner Teilnahme an der Neuseeland Enduro (8.-10. März 2019) zu einer schweren Infektion entwickelte. Die Infektion verschlechterte sich trotz der verabreichten Antibiotika-Standarddosen und sie hatte das Potential, lebensbedrohlich zu werden. Die Ärzte der Neuseeland Enduro entschieden sich dafür, Probenecid zu verabreichen, das häufig zur Erhöhung des Blutspiegels von Antibiotika des Typs Penicillin verschrieben wird, und es erwies sich bei der Behandlung von Martins Infektion als effektiv. Es ist ein allgemeiner Bestandteil aller unserer Praktiken, dieses Arzneimittel bei schweren Infektionen zu verabreichen. Zu dem Zeitpunkt war weder dem freiwilligen medizinischen Team, noch Martin bewusst, dass sich Probenecid auf der Liste der verbotenen Substanzen befindet. Es hat keine leistungssteigernden Wirkungen, und tatsächlich war Martins Leistung in den folgenden Wochen aufgrund der Schwere der Infektion wahrscheinlich beeinträchtigt.“

Auch der deutsche Enduro-Meister Christian Textor bestätigt diese Erklärung:

Facebook-Post Textor zu Dopingbefund Martin Maes

Martin Maes wird 90 Tage gesperrt

Trotz der nachvollziehbaren Erklärung, wie es zur positiven Dopingprobe von Martin Maes kam, wird der Belgier von der UCI mit einem 90 Tage langen Wettkampfverbot sanktioniert. Beim EWS-Rennen dieses Wochenende in Canazei wird Maes deshalb nicht am Start stehen. Maes Siege bei den EWS-Läufen in Tasmanien und Neuseeland werden ihm aberkannt. Außerdem muss er 2500 Schweizer Franken Strafe an die UCI bezahlen. Martin Maes selbst reagiert auf seinem Facebook-Account traurig:

Maes ist raus – Richie Rude wieder dabei

Schicksal oder Zufall. Martin Maes wird in nächster Zeit keine Rennen mehr fahren, Richie Rude erklärt währenddessen, dass er beim EWS-Rennen in den Dolomiten sein Comeback geben wird. Die neuesten Dopingbefunde aus dem Enduro-Zirkus machen vor allem eins deutlich: Die noch junge Sportart Enduro hat ähnliche Probleme wie alle Radsportarten. Athleten und Teams müssen sich dringend mit den Dopingregularien auseinandersetzen und mehr Professionaltät an den Tag legen.

EWS Chile 2016

Martin Maes und Richie Rude (von links): Die beiden schnellsten Enduro-Racer der Welt müssen sich öffentlich für positive Dopingbefunde rechtfertigen. 

Ludwig Döhl am 28.06.2019

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