Eine grüne Hölle? Eine grüne Hölle? Eine grüne Hölle?

Enduro World Series #3 2017: Madeira

Eine grüne Hölle?

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 4 Jahren

Die Diversität der Trails machte den Enduro-Racern bei der EWS auf Madeira zu schaffen. Viele technische Defekte bestimmten das Rennen. Am Ende gewann einer, der schon häufig mit Konstanz glänzte.

Madeira ist ein wahres Paradies für Mountainbiker. Wer am Vorabend nicht zu viel von der lokalen Rum-Produktion gekostet hat, kann hier an einem Tag alles erleben, was Biker glücklich macht. Flowige Trails, Wurzel-Pfade, verblockte Passagen, schmale Trails, kurvige Trails und Abfahrten, die gar kein Ende mehr nehmen wollen in einem Urwald, der mehrere Tausend Jahre alt ist. Dazu oft eine majestätische Sicht über die grüne Insel und das blaue Meer und am nächsten Tag gleich wieder von vorne.

Grüne Insel oder grüne Hölle?


Doch für die Rennfahrer in der Enduro World Series verwandelte sich das grüne Paradies über Nacht in eine grüne Hölle. Die Diversität der Trails und der ständig wechselnde Untergrund forderte die Erfahrung der Piloten aufs Äußerste, allen gemeinsam war nur das geringe Grip-Level durch den Regen am Vortag, die Tannennadeln und die lockere Erde im Wald.

Enduro World Series Adrien Dailly holte drei der vier Stage-Siege an Tag eins. Ein platter Reifen und etwas Pech machten jedoch alle Hoffnungen auf eine gute Platzierung zunichte.


Die flowigen Trails wurden für das Rennen bewusst gemieden, dafür kredenzten die Veranstalter mit Stage sieben eine ehemalige Downhill-Strecke. Auch die Stages drei und sechs hatten es in sich und sollten am Ende rennentscheidend sein. Insgesamt waren ganze neun Wertungsprüfungen zu bewältigen, fast 100 Kilometer weit wurden die Racer in zwei Tagen über die Insel gescheucht.

Thomas Lapeyrie erwischt einen guten Start – drei Siege in Folge für Dailly


Einen starken Start legte Thomas Lapeyrie hin, der sich auf der ersten Stage den Sieg schnappte, während ihm Jared Graves und Damien Oton mit einigem Abstand folgten. Doch eine Stage alleine gewinnt kein Rennen und die restlichen Stages des Tages gingen an Nachwuchstalent Adrien Dailly, der sich gleich drei Mal in Folge den ersten Platz sicherte. Doch ganz oben auf dem Podium stand nach dem ersten Tag trotzdem ein anderer.

Enduro World Series Auf Stage drei wurden viele von Platten erwischt. Auch Jerome Clementz und Jared Graves waren betroffen.


Jesse Melamed. Der Kanadier hatte zwar keine Stage gewonnen, doch seine konstant guten Platzierungen führten zu einer besseren Gesamtzeit. Auf Platz drei hinter Adrien Dailly brachte sich Greg Callaghan bereits in Lauerstellung, bei den Damen hatte Cecile Ravanel wieder jede einzelne Stage gewonnen. Ihr folgten Isabeau Courdurier und die Privat-Racerin Noga Korem aus Israel.

Enduro World Series Trotz eines Platten auf Stage 3 gab Jared Graves weiter Gas. Es lohnte sich, am Ende reichte es sogar für Platz vier.

Stage 7: Die Entscheidung


Die Entscheidung fiel am Ende auf der gefürchteten Stage sieben. Der Strecke, die vor zehn Jahren noch als Downhill-Piste bei den portugiesischen Meisterschaften genutzt wurde. Einige wenige offene und schnelle Abschnitte, meistens fiese Wurzeln, Steinfelder und enge Kurven. Jesse Melamed hatte einen Platten, pushte aber weiter bis auch die Felge klein beigab und Melamed zur Aufgabe gezwungen wurde. Adrien Dailly ging es kaum besser. Auch er hatte einen Platten und kam nur als 122. durchs Ziel. Sogar EWS-Champ Richie Rude wurde auf den letzten Metern ausgehebelt und schlug heftig ein. Doch der Amerikaner schüttelte sich nur, stieg wieder auf, beendete die Stage auf Platz 52 und holte dann auf den Stages acht und neun den Sieg.

Enduro World Series Martin Maes ist endlich wieder zurück. Auch bei den ersten Rennen in diesem Jahr war der Belgier schon schnell, mit Platz zwei ist er endgültig an die Spitze zurückgekehrt. Nur fünf Sekunden fehlten nach fast 50 Minuten auf Greg Callaghan.

Doch der Gesamtsieg ging an jemand anderen. Einen stillen Helden, mit nur einem einzigen Stage-Sieg, doch eben jener auf der gefürchteten Stage sieben. Greg Callaghan vom Cube Action Team verstand es, in Madeira bis ans Limit zu gehen und zu pushen, doch es nicht zu übertreiben und so allen technischen Problemen aus dem Weg zu gehen. Wieder einmal zeigte der Ire eine besonders konstante Leistung, die ihn bei einer Prüfung wie in Madeira am Ende zum Sieg führte. Auf Platz zwei, am Ende nur fünf Sekunden hinter Greg Callaghan, landete Martin Maes, Platz drei ging an Damien Oton. Jared Graves und Sam Hill holten die Plätze vier und fünf.

Enduro World Series Damien Oton. Auch der Franzose auf Devinci ist ein sehr konstanter Fahrer. Das konnte er auf Madeira in Platz drei übersetzen.

Enduro World Series Auf Stage sieben holte Greg Callaghan den Sieg, doch sonst war er nicht im Rampenlicht. Am Ende entschieden seine konstant schnellen Zeiten das Rennen trotzdem für ihn.

Cecile Ravanel fährt sicher zum Sieg – Noga Korem auf Platz drei


Bei den Damen holte sich Cecile Ravanel auch am zweiten Tag noch drei weitere Stage-Siege und zementierte damit ihren Erfolg. Platz zwei ging an Isabeau Courdurier, doch die echte Überraschung war Platz drei. Noga Korem ist Privatierin aus Israel und hat so nicht einmal ein echtes Rennteam im Rücken. Und doch gelang es ihr, sich bei ihren ersten beiden EWS-Rennen in Rotorua und Tasmanien bis in die Top 5 vorzukämpfen. In Madeira setzte sie noch eins drauf und holte sogar vor Ines Thoma Platz drei. Wer weiß, was man von ihr noch erwarten kann.

Alle Ergebnisse zur EWS auf Madeira auf der Website der Enduro World Series.

Enduro World Series Raphaela Richter fuhr ihr erstes Rennen in der Damen-Klasse. Platz 10 ist ein gutes Ergebnis.

Enduro World Series Miranda Miller fuhr auf Stage 7 zum Sieg. Insgesamt wurde es Platz fünf.

Themen: Cecile RavanelEnduro World SeriesGreg CallaghanMadeiraRichie Rude


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