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DH Worldcup #6 2018 Monte-Sainte-Anne (CAN) DH Worldcup #6 2018 Monte-Sainte-Anne (CAN)

Downhill-Worldcup 2018 #6: Rennbericht

Vive la France!

Adrian Kaether am 14.08.2018

Beim Downhill-Worldcup in MSA fiel die Entscheidung: Loic Bruni und Troy Brosnan kämpften um den Sieg, Pierron holt frühzeitig die Gesamtwertung. Bei den Damen gab es ein britisches Eins gegen Eins.

Monte-Sainte-Anne ist die älteste Strecke im Worldcup-Kalender. Seit fast 30 Jahren fand hier jedes Jahr ein Rennen statt. Ein Rekord, den keine andere Strecke für sich beanspruchen kann. Schon 1991 war die Premiere. Da war die Mauer gerade erst zwei Jahre gefallen, Kohl war Bundeskanzler, Kurt Cobain hatte noch fast drei Jahre zu Leben und auch der Autor dieser Zeilen sollte erst wenige Sommer später das Licht der Welt erblicken. Aber Schluss mit der Geschichtsstunde! Was Monte-Sainte-Anne nämlich bis heute auszeichnet, ist dass die Strecke einfach nie alt wird.

DH Worldcup #6 2018 Monte-Sainte-Anne (CAN)

Myriam Nicole crashte und konnte dann wegen des verdrehten Sattels das Rennen nicht beenden.


Im Downhill ist hier Diversität gefragt. Mit 2,9 Kilometern Länge gehört die Monte-Sainte-Anne zu den längsten Kursen der Welt und ist damit auch physisch extrem anstrengend. Auf der anderen Seite fordert der ständige Wechsel von Highspeed-Passagen und technischen, langsamen Stücken die Erfahrung der Fahrer heraus, wie kaum ein anderer Kurs dieser Welt. Und trotzdem liegen die Fahrer häufig dicht beieinander, die Jungs vom Fernsehen und die Zuschauer können sich also auch immer auf spannende Übertragungen freuen, ohne dass man dafür die Strecke irgendwie entschärfen müsste.

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Tracey Hannah wurde Dritte. Hatte aber 20 Sekunden Rückstand auf Rachel Atherton.


Britisches Duell: Seagrave gegen Atherton


Bei den Damen stand ein klares Duell zwischen den beiden Vorzeige-Racerinnen Großbritanniens an: Rachel Atherton und Tahnée Seagrave, die junge Wilde gegen die äh naja,  „alte“ Wilde. Wobei Rachel Atherton natürlich keineswegs wirklich alt ist, nur den Erfahrungsvorteil hat sie natürlich trotzdem. Die erste schnelle Frau war aber Monika Hrastnik. Mit einer Zeit von grob 5:18 Minuten unterbot sie die bis dahin schnellste, die Schweizerin Carina Capellari, um gute 16 Sekunden! Die Slowenin und amtierende Europameisterin fährt eindeutig ihre bisher beste Saison.

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Rachel Atherton fand zurück zu alter Größe und deklassierte die Konkurrenz. Selbst Tahnee Seagrave konnte ihr nicht Paroli bieten, alle anderen lagen zwanzig und mehr Sekundeen zurück.


Mariana Salazar war aber trotzdem noch vier Sekunden schneller, Marine Cabirou konnte auch Salazar noch eine Sekunde abknöpfen. Langsam gerieten die Favoritinnen unter Druck, doch Tracey Hannah zeigte mit einer Zeit von 5:11 Minuten, dass es durchaus noch schneller geht. Myriam Nicole stürzte und verdrehte dabei ihren Sattel, unmöglich das Rennen dann auf einer solchen Strecke noch fortzusetzen. So blieben nur noch Atherton und Seagrave im Startgate. Würden die beiden Britinnen wieder in einer eigenen Liga fahren, wo doch die Konkurrenz schon mächtig vorgelegt hatte?

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Tahnee Seagrave hatte am Ende das Nachsehen. Rachel Atherton war aber auch einfach verdammt schnell.


Gut 20 Sekunden…


Sie würden. Nach einer etwas zurückhaltenden Qualifikation ging Rachel als erste aus dem Startgate und sie war wieder ganz die Alte, die Rachel mit der perfekten Saison, die unschlagbare. 2,9 Kilometer, fast 600 Tiefenmeter und mehr als fünf Minuten, trotzdem kein sichtbarer Fehler von ihrer Seite. Da konnte Tahnée Seagrave dann auch nicht mehr viel machen. Sie versuchte die Strecke aggressiv zu bezwingen, doch das war offensichtlich nicht der richtige Weg. Schon von Beginn an verlor sie bei jedem Split ein wenig Zeit und war am Ende mehr als fünf Sekunden langsamer. Vielleicht wird es ja beim nächsten Mal wieder was, in La Bresse in ein paar Wochen. Ach und zum Thema eigene Liga: Rachel war gut 20 (!) Sekunden schneller als Tracey Hannah auf Rang drei.

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Rachel feiert ihren Sieg.


Männerrennen: Suarez und Harrison punkten früh


Bei den Männern konnte der junge Spanier Angel Alonso Suarez als erster punkten. In Abwesenheit seines Teamkollegen Aaron Gwin, der den Worldcup in Kanada wegen einer verschleppten Verletzung am Dau men ausfallen lässt, konnte der YT-Fahrer mit einer Zeit von 4:19,443 in den Hot Seat fahren und wurde erst von dem amerikanischen Nachwuchstalent Charlie Harrison entthront. Kurz danach konnte auch Gee Atherton erstmals wieder einen konkurrenzfähigen Rennlauf zu Ende bringen. Er landete zwischen Harrison und Suarez und sollte am Ende immerhin Achter werden.

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Greg Minnaar ist zurück. Der Südafrikaner lag in Führung, bis ihn ein Fahrfehler im neu angelegten Waldstück die Führung kostete.

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Gee Atherton konnte in Monte-Sainte-Anne endlich wieder einen soliden Run zu Ende fahren und holte gleich eine Top-Ten Platzierung.


Glücklos blieben dagegen einige andere Schwergewichte des Worldcups, darunter Jack Moir und vor allem Greg Minnaar. Der Südafrikaner sprintete in gewohnt lässiger Manier aus dem Startgate und blieb auch in seinem ersten Rennen nach der Verletzungspause ziemlich cool. Und schon zeigte die erste Split-Time einen gar nicht mal kleinen Vorsprung vor Harrison an. Leider verkalkulierte sich der 36-jährige Worldcup-Rekordhalter in einem kleinen neuen Waldstück nach einer schnellen Passage. Er traf die Linie nicht richtig, musste hart abbremsen und das Bike kurz zurück auf die Strecke heben. Der gute Lauf war futsch. Trotzdem: Greg Minnaar ist scheinbar noch immer schnell und hat damit schon im ersten Rennen gezeigt, dass man mit ihm noch immer rechnen muss.


Vive la France!

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Bei Loic Bruni passte in Monte-Sainte-Anne einfach alles.


Für Minnaars Teamkollegen Loris Vergier lief das Rennen in Monte-Sainte-Anne aber deutlich besser. Beflügelt von seinem Sieg in Vallnord vor wenigen Wochen stellte der junge Franzose alle Regler auf Volldampf und fegte über die Strecke. Noch einmal gute eineinhalb Sekunden Vorsprung auf Harrison und dass diese Zeit am Ende trotzdem nur für den fünften Platz reichen sollte, spricht schon eine deutliche Sprache was das Niveau im Männer-Worldcup zur Zeit angeht.

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Unfassbar, wie schnell Troy Brosnan die Rockgardens heizte. Ein verdienter zweiter Platz.

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Loic Bruni im Training vor der Rennen.


Platz sechs ging übrigens an den dritten Syndicate-Fahrer Luca Shaw, der in Monte-Sainte-Anne nicht gut in den Rhythmus fand. Ein guter Lauf, aber lange nicht genug für einen Sieg, denn der Australier Troy Brosnan hatte mit knapp über 4:13 die Zeit von Vergier schon wieder deutlich unterboten. Amaury Pierron fuhr auf Platz vier, trotz eines fiesen Sturzes im letzten Trainingslauf, das an sich ist eine Wahnsinnsleistung, die sich noch auszahlen sollte. Danny Hart holte Rang drei.

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Danny Hart war schnell, aber gegen Brosnan und Bruni konnte er nichts ausrichten.


Der spannendste Lauf in Monte-Sainte-Anne war jedoch der von Loïc Bruni. Irgendwie konnte „Superbruni“ das Schattendasein neben Pierron und Vergier wohl nicht länger erdulden und packte auf seinem Lieblingskurs alle Tricks aus, die sich finden ließen. Bruni oder Brosnan? Bei jedem Split wechselte die Führung. In den schnellen Passagen konnte Bruni punkten, im Rockgarden hatte Brosnan die Nase vorne, doch Bruni gab alles und schnappte sich am Ende den Sieg mit einem hauchdünnen Vorsprung von nur 0,3 Sekunden.


Pierron holt den Gesamtsieg

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Loris Vergiers Run wirkte schon wie ein Worldcup-Sieg. Konnte man ja nicht ahnen, was da noch kommen würde.


Loïc Bruni war trotzdem nicht der einzige Franzose, der sich in Monte-Sainte-Anne mächtig freuen durfte. Mit drei Worldcup-Siegen und konstant guten Platzierungen war der Gesamtweltcuptitel für Amaury Pierron schon nach der Qualifikation in greifbare Nähe gerückt. Der Sturz am Vormittag vor dem Rennen hätte seine Chancen eigentlich zunichtemachen sollen, doch Pierron weigerte sich, aufzugeben. Stattdessen biss er die Zähne zusammen, konnte trotz des fiesen Sturzes die Kontrolle über seine Wackelknie pünktlich zum Rennlauf zurückgewinnen und raste mit Tunnelblick über die Strecke. Nur in einem Rockgarden hielt er sich etwas zurück, ansonsten konnte man ihm das Malheur nicht ansehen. Platz vier ist gut und auch gut genug. Der Überraschungskandidat des Downhill-Worldcups 2018 holt damit schon vor dem letzten Event in La Bresse den Titel in der Gesamtwertung.

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Zwei sehr glückliche Franzosen. Loic Bruni (links) und Amaury Pierron. Ersterer der Held des Tages, letzerer jener des gesamten Weltcups.

Alle Ergebnisse findet ihr auf der Website der UCI. Die Wiederholung gibt es auf Redbull.tv zu sehen.

Adrian Kaether am 14.08.2018

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