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Downhill Worldcup 2018 #5 Val di Sole: Rennbericht

Hattrick: Pierron gewinnt Thriller in Val di Sole

Adrian Kaether am 09.07.2018

Der Downhill-Worldcup in Val di Sole hat es immer in sich. Allein schon der Strecke wegen. Dieses Jahr gab es aber noch mehrere packende Duelle obendrauf. Am Ende siegten Pierron und Seagrave.

Es gibt zwei Dinge, die entscheidend dafür sind, ob man einen Downhill-Worldcup gewinnt oder nicht. Das erste liegt ziemlich auf der Hand: Na klar, man muss einfach der Schnellste sein. Nicht, dass daran irgendetwas auch nur ansatzweise „einfach“ wäre. Aber es gibt noch eine zweite Bedingung. Man darf am Renntag auch nicht verletzt sein, um wirklich sein volles Potential ausschöpfen zu können und gerade damit hatten einige der Topfavoriten in Val di Sole ordentliche Probleme.


Jack Moir und Greg Minnaar sitzen nach ihren Verletzungen zwar schon wieder zu Trainingszwecken auf dem Bike, das Rennen auf der „fiesesten Strecke“ im aktuellen Downhill-Worldcup wollten sie sich aber beide noch nicht antun. Apropos Strecke: Das mit dem „fies“, das stammt von Kult-Kommentator Rob Warner und der muss es wissen. Ein durchschnittliches Gefälle von mehr als 25 Prozent spricht ebenfalls für sich und die Wurzeln und zahlreichen unvorhersehbaren Löcher in der Strecke in Kombination mit Felsen und extremen Steilstücken deuten in die selbe Richtung.

Myriam Nicole kann nicht starten

Val di Sole 2018 Downhill Worldcup

Rachel Atherton war in der technisch anspruchsvollen Mitte der Strecke am schnellsten.


Im Rennen der Damen dann auch eine schlechte Neuigkeit. Myriam Nicole war in einem der letzten Trainingsläufe gestürzt. Zwar ergab die Untersuchung keine Knochenbrüche, doch Nicole stand zunächst trotzdem noch unter ärztlicher Beobachtung, an einen Start war nicht zu denken. Damit würden Tracey Hannah, Rachel Atherton und Tahnée Seagrave das Rennen wahrscheinlich unter sich ausmachen.


Monika Hrastnik galt außerdem als Top-Favoritin für das Podium in Val di Sole. Spätestens, nachdem sie in einem spektakulären Lauf im strömenden Regen am Qualifikationstag der schrecklichen Strecke am besten die Stirn bieten konnte. Im Rennen selbst waren die Italienerinnen zuerst am schnellsten. Eleonora Farina und Veronika Widmann konnten gute Zeiten einfahren, auch die Deutsche Nina Charlott Hoffmann war schnell. Für sie reichte es sogar am Ende für Platz sechs. Ein wirklich gutes Ergebnis.

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Tahnee Seagrave voll auf Attacke.

Rachel Atherton gegen Tahnée Seagrave


Die Favoritinnen bewegten sich jedoch in einer anderen Liga. Rachel Atherton ging nach einer schlechten Qualifikation als erste echte Kandidatin für den Sieg aus dem Startgate und legte ordentlich vor. Nur auf den letzten Metern ließ sie einige Zehntelsekunden liegen, Tracey Hannah konnte ihr nicht Paroli bieten, auch Monika Hrastnik fuhr zwar immer noch ein sehr starkes Rennen, landete dann aber am Ende mit guten eineinhalb Sekunden Rückstand auf dem dritten Platz.


Tahnée Seagrave war die wahre Gegnerin von Rachel Atherton in Val di Sole und das britisch-britische Duell enttäuschte nicht. Atherton war schnell im Wald und auf den Steilstücken, in den Kurven und auf den offeneren Passagen hatte Seagrave die Nase vorn. Bis ganz zum Schluss konnte keine der Kontrahentinnen die Oberhand gewinnen. Seagrave gab noch einmal alles und sprintete durchs Ziel. Erst die Anzeige klärte: 0,123 Sekunden Vorsprung für Seagrave, der zweite Worldcup-Sieg dieser Saison.

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Das Podium der Damen: Tracey Hannah, Rachel Atherton, Tahnee Seagrave, Monika Hrastnik und Veronika Widmann.

Commençal strikes again


Und die Männer? Na die sind alle völlig verrückt geworden. Aber ganz von vorne: Wieder konnte der Schotte Reece Wilson die erste konkurrenzfähige Zeit des Tages in die Strecke brennen. Nur um kurz danach vom eigenen Teamkollegen Thomas Estaque um wenige Hunderstelsekunden geschlagen zu werden. Die beiden Commençal/Lac Blanc-Fahrer machten es sich im Hotseat bequem und es sollte ziemlich lange dauern, bis sie jemand schlagen konnte.

Val di Sole 2018 Downhill Worldcup

Thomas Estaque ist erst 21 Jahre alt und fuhr in Val di Sole mit einer brillianten Leistung auf das Podium.


Finn Iles nicht, Brook MacDonald nicht, Troy Brosnan nicht, Vergier und Bruni stürzten, Gwin fuhr mit einem schon wieder völlig kaputten Daumen und holte trotz massiver Schmerzen noch einige Punkte für die Gesamtwertung – so viel zum Thema verrückt. Dann rollte Laurie Greenland ins Startgate. Der junge Brite galt wegen seiner Performance bei der WM 2016 in Val di Sole als einer der heißesten Kandidaten und er enttäuschte nicht. Das hier, das was Laurie Greenland ablieferte in Val di Sole, das ist die Definition von Attacke. Ständig am Limit, Risikobereitschaft dicht an der Grenze zum Selbstmörderischen und doch mit perfekter Linienwahl, einer der spektakulärsten Rennläufte, mindestens der laufenden Saison und ein wahrlich verdienter Platz im Hot Seat.

Wird Greenland noch geschlagen?

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Aaron Gwin nahm die Strecke trotz eines extrem angeschlagenen Daumens in Angriff. Jeder Punkt für die Gesamtwertung muss hart erkämpft werden.

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Laurie Greenland war auf Krawall gebürstet.


Luca Shaw kam bald hinterher und war zwar schneller als Estaque, aber lange nicht so schnell wie Greenland. Greenlands ehemaliger Teamkollege und der Weltmeister von 2016, Danny Hart, musste sich ebenfalls knapp geschlagen geben. So blieb nur noch der Sieger von Fort William und Leogang, Amaury Pierron im Startgate zurück. Der junge Franzose fuhr überlegt, mit einigen etwas ungewöhnlichen Linien, spektakulär auf jeden Fall, doch lange nicht auf dem völlig abgefahrenen Level von Greenland. Schneller war er aber trotzdem. Wir wissen nicht wie, vielleicht das 29-Zoll-Bike, vielleicht eine andere Taktik, eine sauberere Fahrweise, es ist auch egal. Uhren lügen nicht und es scheint, als bleibe die Siegessträhne von Amaury Pierron noch ein weiteres Mal ungebrochen.


Alle Ergebnisse zum UCI-Worldcup in Val di Sole findet ihr auf der Website der UCI. Die Wiederholung des Rennens selbst ist auf Red Bull TV zu sehen.

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Laurie Greenland kann mit sich zufrieden sein. Das Risiko zahlte sich bei ihm aus.

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Amaury Pierron feiert. Es ist sein dritter Worldcupsieg und der dritte Sieg in Folge.

Adrian Kaether am 09.07.2018
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