DH Worldcup #6 2016 Mont-Sainte-Anne DH Worldcup #6 2016 Mont-Sainte-Anne

Downhill Worldcup #6 in Mont-Sainte-Anne: Rennbericht

Danny Hart holt Worldcup Sieg Nr. 2

Adrian Kaether am 08.08.2016

Lange haben wir auf einen Worldcup-Sieg von Danny Hart gewartet. Nun scheint er nach seinem Sieg in Lenzerheide den Dreh raus zu haben. Bei den Damen ist und bleibt Rachel Atherton weiter unschlagbar.

Schon seit dem Jahr 1993 gastiert der Downhill-Worldcup auf der ikonischen Strecke von Mont-Sainte-Anne. Nur eine halbe Autostunde von Quebec entfernt bietet die Strecke ein wahres Feuerwerk an superlativen. Sie gehört zu den längsten Strecken des Worldcups überhaupt, konfrontiert die Fahrer mit zwei der heftigsten Rockgardens, bietet mit dem Stevie Smith Drop den Zuschauern ein unvergleichliches Spektakel und ist, seit 2016 auch die schnellste Strecke des Worldcup Kalenders. Mehr als 75 km/h erreichen die Topfahrer auf der langen aber steinigen Graden des Kurses.

Kein Wunder also, das selbst die Weltelite des Downhills in Training und Qualifiying nicht unversehrt blieb. Tracey Hannah stürzte gleich mehrfach, Tahnee Seagrave nur einmal, dafür ziemlich heftig. Myriam Nicole verstauchte sich den Knöchel derart, dass sie im Rennen nicht einmal starten konnte. Bei Loïc Bruni verabschiedete sich im Qualifying die Luft aus dem Reifen, auch Josh Bryceland blieb nicht unversehrt. Doch im Rennen lief dann alles glatt. Für die meisten jedenfalls.

Rachel Atherton sichert sich den Gesamtsieg

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Rachel Atherton bleibt weiterhin unschlagbar und hat sich damit schon jetzt den Gesamtsieg für die Worldcup-Saison 2016 gesichert. Nur noch zwei Siege trennen die Britin von der perfekten Saison.

Auch zu Beginn des Rennens sah es nicht so aus, als ob Rachel Atherton in Mont-Sainte-Anne würde entthront werden können. Schon die Zeiten im Qualifying wiesen große Differenzen auf, Myriam Nicole war aufgrund ihrer Verletzung am Fuß bereits raus und Tahnee Seagrave schien nach ihrem Sturz ebenfalls als wichtigste Favoritinnen für diesen Job aus dem Rennen zu sein. Es blieb also an Manon Carpenter und Miranda Miller, Rachel Atherton endlich aus dem Hot Seat zu verdrängen.

Doch wieder einmal kam alles ganz anders. Miller und Carpenter lieferten zwar solide Runs um die 4:50 Minuten ab, doch ausgerechnet Tahnee Seagrave und vor allem Tracey Hannah konnten diese Zeiten toppen. Auch wenn Tahnee Seagrave nach eigener Aussage den Berg nur locker "runtergerollt" war – sie startete der Punkte im Gesamtranking wegen trotz Sturz – so war sie doch um Haaresbreite schneller als Manon Carpenter. Und Tracey Hannah konnte sogar mit einer Zeit von 4:48,6 Minuten alle anderen Zeiten deutlich unterbieten. Von ihren Stürzen war jetzt absolut nichts mehr zu spüren. Das Talent der Australierin für schnelle, staubige Strecken zahlte sich hier mal wieder aus.

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Tracey Hannah hatte ein turbulentes Wochenende hinter sich. Mehrfach stürzte sie im Training, im Rennen lief dann alles glatt. Sie wurde Zweite hinter Rachel Atherton.

Rachel Atherton war jedoch mal wieder in ihrer ganz eigenen Liga. Mit einer Zeit von 4:37,488 Minuten deklassierte sie ihre Konkurrenz mit einem Abstand von mehr als zehn Sekunden. Was macht die Britin so schnell? Ihr hartes physisches und mentales Training? Die Rides mit Bruder Gee als Trainingspartner? Das professionelle Unterstützung des Trek Factory Racing Teams oder die gute Stimmung? Sicher von allem etwas, und es sieht ganz so aus, als würde Rachel Atherton auf die perfekte Saison zusteuern. Sie hat bisher jedes Rennen in diesem Jahr gewonnen und sich damit schon jetzt, vor dem Beginn des letzten Rennens des Worldcups 2016 vorzeitig den Gesamtsieg gesichert.

Comeback von Loïc Bruni

Auch der Gesamtführende bei den Männern, Aaron Gwin, hätte in Mont-Sainte-Anne die Worldcup-Saison 2016 für sich entscheiden können. Die schnellste Zeit im Qualifying hatte er schon, nur das Rennen musste jetzt noch perfekt für ihn laufen. Pech im Qualifying hatte dagegen Loïc Bruni. Schon im oberen Teil der Strecke platzte sein Reifen, er war damit am Renntag einer der ersten Männer, die im Startgate standen.

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Weltmeister Loïc Bruni lieferte in Mont-Sainte-Anne ein eindrucksvolles Comeback. Von seiner Verletzung war jedenfalls nichts mehr zu spüren.

Zuvor hatte George Brannigan mit einer Zeit von 4:05,571 Minuten kräftig vorgelegt. Der Sieger des letzten Jahres, Josh Bryceland, blieb mit 4:11 Minuten vollkommen außer Reichweite. Und schon legte Bruni los. Von Zurückhaltung mit Rücksicht auf seine erst kürzlich verheilte Schulter war beim Weltmeister aus Frankreich keine Spur. Es schien, als würde er den ganzen Frust wegen der verpassten Rennen an die Kurbeln und die Strecke weitergeben. Mit einer Zeit von 4:00,792 Minuten konnte er es sich im Hot Seat länger bequem machen, denn so schnell sollte ihn da niemand mehr vertreiben. 

Hat Danny Hart den Dreh jetzt raus?

Es folgten einige bemerkenswerte Runs. Den spektakulärsten Versuch, die Zeit von Bruni zu unterbieten, unternahm Brook MacDonald alias "Bulldog" und machte damit seinem Namen alle Ehre. Loris Vergier war der erste, der Brunis Zeit zumindest in Sektor eins unterbieten konnte, dann platzte jedoch sein Hinterreifen. Luca Shaw bewies wieder einmal, dass er zu Recht als Star von morgen gehandelt wird und platzierte sich mit einer 4:03er-Zeit auf Augenhöhe mit Größen wie Troy Brosnan oder Greg Minnaar.

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Brook "the Bulldog" MacDonald machte seinem Namen alle Ehre. Der Neuseeländer versuchte, sich die Physik durch seine schiere Körperkraft Untertan zu machen, und sorgte so für einen der spektakulärsten Runs des Wochenendes.

Aber erst Danny Hart wurde Loïc Bruni wirklich gefährlich. Es schien, als hätte der Brite, auch bekannt als "Redcar Rocket", endlich den goldenen Weg gefunden. Nach seinem Sieg in Lenzerheide wurde er im Qualifying hinter Aaron Gwin nur knapp Zweiter, im Rennen drehte er dann richtig auf.

Schnell aber trotzdem smooth jagte Hart über die direktesten Lines und wurde belohnt. 3:59,754 standen am Ende auf der Uhr, die einzige Zeit des Tages unterhalb der Vier-Minuten-Marke. Bangen musste Hart dann noch einmal beim Run von Aaron Gwin. Doch den Sieg konnte ihm der Kalifornier nicht mehr nehmen, mit einer Zeit von 4:00,423 erreichte Aaron Gwin nur auf Platz zwei das Ziel.

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Aaron Gwin war in Mont-Sainte-Anne extrem schnell und schlug auch die Zeit von Loic Bruni. Doch Danny Hart war noch schneller, wenn auch nur um einen Wimpernschlag.

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Danny Hart hatte seit seinem Weltmeistertitel in Champéry 2011 kein großes Rennen mehr gewonnen. Mit seinem Sieg beim letzten Worldcup in Lenzerheide war der Fluch gebrochen. Der Brite war in Mont-Sainte-Anne nicht aufzuhalten.

Adrian Kaether am 08.08.2016
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