EWS #4 2016 La Thuile EWS #4 2016 La Thuile

Enduro World Series #4 in La Thuile: Rennbericht

Comeback von Sam Hill in der EWS?

Adrian Kaether am 20.07.2016

Beim EWS-Stopp im italienischen La Thuile dominierten wieder Richie Rude und Cecile Ravanel. Doch auch Sam Hill schlug sich gut und holte seine zweite Podiumsplatzierung der Saison.

Das vierte Rennen der Enduro World Series 2016 wird als das unangefochtene Saisonhighlight 2016 in die Geschichte eingehen. Und das nicht nur, weil es in dem natürlich großartigsten Gebirge der Welt – den Alpen – stattfand, sondern weil es auch trotz der Dominanz von Richie Rude und Cecile Ravanel eines der spannendsten Events in der EWS-Geschichte überhaupt war.

Und ganz ehrlich gesagt: Was kann bei einem solchen Austragungsort schon schiefgehen? La Thuile liegt im Süden der Westalpen und ist im Winter ein beliebtes Skigebiet. Der Mont Blanc heißt hier zwar Monte Bianco thront aber dennoch majestätisch über dem Panorama. Per Skilift konnten die Fahrer ein paar der Höhenmeter umgehen, denn auch so war das Enduro-Rennen konditionell eines der härteren Sorte.

Mehr als 2400 Tiefenmeter am ersten Tag

EWS #4 2016 La Thuile

Cecile Ravanel war trotz mehrer Crashs nicht zu stoppen.

Alleine am ersten Tag mussten mehr als 2400 gemessene Tiefenmeter im Renntempo überwunden werden. Dabei auf Stage 1 und 3 jeweils mehr als 900, nur Stage zwei ließ den Fahrern mit 670 Tiefenmeter etwas Zeit zum "Ausruhen". La Thuile war ohne Zweifel schon nach dem ersten Tag eines der härtesten Events der Rennserie. Lange, steile Stages forderten Fahrtechnik und Kondition, beides in extremem Maße. Das sorgte selbst beim stiernackigen Richie Rude für heftigen Arm-Pump. Außerdem mussten sich alle Fahrer die 900 Höhenmeter der ersten Stage komplett auf eigene Faust erkurbeln, wurden dafür aber in hochalpinem Terrain vom Panorama in Atem gehalten.

Das gefiel auch den Gaststartern, die man sonst eigentlich eher aus dem Downhill kennt. Sam Hill gab sich nach seinem zweiten Platz bei der EWS in Irland wieder die Ehre, auch Troy Brosnan nutzte das Rennen als Trainingsmöglichkeit. Etwas persönlicher Ehrgeiz, sich es auch im Enduro zu beweisen hat ihn sicherlich gleichermaßen angetrieben. Das Downhill-Trio wurde von Miranda Miller komplettiert, die beim DH-Worldcup in Leogang hinter Seagrave und Atherton auf Platz drei fuhr. Außerdem mischte Fabien Barel trotz seines Rückzuges wieder einmal in der Serie mit, nur Martin Maes, Anneke Beerten und Tracy Moseley mussten verletzungsbedingt verzichten.

Rude und Ravanel dominieren das Rennen

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Jerome Clementz kann zwar nicht mehr an seine Spitzenleistungen von vor ein paar Jahren anknüpfen, doch für konstante Top 10-Resultate reicht es immer noch. Und steter Tropfen hölt den Stein. Im Gesamtranking liegt er auf Platz drei.

Es scheint, als wären sowohl Richie Rude als auch Cecile Ravanel nicht mehr zu bremsen. Beide konnten alle drei Stages des ersten Tages für sich entscheiden, obwohl man der Konkurrenz einen Mangel an Können oder Wollen nun wirklich nicht vorwerfen kann. Auf Stage drei deklassierte Richie Rude die Elite des Männerfeldes sogar mit mehr als 30 Sekunden Vorsprung vor seinem nächsten Verfolger Sam Hill. Der konnte allerdings mit zwei zweiten Plätzen auch mehr als zufrieden sein. Beste Deutsche wurde Ines Thoma, trotz Verletzung mit landete sie auf Platz acht. Sie liegt damit auf dem dritten Gesamtrang.

Cecile Ravanel stürzte zwar mehrfach, machte in ihrer Zeit im Sattel aber offensichtlich die verlorene Zeit problemlos wieder gut. Besonders geärgert haben wird sie sich nach dem Crash auf Stage 1, auf der Jared Graves noch mit dem Trackwalk beschäftigt war. Beide wichen in dieselbe Richtung aus und donnerten ineinander. Ein wirklich unnötiger Unfall, doch ihrem ersten Platz konnte das nichts anhaben. Das steile und technisch anspruchsvolle Terrain scheint ihr wirklich sehr zu liegen.

Fotostrecke: EWS #4 2016: La Thuile

Sam Hill unterbricht Dominanz von Rude

Tag zwei brachte auf drei weiteren Stages viele weitere Höhenmeter und bei den Damen konnte Cecile Ravanel schon wieder alle Stage-Siege einfahren. Besonders bemerkenswert war aber an diesem Renntag Stage fünf. Sie startete im hochalpinen Gelände, führte dann aber bald hinunter in einen Wald, in dem sich große Felsbrocken mit unzähligen Riesenwurzeln abwechselten. Das allein sind Enduro-Racer gewohnt, doch wenn dann auch noch enge Kehren hinzukommen, wird selbst die Elite zum unkontrollierten Absteigen über den Lenker gezwungen.

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Über das Panorama konnte Jared Graves sich nicht freuen. Auf Stage 1 hatte er eine unglückliche Begegnung mit Cecile Ravanel, später platzte sein Reifen. Entnervt gab er auf.

Hier glänzte Sam Hill. Das steile, verblockte und technisch extrem anspruchsvolle Gelände lag dem Downhill-Profi. Er holte sich mit nur 1,17 Sekunden Vorsprung vor Richie Rude den Sieg. Auch sonst konnte er seine fahrtechnische Raffinesse wieder zu seinem Vorteil ausspielen, so dass er am Ende des Tages schon zum zweiten Mal in diesem Jahr auf Platz zwei des EWS-Podiums kletterte. Jerome Clementz wurde Achter, Troy Brosnan landete auf Platz 16.

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Sam Hill in Action: In den steilen Passagen von Stage 5 wies der australische Ausnahme-Downhiller sogar Enduro-König Richie Rude in die Schranken. Wenn auch nur um 1,17 Sekunden.

Den Sieg in La Thuile holte natürlich Richie Rude, Platz drei ging an Damien Oton, der nach seinem verletzungsbedingten Ausfall in 2015 dieses Jahr wieder eine starke Saison fährt. Gleich von Null auf Hundert ging bei den Frauen Andreane Lauthier Nadeau. Die Kanadierin war seit dem Training der EWS #1 in Chile verletzt und hatte auf eine Top 20-Platzierung in La Thuile gehofft. Am Ende reichte es für Platz drei. Der Sieg ging an Cecile Ravanel, Platz zwei ging an Isabeau Courdurier, die damit ihr bestes Ergebnis überhaupt einfährt. Schon fünf Mal war sie auf Platz drei gefahren, doch der nächste Schritt blieb ihr immer verwehrt. Bis jetzt.

Fährt Sam Hill jetzt dauerhaft Enduro?

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Im Downhill ist Sam Hill nun schon länger ohne Glück, doch Enduro scheint ihm zu liegen. Steigt er um?

Nachdem Sam Hill im Downhill-Worldcup schon seit längerem nicht mehr an die Topfahrer heranreicht, kann man sich fragen, ob Enduro für ihn jetzt der nächste Schritt ist. Zunächst bleibt der Enduro-Sport für ihn offiziell nur Beiwerk. An der EWS in Colorado will er nicht teilnehmen, an den restlichen Stopps der EWS-Serie dagegen schon. „Erfahrungen sammeln und vielleicht ein paar Podiumsplätze“, das ist sein Ziel für diese nächsten Rennen. Auf die Frage, ob er jetzt auch des Vortriebs wegen auf Klick-Pedale umsteigt, reagierte er in typischer Sam-Hill-Manier: „Nein auf keinen Fall. Würde ich mit Klicks fahren, dann würde ich wahrscheinlich jetzt noch in irgendeinem Busch neben der Strecke stecken.“ Keine Klicks für Sam Hill also, aber ein „paar Podiumsplätze“, das klingt doch auch nach einer längerfristigen Perspektive.

Hier die ausführlichen Ergebnisse der EWS 2016 in La Thuile.

Adrian Kaether am 20.07.2016
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