Französischer Doppelsieg in Lenzerheide Französischer Doppelsieg in Lenzerheide Französischer Doppelsieg in Lenzerheide

Downhill Worldcup 2019 #7 Lenzerheide: Rennbericht

Französischer Doppelsieg in Lenzerheide

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor einem Jahr

Die neu gesteckte Strecke und durchwachsenes Wetter prägten den Downhill-Worldcup in Lenzerheide. Hannah und Cabirou überzeugten im Nebel, bei den Männern war Pierron in Bestform.

Die Lenzerheide ist insbesondere im Sommer eigentlich ein ziemliches Sonnenloch, mitten in den Alpen. Dieses Jahr warteten aber dichter Nebel, Wolken und immer wieder Regen auf die Fahrer im Downhill-Rennen. Außerdem wurde die Strecke sowohl im oberen, als auch im mittleren Bereich neu abgesteckt, was auch bei den Worldcup-Veteranen etwas Eingewöhnungszeit in Anspruch nahm.

Hoffmann mit Plattenpech: Hannah und Cabirou machen's unter sich aus


Im Rennen der Damen war eigentlich von Anfang an klar, dass Marine Cabirou und Tracey Hannah den Sieg mit großer Wahrscheinlichkeit unter sich ausmachen würden, wenn nicht Nina Hoffmann ihren Platz zwei aus der Qualifikation auch ins Finale würde übertragen können. Doch die Deutsche hatte wieder Pech, fand in keinen guten Rhythmus, machte Fehler, fuhr sich den Hinterreifen platt und landete dann auch noch im Dreck. Ein Rennen, das man vielleicht mehr als eine Erfahrung werten muss.


Mehr Glück hatte dagegen Lokalmatadorin Emilie Siegenthaler. Die Schweizerin kennt die Strecke in Lenzerheide wie ihre Westentasche und wurde dadurch in den ersten Kurven durch den starken Nebel kaum behindert. Sie leistete sich wenig Fehler und brachte mit einer Zeit von 3:41,389 eine Zeit ins Ziel, die viele andere Damen nicht schlagen konnten.

Emilie Siegenthaler fuhr beim Heimweltcup eine Top-Zeit nach Hause.

Cabirou fängt heftigen Rutscher ab


Jedenfalls bis Marine Cabirou auf die Strecke ging. Die Französin bewegte sich hart am Limit, landete mehrfach fast im nächsten Baum, rutschte dann vor dem fiesen „Tschäffs Plunge“-Drop auch noch heftig mit dem Heck weg. Doch sie tat, als wäre nichts gewesen und nahm eben die B-Line, auf der sie selbst im Vergleich mit Tracey Hannah keine Zeit verlor.

Tracey Hannah war unglaublich schnell. Aber Marine Cabirou war nicht nur spektakulärer, sondern auch noch zwei Zehntelsekunden schneller. Trotzdem. Ein denkbar knappes Ergebnis.

Das Podium der Damen: Kate Weatherly, Tracey Hannah, Marine Cabirou, Emilie Siegenthaler und Camille Balanche (von links).


Ganze sieben Sekunden schneller als Emilie Siegenthaler erreichte sie das Ziel und trotz vollem Risiko von Seiten Tracey Hannahs war da auch die Australierin machtlos. Ihr Run verlief zwar anders als der von Marine Cabirou. Fast vollständig ohne Fehler, doch sie ging anscheinend nicht genug Risiko und musste sich am Ende um nur 0,26 Sekunden geschlagen geben. Emilie Siegenthaler landete damit auf Rang drei, Kate Weatherly aus Neuseeland und Europameisterin Camille Balanche rundeten das Podium ab.

Ein bisschen außer Kontrolle, aber verdammt schnell: Marine Cabirou.

Weniger Nebel im Herren-Rennen: Payet und Wilson überzeugen


Bei den Männern dann klarte der Himmel gerade im oberen Teil der Strecke wieder ein bisschen auf. Der Nebel hob sich, die Fahrer wurden auch in den ersten Kurven wieder sichtbar, die Strecke wurde schneller und schneller. Denn obwohl vereinzelte Steine und Wurzeln noch länger feucht blieben, trocknete der Rest der Strecke rasend schnell und bot bald den perfekten Untergrund für grobstollige Downhill-Reifen. Flo Payet und Reece Wilson waren die ersten, die die guten Bedingungen zu ihren Gunsten nutzten konnten und fuhren kurz hintereinander Zeiten ein, die für beide für eine Top-10 Platzierung ausreichen sollten.

Reece Wilson war einer der ersten richtig schnellen Fahrer im Männerrennen.

Greenland lange im Hot Seat


Aber schon bald wurden auch sie wieder vom Hot Seat vertrieben, denn der Sieger des letzten Rennens in Val di Sole, Laurie Greenland, konnte noch eine Schippe draufpacken und fand auf der zunehmend griffigeren Strecke einen guten Mix aus Vorsicht und Risiko, die ihn in den Hotseat beförderte. Bis zu den letzten fünf Fahrern nämlich, als Amaury Pierron aus dem Startgate ging.

Fast schon so zuverlässig wie Troy Brosnan. Der Weltmeister performt einfach immer.

Danny Hart war es einfach zu trocken. Im Nassen hätte er sicher ein besseres Ergebnis einfahren können.


Der im Moment schnellste der drei schnellen Franzosen gab wieder einmal 110 Prozent und schoss in Les-Gets-Manier über die Strecke. Manchmal fast ein bisschen zu schnell, verlor er durch ungewollte Rutscher in den untersten Kurven einige Sekundenbruchteile, doch letztendlich konnte ihn das nicht wirklich aufhalten. Der Vorsprung von über vier Sekunden auf die bis dato schnellste Zeit von Laurie Greenland spricht eine deutliche Sprache. Zumal auf einer Strecke, auf der regelmäßig Zehntelsekunden über Sieg oder Niederlage unterscheiden.

Pierron mit Top-Run: Können Bruni, Hart, Minnaar und Brosnan noch antworten?


Würden da Minnaar, Bruni, Brosnan und Hart noch etwas dagegensetzen können? Minnaar ging als Erster aus dem Startgate. Der Südafrikaner verlor in der zweiten Sektion deutlich über eine Sekunde auf Pierron, begann dann aber seine Aufholjagd und arbeitete sich bis zum Schluss auf wieder knapp eine Sekunde an den Franzosen heran. Näher kam Pierron an diesem Tag niemand mehr.

Amaury Pierron im Vollgasmodus.


Troy Brosnan nicht, der etwas zu wenig Risiko ging. Danny Hart nicht, der sich wahrscheinlich vor allem über das nervig-gute Wetter ärgterte – bei einem Regenrennen wäre er schwer zu schlagen gewesen. Auch Weltmeister Loic Bruni verlor in Sektor zwei und abwärts zu viel Zeit. Platz drei hinter Amaury Pierron und Greg Minnaar hieß es am Ende für den Weltmeister.


Alle Ergebnisse zum Downhill-Worldcup in Lenzerheide finden Sie auch auf der Website der UCI. Die Wiederholung des Rennens ist noch auf Redbull.tv zu sehen.

Das Podium der Herren: Troy Brosnan, Greg Minnaar, Amaury Pierron, Loic Bruni und Danny Hart (von links).

Pierron im Siegestaumel.

Themen: Amaury PierronDownhillLenzerheideLoic BruniWorldcupWorldcup 2019


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