DH Worlducp #5 Lenzerheide 2016 DH Worlducp #5 Lenzerheide 2016

Downhill Worldcup 2016 #5 Lenzerheide: Rennbericht

Danny Hart holt ersten Worldcup-Sieg

Adrian Kaether am 11.07.2016

Danny Hart zeigt dieses Jahr außerordentlichen Einsatz. Im fünften Rennen der Saison zahlte sich sein Engagement nun endlich aus. Rachel Atherton bekommt Konkurrenz von Tahnee Seagrave.

Das Downhill-Worldcup-Rennen in Lenzerheide wird unvergessen bleiben. Ebenso unvergessen wie das Finale der Downhill-Weltmeisterschaft 2011, als Danny Hart bei strömendem Regen im schweizerischen Champéry die Weltelite des Abfahrtssports deklassierte. Denn der Brite hat viele Talente, aber einfach einen Worldcup ohne ein dramatisches Rennen zu gewinnen, gehört nicht dazu.

Doch zunächst waren die Damen an der Reihe. Die größte Neuerung: Myriam Nicole hat ihren Schlüsselbeinbruch gut überstanden und ist wieder im Rennen. Außerdem war Tahnee Seagrave diesmal die schnellste in der Qualifikation und unterbricht damit zumindest kurz die Dominanz von Rachel Atherton.

Schlüsselstelle wirft Siegenthaler, Charre und Caluori in den Staub

Am meisten hatten die Damen im Training aber an dem fiesen Drop "Tschäffs Plunge" zu knabbern. Sowohl Emilie Siegenthaler als auch Morgane Charre wurden hier sehr unsanft von ihrem Bike befördert und mussten danach neben der Strecke erst wieder in die Realität zurückfinden. Ganz nebenbei: Auch die Männer blieben davon natürlich nicht verschont. Ex-Worldcup-Racer und Red Bull TV-Kommentator Claudio Caluori stand zwar gleich nach seinem Sturz wieder auf, fühlte sich aber angeblich noch zwei Tage danach etwas seltsam.

Im Finale ging jedoch alles glatt. Sowohl Siegenthaler als auch Charre erreichten das Ziel ohne Crash, die erste wirklich schnelle Zeit brannte aber Myriam Nicole auf den Track von Lenzerheide, die mit 3:39,569 Minuten etwas mehr als 1,7 Sekunden schneller war als Manon Carpenter.

Wie viel ein guter Sprung ausmachen kann

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Myriam Nicole fuhr gleich in ihrem ersten Rennen nach ihrer Verletzung auf Platz drei.

Zuletzt standen nur noch Rachel Atherton und Tahnee Seagrave am Start. Atherton legte wieder einen sauberen und trotzdem sehr schnellen Run hin. Mehr als fünf Sekunden konnte sie auf Myriam Nicole herausfahren. Eine große Aufgabe für Tahnee Seagrave also, hier noch den Sieg zu holen. Und auch Seagraves Raketenstart durch die ersten Turns brachte nicht das gewünschte Ergebnis. Nur minimal langsamer, aber dennoch einen Tick hinter Atherton lag Seagrave bis zum vierten Split.

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Tahnee Seagrave hatte Rachel Atherton als erste Fahrerin seit langem wieder etwas entgegenzusetzen. Vor allem im letzten Sprung glänzte sie und reduzierte Athertons Vorsprung um mehr als eine Sekunde.

Den letzten Sprung, einen Satz über eine Brücke in eine blinde Landung, die gleich in eine Linkskurve mündet, erwischte Seagrave jedoch perfekt. Auch die folgende, flache Rechtskurve fuhr sie mit vollem Risiko. Sie sprintete ins Ziel und aus etwas mehr als 1,8 Sekunden Rückstand bei der vierten Zwischenzeit waren im Ziel nur noch etwas mehr als sieben Zehntelsekunden übrig. Damit hat Tahnee Seagrave zwar die Siegesserie von Rachel Atherton nicht unterbrochen, ist ihr aber so nahe gekommen, wie schon lange niemand mehr.

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Genau! So knapp war es am Ende. 0,7 Sekunden sind auch im Downhill nicht mehr besonders viel.

Auch Rachel Atherton begrüßte das Erstarken ihrer Konkurrenz. „Schon lange nicht mehr habe ich am unteren Ende der Strecke gesessen, während mir jemand so nahe gekommen ist. Es ist wirklich spannend und ich verstehe, warum alle das so gut finden. Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen, die ganze Zeit über. Ich hatte ein paar Lines hier, sie hatte ein paar Lines da und es war super. So spannend sollte ein Rennen immer sein.“

Aaron Gwin legt die Messlatte hoch

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Aaron Gwin fuhr ein weiteres gutes Rennen. Nur um Haaresbreite musste er sich in Lenzerheide Danny Hart geschlagen geben.

Nach einem Patzer im Qualifying war es Aaron Gwin, der schon im ersten Drittel des Männerrennens die Messlatte sehr hoch hängte. Mit einer Zeit von 3:05,806 Minuten unterbot er die bis dahin beste Zeit – von niemand geringerem als Brendan Fairclough – um mehr als fünf Sekunden. Connor Fearon, Remi Thirion und Troy Brosnan gaben alles und fuhren anständige Zeiten unterhalb der 3:10er-Marke ein, doch wirklich gefährlich werden konnten sie Gwin nicht. Insbesondere für Troy Brosnan war seine Zeit sicherlich eine Enttäuschung, da sie am Ende nur für Platz sechs reichte, während Fearon und Thirion mit Platz vier und fünf am Ende bestimmt zufrieden waren.

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Remi Thirion fuhr ein gutes Rennen. Er landete sicher hinter der Brücke in der vorletzten Kurve und damit auf Platz vier hinter Greg Minnaar. 

Der erste, der Aaron Gwin wirklich in Unruhe versetzen konnte, war Vorjahressieger Greg Minnaar.  Beim zweiten Split lag Minnaar nur um 0,076 Sekunden hinten. Vor allem weil Aaron Gwin selbst der Meinung war, auf dem unteren Stück etwas Zeit liegen gelassen zu haben, wurde es jetzt für ihn gefährlich. Aber auch Minnaar fand in der unteren Hälfte nicht die ideale Linie. 1,5 Sekunden trennten ihn im Ziel von Gwin.

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Greg Minnaar in der letzten flachen Rechtskurve. Den Fuß nutzt er professionell zu Stabilisierungszwecken. Gwin und Hart konnte er damit nicht schlagen, aber Worldcup-Podium Nr. 70 ist ja auch keine schlechte Leistung.

"The Redcar Rocket" macht seinem Namen alle Ehre

George Brannigan, der als Vorletzter ins Rennen ging, hatte Gwins Zeit nichts entgegenzusetzen. So blieb am Ende nur noch Danny Hart am Start zurück. Der Brite zeigt diese Saison ein besonders großes Engagement. Vier Wochen verbrachte er in einem Campingbus an der Strecke von Fort William, um sich auf den Worldcup vorzubereiten. Außerdem hat er sein physisches Training wohl massiv ausgebaut. Der Sieg blieb ihm aber trotz einiger guter Resultate verwehrt und so blieb er der Weltmeister ohne Worldcup-Sieg.

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Danny Hart kurz vor dem Ziel: Wahrscheinlich hätte ihn selbst eine etwas aufrechtere Haltung auf den letzten Metern noch den Sieg gekostet. So aber stand Danny Hart ganz oben auf dem Treppchen.

Die Strecke in Lenzerheide war jedoch genau nach seinem Geschmack und sein Selbstbewusstsein war schon in den ersten Turns nicht zu übersehen. Wie die Rakete, die auch in seinem Spitznamen steckt, schoss er durch die Anlieger, ließ auf den verblockten und wurzelübersäten mittleren Sektionen nichts anbrennen und gab am Ende noch einmal richtig Gas in der Sektion, die Aaron Gwin offensichtlich nicht perfekt getroffen hatte.

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Danny Hart nach seinem extrem knappen Sieg. Greg Minnaar ist einer der ersten Gratulanten und sichtlich beeindruckt: „What a run!“

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Ein emotionaler Moment für Danny Hart

Nur 0,076 Sekunden trennten Aaron Gwin und Danny Hart am Ende des Rennens und die Ziffern blinkten grün auf, als Hart über die Ziellinie raste. Damit hat Danny Hart nach mehr als vier schwierigen Jahren ohne großen Sieg endlich wieder ein Top-Ergebnis eingefahren. Es ist sein erster Worldcup-Sieg überhaupt, sein Einsatz hat sich endlich ausgezahlt.

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Beim ersten Worldcup-Sieg ist eine ausgiebige Sektdusche angebracht. Remi Thirion (ganz links) steht aber offensichtlich nicht so auf die Sprudelbrause.

Hier gibt’s das ganze Downhill-Rennen von Lenzerheide in der >>Wiederholung<<.

Adrian Kaether am 11.07.2016
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